Podcast S2:F10

Bio to go: Warum Bio-Baumwolle besser ist

Was hat Baumwolle in Bio-Qualität für Vorteile und welche Stoffe tun unserer Haut noch gut? All das und mehr erzählt unsere Redakteurin Gabriele Augenstein in dieser Folge des Podcasts "Weltretter Bio?".

Warum ist die konventionelle Baumwollproduktion so problematisch? Und was zeichnet Bio-Baumwolle eigentlich aus? Das und mehr wird in der 10. Podcast-Folge von "Weltretter Bio?" geklärt. Zu Gast ist dieses Mal Schrot&Korn-Redakteurin Gabriele Augenstein. Gemeinsam mit Host Oskar Smollny geht es um den massiven Einsatz von Pestiziden, den immensen Wasserverbrauch und den Einsatz giftiger Chemikalien beim Anbau und der Verarbeitung von konventioneller Baumwolle.

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Gabriele Augenstein erklärt, warum Bio-Baumwolle eine umweltfreundliche Alternative darstellt und welche Vorzüge nachhaltige Fasern wie Leinen und Hanf bieten. Außerdem erfahrt ihr, warum Mikroplastik in synthetischen Stoffen nicht nur schlecht für unsere Umwelt ist, sondern auch unsere Gesundheit belastet. Und zur Orientierung beim Klamottenkauf gibt es noch einen Überblick über Nachhaltigkeits-Siegel in der Modeindustrie. 

Transkript zur Folge:

Oskar (00:07)

Weltretter Bio, Bio-to-go, ein Podcast von Schrot und Korn. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Kurzfolge von eurem Schrot und Korn Podcast „Weltretter Bio? - was Bio dir und dem Planeten wirklich bringt.“ Heute mit dem Thema: Wie wichtig ist Bio bei der Baumwolle?

Ich übernehme heute ausnahmsweise die Kurzfolgenschicht von Johanna. Ihr habt euch bestimmt schon gewundert, wo ihre Stimme ist. Aber ich musste es auch nicht allein machen, sondern ich habe mir Unterstützung geholt und zwar von unserer lieben Kollegin Gabriele. Die arbeitet hinter den Kulissen mit am Podcast und ist heute aber auch das erste Mal vor dem Mikrofon dabei. Hallo, Gabriele. Schön, dass du da bist. Stell dich doch einmal kurz vor.

 

Gabriele (00:59)

Ja, ich bin Redakteurin bei Schrot & Korn schon seit 20 Jahren und schreibe am liebsten über Menschen, Essen und nachhaltiges Leben. Und Letzteres könnte theoretisch ja ganz einfach sein, wenn es in der Praxis eben nicht so schwer wäre. Thema Mode zum Beispiel. Die Textilindustrie, das wissen wir ja alle, ist ein ziemlich schmutziges Geschäft und trotzdem shoppen wir munter weiter. Der Kleiderschrank, der Quilt längst über und noch immer fehlt oft das richtige Outfit. Wäre ja alles nicht weiter schlimm, könnte man denken. Aber das Problem ist, dass die Produktion von diesen Textilien Unmengen von Ressourcen verschlingt, Menschen dazu zwingt, unter schlimmsten Bedingungen zu arbeiten und hochgiftige Chemikalien verwendet.

 

Oskar (01:51)

Genau und wir haben ja in der letzten Folge, in der wir Vreni Jäckle von den Fashion Changers zu Gast hatten, auch darüber gesprochen, inwiefern sie daran arbeiten, mit den Fashion Changers zum Beispiel diese ganzen Lieferketten und die Arbeitsbedingungen fairer zu gestalten und da letztendlich eine Lobby für zu bilden. Wo wir noch nicht so viel darüber gesprochen haben, sind die Chemikalien zum Beispiel, die verwendet werden und wir haben auch nicht so viel über Bio-Baumwolle gesprochen. Was wird bei Bio-Baumwolle denn anders gemacht als bei konventioneller Baumwolle ohne Bio?

 

Gabriele (02:25)

Konventionell angebaute Baumwolle gehört zu den Pflanzen, am allerstärksten mit Ackergiften behandelt werden. Das Umweltinstitut München schreibt, pro Saison wird Baumwolle durchschnittlich 20-mal besprüht.

 

Oskar (02:43)

Okay, ja.

 

Gabriele (02:45)

Das geht natürlich zulasten aller, schadet den Böden, den Gewässern, Mensch und Tier, die dort leben. Ja und letztlich uns selber, die wir diese Klamotten tragen. Die Pestizide sind da nämlich drin. Bio-Bauern wirtschaften ganz anders. Chemisch-synthetische Düngemittel und Ackergifte sind bei Bio verboten. Und die Bio-Landwirte setzen zum Beispiel das Lieblingsfutter von Schädlingen neben die Baumwollpflanzen.

 

Das ist ein total super Ablenkungsmanöver und funktioniert. Also Mischkultur und Fruchtfolge sind ganz gängige Wege im Bioanbau. Oder diese sogenannten Unkräuter, die der Baumwolle Nährstoffe Platz und Licht wegnehmen könnten, die wird einfach mechanisch entfernt durch hacken oder striegeln. Da wird einfach nichts mit Gift totgespritzt bei Bio. Ja, übrigens sind Pestizide nicht das einzige Giftproblem bei Baumwolle zum Bleichen und Färben hinterher, werden tausende verschiedene Chemikalien verwendet und viele davon sind giftig.

 

Oskar (03:51)

Vreni hatte in der langen Folge auch erzählt, dass die Fashionindustrie Synthetik liebt und zwar Polyester und dass ganz ganz viele Klamotten aus Plastik sind, letztendlich. Warum ist denn Bio-Baumwolle besser für die Umwelt als Synthetik?

 

Gabriele (04:06)

Das ist natürlich eine ganz einfache Frage. Bio-Baumwolle ist ein nachwachsender Rohstoff und biologisch abbaubar. Synthetische Fasern sind eben nicht biologisch abbaubar. Sie landen als Mikroplastik in unseren Böden, in Gewässern, im Essen, einfach überall. Wir finden ja Mikroplastik sogar in der Muttermilch. Und eben bei jedem Waschgang, wenn Synthetikklamotten in der Waschmaschine sind, wäscht sich Mikroplastik ab und landet im Abwasser. Da ist Bio-Baumwolle die eindeutig bessere Wahl. Trotzdem sollte man aber auch bei Bio-Baumwolle Maß halten, denn Baumwolle braucht beim Anbau extrem viel Wasser. Für ein einziges T-Shirt sind zum Beispiel 2500 Liter Wasser nötig. Es macht also absolut Sinn, selten und möglichst langlebige Kleidung zu kaufen und nicht ein T-Shirt einmal anziehen und wegschmeißen.

 

Oskar (05:09)

Das überschneidet sich auch total mit dem, was Vreni erzählt hatte. Gute Qualität kaufen, damit man das möglichst lange anziehen kann. Gucken, muss ich den Pulli jetzt wirklich nach jedem Mal in die Waschmaschine hauen oder riecht der vielleicht noch gar nicht so schlimm, ist der noch nicht schmutzig. Also auch da gilt das. Aber wenn man dann was kauft, ist natürlich Bio-Baumwolle die richtige Wahl. Heißt denn Bio-Baumwolle, wenn jetzt für ein T-Shirt Bio-Baumwolle verwendet wird, heißt es dann auch, dass ich gleich zum Beispiel ein Bio T-Shirt habe?

 

Gabriele (05:44)

Nee, wenn Klamotten aus Bio-Baumwolle mit hochgiftigen Substanzen gefärbt und gebleicht werden, ist das noch lange nicht nachhaltig. In der Textilindustrie kommen rund 7500 Chemikalien zum Einsatz. Darunter viele ziemlich gefährliche Schadstoffe. Werden Textilien zum Beispiel minderwertig gefärbt, dann wandern Schadstoffe durch die Haut in den Körper. Das kann Reizungen und Allergien auslösen. Ja und Bleichen ist auch so ein Thema. Viele Jeans-Stoffe werden mit Chlorverbindungen zum Beispiel gebleicht und die bauen sich einfach nicht ab. Perchlorat zum Beispiel ist giftig für Mensch und Tier und kann zum Beispiel den Stoffwechsel der Schilddrüse hemmen.

 

Oskar (06:28)

Uff, das klingt ja erstmal ein bisschen angsteinflößend, aber es gibt doch sicher für uns Verbraucherinnen und Verbraucher irgendwelche Kennzeichnungen, die uns helfen, dass wir eben uns für das richtige Shirt entscheiden. Woran kann ich das denn erkennen?

 

Gabriele (06:42)

Ja, das ist ganz einfach. Also es gibt zum Beispiel das sogenannte GOTS-Siegel. Das Siegel zertifiziert Kleidung aus Naturfasern entlang der Lieferkette und verbietet die Verwendung von giftigen Substanzen wie Schwermetallen. Noch etwas strenger ist das IVN-Siegel. Das verbietet für die gesamte Lieferkette vom Anbau bis zum Endprodukt giftige Chemikalien und außerdem definiert es für Anbau und Verarbeitung strengen Sozialstandards. Dann gibt es natürlich das KBA, also Abkürzung für Kontrolliert Biologischer Anbau. Wenn das auf der Kleidung ist, dann kannst du einfach sichergehen, dass die Baumwolle aus Bioanbau stammt. Und drüber hinaus achten viele Anbieter von Bio-Baumwollkleidung auch auf faire Arbeitsbedingungen in der Herstellung. GOTS und IVL sichern zum Beispiel soziale Mindeststandards für den Anbau und auch den Verzicht auf Pestiziden. Bioanbau schützt die Arbeitenden. Und verlässliche Aussagen auch zu den Bedingungen in der Weiterverarbeitung treffen etwa die Siegel Fair Trade Cotton oder Fair Trade Textil Production und die Mitgliedschaft des Unternehmens in der Fair Wear Foundation.

 

Oskar (07:57)

Ja genau dieses auf jeden Fall das Logo von der Fair Wear Foundation das habe ich auch sofort im kopf das kennt man glaube ich so auch Wir verlinken euch auf jeden Fall aber auch noch mal ein paar Siegel oder eine Übersicht in den Shownotes. Und um das jetzt noch abzuschließen wir haben jetzt vor allem über die Bio-Baumwolle gesprochen jetzt frage ich mich okay, wenn ich zum Beispiel nicht Synthetik-Klamotten tragen möchte und ich möchte aber noch eine Alternative haben zu der Baumwolle, die ja vielleicht auch einen gewissen Look hat. Was für Materialien gäbe es denn da noch, die auch nachhaltig sind?

 

Gabriele (08:34)

Da wäre zum Beispiel unsere heimische Naturfaser Leinen. Leinen ist sehr angenehm auf der Haut, die Kleidung ist langlebig. Leinen kühlt bei Sommerhitze und auch sonst wie bedingten Schweißausbrüchen mein absoluter Lieblings-Stoff. Und echte Öko-Helden unter den Textilfasern sind Hanffasern. Kleidung aus Hanf ist sehr, sehr langlebig, trägt sich sehr angenehm auf der Haut und wird mit jeder Wäsche weicher. Und das kann man nicht nur im Sommer tragen, sondern auch im Winter, weil es kühlt und wärmt, je nachdem. Und die Hanfpflanze ist außerdem total anspruchslos. Die verbraucht im Anbau wenig Wasser, laugt den Boden nicht aus und ist sogar resistent gegen Pflanzenkrankheiten wie Pilze und Bakterien. Also ich finde das sind absolut hochwertige Naturmaterialien, Bio-Baumwolle, Leinen und Hanf. Und wenn man auf die Siegel achtet, dann macht man einfach schon vieles richtig.

 

Oskar (09:26)

Sehr schön, genau. Und das ist ein ganz gutes Schlusswort, weil es ja immer so bisschen die Frage ist, wenn man sich in so einem Dschungel bewegt, worauf kann man sich verlassen. Diese Siegel versichern eben, das hast du vorhin ganz gut erklärt, wo die Klamotten herkommen und wie die Bedingungen innerhalb der Produktion sind. Und was vielleicht noch extra zu sagen ist, falls es euch nicht auch schon aufgefallen ist, liebe Hörerinnen und Hörer, ist, dass diese drei Stoffe, auch die Gabriele genannt hat, alle vegan sind, weil es Naturfasern sind von Pflanzen. 

Ja, das war's auch schon mit unserer Kurzfolge zum Thema Bio-Baumwolle. Nochmal vielen Dank an Gabriele fürs dabei sein. Und wir hören uns nicht in zwei Wochen wieder, sondern wir machen eine kleine Herbstpause. Das ist aber noch nicht ganz das Ende von dieser Staffel. Wir sehen uns nochmal Ende des Jahres wieder. Dann zum Thema Essen und Psyche. Wir werden mit einem Experten sprechen, der sich damit auseinandergesetzt hat, wie unsere Ernährung unsere Psyche beeinflussen kann. Und ich freue mich schon riesig. Ich wünsche euch eine wunderbare Herbstpause und wir hören uns wieder bei Weltretter Bio. Bis dahin. Tschüss!

Über Gabriele Augenstein

Schrot&Korn-Redakteurin Gabriele Augenstein schreibt über die Stolpersteine und kleinen Erfolge des ganz alltäglichen Weltrettens. 

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