- Agroforst: Eine Lösung für den Klimawandel in der Landwirtschaft
- Wie Agroforstsysteme die Biodiversität fördern und Ernten sichern
- Nachhaltige Landwirtschaft: Agroforst als langfristige Strategie
- Bäume als Schutz vor Erosion und extremen Wetterbedingungen
- Pioniere der regenerativen Landwirtschaft: Erfolgsbeispiele aus der Praxis
- Interview: „Agroforst kann ein Gamechanger für den Klimaschutz sein“
- Fragen und Antworten zum Thema Agroforst
Agroforst: Eine Lösung für den Klimawandel in der Landwirtschaft
Im hessischen Werratal, umgeben von Hügeln, Äckern und Wäldern, liegt der Familienbetrieb Biolandhof Werragut. Als Hofnachfolger Julius Nennewitz nach seinem Agrarstudium zurück in den elterlichen Betrieb kam, war ihm klar: „Weiter wie bisher ist völlig ausgeschlossen. Was in den letzten 10, 20 Jahren noch funktioniert hat, geht heute nicht mehr. Wir haben mit Wetterextremen zu kämpfen, die es in der Häufigkeit früher nicht gab.“ Gemeinsam mit Agraringenieur Christoph Meixner begann er 2021, ein Agroforstsystem anzulegen. Agroforstsysteme können den vertikalen Vegetationsetagen im Wald nachempfunden sein, wobei hohe Bäume als Holzlieferanten dienen und Obstbäume, Sträucher, niedrige Stauden, Ackerfrüchte, Gemüsekulturen und Nutztiere nebeneinander stehen. Julius Nennewitz und sein Team haben sich für eine Kombination aus Ackerstreifen mit vielfältiger Fruchtfolge, verschiedenen Nuss- und Obstbäumen, Beerensträuchern, Kräutern und Weidehühnern entschieden. Mehr als 1000 Gehölze – 15 verschiedene Gehölzarten und 90 Sorten – haben sie auf rund zwölf Hektar gepflanzt. Darunter sind Äpfel, Birnen und Quitten, aber auch Exoten wie die Haskap-Beere, Persimone, auch als Kaki bekannt, oder Feige.
Weiter wie bisher war völlig ausgeschlossen.
Wie Agroforstsysteme die Biodiversität fördern und Ernten sichern
Die Sommermonate, nachdem Nennewitz mit vielen enthusiastischen Helferinnen und Helfern die Bäume und Sträucher gepflanzt hatten, waren hart. Nennewitz erinnert sich: „Es wurde immer heißer und regnete einfach nicht.“ Die Bäumchen hatten 2022 extremen Trockenstress. Der junge Bio-Landwirt stand vor der Mammutaufgabe, sämtliche Gehölze bewässern zu müssen. „Das war komplizierter als gedacht“, erzählt er. Doch es hat sich gelohnt. Heute sind die meisten Bäume gut angewachsen. Konstantin Sprenger vom Verein Regenerative und Soziale Landwirtschaft, der das Projekt Agroforst auf dem Werragut koordiniert, erzählt: „Wir experimentieren jetzt mit mehrjährigen Stauden, die wir unter den Bäumen pflanzen. 400 Kräuter haben wir schon gepflanzt, dazu Szechuan-Pfeffer und nun kommt noch eine Teehecke. Demnächst pflanzen wir zudem 2600 Strauchweiden, die zu Bautextilien verarbeitet werden.“
Von weitem sichtbare Bäume geben der Landschaft ein Gesicht.
Agroforst fördern
Bäume pflanzen und pflegen ist teuer und aufwendig. Oft dauert es Jahre, bis die Gehölze Geld einbringen. Häufig setzen Betriebe daher auf private Initiativen, Crowdfunding oder Stiftungen. Manche Betriebe würden durchaus Gehölze pflanzen, wenn sie wüssten, dass sie mit sicheren Abnehmern rechnen könnten, etwa 30 Familien, die im Sommer Beeren pflücken würden. Einfach mal nachfragen!
Nachhaltige Landwirtschaft: Agroforst als langfristige Strategie
Nachweislich herrscht in Agroforstsystemen eine größere Artenvielfalt als auf gehölzfreiem Ackerland: mehr und vielfältigere Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen und Tiere. Trotz landwirtschaftlicher Nutzung können sich intaktere Ökosysteme ergeben. Die Gehölze schützen vor zu viel Wind, Sonne und Bodenerosion und können sogar für höhere Ernten etwa bei Getreide sorgen. Denn Bäume wurzeln tiefer als Ackerkulturen und Grünland, sie können Wasser aus tieferen Schichten ziehen und lassen Niederschläge zugleich leichter versickern. Für Julius Nennewitz war Agroforst im Mai 2021 vor allem eine Strategie, sich auf den Klimawandel einzustellen. Am Anfang wurden die jungen Landwirtinnen und Landwirte noch belächelt. Häufig lauteten die Kommentare: „Macht ihr mal, ihr jungen Wilden!“, erinnert sich der Projektkoordinator Sprenger. „Mittlerweile haben sie einige der Alteingesessen überzeugen können. Unzählige Insekten leben wieder auf der Fläche. Und die Bäume geben der Landschaft ein Gesicht. Zu Bäumen haben Menschen einfach ein anderes Verhältnis als zu Ackerkulturen."
Agroforst will langfristig geplant sein: 100 Jahre statt der üblichen zwei, drei.
Bäume als Schutz vor Erosion und extremen Wetterbedingungen
Ähnlich ging es Benedikt Bösel, der schon 2019 den ersten Agroforst auf seinem Betrieb Gut & Bösel in Brandenburg anlegte. Der sandige, nährstoffarme Boden dort hatte den Agrarökonomen nach Jahren extremer Trockenheit gezwungen, neue Wege zu gehen. Beeren, Bäume und Kräuter wachsen hier nah beieinander. Zum Gut gehört eine Herde Salers- und Angusrinder, die die Flächen beweiden und den Boden regenerieren. Denn Dreh- und Angelpunkt des Betriebs ist die Frage, wie der Boden verbessert werden kann. Ein wichtiges Vorbild für Bösel ist der Landwirt Ernst Götsch, der in Brasilien fruchtbare, ertragreiche Agroforstsysteme gestaltet hat, die ganz ohne Bewässerung, Dünger und Pestizide auskommen. Götsch schwört darauf, nicht einmal Jungpflanzen aus der Baumschule zu kaufen, sondern die Samen vor Ort zu säen. „Kauf‘ auf keinen Fall Bäume!“, habe Götsch zu ihm gesagt, als er für einen Workshop höchstpersönlich auf das Gut nach Brandenburg angereist war. Bösel hatte aber gerade von einer Firma 2000 Euro für seinen ersten Agroforst bekommen und davon ein paar Jungpflanzen gekauft. „Als Götsch in Gummistiefeln aus dem Auto stieg und die gekauften Bäumchen sah, wurde er fuchsteufelswild“, erzählt Bösel lachend. Im Rückblick war das Erlebnis lehrreich. Denn tatsächlich haben die Bäume aus der Baumschule immer gekränkelt. Die Bäume, die aus den Samen gewachsen sind, waren viel resilienter. „Wenn der Apfelkern dort keimt, dann heißt das, er will dort wachsen“, erklärt Bösel, der nur noch Bäume aus Samen oder aus der eigenen Baumschule pflanzt. Denn die sind dann schon an das lokale Mikrobiom gewohnt.
Pioniere der regenerativen Landwirtschaft: Erfolgsbeispiele aus der Praxis
Inzwischen haben Benedikt Bösel und sein Team sieben verschiedene Agroforstsysteme auf 80 Hektar Land angelegt – und jedes Jahr kommen neue dazu. Einige Systeme sind enger bepflanzt, mit Bäumen wie Apfel und Haselnuss und Sträuchern wie Sanddorn und Himbeere. Andere Systeme bestehen aus Bäumen in weiteren Pflanzabständen und dazwischen wachsen entweder Ackerkulturen wie Getreide, Lupinen, Soja oder Mais, oder die Rinder beweiden dort das Laub und Gras. Für die Pioniere aus Brandenburg haben sich die Agroforstsysteme schon gelohnt – zumindest mit Blick auf den Boden. „Da sieht man die Effekte schnell”, freut sich Bösel, der seinen Betrieb auch gerne „Reallabor für regenerative ökologische Land- und Forstwirtschaft“ nennt. „Wir haben gemeinsam mit dem Julius-Kühn-Institut erforscht, dass Bäume auf dem Acker ein gesünderes Bodenmikrobiom mit mehr Vielfalt und weniger schädlichen Mikroben fördern.“ Einen Baum zu pflanzen, ist einfach. „Einen Agroforst anzulegen, will gut durchdacht und langfristig geplant sein. 100 Jahre statt der in der Landwirtschaft üblichen zwei bis drei Jahre“, sagt Bösel. „Man muss wieder in Generationen denken.
Interview: „Agroforst kann ein Gamechanger für den Klimaschutz sein“
Janos Wack, Agraringenieur und Co-Gründer des Planungsbüros Triebwerk
Welche Vorteile hat Agroforst?
Seit Jahrzehnten zeigen wissenschaftliche Daten, wie positiv sich Agroforst auf Klima, Tierwohl und Umwelt auswirkt. Es kann etwa mehr Kohlenstoff gespeichert werden als auf Flächen ohne Gehölze. Damit kann Agroforst ein Gamechanger für den Klimaschutz sein. Irgendwann müssen wir ja einsehen, dass wir uns Erosion und Artensterben nicht mehr leisten können. Toll ist, dass in Agroforstsystemen auf derselben Fläche Nahrung für Menschen und Tierfutter wachsen können.
Warum wird Agroforst nicht schon viel breiter praktiziert?
Bislang fehlen der passende politische Rahmen und die finanzielle Förderung. Obwohl die Bewirtschaftungsprämie für Gehölzstreifen 2025 verdreifacht wurde, werden Aufwand und Investitionen immer noch nicht ausreichend honoriert. Für das Anlegen eines Agroforsts braucht es viel Know-how, detaillierte Planung und insbesondere in den ersten Jahren einen hohen Arbeitseinsatz. Da viele Betriebe kaum eigenes Land bewirtschaften, sondern ihre Flächen pachten, ist die Investition in Bäume riskanter. Noch dazu fehlt bislang der Markt für Agroforst-Erzeugnisse. Deutsche Walnüsse sind durch die Preiskonkurrenz mit dem Ausland zum Beispiel schwer zu vermarkten.
Was müsste sich ändern, damit die Idee flächendeckend in der Landwirtschaft einzieht?
Allem voran braucht es ein verändertes Mindset bei allen Akteuren in Politik, Gesellschaft und Landwirtschaft: dass nämlich Gehölze ein ganz normaler Teil der Landwirtschaft sind. Außerdem ist es wichtig, dass Landwirtinnen und Landwirte, die Agroforste anlegen möchten, Planungssicherheit erhalten. Denn Bäume und Sträucher zu pflanzen, ist eine langfristige Investition.
Wie gut passen Agroforst und Öko-Landbau zusammen?
Viele Ziele des Öko-Landbaus werden mit Agroforst abgedeckt: mehr Artenvielfalt und Humusaufbau, Wasser- und Klimaschutz. Es gibt Bio-Pionierbetriebe, die Agroforst in die Fläche bringen und zeigen, wie es gehen kann.
Fragen und Antworten zum Thema Agroforst
Was ist ein Agroforstsystem?
Ein Agroforstsystem kombiniert Bäume, Sträucher und Ackerfrüchte auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Es fördert die Biodiversität und sorgt für nachhaltigere Ernten, indem es die Vorteile von Bäumen wie Windschutz und Wasseraufnahme nutzt.
Wie kann Agroforst den Klimawandel bekämpfen?
Agroforstsysteme helfen, den Boden vor Erosion zu schützen und erhöhen die Artenvielfalt. Durch tiefere Wurzeln und die Fähigkeit, Wasser aus tieferen Bodenschichten zu ziehen, können sie auch die Widerstandskraft gegen extreme Wetterbedingungen wie Dürre oder Überschwemmungen verbessern.
Welche Vorteile hat Agroforst für die Bodengesundheit?
Bäume in Agroforstsystemen verbessern das Bodenmikrobiom, fördern die Bodenstruktur und verhindern Bodenerosion. Sie tragen dazu bei, den Boden fruchtbarer und resistenter gegenüber Trockenheit und Überschwemmungen zu machen.
Welche Pflanzenarten sind für Agroforstsysteme geeignet?
Neben klassischen Obstbäumen wie Äpfeln und Birnen können auch Nüsse, Beerensträucher und Kräuter in Agroforstsystemen gedeihen. Außerdem spielen mehrjährige Stauden und Nutztiere wie Hühner eine Rolle, um die Vielfalt und Bodenfruchtbarkeit zu fördern.
Wie lange dauert es, ein Agroforstsystem anzulegen?
Ein Agroforstsystem muss langfristig geplant werden. Die Bäume wachsen über Jahre, und die positiven Effekte auf den Boden und die Ernte sind meist erst nach 5 bis 10 Jahren sichtbar. Es ist wichtig, in Generationen zu denken und das System mit Geduld aufzubauen.
Kommentare
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è quello che faccio nel mio terreno da una decina di anni ho frutta di tutti i tipi specialmente le specie indigene come mele pere susine fichi vigne kiwi castagne noci ma anche bacche come mirtilli more e lamponi anche selvatici il mix di tutto insieme giova alla crescita e attira tanti insetti abbiamo anche piantato tigli e robinie che assieme ai castani dei boschi limitrofi (siamo alle propaggini del parco nazionale della valgrande) attirano tantissime api che impollinano al meglio aumentando la produzione, abbiamo anche funghi e non manca l'acqua da sorgente , dal torrente che scende dal parco e da pozzo artesiano, il clima è gentile per la vicinanza del lago maggiore, insomma un paradiso di natura, seconda provincia d'Italia per wilderness sempre più ambita dal turismo soprattutto Tedesco e Olandese ma anche di ogni paese del mondo.
;-)