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Umwelt

Bayer zahlt Milliarden an Glyphosat-Opfer

Juristisches Großreinemachen: Bayer muss tief in die Tasche greifen, denn nicht nur Monsantos Round-up kostet den Konzern etliche Millionen.

09.07.2020 vonLeo Frühschütz

Der Bayer-Konzern hat sich in den USA auf einen teuren Vergleich geeinigt. Fast 10 Milliarden Euro sollen Kläger (und ihre Anwälte) erhalten, die ihren Lymphdrüsenkrebs auf das Herbizid Roundup der Bayer-Tochter Monsanto mit dem Wirkstoff Glyphosat zurückführen. Wie Bayer mitteilte, würden durch den Vergleich 75 Prozent der aktuellen Glyphosat-Verfahren zum Abschluss gebracht, mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und geplanten Klagen. Gleichzeitig enthalte der Vergleich Leitlinien, wie mögliche künftige Klagen ohne weitere Gerichtsverfahren beigelegt werden sollen. Ob diese vor US-Gerichten Anwendung finden, ist unterdessen noch unklar, da ein zuständiger US-Richter Zweifel an Angemessenheit und Fairness des Vorschlags aus der leverkusener Unternehmenszentrale äußerte.

Bayer will den Unkrautvernichter weiter vertreiben

Vorausgegangen waren drei Musterprozesse, in denen die Geschworenen jeweils zu einem klaren Urteil kamen: Herbizide wie Roundup, die Glyphosat enthalten, verursachten Lymphdrüsenkrebs und Monsanto habe diese Risiken absichtlich verschwiegen. Bayer hatte in allen drei Fällen Berufung eingelegt und diese Verfahren sollen auch zu Ende geführt werden, teilte der Konzern mit. Sie seien nicht Teil des Vergleichs. Das Unternehmen hofft, dass die Jury-Schuldsprüche in der Berufung abgeschwächt oder aufgehoben werden. Denn es will Glyphosat weiter verkaufen. Deshalb legt Bayer auch Wert auf die Feststellung, dass der Vergleich „keinerlei Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens“ enthalte. Das ist die in solchen Fällen übliche Klausel, ohne die solche Vereinbarungen nicht zustande kämen.

Einen Vergleich gab es auch bei den über 100 Klagen, in denen US-Landwirte Schadenersatz fordern, weil das Herbizid Dicamba ihre Ernte geschädigt habe. In einem ersten Prozess im Februar 2020 waren Bayer und BASF zu 245 Millionen Euro Schadenersatz und Strafe verurteilt worden. Die Jury kam aufgrund der vorgelegten Beweise und Aussagen zu dem Ergebnis, die beiden Konzerne hätten bewusst das Risiko in Kauf genommen, dass das leichtflüchtige Dicamba durch Verwehungen andere Landwirte schädigen könne. Auch diesen Beispielfall hat Bayer aus dem Vergleich ausgenommen und will in Berufung gehen. Der Konzern erwartet, dass sich die mitangeklagte BASF an den Kosten des Vergleichs beteiligt.

Bayer zahlt einen hohen Preis

Bei diesem juristischen Großreinemachen hat das Unternehmen noch einen weiteren mit Monsanto eingekauften Komplex an Schadenersatzklagen beigelegt. Dabei geht es um Wasserversorgungen, die durch die von Monsanto bis 1977 hergestellte schwer abbaubare und krebserregende Chemikalie PCB (Polychlorierte Biphenyle) verunreinigt sind. 740 Millionen Euro wird Bayer zahlen, um anhängige und kommende Klagen beizulegen.

Mit all diesen Vergleichen hat der Monsanto-Kauf den Konzern rund 10,7 Milliarden Euro extra gekostet, neben dem hohen Kaufpreis von 56 Milliarden Euro. Gleichzeitig hat die Bayer-Aktie wegen der Prozesse ein Drittel ihres Werts verloren „War es das wert?“, fragt sich deshalb nicht nur die Wirtschaftswoche. Zumal ein Restrisiko an Glyphosatklagen bleibe, wie die Welt und andere Medien schreiben. Und der schlechte Ruf von Monsanto, den Bayer mit eingekauft hat, wird durch den Vergleich nicht besser.

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