In der 1. Folge unseres Podcasts „Weltretter Bio?" möchten die Hosts Johanna Juni und Oskar Smollny herausfinden, warum sich junge Menschen heute dafür entscheiden, in der Bio-Landwirtschaft zu arbeiten. Sie wollen wissen: Ist Landwirtschaft immer nur harte Arbeit – oder vielleicht sogar ein sinnstiftender Traumjob? Dazu haben Johanna und Oskar spannende Gäste eingeladen: Josephine Moog (28) und Lukas Bensel (35). Beide arbeiten auf einem Bio-Hof und plaudern aus dem Nähkästchen: Sie verraten, ob sie wirklich zwölf Stunden am Tag auf dem Feld ackern, warum sie für ihren Job brennen und dass neben der vielen Arbeit auch mal die Beziehung oder die Ehe leidet.
Transkript zur Folge:
Lukas (00:05)
Ich mach's einfach gerne so. Das ist jetzt keine große Sache, da zwölf Stunden zu arbeiten. Also ich empfinde das nicht als anstrengend.
Josephine (00:11)
Landwirtschaft bedeutet vielleicht in der Richtung bisschen Verzicht, wo man aber dafür dann an anderer Stelle halt viel mehr kriegt.
Lukas (00:18)
Wahnsinnig befriedigend, was in der Hand zu haben, was man sieht, was man direkt essen kann bei der Kartoffel oder beim Gemüse.
Josephine (00:25)
Wir haben in den letzten Jahren Totalausfälle gehabt aufgrund der Wettersituation.
Lukas (00:30)
Ich bin tatsächlich auch ratlos, wie das auf Dauer so weitergehen soll. Also bei uns ist es echt schon schwierig.
Oskar (00:36)
Weltretter Bio, ein Podcast von Schrot und Korn.
Johanna (00:41)
Herzlich willkommen zum Podcast "Weltretter Bio, was Bio dir und dem Planeten wirklich bringt." Ich bin Johanna Juni und neben mir sitzt Oskar Smollny
Oskar (00:52)
Hallihallo, wir freuen uns, dass ihr dabei seid.
Johanna (00:55)
Diese Podcastfolge wird gesponsert von der Spielberger Mühle, ein Hersteller für hochwertige Bio-Getreideprodukte im Biofachhandel. Das Familienunternehmen produziert in seinen Mühlen nach traditionellem Handwerk Mehl, Haferflocken und vieles mehr, zumeist in Demeter-Qualität. Ob Weihnachtsplätzchen, Kuchen oder Brot, mit dem Mehl der Spielberger Mühle kommt ihr garantiert durch die Winterzeit. Und jetzt viel Spaß mit der Podcastfolge.
In der heutigen Folge wollen wir euch das Leben als Landwirt:in näher bringen und wir fragen uns, warum man sich in jungen Jahren für diesen harten Job entscheidet und ob unsere Vorurteile, nämlich dass es ein harter Job ist, eigentlich stimmen.
Oskar (01:39)
Ja, ist Landwirtschaft nur knochenharte Arbeit mit extrem hohen Risiken, Ernteausfälle und so weiter? Oder ist es vielleicht sogar ein Traumjob? Also man ist ja immer in der Natur und man macht wirklich was Sinnvolles.
Johanna (01:52)
Ja, um das herauszufinden, haben wir mit zwei gesprochen, die es wissen müssen, weil sie nämlich mittendrin stecken. Josephine Moog ist Landwirtin, sie ist 28 Jahre alt und sie arbeitet auf dem Hof ihrer Mutter auf Gutklappendorf in Sachsen. Unser zweiter Gesprächspartner ist Lukas Bensel, er ist ebenfalls Landwirt, ist 35 Jahre alt und hat den Hof seiner Eltern als Betriebsleiter übernommen. Der Hof am Weyer liegt in Rheinland-Pfalz und dort lebt er mit seiner Frau und mit seinen drei Kindern.
Beide Höfe, also sowohl von Josie, so nennt sie sich, und von Lukas, sind Biohöfe. Sie verkaufen Kartoffeln, Getreide, Gemüse und so weiter. Bei Josie gibt es nur Vegetarisches, bei Lukas dagegen leben auch Hühner, Kühe und Schweine auf dem Hof.
Oskar (02:38)
Wir werden mit den beiden darüber sprechen, warum sie ihren Beruf so lieben und warum sie nichts anderes machen würden, obwohl sie selten freie Abende oder Wochenenden haben. Lukas erzählt dann einerseits von seinen Herausforderungen mit seiner Familie auf dem Hof zu leben und dabei trotzdem Quality-Time mit Kind und Frau verbringen zu können. Und er erzählt, warum sein Beruf gleichzeitig auch sein Hobby ist und er trotzdem nichts anderes tun würde.
Josie berichtet uns dann, warum sie sich für Biolandwirtschaft entschieden hat und was das mit Umweltschutz, mit Nachhaltigkeit und mit Klimaschutz zu tun hat. Wie gesagt, in dieser Folge fragen wir uns auch, warum man sich gerade in jungen Jahren für diesen harten Job entscheidet. Wir sind alle ungefähr im gleichen Alter und ob unsere Vorurteile eigentlich stimmen. Aus unserer Perspektive kann ich sagen, man stellt sich das ja meistens so vor, dass ein Landwirt oder eine Landwirtin wirklich den ganzen Tag draußen ist.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in der Erde schuftet und von Work-Life-Balance auf der anderen Seite überhaupt keine Spur ist. Johanna und ich haben ja eher den klassischen 9 to 5 Job als Redakteur:innen. Die meiste Zeit sitzen wir vom Bildschirm und haben dann die Wochenenden oder die Nachmittage frei und können machen, was wir wollen.
Johanna (03:49)
Ja, also ein bisschen mehr Life als Work in der Balance. Und ich denke mir trotzdem manchmal, wie schön es vielleicht sein könnte, einen Job zu haben, wo man eben nicht den ganzen Tag am Bildschirm sitzt, sondern inmitten der Natur ist. Aber das ist wahrscheinlich auch so eine komplett überhöhte romantische Vorstellung von mir. Und wenn ich es dann wirklich machen müsste, dann würde ich das wahrscheinlich körperlich gar nicht aushalten, weil ich das nicht gewohnt bin. Aber trotzdem muss ja irgendwas dran sein. Sonst würden Josie und Lukas ihren Job nicht so sehr lieben.
Deshalb fragen wir uns oder haben wir die beiden gefragt, wie sieht eigentlich deren Alltag aus? Also was machen sie den ganzen Tag? Sind sie wirklich den ganzen Tag draußen? Und wie anstrengend ist das Ganze? Ich würde sagen, wir lernen die beiden jetzt einfach mal kennen. Und good to know: die beiden kannten sich vor dem Gespräch übrigens auch nicht. Das heißt, die lernen sich jetzt auch im Gespräch kennen.
Oskar (04:42)
Viel Spaß!
Josephine (04:43)
Bei mir zumindest ist es so, ich stehe in der Getreidereinigung, ich stehe hinten auf dem Roder und sortier Kartoffeln. Ich bin in der Halle und fahre Stapler und lager die Kisten ein. Ich sitze im Büro und mach dort meine Arbeiten. Dann setz ich mich auch auf den Schlepper und fahr den oder Teleskoplader und lad irgendwas, dann nehm ich mal die Motorsense oder einen Rasenmäher und muss auch den Hof irgendwie in Schuss halten. Dann muss man mal was reparieren. Also es ist weder drin noch nur draußen irgendwie. Zumindest bei mir.
Lukas (05:14)
Während bei uns im Gemischtbetrieb mit Ackerbau und Gemüse und so weiter richtet sich das völlig nach der Jahreszeit. Im Prinzip ist keine Woche wie die andere und deswegen gibt es auch keinen Standard. Wir sind da praktisch nicht dazu gezwungen, morgens um fünf oder so anzufangen. Das heißt, wir haben uns das im Endeffekt wegen der Kinder irgendwo so gemacht, dass wir wenn die Kinder weg sind, anfangen mit arbeiten. Also ich mache eigentlich zusammen mit meiner Frau morgens die Kinder fertig und wenn die dann alle weg sind, der Bus kommt so um acht, danach geht es halt los praktisch.
Momentan sind wir auch am Kartoffeln ernten, bei uns ist das allerdings von Hand aufsammeln. Dann sind wir aber auch teilweise am Zwischenfrucht sähen oder Tiere umsortieren. Demnächst steht jetzt noch mal Silomähen ein bisschen an. Also ja, es ist eigentlich wirklich jeden Tag komplett anders. Das heißt, im Endeffekt geht es um acht los, dann wird gearbeitet. Mittagspause habe ich tatsächlich ziemlich wegrationalisiert, damit ich abends nicht so lange dran bin. Und dann, je nachdem wie wichtig oder wie dringlich jetzt die Arbeit ist, ist meistens so gegen 6, 7 Uhr Feierabend. Der Tagesablauf ist halt wirklich jeden Tag irgendwie anders. Das ist auch, glaube ich, ein großer Schatz in der Landwirtschaft, dass man echt einfach jeden Tag andere Abläufe hat und andere Sachen zu tun. Klar, vieles ähnelt sich und so, aber es ist wirklich kein Tag wie der andere, also gar nicht.
Josephine (06:29)
Wir machen diesen Job ja wegen der Abwechslung. Das ist halt nicht nur draußen, nicht nur drin und das ist nicht nur Trecker.
Lukas (06:36)
Das ist bei mir ganz genauso. Es sind auch immer wieder Wochen, wo dann Bürosachen sind. Wenn Kontrollen anstehen, ein bisschen mehr. Schlechtes Wetter muss man bisschen für Dokumentationen nutzen und so. Also das ist durchaus auch so, dass da Büro auch ansteht. Aber es ist ja völlig nach Jahreszeit. Also es gibt auch Wochen, wo ich einfach nur draußen bin. Also draußen in Anführungszeichen, dann meistens hinter Glas. Aber es gibt bei uns auch Wochen im Gemüsebau gerade, wo wir dann auch wirklich schon an der frischen Luft sind. Also dann jäten mit Hand und so weiter, das steht ja schon schon auch an. Aber es ist schon relativ viel irgendwo draußen, draußen rum, aber auf keinen Fall ausschließlich. Bei uns eigentlich genau ähnlich.
Josephine (07:17)
Man ist tatsächlich trotzdem auch viel draußen. Wenn ich nicht bei uns auf dem Betrieb bin, dann helfe ich zum Beispiel auch auf dem Mutterkuhbetrieb aus, weil dort irgendwie auch Zäune freigemäht werden müssen. Oder man hilft beim Freund irgendwie Heuwenden aus.
Lukas (07:39)
Gibst du mir frei, helfe ich dem Nachbar. Das ist tatsächlich bei mir auch so, ja.
Johanna (07:44)
Finde ich sehr spannend, was Josie und Lukas da so erzählen. Ich frage mich, was ist denn eigentlich dein Hobby, Oskar? Hilfst du auch deinen Nachbarn in deiner Freizeit?
Oskar (07:54)
Muss ich mich jetzt outen? Ich darf jetzt ja nicht ein Nein sagen. Sagen wir mal so, teilweise. Aber der große Unterschied liegt bei mir wahrscheinlich eher darin, dass ich in meiner Freizeit gerne Dinge tue, die nicht unbedingt etwas mit meiner Arbeit zu tun haben. Gärtnern und an Fahrrädern rumschrauben und tüfteln gehört aber auch dazu. Und das auch gerne bei Nachbarinnen, wenn sie Hilfe brauchen.
Johanna (08:19)
Also schon aber auch draußen höre ich so ein bisschen raus, oder? Also dann eben nicht vor dem Bildschirm, sondern draußen. Ich fand auch spannend, dass das, was Josie und Lukas erzählen, schon nach sehr viel Abwechslung klingt. Und natürlich auch nach krasser körperlicher Arbeit. Aber ich habe so den Eindruck, dass sie sehr viel Unterschiedliches erleben. Also mal Büroarbeit, mal draußen auf dem Feld sein und so weiter. Und ich habe im Vorfeld mal so ein bisschen recherchiert und fand ganz spannend,
Oskar (08:24)
Absolut, genau.
Johanna (08:46)
dass die beiden mit ihrer Leidenschaft zwar nicht alleine sind, aber im Vergleich zur Landwirtschaft vor 100 Jahren hat sich schon sehr, sehr viel verändert. Also vor 100 Jahren arbeiteten über ein Drittel aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Fand ich super krass. Und heute sind es in Deutschland nur noch zwei Prozent aller arbeitenden Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten.
Oskar (09:09)
Mich interessiert jetzt, warum Lukas und Josie sich für Landwirtschaft entschieden haben und damit eben auch für einen sehr anstrengenden Arbeitsalltag. Lukas ist dabei ganz klassisch auf dem Hof seiner Eltern aufgewachsen. So habe ich mir das eigentlich auch immer vorgestellt, dass es eben Familienbetriebe sind in der Landwirtschaft. Josie hat eine etwas andere Lebensgeschichte. Sie ist nämlich in Spanien aufgewachsen bei ihrem Vater, hat da allerdings auch schon früh Berührungspunkte zur Landwirtschaft gehabt.
Ist dann aber erst nach der Grundschulzeit nach Deutschland gekommen und dann eben nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung auf dem Biobauernhof ihrer Mutter gelandet. Hören wir doch mal rein, was die beiden zu sagen haben.
Josephine (09:51)
Ich bin ja nicht auf diesem Hof im klassischen Sinn groß geworden, sondern ich war eher so ein Ferienkind auf diesem Hof.
Ich hatte aber schon immer mit Lebensmitteln zu tun. Sowohl meine Mutter mit ihrer Firma als auch mein Vater, mit dem wie er uns geprägt hat. In Spanien hatten wir eine Ziegenherde und Schweine, die draußen gelebt haben. Die mussten ja auch versorgt werden. Irgendwie hatte man sein Leben lang damit genügend Berührungspunkte. Dann hat mir jemand gesagt mach doch eine Ausbildung, die kannst du verkürzen. Da kam erst die Idee, eine Ausbildung zur Landwirtin zu machen. Die stand vorher gar nicht zur Debatte eigentlich. Ich bin so endlos froh, dass ich diese Ausbildung gemacht hab. Deswegen bin ich darüber sehr dankbar und das hat halt irgendwie eher so, ja, ein Schritt zum nächsten hat dazu geführt, dass ich in der Landwirtschaft gelandet bin.
Lukas (10:47)
Aber ist das bei dir so, dass die Nähe zum Ergebnis dich motiviert oder begeistert an der Landwirtschaft? Also ich merke immer, dass das ein wahnsinnig befriedigender Beruf ist. Man arbeitet zwar auf der einen Seite wahnsinnig lange auf irgendwas hin, es ist ja immer ein Jahr. Von Ernte bis zur nächsten Ernte ist einfach immer ein Jahr dazwischen. Aber es ist am Ende wahnsinnig befriedigend, was zu haben, in der Hand zu haben, was man, ich sag mal sieht.
Was man direkt essen kann bei der Kartoffel oder beim Gemüse, ist das auch einfach der Fall. Bei Getreide jetzt nicht direkt. Aber es ist einfach ... Also, ich merk, dass ich in meinem Beruf wahnsinnig befriedigende Erfolgserlebnisse haben kann, was andere oft gar nicht haben. Ich glaub, ist auch so was, warum ich dann irgendwo eine Work-Life-Balance brauche, wo ich dieses direkte Feedback hab. Ich arbeite ja irgendwo anders, wo ist dann das Feedback oder das Ergebnis in der Hand? Ich hab's einfach regelmäßig. Ich merke, dass das mich wahnsinnig fasziniert.
Oskar (11:42)
Die beiden haben jetzt gerade erzählt, dass sie die Beschäftigung mit Lebensmitteln mögen und dass ihnen das einfach Spaß macht und aber eben auch, dass sie am Ende über diesen Zyklus des Jahres immer ein konkretes Ergebnis in der Hand haben. Johanna, was liebst du denn an deiner bzw. an unserer Arbeit?
Johanna (12:01)
Auf die Frage habe ich mich tatsächlich nicht vorbereitet. Da muss ich spontan aus dem Bauch heraus so bisschen antworten. Ist aber eine sehr gute Frage, die sich wahrscheinlich jeder Mensch mindestens einmal im Jahr stellen sollte. Ich würde sagen, bei mir ist es gar nicht mal so unähnlich wie bei Josie und Lukas, obwohl wir so einen krass unterschiedlichen Job haben. Also ich mag es auch, dass ich für mich das Gefühl habe, einen sinnstiftenden Job zu haben. Also wo ich das Gefühl habe,
etwas dafür zu tun, dass die Nachhaltigkeit in der Welt vorangetrieben wird. Und ich mag es auch sehr, dass ich dabei kreativ sein darf, ich kreativ arbeiten darf und am Ende im besten Fall ein Ergebnis in der Hand habe. Ja, finde ich ganz spannend, dass es gar nicht so unähnlich ist wie bei Josie und Lukas.
Oskar (12:50)
Perfekt, das schreibe ich mir direkt mal auf, wenn mir das nächste Mal die Frage gestellt wird. Und nachdem wir jetzt so viel Positives gehört haben, würde mich aber auch jetzt interessieren, ob das Vorurteil der knochenharten Arbeit überhaupt stimmt.
Johanna (13:03)
Ja, ich denke, es gibt ja in jedem Job so die Dinge, wo man weniger Lust drauf hat, die nicht so geil sind. Und ich würde auch gerne wissen, ob so ein Arbeitstag von Lukas und Josie wirklich zwölf Stunden geht und man tatsächlich gar keine freien Wochenenden hat und warum die beiden eben trotzdem überzeugt von diesem Job sind und das Ganze in Kauf nehmen.
Lukas (13:24)
Ich mache es einfach gerne. Das ist jetzt keine große Sache, irgendwie da 12 Stunden zu arbeiten. Ich empfinde das nicht als anstrengend. Irgendwo bin ich natürlich auch reingewachsen, auf dem Betrieb großgeworden. Das hat man schon früh gehabt. Sobald man irgendwie Traktor fahren konnte und durfte, da hat man Tage gehabt und dann gewöhnt man sich da irgendwo dran. Für mich ist es nicht anstrengend. Ab vier, drei, vier Uhr oder ab Mittwoch ist es halt Hobby. Und wenn ich sehe, was andere Leute an Hobbyprogrammen durchziehen, das ist dann auch nicht weniger als das, was ich mache, nur dass bei mir praktisch Hobby und Beruf ineinander übergehen und dadurch da irgendwo keine Grenze gezogen wird. Also es ist eigentlich, ja, wie gesagt, wenn ich frei hätte, ich würde wahrscheinlich genau dasselbe machen, wie wenn ich arbeite. Das ist einfach irgendwo das Gleiche. Also ja, wenn ich Sonntags Spaziergänge mache, am liebsten an meinen Feldern lang, damit ich weiß, was da ist, und dann ist es ja schon wieder Arbeit. Also irgendwo könnte man das so sehen, aber ja.
Das ist halt einfach, weil da irgendwie Hobby und Beruf in einem Sinn im Endeffekt. Ich glaube, das ist bei ganz vielen Landwirten so. Dann ist es halt auch einfach nicht anstrengend. Ich habe tatsächlich Landmaschinenmechaniker gelernt zuerst, also nach der Schule. Das war nichts für mich. Ich konnte das nicht genießen. Für mich waren die Tage tatsächlich solche Tage, die waren oft länger wie 12, 13, 14-Stunden-Tage in der Landwirtschaft.
Josephine (14:46)
Also ich glaube, es gibt ja diesen Spruch Landwirtschaft aus Leidenschaft. Der zieht sich halt eher durch als bei Bürojobs, würde ich das jetzt mal sagen. Weil wir schalten nie so ganz ab. Natürlich gibt es Wochenenden, wo man, also ich zumindest mit Arbeit, gar nichts am Hut habe, aber so richtig gar keine Landwirtschaft im Kopf haben, ist es dann auch nicht mehr, weil man sich da noch irgendwie ringsum bisschen Gedanken macht.
Das ist aber überhaupt nicht schlimm, das ist keine Last, sondern das gehört irgendwie so dazu. Und man überlegt so, wenn man am Wochenende keine Arbeit vom Betriebsleiter gekriegt hat, sage ich jetzt mal, was könnte man denn selber jetzt noch machen? Also gibt es irgendwie auf dem Hof eine Ecke, die ich jetzt gerade mal machen will oder fahre ich doch mal mit dem Rasenmäher drüber? Und es ist ja dann nicht ganz keine Arbeit, sondern es ist halt irgendwie anders. Man hat mehr Zeit.
Ich hab dieses Jahr das mit Zwiebeln auch mal versucht wieder. Das mach ich dann am Wochenende, dass ich dann gucke, dass ich dort paar Zwiebeln geerntet kriege oder gejätet oder was auch immer. So ist es bei mir zumindest.
Johanna (15:59)
Ich finde es ja total krass, dass Lukas 12 Stunden Arbeitstage mit körperlicher Arbeit nicht anstrengend findet. Vielleicht schummelt er auch ein bisschen. Also ich weiß nicht genau. Und ich frage mich, wie viel Zeit da noch für Freund:innenschaften und für Familie bleibt. Lukas sagt dazu auch ganz deutlich, es ist tatsächlich schwierig, eine Beziehung zu führen.
mit jemandem, der oder die eben gar nichts mit Landwirtschaft zu tun hat und nicht mit auf dem Hof lebt oder in der Nähe. Denn letztlich ist es tatsächlich so, wenn man mit jemandem zusammen ist oder jemanden heiratet, der in der Landwirtschaft arbeitet, dann heiratet man eben nicht nur den Menschen, sondern gleich die ganze Familie und den Hof auch noch mit dazu. Was ja ziemlich krass und auch auf jeden Fall eine Ansage ist. Wie ist es denn bei dir, Oskar? Wäre das was für dich?
Oskar (16:48)
Das kann ich ganz eindeutig mit jaein beantworten. An dieser Stelle natürlich liebe Grüße an meine Mutter und an meine Freundin, die ich beide sehr gern habe und mit denen ich gerne viel Zeit verbringe. Aber andererseits auch froh bin, dass ich eben die Arbeit innerhalb dieser Beziehung einfach außen vor lassen kann, wenn ich möchte. Das heißt, wenn ich nach einem Arbeitstag zu Hause bin und nicht über die Arbeit sprechen möchte, muss ich das auch nicht. Und für mich persönlich, das glaube ich auch eine Entlastung ist, dass ich da diesen arbeitsfreien Ort habe.
Johanna (17:25)
Ja, kann ich total gut nachvollziehen. Ich hab auch manchmal so Abende, an denen ich so gar keine Lust mehr hab, noch irgendwas über die Arbeit zu erzählen und total froh bin, wenn man dann über was anderes spricht. Ja, aber dann lass uns doch einfach mal reinhören, was Lukas und Josie dazu sagen.
Oskar (17:42)
Sehr gerne.
Lukas (17:43)
Also ich finde das tatsächlich sehr herausfordernd. Also Freundschaften, das funktioniert, merke ich durchaus, schon noch. Das kann schon noch gehen, obwohl die Zeit, man da rein investieren kann, dann doch begrenzt ist im Gegensatz zu anderen. Das merke ich schon, wenn es dann heißt, lass uns doch am Wochenende treffen, sage ich, ne, ich muss dreschen oder die Party wird verschoben, weil es ist schlechtes Wetter, sage ich ja, Scheiße, ich hätte gerade genau jetzt Zeit gehabt wegen schlechtem Wetter. So, das ist schon tatsächlich ein Thema. Das heißt, der Freundeskreis, mit dem ich da Kontakt halte, der hat sich schon, ich sag mal, reduziert der ist nicht so gewaltig groß und kriegen andere vielleicht mehr Freunde, mit denen sie Kontakte halten können hin. Aber Beziehungen, so Familie, Kinder, das ist schon eine Herausforderung, das in das Ganze einzubauen. Und es gibt schon immer wieder Situationen, wo ich mich dann ärgere, ich denke, boah, jetzt muss ich irgendwas fertig machen, weil es muss halt gemacht sein, gibt Regen oder keine Ahnung, irgendwelche anderen Zwänge. Ja, bist halt nicht dabei bei irgendwelchen Events mit den Kindern.
Und alle anderen Väter sind halt dabei und man arbeitet schon wieder. Es gibt schon so Situationen, wo man das auch mal verflucht. Das geht mir schon auch so. Da kann man das schon mal ziemlich scheiße finden und Beziehungen ist halt generell ... Ich hab ja das Glück, meine Frau macht ja auch Landwirtschaft. Das heißt, wenn wir dann zusammenarbeiten, dann können wir das irgendwo auch bisschen als Beziehungszeit anrechnen. Also, gerade wenn es um Kühe geht, die machen wir dann ja zusammen. Wenn da irgendwas zu machen ist. Das kann das bisschen ausgleichen. Ich merk halt immer, wenn wir dann lange nicht miteinander gearbeitet haben und meine Tage lang waren und so, dann uns nicht viel gesehen haben, da leidet die Beziehung dann schon ziemlich drunter. Also das ist schon ein Problem. Wie gesagt, wie man das macht, wenn man mit jemandem verheiratet zusammen ist, der mit der Landwirtschaft gar nichts zu tun hat, keine Ahnung, weiß ich nicht, glaube ich, ist sehr herausfordernd, da auch irgendwo eine gewisse Akzeptanz zu haben. Aber auf jeden Fall, also Beziehung neben Landwirtschaft, das ist schon auf jeden Fall eine Herausforderung.
Ja, da einfach klar Prioritäten zu setzen und das ist schon wichtig, ist herausfordernd, kann aber auch durchaus funktionieren.
Josephine (19:43)
Wenn man sich dafür entscheidet für diesen Beruf, dann hat jeder Beruf seine Für und Widers oder seine Sachen, die er da mitzieht. Landwirtschaft bedeutet vielleicht in der Richtung bisschen Verzicht, wo man dafür an anderer Stelle viel mehr kriegt. Aber dass Familie schwierig ist, kann ich mir gut vorstellen. Ich bin nicht in der Situation, das gut einschätzen zu können. Aber deswegen denke ich, dass Lukas das gut formuliert hat.
Lukas (20:09)
Was man schon noch vielleicht dazu sagen kann, klingt jetzt so negativ, gerade mit Kindern und so, weil man auch so relativ wenig Zeit hat. Aber was ich aus meiner eigenen Kindheit sehr positiv erlebt hab, ist, dass ich viel mit war mit meinen Eltern. Andere Eltern sind einfach weg, der, der arbeitet, ist morgens aus dem Haus und kommt dann irgendwann abends wieder. Und Wochenenden sind dann länger und sind dann da und so.
Ich hab meine Eltern auch immer erlebt, also auch immer Alltag. Ich war dann auch immer wieder mit. Man hat sie mittags gesehen oder sie waren ja auch irgendwo am Hof, dann hab ich eigentlich so immer ... Mir hat nix gefehlt als Kind von dem her. Ich glaube, ich hatte sogar eine bessere Beziehung zu meinen Eltern, wie das viele andere Kinder hatten, weil ich sie einfach viel mehr getroffen hab. Wir haben dann oft zusammen Mittag gegessen oder so. Deswegen, es muss nicht unbedingt negativ sein. ist nur anders als es im Rest der Gesellschaft ist.
Ich freue mich auch, wenn die Kinder bei mir mitfahren. Das kommt dann auch öfter mal vor, dass die auf dem Traktor dabei sind oder sie kommen mal raus. Da haben die Spaß dran. Das ist tatsächlich, durchaus sehe ich das auch als Vorteil. Meine Kinder wissen genau, was ich tue. Die sehen das. Die wachsen damit auf. Das kann durchaus positiv sein. Obwohl es immer auch herausfordernd ist. Das ist auf jeden Fall was Schönes, weil sie voll live dabei sind.
Josephine (21:31)
Also ich zum Beispiel, das ist bei weitem nicht das Ähnliche wie ein Kind, nicht falsch verstehen, habe einen Hund. Viele haben das Problem, dass sie sich Beispiel einen Hund nicht zulegen können. Weil so viel zu Hause wäre nicht gut für so ein Tier.
Meine ist fast jeden Tag dabei. Die hat dann ihre Ecke, wo sie sich irgendwann hinlegt und schläft und vor sich hin ruht. Aber sie ist echt den ganzen Tag bei mir. Sie ist dadurch ein sehr umgänglicher Hund geworden. Und ich eben nicht pünktlich Feierabend machen muss, damit ich mit meinem Hund Gassi gehen kann. Das ist zum Beispiel was, was für mich ein totaler Vorteil ist, dass ich diese Freiheit und Möglichkeit habe, mitzunehmen.
Oskar (22:17)
Ja, und auch interessant, die Arbeitsteilung ist ja sowieso eine Erfindung der Moderne. Also erst die Industrialisierung hat ja dafür gesorgt, dass Arbeitsplatz und Zuhause oder Arbeit und Freizeit überhaupt getrennt wurden. Davor arbeiteten die meisten Menschen sowieso in der Landwirtschaft, wie wir am Anfang gehört haben, und das gesamte restliche Leben spielte sich auch auf dem Hof ab.
Johanna (22:38)
Ja, und ich finde es ganz interessant, dass es eben nicht nur Nachteile hat, sondern auch Vorteile. Weil Lukas so bisschen erzählt, dass er in seiner Kindheit mehr von seinen Eltern tatsächlich hatte als viele Kinder in seinem Umkreis, weil man eben gemeinsam auf dem Hof lebte und arbeitete. Also dass man sozusagen natürlich dann weniger vielleicht Quality-Time, wo man dann gemeinsam Spiele spielt oder so, aber dafür eben viel mehr gemeinsam verbrachte Zeit, wo die Kinder dann mit auf dem Trecker fahren oder so.
Und das ist ja eigentlich auch total schön. Andererseits erzählt er eben auch noch mal, dass es eine krasse Herausforderung ist, eine Beziehung zu führen und für ihn tatsächlich Beziehungszeit auch die Zeit ist, in der man zusammen arbeitet.
Oskar (23:23)
Josie sagt ja dagegen, dass sie sich bewusst dafür entschieden hat, eben nicht auf dem Hof zu wohnen. Und warum, das erzählt sie uns jetzt.
Josephine (23:31)
Da gibt es eine ganze Menge Gründe, glaube ich, am Ende dafür. Aber einer der Hauptgründe ist, dass in dem Wohngebäude, was wir auf dem Hof haben, der Platz fehlt. Was jetzt bisschen komisch klingt, wenn man die reine Quadratmeterzahl nehmen würde. Und das ist einfach auf Dauer, wenn man
Mutter-Tochter-Gespann ist mit noch jüngeren Geschwistern, die im Haus leben. Und wenn dann die älteste Tochter wieder eingezogen ist in ihr altes Kinderzimmer, das passt halt einfach auf Dauer nicht. ich meine, dann hat man vielleicht auch selber wieder einen Partner. Und dann ist das eine komische Konstellation. Und ich bin ja auch nicht weit weggezogen, ich bin da in Dorf weiter, das ist ein Kilometer.
Das ist oben auf dem Hügel. Ich sehe sogar den Betrieb die ganze Zeit, wenn ich aus dem Fenster gucke. Das ist jetzt nicht so weit weg. Eine räumliche Trennung ist auch nicht verkehrt. hat jeder seine Abläufe und seine Zeiten. Da macht es schon Sinn, auch eigenen Wohnraum zu haben. Aber Lukas kann das bestimmt in einer anderen Form erzählen.
Lukas (24:34)
Für mich ist es einfach normal, ich bin damit aufgewachsen. Für mich ist es gar nicht komisch. Ich glaube, für meine Frau ist oder war das das schwierigere Thema. Weil man halt in so einen festen Kreis reinkommt, jeder kennt irgendwie sich. Oder man kennt die schlechten Launen oder die Art und Weise, wie man mit Sachen umgeht. Und kommt damit entspannt klar. Und wenn man dann da extern reinkommt, dann kann das schon auch mal anstrengend sein. Deswegen ist es eigentlich für Leute, die dann von außen reinkommen, jetzt eben meine Frau, ist das, glaube ich, die größere Herausforderung.
Ich wohne auch nicht auf dem Betrieb. Wir wohnen 500 Meter entfernt vom Stammsitz, am selben Dorf am anderen Ende. Der Abstand war damals extrem wichtig oder ist auch heute noch extrem wichtig. sind da praktisch weg von meinen Eltern, von dem, was da halt passiert und haben irgendwo unser eigenes. Das ist schon ganz gut. Ansonsten müssen wir gucken, dass man sich klar abgrenzt, man nicht am Sonntagmorgen noch zusammen am Tisch sitzt, weil irgendwann knallt es dann nämlich.
Johanna (25:32)
Was ich mich jetzt noch so bisschen gefragt habe beim Zuhören auch nochmal ist, ob vielleicht tatsächlich sogar der Trend durch das Homeoffice wieder dahin geht, dass Beruf und Privates mehr verschmelzen. Also dass wir im Endeffekt wieder dahin zurückgehen, natürlich mit einer anderen Art von Arbeit, aber dahin zurückgehen, wo wir vor über 100 Jahren waren, nämlich dass Beruf und Privates immer mehr verschmelzen und auch die Übergänge zwischen Beruf und Freizeit immer fließender werden. Wenn man sich überlegt, dass man irgendwie, oder ich denke, das kennst du bestimmt auch, Oskar, dass man dann doch nach Feierabend oder am Wochenende denkt, jetzt könnte ich vielleicht doch noch mal kurz gucken, ob die und die E-Mail angekommen ist, ob ich darauf antworte. Und dann ist es ja eben nicht der Weg ins Büro, den man dann zurücklegen muss, um das zu tun, sondern man zückt vielleicht kurz sein Handy, wenn man es auf dem Handy hat oder geht an den Laptop. Und insofern ist es schon eine Vermischung, zwar in dem Sinne dann nicht mit PartnerInnen, aber trotzdem allein schon bei sich selbst findet eine Vermischung statt. Zumindest ist das so bisschen, was ich beobachte.
Oskar (26:32)
Ja, absolut. Und vor allem, weil eben diese räumliche Trennung auch ähnlich wie Josie und Lukas das erzählt haben, nicht mehr so gegeben ist. Selbst bei uns nicht, Also das Zuhause wird zum Büro. Jetzt haben wir viel über den Alltag und über Privates gesprochen und uns interessiert aber natürlich auch noch
welche Risiken die Landwirtschaft mit sich bringt. Sowohl Lukas auf Hof Weyer als auch Josie auf Gut Klappendorf haben seit dem Krieg in der Ukraine nämlich auch zunehmend mit den gestiegenen Preisen für Energie zu kämpfen. Wir alle haben das mitbekommen, aber in dem beruflichen Kontext, gerade wenn man so einen großen Betrieb oder auf so einem großen Betrieb arbeitet, ist es natürlich noch mal größer auch und teurer. Gleichzeitig sind die Lebensmittelpreise in der Inflation zwar gestiegen.
Aber durch diese erhöhten Energiekosten in der Herstellung kommt bei Lukas und Josie weniger an als vorher.
Johanna (27:25)
Ja, und dazu kommt ja dann auch noch, dass sich die Klimakrise tatsächlich in den letzten Jahren verstärkt bemerkbar macht in der Landwirtschaft. Lukas und Josie haben, wie übrigens viele LandwirtInnen, in den letzten Jahren verstärkt mit Ernteausfällen zu kämpfen. Und auch das bedeutet weniger Geld, und zwar im fünfstelligen Bereich.
Lukas (27:45)
Also ich kann mal generell sagen, Ich mache ja jetzt doch schon ein paar Jahre Landwirtschaft und so wie ich es in der Zeit in meiner Ausbildungszeit oder so wie ich es am Anfang kennengelernt habe, ist es heute halt gar nicht mehr. Also wir sind wirklich an einem ganz anderen Punkt wettertechnisch gelandet. Früher war es immer so, wenn es mal zwei Tage trocken war, die Zeit mussten wir irgendwie nutzen. Mittlerweile ist es halt so im Frühling, trockenes Wetter haben wir in der Regel genug, beziehungsweise wenn es mal regnet, hört es auch gar nicht mehr auf. Also diese Abwechslung ist halt irgendwie komplett weg.
Ich habe es viel wechselhafter erlebt, früher als es mittlerweile ist. Die Extreme nehmen halt wirklich zu. Das beobachte ich einfach eins zu eins in der Landwirtschaft. Dieses Jahr war wieder extrem. Zuerst nass, dann trocken, dann wieder nass. Sehr herausfordernd. Im Jahr davor war es auch extrem trocken. Aber die größte Krise, die ist eigentlich tatsächlich aktuell bei uns, wir haben momentan so die Kombination oder
das Ergebnis von dem Klimawandel ist für uns eigentlich, Produktion funktioniert, Risiken und Kosten erhöhen sich. Wir sorgen mittlerweile überall auf unseren Gemüseflächen dafür, dass wir bewässern können. Das ist aber Stadtwasser, Hydrantenwasser oder Dorfwasser. Das kostet einfach Geld. Die ganze Technik kostet Geld. Die Arbeitszeit, die da reinfließt, das Bewässern, das ist eine neue Arbeitsspitze. Das sind im Endeffekt überall steigende Kosten. Die Erträge werden risikoreicher, tendenziell nicht höher.
Die Ausfälle häufen sich irgendwo oder die Risiken häufen sich, also was praktisch in Summe die Kosten erhöht. Faktisch haben wir aber jetzt den Punkt, dass wir die Preise nicht, oder die Preise nicht, die Kosten nicht weitergeben können im Preis. Also Preisgestaltung hat sich praktisch seitdem im Prinzip seit Kriegsausbruch so irgendwo seitdem Ukrainekrieg ist und irgendwie die ganze Krise, was ja vielfältiger ist. Seitdem haben wir das Problem, dass wir einfach im Prinzip nicht die Preise kriegen, die wir eigentlich brauchen. Also aktuell ist tatsächlich für uns die größte Krise der letzten Jahre auf jeden Fall.
Josephine (29:48)
Lukas hat das schon sehr gut zusammengefasst. Ich finde das aber an konkreten Beispielen. Wir haben in den letzten Jahren Totalausfälle gehabt in bestimmten Kulturen aufgrund der Wettersituation. Also konkretes Beispiel, Leinen geerntet, versucht auf Schwatt zu legen. Also das heißt, mähen wie Gras, hinlegen, damit es trocknen kann und dann dreschen, haben wir versucht.
Dann hat es zehn Tage am Stück durchgeregnet, die ganze Ernte ist komplett durchgeweicht. Jeder hat vielleicht schon mal einen Leinkorn gehabt. Wenn die nass werden, was die für eine Gelee-Schicht so ringsrum bilden, diesen Glibber. Und wenn das passiert, dann ist die Kultur einfach nicht mehr vermarktungsfähig. Also da haben wir hektarweise verloren.
Dieses Jahr war es dadurch, dass es erst so kalt war und wir nicht aufs Feld gekommen sind, wir bauen Gemüseerbsen an für einen sehr großen Frostgemüseverarbeiter. Und es war erst zu nass, wir sind nicht rausgekommen und dann hat es sofort umgeschlagen in heiß und trocken. Und wir hatten in der kompletten Gemüseerbse keinen Tropfen Regen, also in Summe irgendwie ein Millimeter, was nichts ist.
Und haben da auch einen Ernteausfall auf manchen Flächen von null Ertrag gehabt. Das sind Summen, die gehen ins fünfstellige Locker mal eben, wenn nicht sogar höher. Das ist einfach hart. Und das, was Lukas gesagt hat, wir sind halt als Biobetriebe, haben wir irgendwie gerade echt den doppelten Nachteil, dass alles gestiegen ist und wir zum Teil für unsere Produkte sogar weniger Geld kriegen. Also es ist noch nicht mal so, dass unsere Preise nicht mal gestiegen sind, sondern sie haben sich verringert.
Lukas (31:46)
War bei uns ganz genau so. Das kann ich tatsächlich alles genauso bestätigen. Ich wollte auch gar nicht sagen, dass wir keine Totalausfälle hatten. Wir hatten auch Totalausfälle in manchen Kulturen. Was ich eigentlich als Fazit für mich so gezogen habe, war, also wir können weiterhin Nahrungsmittel produzieren in Deutschland, auch nachhaltig. Und das funktioniert alles. Wir müssen nur manchmal damit leben, dass gewisse Sachen einfach ausfallen, weil das Wetter halt so war. Und dann gibt es die halt ein Jahr im Prinzip nicht von uns. Was aber, wenn man den Gesamtbetrieb sieht, einfach nur die Kosten erhöht, weil der Input bleibt gleich.
Wir müssen damit leben, das Risiko steigt, es werden immer wieder Ernte ausfallen. Das ist definitiv Fakt durch den Klimawandel. Dadurch muss ich als Betrieb mit den Kulturen, die dann funktionieren, mehr verdienen, damit ich die Totalausfälle kompensieren kann. Ich kann aber nicht sagen, die drei Sachen funktionieren, ich bau nur noch die an, weil das nächste Jahr ist genau umgekehrt vom Wetter her und dann passen genau die anderen Sachen wieder. Von daher muss ich auf der Risikostreuung bleiben und einfach dieses Ausfallen von Kulturen im Betrieb, in der Wirtschaftlichkeit mit Einpreisen, was noch höhere Preise bedeuten würde. Fakt ist aber bei uns auch, die Preise steigen im Grunde nicht und so geht es halt einfach nicht. Also ich bin tatsächlich auch ratlos, wie das auf Dauer so weitergehen soll. Also bei uns ist es echt schon schwierig.
Oskar (32:54)
Uff, ja, also diese Ratlosigkeit kann ich wirklich gut nachvollziehen. Und auch den Frust über diese schwierige Situation. Ich stell's mir einfach so hart vor, nie zu wissen, ob die nächste Ernte erfolgreich wird, wie das Wetter wird, ob's im nächsten Jahr besser oder schlechter aussieht und vor allem auch, wie viel Geld man am Ende des Jahres eingenommen hat. Ja, vor allem, wenn man so wie die beiden aktiv etwas dazu beitragen möchte, dass wir in eine gesunde und nachhaltige Zukunft gehen können. Also gerade mit diesem, sag ich mal, sich selbst gegebenen Auftrag ist es ja dann noch frustrierender, wenn man mit solchen Umständen konfrontiert wird.
Johanna (33:34)
Ja, total. Also ich stelle mir das auch wahnsinnig schwierig vor und kann mir gut vorstellen, dass das auch viele schlaflose Nächte bedeutet.
Oskar (33:44)
Mhm...
Johanna (33:46)
Ich finde es jetzt ganz spannend, noch mal den Aspekt auf die ökologische Landwirtschaft zu lenken, gerade im Hinblick auf dieses Thema Klimakrise, weil die ökologische Landwirtschaft eben versucht, dem Ganzen etwas entgegenzusetzen. Zum Beispiel indem man sich darum kümmert, dass der Boden nicht ausgebeutet wird, sondern fruchtbar bleibt durch Fruchtfolgen.
Wir erzählen auch gerade dazu, was ökologische Landwirtschaft bedeutet und wie das im Zusammenhang mit dem Klimawandel bzw. mit der Klimakrise zu sehen ist. Dazu machen wir noch mal eine extra Folge, in der wir euch ganz genau erzählen, was da passiert. Heute interessiert uns aber, warum Josie und Lukas sich bewusst für Biolandwirtschaft entschieden haben. Das haben die beiden nämlich getan und erzählen uns jetzt warum.
Josephine (34:35)
Für mich ist es aus Überzeugung trotzdem die, die ich machen möchte und die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Das heißt für mich ja nicht, dass anderes komplett schlecht ist, das ist schon mal vorweg, aber ich bin damit aufgewachsen. Also irgendwie war es schon immer Bio um mich, ringsrum.
Auch zu den Zeiten, als ich nicht hier auf dem Hof war. Und es hat mich einfach überzeugt, dass man mit der Art zu wirtschaften, meiner Meinung nach, sehr nachhaltig für die nächsten Generationen, aber auch für sich selbst einfach unterwegs sein kann. Aber das heißt nicht, dass man trotzdem weiterhin links und rechts schauen sollte, was die anderen machen, und sich auch dort vielleicht ...
abguckt, was die gerade besser machen, wenn es zu der eigenen Überzeugung passt und es auch einfach für das eigene Verständnis und das, was man selber auch gelernt und mitbekommen hat, für die Nachhaltigkeit unterstützend ist. Also es gibt ja mittlerweile nicht nur bio und konventionell, sondern auch mittlerweile sehr viel regenerativ oder Permakultur und das sind ja auch alles Begriffe, die jetzt gerade viel mehr thematisiert werden.
Da gibt es auch sehr viele Konventionelle, die sich an regenerativer Landwirtschaft versuchen. Da verschwimmen ja auch diese Grenzen. Aber für mich ist es erst mal der Grundgedanke ist Bio und dann einfach schauen, wie kriegt man das so gut hin, dass es ein gutes Lebensmittel wird, ich damit gut arbeiten kann und ich auch was zurückgeben kann an die Natur, mit der ich arbeite.
Lukas (36:12)
Nee, das kann ich tatsächlich auch komplett unterschreiben. Was ich auch noch betriebsleitertechnisch cool finde, ist, dass ich relativ unabhängig von anderen Konzernen bin. Konventionell hat man immer noch den Landhändler. Ich muss irgendwo meinen Stickstoff und meine Pflanzenschutzmittel besorgen. Diese ganzen Handelspartner habe ich nicht, brauche ich nicht. Ich bin relativ autark. Klar, Kalk brauchen wir schon auch. Und das eine oder andere und Saatgut und so aber im Grunde bin ich ...
An mir verdienen deutlich weniger andere Geld als in der konventionellen Landwirtschaft. Das finde ich zum einen sehr angenehm. Ich glaube, es ist einfach auch wahnsinnig nachhaltiges System. Das treibt mich da schon auch an. Und ja, ich habe schon gesagt, ich finde, dass es einfach auch sehr leistungsfähig sein kann. Das fasziniert mich und die Herausforderungen irgendwo auch. Also im Biobereich ist halt etwas kleinere Strukturen noch mehr oder weniger Standard. Und das finde ich einfach herausfordernder, das dann wiederum intensiv zu machen. Ich brauche halt deutlich mehr individuelle Art und Weise. Also klassische konventionelle Landwirtschaft lebt halt auch oft von der Fläche, von der Menge. Da wird dann irgendwo ein Schema durchgezogen. Da sind die auch drauf angewiesen, weil bei den Preisen oder den Erlösspannen, die da möglich sind, muss man halt wahnsinnig viel Menge machen, damit das am Ende wirtschaftlich interessant ist. Und da sind wir Bio -oder waren zumindest, die letzten Jahre immer noch so bisschen ist es intensiver, ich muss auf jede einzelne Fläche deutlich mehr gucken, weil sonst der Ertrag nicht mehr stimmt. Die Herausforderung finde ich total faszinierend, zum Gegensatz zum Konventionell. Mir war konventionell immer bisschen zu viel Tabelle lesen, was muss ich jetzt spritzen, was muss ich jetzt düngen. Da ist Bio ein bisschen näher am Boden. Und dann ist es so ein Glaubensding. Ich muss sagen, ich finde nicht sonderlich schlüssig. Eine perfekte Schöpfung.
Dann wird es auch irgendwo sinnvoll sein, dann da drin zu spritzen und zu töten, irgendwo ja auch, das hat mir noch nie eingeleuchtet. Das ist für mich auch so ein Punkt, wo ich einfach sage, das ist auch irgendwie von meinem ganzen Glauben und von dem, was ich so fühle, passt es für mich einfach nicht zusammen, da irgendwo mit der Spritze draußen rumzufahren. Das ist einfach so auch ein großer Punkt.
Johanna (38:16)
So, jetzt sind wir langsam aber sicher am Ende dieser Folge angekommen. Und ich würde jetzt gerne noch mal auf unsere Ausgangsfrage zurückkommen. Nach allem, was wir jetzt so von Josie und Lukas gehört haben und was die Spannendes erzählt haben, frage ich mich und frage ich dich, Oskar, ist Landwirtschaft eben eher knochenharte Arbeit oder ist es doch ein Traumjob mit Sinn?
Oskar (38:40)
Gute Frage. Lass uns doch noch einmal kurz zusammenfassen, was die beiden erzählt haben. Was ist dir denn so als Punkt am ehesten jetzt am Anfang in Erinnerung geblieben?
Johanna (38:50)
Also was mir sehr stark im Kopf geblieben ist, auch weil ich das ja eben bei mir selbst auch beobachtet habe, dass es unwahrscheinlich erfüllend ist, einen Job zu machen, der ein klares Ergebnis hervorbringt und der im Fall von Josie und Lukas ja auch lebensnotwendig ist, weil man eben Essen für andere Menschen herstellt und die damit nicht nur satt, sondern vielleicht eben auch ein bisschen glücklich macht.
Oskar (39:13)
Das stimmt und für mich, was ich aber beeindruckend finde oder schade, ist eben, dass gleichzeitig ich das Gefühl habe, dass die Wertschätzung für die Arbeit von LandwirtInnen total fehlt oder noch nicht so groß ist, wie sie sein sollte. Dass es eben eine total harte und körperliche Arbeit mit langen Arbeitstagen ist, mit wenig Freizeit und dann eben auch wenig Zeit für FreundInnen oder die Familie.
Johanna (39:37)
Ja, auf jeden Fall. Also das stelle ich mir auch sehr krass vor. Vielleicht könnte man als positives oder als positiven Aspekt noch mit einbringen, was Josie und Lukas ganz am Anfang erzählt haben, dieser Folge, dass es ein sehr abwechslungsreicher Beruf ist. Also dass man zwar sehr lange Arbeitstage hat, aber dass die eben auch sehr abwechslungsreich sind. Also dass man mal draußen ist, mal drin, mal auf dem Trecker, mal mit den Händen im Beet und so weiter.
Oskar (40:04)
Ja, das stimmt. Und das muss ich sagen, bewundere ich auch. Diese große Abwechslung und diese Leidenschaft, mit der sie dafür brennen. Allerdings habe ich auch großen Respekt davor, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen, die eben die Klimakrise nach sich zieht. Dass die Arbeit, die die beiden machen, eben mit hohen Risiken verbunden ist, die auch mal zu Totalausfällen führen kann in der Ernte.
Johanna (40:28)
Ja, das zu hören hat mich auf jeden Fall auch noch mal beschäftigt. Und ich kann mir sehr, gut vorstellen, dass das viele schlaflose Nächte, viele Sorgen und mit Sicherheit auch den ein oder anderen zweifelnden Tag mit sich bringt. Dass das bestimmt auch in vielen anderen Berufen, in denen man gerade in der Selbstständigkeit arbeitet, so der Fall ist. Was man vielleicht noch mal positiv hervorheben könnte in puncto Umweltrisiken.
dass man letztlich, oder dass Josie und Lukas dadurch, dass sie sich auch für ökologische Landwirtschaft entschieden haben, sich auch aktiv dafür entschieden haben, etwas für die Umwelt zu tun und auch etwas dafür zu tun, dass unsere Welt nachhaltiger wird. Und dass das wiederum vielleicht dann auch so ein Stück weit durch die Risiken trägt oder eben etwas ist, wo man dann wieder eine Art von Sinnstiftung empfindet.
Oskar (41:18)
Absolut. Und ich glaube, dass man da auch aus so einer Lethargie vielleicht rauskommt oder aus so einer Hilflosigkeit, weil man eben immer was machen kann. Zusammenfassend lässt sich also vielleicht sagen, dass man wirklich leidenschaftlich bei der Sache sein muss. Wie bei vielen Jobs, um diese ganzen Anstrengungen und Verzichte, die damit einhergehen, auszuhalten. Die Frage ist, es vielleicht eher eine Berufung als ein Beruf. Aber wenn man dann dafür brennt, dann ist es halt ein Job, der wirklich extrem viel Sinn hat und in der Gemeinschaft mit anderen und in der Verbindung mit der Natur einfach tolle Möglichkeiten bereithält. Ja, muss ich sagen, ich bin fast ein bisschen neidisch.
Johanna (42:00)
Wechselst du jetzt den Job, Oskar? Ich hoffe, nicht so bald.
Oskar (42:03)
Nee, vielleicht frage ich Lukas und Josie, ob ich erst ein Praktikum machen kann, bevor ich mich dazu entscheide. Jetzt würde mich aber noch interessieren, bei euch, liebe Hörerinnen und Hörer, das ist, wie seht ihr das? Habt ihr jetzt Bock auf diesen Job? Kündigt ihr jetzt eure Stelle und sagt, ich gehe in die Landwirtschaft? Haben euch Josie und Lukas so dafür begeistern können für die Landwirtschaft? Oder seid ihr froh weiterhin, ich sag mal hinter dem Bildschirm zu sitzen, in der Stadt zu wohnen, im Trockenen und dafür am Wochenende frei zu haben und zu machen können, was ihr wollt.
Johanna (42:34)
Wir würden uns wirklich sehr freuen, wenn ihr uns schreibt, was ihr darüber denkt. Und ihr könnt das natürlich auf verschiedene Art Weisen tun. Zum Beispiel bei Instagram. Da posten wir immer zur aktuellen Folge ein kleines Bild oder ein Reel. Und ihr könnt gerne drunter kommentieren, was ihr denkt, was ihr aus der Folge vielleicht mitgenommen habt, was euch gefehlt hat. Also wir freuen uns da über Feedback, zumal es jetzt eben unsere erste Podcast-Folge ist.
Und wenn ihr das nicht so öffentlich tun wollt, dann schreibt uns doch einfach eine Mail an podcast@bioverlag.de. Besonders freuen wir uns natürlich, wenn ihr uns eine 5-Sterne-Bewertung bei iTunes gebt oder den Podcast bei Spotify abonniert. Dann verpasst ihr übrigens auch keine Folge mehr. ja, vielleicht schreibt ihr euch das einfach mal in den Kalender. Der 15. ist Bio-Weltretter-Tag. Ich würde sagen, wir haben jetzt genug gequatscht für heute. Vielen Dank fürs Zuhören.
Mein Name ist Johanna Juni und zum Schluss gibt's Bio ohne Bullshit von Oskar Smollny.
Oskar (43:41)
Das am meisten gekaufte Bioprodukt in Deutschland sind Bio-Eier. Tschüss!
Johanna (43:47)
Ciao!
Oskar (43:53)
Weltretter Bio, ein Podcast von Schrot und Korn.
Über Josephine Moog
Josephine ist 28 Jahre alt und arbeitet auf dem BioHofGut Klappendorf in Sachsen. Der Betrieb gehört ihrer Mutter Judith Faller-Moog. 2016 absolvierte Josephine ihre Ausbildung zur Landwirtin in einem anderen Biobetrieb. Anschließend studierte sie Ökologische Agrarwissenschaften. Öko-Landwirtschaft betreibt sie aus Überzeugung.
Über Lukas Bensel
Lukas ist ebenfalls Landwirt und hat den Bio-Hof seiner Eltern übernommen. Auf Hof am Weiher ist der 35-Jährige Betriebsleiter. Hier lebt er mit seiner Frau und seinen Kindern. Für ihn ist seine Arbeit als Bio-Landwirt ein echter Traumjob.
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