Männerdomäne Landwirtschaft? Lange gaben vorrangig Männer auf den Höfen den Ton an. Unsere Podcast-Hosts Johanna Juni und Oskar Smollny treffen in der 4. Folge von "Weltretter Bio?" auf zwei Frauen, die mit Klischees und veralteten Rollenbildern aufräumen möchten. Maike Schumacher und Friederike Hegselmann sind Betriebsleiterinnen des Biohofs Gut Wilhelmsdorf bei Bielefeld. Welchen Vorurteilen die beiden schon begegnet sind und woher sie den Mut und die Kraft nehmen, etwas verändern zu wollen, das erfahrt ihr in unserer aktuellen Podcast-Folge.
Transkript zur Folge:
Friederike (00:02)
Liebe vergeht, Hektar bestehen und da habe ich echt... Boah, das war schon echt ein harter Einstieg.
(INTRO) "Weltretter Bio?": Ein Podcast von Schrot und Korn
Oskar (00:08)
Unsere heutige Podcastfolge wird gesponsort von Sonnentor. Der Biopionier aus Österreich möchte das wertvolle Wissen rund die Welt der Kräuter bewahren und teilen. Denn die Natur hat die spannendsten Rezepte und Sonnentor die besten Tees und Gewürze dazu. Vor allem für die wechselnden weiblichen Bedürfnisse gibt es für alle Lebensphasen eine ideale Begleitung aus der Welt der Kräuter. Ob Frauenmantel oder Schafgabe. Auf der Sonnentor Website gibt es viele Rezepte und Tipps zu entdecken.
Johanna (00:49)
Herzlich willkommen zum Podcast „Weltretter Bio, was Bio dir und dem Planeten wirklich bringt.“ Mein Name ist Johanna Juni und mir gegenüber sitzt wie immer der wunderbare Oskar Smollny.
Oskar (01:01)
Hallihallo, wir freuen uns sehr, dass ihr heute wieder mit dabei seid.
Johanna (01:04)
Ja und während wir gerade aufnehmen und ihr wahrscheinlich hoffentlich gemütlich auf der Couch sitzt und im Podcast hört, ist die Bio-Fach gerade in vollem Gange. Die Bio-Fach für alle, die es nicht kennen, ist die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel in Nürnberg. Und in diesem Jahr liegt der Fokus auf Frauen in der Bio-Branche. Und wir haben uns gedacht, das nehmen wir jetzt einfach mal zum Anlass, uns auch im Podcast mit genau diesem Thema zu beschäftigen.
Oskar (01:29)
Und dafür haben wir uns zwei tolle Gästinnen eingeladen und zwar einmal Maike Schumacher und Friederike Hegselmann vom Biohof Gut Wilhelmsdorf bei Bielefeld. Die beiden haben im letzten Jahr die Betriebsführung von diesem Hof übernommen und setzen dabei nicht auf die traditionelle familiengeführte Hofkultur, also dieses Familienunternehmen Bauernhof, das man sonst so kennt.
Johanna (01:53)
Ja kennt man vielleicht auch noch aus der Trash-TV-Sendung Bauer sucht Frau, wo eben genau das Gang und Gebe ist, dass der Landwirt, der den Hof geerbt hat, sich dann eben eine Partie sucht, die mit auf den Hof kommt. Und Maike und Friederike machen das anders und brechen dabei mit Klischees.
Oskar (02:11)
Genau, sie finden nämlich, dass diese traditionelle Rollenaufteilung total überholt ist. Zu Recht wie ich auch finde. Und die Begründung dafür ist, dass diese traditionelle Hofführung eben oft auf Selbstausbeutung beruht. Sie haben sich deshalb ein ganzes Führungsteam aufgebaut aus insgesamt vier Personen. Und Maike und Friederike sind innerhalb dieses Teams für die landwirtschaftliche Betriebsführung verantwortlich. Die beiden haben außerdem jeweils drei Kinder, teilen sich aber die Care-Arbeit auch gleichberechtigt mit ihren Partnern.
Friederike hat ganz aktiv nach Höfen gesucht, die eine Nachfolge suchen und ist somit zu Gut Wilhelmsdorf gekommen. Und Maike ist tatsächlich auf Gut Wilhelmsdorf aufgewachsen und hat dadurch den Hof von ihrem Vater jetzt eben mit übernommen.
Johanna (02:54)
Ja und im Interview erzählen die beiden Frauen davon, mit welchen Herausforderungen sie dabei zu kämpfen haben und mit welchen Vorurteilen sie in der, ich sag jetzt mal, Männerdomäne Landwirtschaft immer noch konfrontiert werden.
Und dabei sind sie sehr offen und ehrlich und erzählen, wie sie da ihren eigenen Weg gehen und wie sie einiges auf dem Hof und in der Hofkultur anders gestalten. Was genau und wie die beiden die Energie dafür finden, das hört ihr jetzt im Interview und wir wünschen euch ganz viel Freude beim Zuhören. Herzlich willkommen zum Podcast Maike und Friederike. Wir freuen uns total, dass ihr heute da seid und stellt euch doch einmal kurz vor.
Oskar (03:27)
Viel Spaß!
Friederike (03:35)
Ich bin Friederike Hexelmann, bin 33 Jahre, habe drei Kinder und bin jetzt hier seit letztem Jahr, 1.5. selbstständig in der Landwirtschaft tätig. Also bin hier Unternehmerin oder Betriebsleiterin und mache, ja, was mache ich denn eigentlich alles? Die ganze Koordination vom vielleicht Futterbau und vom Ackerbau und ja, ziemlich viele Verwaltungsaufgaben, die immer mehr natürlich werden und genau immer da, wo es brennt.
Maike (04:04)
Ich bin Maike Schumacher, ich bin 29 Jahre alt und habe auch drei Kinder. Ich kümmere mich in der Landwirtschaft um unsere Kühe. Wir haben 230 Milchkühe und die weibliche Nachzucht. Wir kommen ungefähr auf 380 Köpfe. Und wir haben bei der Anzahl der Mitarbeiterinnen, die viel zu sagen, weiß ich auch nicht mehr, also wir haben drei festangestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und und zwei Azubis und drei Aushilfen und drei Teilzeitkräfte.
Oskar (04:39)
Das ist vielleicht etwas frech gefragt jetzt, den Witz konnten wir uns sozusagen nicht verkneifen. Die Landwirtschaft, so im allgemeinen Bild und generell war ja lange Zeit eine Männerdomäne oder die Rollenverteilung war zumindest lange Zeit klar, so wirkt das nach außen. Stichwort auch Bauer sucht Frau, also ein wohl sehr populäres Format, was es schon seit Jahrzehnten gibt.
Musstet ihr bei eurem Einstieg in die landwirtschaftliche Arbeit, also als ihr angefangen habt, euch damit auseinanderzusetzen, musstet ihr da gegen diese Vorurteile oder mit diesen Vorurteilen kämpfen?
Maike (05:16)
Ich habe eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht in Schleswig-Holstein. Und da hatte ich schon manchmal den Eindruck, dass ich mich als Frau mehr, also zumindest einigen Personen gegenüber mehr beweisen muss. Beziehungsweise beweisen muss, dass ich das kann. Allerdings weiß ich auch manchmal nicht, wie viel Druck ich mir da selbst gemacht habe. inwiefern das eigentlich von mir selber kam, dass ich das Gefühl hatte, okay, ich muss irgendwie zeigen, dass ich das genauso gut kann wie die anderen auch.
Oder inwiefern das wirklich von außen an mich herangetragen wurde. Von einigen Personen kommt das, glaube ich, ganz klar von außen. Aber oftmals ist es vielleicht auch, dass man sich den Druck auch Stück weit selber macht. Genau, dass man gerade beim Umgang mit Maschinen und dass man da was Neues lernt, da muss ich mich manchmal unglaublich zusammenreißen. Dass ich einfach sage, ich mache es jetzt einfach selber. Ich will das jetzt verstehen und ich mache es jetzt einfach. Auch wenn ich jetzt selber gerade denke, ich krieg das nicht hin, aber ich krieg's schon irgendwie hin. So schwer kann das ja nicht sein.
Friederike (06:22)
Ja, bei mir war das so eigentlich. Ich habe ja quasi auch angefangen auf einem Biobetrieb hier in Bielefeld und da war das eigentlich immer ganz heimelig und war völlig in Ordnung. Da wurde das nie in Frage gestellt und ich bin dann ja zum Studium nach Göttingen gegangen. Und da war wirklich die erste Veranstaltung damals mit 700 Agrarwissenschaftlern in einem riesen Hörsaal. Und dann hat wirklich der Professor gesagt, so bitte alle Männer hinstellen. So und jetzt alle Männer, die weniger als 100 Hektar haben, bitte auch noch mal hinsetzen und die anderen, die jetzt alle noch stehen und noch Single sind, die bitte stehen bleiben, alle anderen hinsetzen und dann hat er wirklich so in die Runde gesagt, jetzt könnt ihr, Mädels, jetzt könnt ihr euch mal hier die aussuchen, die noch Hektars haben und Single sind, also, Liebe vergeht, Hekter bestehen und da hab ich echt, boah, das war schon echt ein harter Einstieg, da musste ich wirklich ziemlich schlucken und ich sag mal, das ist dann auch, zieht sich auch so ein bisschen durch.
Johanna (07:18)
Was ich jetzt spannend fand, ist, so ein Spruch in der Landwirtschaft dieses Liebe vergeht, Hektar besteht.
Friederike (07:24)
Mich hat das aufjedenfall immer begleitet im Studium. Man heiratet in bäuerliche Familie ein, die Land besitzt. Somit kann man Teil dieser Landwirtschaftsgesellschaft oder dieser bäuerlichen Familie werden. Und wenn du halt kein Land hast, das war ja im Speziellen bei mir auch so, ich komme ja nicht vom Hof, ich hatte nix, war das dann einfach so, fühlte ich mich dann immer auch angesprochen, du hast ja nix, also such dir irgendjemand. Anders wirst du nicht an landwirtschaftliche Fläche kommen. Das ist ja auch nach wie vor ein großes Problem, dass man nicht einfach so Fläche pachten kann, weil es meistens zu viel Konkurrenz gibt oder es einfach zu teuer ist. Deswegen nutzen sich das schon viele halt, ja, es ist glaube ich auch nur ein Vorurteil, dass man das dann wirklich so plant, dass man halt so zum landwirtschaftlichen Betrieb kommt. Aber mir wurde es immer vorgehalten. Ich hab das immer so mitbekommen.
Oskar (08:19)
Das klingt fast schon so bisschen wie so Adel, also muss ich sagen, dass man sagt, man muss sich in so eine, also ich sage es in Anführungszeichen, bäuerliche Adelfamilie, die halt schon Land hat, rein heiraten, wie so Heiratspolitik.
Johanna (08:33)
Naja, also Heiratspolitik war ja nicht nur beim Adel früher, sondern insgesamt wurde ja früher geheiratet aus wirtschaftlichen Interessen. Das finde ich schon ganz spannend, dass es dann in dem Bereich noch so ist. Oder ich meine, im Endeffekt gibt es ja soziologische Studien, dass es in ganz vielen anderen Bereichen auch immer noch so ist.
Maike (08:51)
Ich glaube aber nicht, dass viele aus diesen Gründen heiraten, auch nicht in der Landwirtschaft. Aber es ist trotzdem ein dummer Spruch, den man oft hört.
Friederike (08:58)
Also ich glaube, ob das dann wirklich so eintrifft, weiß ich jetzt nicht, aber man hört es doch landständig. Man muss aber auch sagen, hat ja auch, das erklärt ja auch so einiges, es ist einfach sehr, sehr teuer, eine Unternehmensgründung in der Landwirtschaft zu machen. Also es kommt nicht von ungefähr, es ist eigentlich quasi nicht möglich, Land zu kaufen in solchen Größenordnungen, wo man halt wirtschaftlich da steht und dann halt sich auch alles andere, was dazu noch gehört. Also das sind meistens gewachsene Strukturen, in die man halt reinkommt, die man halt übernimmt.
Johanna (09:30)
Mich würde noch interessieren, du hast von einem Studium am Anfang erzählt, in dem Hörsaal mit 700 Studierenden, wie hoch war der Frauenanteil da so? Also in etwa?
Friederike (09:41)
Also im Studium war es eigentlich immer so, dass da schon recht viele Frauen waren. Also ich würde das jetzt mal so auf 30 Prozent beziffern. Also es kommt ein bisschen darauf an.
Maike (09:49)
Bei uns war es sogar 50-50.
Friederike (09:51)
Ich bin danach zum Master nach Wien gewechselt. Da war es auch auf jeden Fall 50-50. Göttingen ist ja doch eher dann klassisch, da war es vielleicht 30 Prozent. Aber die Frauen waren dann nur, dann im Master die Pferdewissenschaften zu machen.
Maike (10:01)
Das ist auch wieder so ein Vorurteil.
Friederike (10:08)
Jaja klar, also entweder Hektars holen oder Pferdewissenschaften eins von beidem.
Johanna (10:15)
Seid ihr heute noch damit konfrontiert, dass ihr vielleicht Situationen habt, in denen ihr euch nicht ernst genommen fühlt oder in denen ihr das Gefühl habt, ihr müsst euch da beweisen als Frauen?
Oskar (10:28)
Zumal ihr jetzt auch nicht mehr Studierende seid, sondern
Johanna (10:32)
Betriebsleiterinnen.
Maike (10:34)
Ich finde ehrlich gesagt erstaunlich wenig. Also so die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, wir hier haben, da war es nie ein Thema. Das hat einfach überhaupt keine Rolle gespielt. Und auch die meisten Geschäftspartner und Geschäftspartnerinnen, mit denen wir so zu tun haben, da wurde es nie thematisiert oder hat einfach gar keine Rolle gespielt. Es gibt natürlich manchmal so Situationen von Leuten, die uns nicht kennen oder so. Ich wurde schon häufiger mal für die Praktikantin gehalten. Oder so. Wenn irgendein Vertreter auf den Hof kommt, was verkaufen will. Genau. Aber ansonsten jetzt im Alltag, muss ich sagen, spielt es sehr selten eine Rolle. Also wenn, glaube ich, ist entscheidender eher, dass wir relativ jung sind und natürlich auch in vielen Bereichen irgendwie unerfahren. Also dass das dann eher mal was ist, was uns vielleicht vorgehalten wird.
Friederike (11:30)
Ja, also ich denke wir haben da jetzt einfach auch schon so ein Standing, also auch seit der Betriebsübernahme ist das eigentlich bei allen Leuten, also bei den Unternehmen, das sind ja dann schon bisschen derbe Typen manchmal, aber selbst da ist es überhaupt kein Thema, also da kann ich, also ich meine, das sind halt Geschäftspartner oder Dienstleister und die machen das, was man sagt, und da hat man eigentlich keine Vorurteile, auch bei den Mitarbeitern nicht. Genau, das Einzige ist halt eher so Unbekannte, die tappen dann manchmal in so Fettnäpfchen, es war jetzt hier bei der Agritechnica, als wir Trecker gekauft haben. Unser alter Chef war noch mit, unser Vorgänger, den hatten wir eingeladen, komm doch mal mit, Trecker noch mal gucken. Wir wurden eigentlich auf jedem Stand wurde er halt begrüßt, weil er derjenige ist, der diesen Trecker kaufen will, das Fahrzeug. Wir waren quasi so die Töchter, oder ich weiß nicht wie. Und dann hat immer nur Johannes, unser alter Chef, gesagt, ja ne die beiden Frauen wollen hier den Trecker kaufen, nicht ich und hat sich da eigentlich immer so einen Spaß draus gemacht. Und dann war auch alle immer so, oh, ja, Entschuldigung und ja, natürlich hier. Genau, auf der Messe auf der Agritechnica halt zuletzt. Das hat man aber häufiger, dass man halt, sobald man halt vom Beruf wegfährt, irgendwo hin, Leute kennen einen nicht. Ich werde immer als Tochter von meinem alten Chef halt gehalten oder als irgendwie eine Mitarbeiterin, aber jetzt nicht so als Betriebsleiterin. Aber joa, können wir mit leben.
Oskar (12:58)
Jetzt habt ihr ja vorhin schon erzählt oder du, Rike, hattest einmal gesagt, dass du tendenziell manchmal eher für die Tochter von eurem ehemaligen Chef gehalten wirst oder wurdest. Jetzt ist es ja aber tatsächlich bei euch auf dem Betrieb so, auf Gut Wilhelmsdorf, dass ihr gar nicht in dem Sinne ein klassischer Familienbetrieb seid, wo oben das Oberhaupt steht und dann irgendwie die Familie mitarbeitet. Und ihr habt auch ein Führungsteam oder ein Betriebsleiterinnen-Team anstatt nur eines Chefs.
Wie kam es denn zu dieser Entscheidung, dass ihr gesagt habt, wir machen das eben als Team, als eine Gruppe und hattet ihr da irgendwie Gegenwind, hattet ihr Probleme, andere Modell umzusetzen?
Friederike (13:39)
Ich würde eher sagen, war ein bisschen Zufall. Das fing ja so bisschen an, die ganze Geschichte. Ich hatte nach dem Studium mal so eine Anzeige stehen, dass ich einen Hof suche, weil das war schon immer mein Lebenstraum, einen Betrieb zu übernehmen. Und darauf hatten sich Uli und Johannes, also unsere ehemaligen Chefs, beziehungsweise von denen wir das übernommen haben, drauf gemeldet und haben einfach gesagt, willst du das nicht mal ausprobieren hier auf dem Hof? Wir haben uns oder die haben angefangen, mit der Betriebsübernahme zu beschäftigen oder Hof Nachfolge und haben einfach gesagt, komm, wir machen das einfach mal und du machst hier mal so ein Trainee ob das passen könnte. Genau, und dann kam eigentlich in dieser Zeit, kamen halt Maike und Maikes Mann Jan dazu, die auch dann Interesse bekundeten und sagten, ja, sie könnten sich das auch vorstellen.
Und dann sind wir irgendwie so zusammengewachsen. Wir haben das mal Zukunftswerkstatt genannt, haben zu verschiedenen Themen gearbeitet, haben geguckt, wie könnte es funktionieren. Also wenn man die Aufzeichnung von ganz am Anfang liest, wie wir uns das aufteilen wollten, das ist jetzt ganz anders am Ende letztendlich gelaufen. Wir sind quasi so zusammengewachsen als Gruppe. Und Maike und ich sind jetzt wirklich in der Landwirtschaft, haben das dann übernommen.
Maike (14:53)
Also ich meine, ein Stück weit haben wir das ja auch fortgeführt. Also es wurde ja vorher auch von zwei Betriebsleitern schon geführt, eben der Betrieb. Und auch nicht als, nicht in der Struktur eines Familienbetriebs, sondern wirklich die beiden haben den Betrieb geführt. Die Frauen haben beide was anderes gemacht, waren auch nicht involviert eigentlich in den Alltag, sondern die beiden haben das zusammen gemacht und hatten eben auch, so wie wir jetzt auch, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die eben angestellt waren und das als Angestellte gemacht haben. Das heißt, die Struktur haben wir ein Stück weit eigentlich übernommen. Und die ist vielleicht ein bisschen ungewöhnlich, weil es nicht so der klassische Familienbetrieb ist, aber ich finde die eigentlich sehr zukunftsträchtig, weil ich finde, der klassische Familienbetrieb, der beruht einfach oft auf Selbstausbeutung. Das kann man einfach klar vielleicht so sagen, von allen Beteiligten eigentlich. Und bei uns, klar, sind wir auch selbstständig und das ist viel selbst und ständig. Aber es ist trotzdem so, dass wir uns abwechseln können, dass wir auch tatsächlich so groß sind. Es geht ja auch oft immer das Thema, wir wollen kleinbäuerliche Betriebe und ich frage mich immer, wer soll da eigentlich arbeiten auf diesen Betrieben? Seid ihr sicher, dass ihr das als Zukunftsmodell seht? Weil ich finde das nicht sozial verträglich.
Oskar (16:13)
Inwiefern?
Maike (16:14)
Ich finde, um ein sozialverträgliches Arbeitsumfeld zu haben, muss man auch eine gewisse Größe im Betrieb erreichen, dass man die finanzieren kann. Dass man eben sagen kann, ich habe Mitarbeiter und wir können uns abwechseln, wir können uns die Wochenenden aufteilen, können Urlaub machen. Und das ist positiv, aber das geht eben nicht, wenn ich ein total kleiner Betrieb bin, der es sich nicht leisten kann, Mitarbeiter zu haben. Und da finde ich, immer so ein Stück weit ... Größe wird ja immer als was Negatives betrachtet. Ich finde, das ist aber eigentlich der total falsche Ansatz. Größe hat eigentlich mit Qualität erstmal nichts zu tun. Das hat ganz viel damit zu tun, wie wird was umgesetzt im Prozess. Und ich finde es eigentlich vom Arbeitsmodell total positiv, wenn man größer ist, weil man dann nicht mehr so auf diesem Prinzip Selbstausbeutung auf dieses Prinzip zurückgreifen muss. Das fehlt immer komplett auch in der politischen Debatte. Da findet es ja überhaupt keinen Raum mal zu sagen, ok, kleinbäuerliche Strukturen, das ist das, was jede Partei in ihr Parteibuch schreibt. Aber keiner guckt mal dahinter und sagt, ja, was heißt denn das im Alltag für die Leute, die da arbeiten? Was heißt das für die Arbeitsbedingungen?
Friederike (17:32)
Und dann kommt man auch, wenn man jetzt von diesen kleinbäuerlichen Betrieben kommt, man auch wieder in diese total krassen Rollenbilder. Also da gibt es dann halt den Betriebsleiter, das ist dann der Mann. Und dann gibt es halt die Frau, die Betriebsleiterfrau, die macht halt die ganze Care-Arbeit drumherum, dass es irgendwie so läuft. Und aber auch die ganze Care-Arbeit auf dem Hof. Also die macht dann ganz klassisch die Kälber und die Jungtierversorgung und das Kleinvieh und ist eigentlich eine nicht entlohnte Arbeitskraft. ja, es gibt natürlich in der Landwirtschaft zahlt man dann schon ein für die Partnerin, Partner im Sozialsystem oder in der Sozialversicherung. Aber letztendlich sind das diese alten klassischen Rollenbilder und die kann man da auch einfach so nicht aufweichen, weil man ist darauf angewiesen. Man kann es nicht anders organisieren. Es gibt einen, der da wirklich fix arbeitet und man kann sich keine Angestellten leisten.
Maike (18:21)
Man könnte es schon so organisieren, dass man als Mann und Frau auch eine GBR gründet und sagt, wir sind beide die Betriebsleiter, wir zahlen beide in die Rentenkasse ein, wir sind beide quasi für uns selbst verantwortlich und teilen 50-50. Das könnte man natürlich so organisieren, das wird aber oft nicht so gemacht.
Johanna (18:38)
Warum nicht?
Maike (18:39)
Weil meistens einer ja tatsächlich der Hoferbe ist oder auch die Hoferbin, das kann ja auch sein. Also es ist ja schon meistens in den allermeisten Fällen so, dass der Betrieb durch Erbe übertragen wird und der andere ist halt dann der angeheiratete Part. Es ist ja auch nicht immer so, dass die Frau, also es gibt natürlich auch Frauen, die Betriebe erben und übernehmen.
Johanna (19:01)
Ihr seid ja jetzt zu viert in dem Führungsteam. Also Maike und Friederike, ihr beiden macht die Landwirtschaft und dann habt ihr noch zwei andere mit im Boot, die sich um Direktvermarktung und die Molkerei kümmern.
Ihr habt jetzt gerade schon so ein bisschen angedeutet, das fand ich sehr interessant, dass eben diese Aufteilung euch ermöglicht, dass man auch mal Urlaub macht, dass man ein Wochenende frei hat, dass man verträgliche Arbeitszeiten hat. Wie ist das denn mit euren Partnern? Also wie gelingt euch sozusagen dann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Friederike (19:40)
Ich weiß noch, als ich so von diesem ganzen, dass ich einen Hof übernehmen wollte, ich immer so gedacht, es wäre schön, als Paar das auch zu machen, diese typische kleinbäuerliche Struktur. Dazu ist es aber eigentlich nie gekommen, weil mein Mann, den ich schon sehr lange, also sehr früh kennengelernt habe, hat halt immer andere Interessen gehabt und macht auch was anderes, der ist Elektroingenieur. Und das hat sich jetzt, finde ich, im Nachhinein eigentlich als sehr positiv erwiesen. Dann bringt er einfach so eine gewisse Flexibilität mit. Also er muss ja nicht am Wochenende dann arbeiten oder kann mal Kindkrank machen, wenn ein Kind krank ist. Oder hat jetzt auch Elternzeit länger gemacht bei unserer letzten Tochter. Für uns in der Familie ist das super positiv. Es ist auch so eine wirtschaftliche Entlastung, weil man weiß, dass eine Person auf jeden Fall von extern noch Geld verdient. Ich will eigentlich nicht abhängig sein, aber es gibt einem eine Sicherheit.
Wir versuchen immer gegen diese Rollenbilder zu arbeiten. Er hat diese Elternzeit gemacht und sich ganz viel um unsere jüngste Tochter gekümmert. Er macht jetzt auch sehr viel mit den Kindern und macht viel Kinderzeit. Anders würde es aber auch nicht funktionieren, weil ich doch wirklich viel im Betrieb arbeite. Und auch im Sommer, wenn wir halt in der Ernte sind oder so, muss man ziemlich schnell reagieren und machen und tun. Und das ist halt super, wenn man jemanden hat, der da einfach ständig auch einspringt in der Familie.
Maike (21:08)
Janik hat sogar uns entlastet.
Friederike (21:11)
Genau.
Maike (21:14)
Bei mir ist es ein bisschen anders, weil Jan ja auch bei uns im Betrieb arbeitet und eben auch in der Führungsposition da ist. Das ist schon nachteilig, wenn beide Partner selbstständig sind. Das ist schon eine Herausforderung auf jeden Fall. Also ich glaube, wir haben es aber beide schon so gemacht. Also auch bei uns hatte Jan Eltern Zeit und musste in Teilzeit arbeiten... was heißt musste, sollte und wollte. Genau. Also es funktioniert einfach nur der Alltag, wenn beide Partnerinnen und Partner sich da einfach einbringen. Das ist, glaube ich, bei unseren beiden Familien auch gleich. Also dass nicht einer sich da raushalten kann.
Friederike (21:59)
Also aus der Familienarbeit oder?
Maike (22:00)
Genau, aus der Care-Arbeit, das läuft einfach nicht. Es müssen beide ran. Wir haben alle straffe Pläne, wer wann wie die Kinder abholt bringt und sobald einer krank ist, kollabiert das System. Man kann einfach vielleicht auch sagen, ohne ein Umfeld, sage ich mal, was das jetzt mitträgt und wo man sich gegenseitig unterstützt durch Großeltern, Freunde oder eben auch jetzt viel gegenseitig, würde das nicht funktionieren.
Maike (22:29)
Also dann, ja, so Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dann Selbstständigkeit, das ist schon extrem herausfordernd für alle. Also auch für die Kinder, für uns, für unsere Mitarbeiter, weil auch die müssen damit umgehen, dass eben, ja, wir dann halt mal nicht kommen oder so. Wir können einfach nicht diese gleiche Konstanz an den Tag legen, die vielleicht unsere Vorgänger mitgebracht haben.
Friederike (22:54)
Also das ist eine andere Struktur als vorher auf jeden Fall, wo quasi die beiden Männer das Haus verlassen haben und dann halt einfach in Betrieb gearbeitet haben und jetzt erstmal mit der Familienarbeit da nichts zu tun hatten oder erstmal nicht so groß zu tun hatten.
Johanna (23:09)
Naja, es liegt genau daran, dass ihr im Endeffekt das Rollenmodell aufgebrochen habt. Dass nicht einer sozusagen Ernährer ist und Vollzeit arbeiten geht und die andere Person Teilzeit arbeitet und Care-Arbeit macht, sondern dass ihr das eben gleichermaßen auf, ich sag jetzt mal vier Schultern, also zwei Frauen und zwei Männer dann gelegt habt.
Oskar (23:31)
Genau, was ich jetzt noch fragen wollte, es gab also dieser veränderte Führungsstil, hat der Betrieb davon profitiert, dass ihr das so umgestellt habt und wenn ja wie und wie hat es auch die Menschen, die im Betrieb arbeiten, beeinflusst?
Maike (23:45)
Also ich weiß nicht, ob der Betrieb tatsächlich davon profitiert. Ich glaube, der Betrieb würde schon... Also es wäre einfacher, einen Betrieb zu leiten, wenn man jetzt keine Kinder hätte, muss ich ganz ehrlich sagen. Weil man einfach eine ganz andere Konzentration mitbringen kann auf die Sache und nicht... Also ich glaube, unser Arbeitsalltag geht ganz oft von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends und dann findet da eben alles statt. Von Frühstück machen, Wäsche waschen, Kindergeburtstag organisieren und dann um 16 Uhr weiß man, okay, ich muss jetzt zur Kita, ist jetzt egal, ob ich jetzt eigentlich hätte, noch eine halbe Stunde dranhängen müssen oder nicht, ist jetzt einfach so, ich muss jetzt gehen. Und das ist natürlich auch manchmal doof. Das ist auch für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen manchmal doof, dass man einfach sagen muss, sorry Leute, ich muss jetzt los. Es bringt nichts, ist jetzt scheiße, aber ich gehe jetzt. Also deswegen würde ich sagen, ich weiß nicht, ob der Betrieb davon profitiert. Vielleicht so ein bisschen in der Kultur, sag ich mal, dieses es ist okay, wenn man auch mal krank ist oder auch mal nicht kann. Ja. So, das ist vielleicht so ein bisschen stressfreier geworden. So für alle würde ich sagen.
Oskar (25:00)
Also diese Sozialverträglichkeit, die du erwähnt hast.
Maike (25:03)
Genau, dass auch die Mitarbeiter, die bei uns Kinder haben, das ist bei uns tatsächlich nur ein Mitarbeiter, dass er vielleicht auch weiß, okay, wir verstehen ihn. So seine Kinder sind krank, er muss zu Hause bleiben und er muss jetzt bei uns nicht damit rechnen, dass wir sagen, was soll das denn jetzt, warum bleibst du jetzt zu Hause? So verstehen wir nicht. Sondern so der weiß, wir kennen das Problem, haben es selber oft und man muss nicht mit Gegenwehr rechnen. Aber ansonsten glaube ich eher nicht, dass es positiv ist für den Betrieb, sondern auch herausfordernd.
Johanna (25:38)
Ihr habt jetzt viel über die Betriebsführung im Hinblick auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch gesprochen. Auch, dass ihr da, wie ich rausgehört habe, schon sehr viel verändert habt auf dem Hof. Oder das ist jetzt eine ganz andere Art von Verantwortung, die auf vier Schultern liegt, jetzt statt auf zwei. Dass ihr aber auch natürlich auf eure MitarbeiterInnen setzen müsst, dadurch, dass eben viele Kinder jetzt auch im Betrieb sind und alle zusammenarbeiten und alle zusammenhalten müssen. Ihr habt jetzt ungefähr seit einem Dreivierteljahr gemeinsam die Betriebsleitung, habt in der Zeit schon einen sehr großen Meilenstein verändert und zwar, dass Kälber gemeinsam mit einer Ammenkuh aufgezogen werden. Könnt ihr vielleicht mal erzählen, was genau man sich darunter vorstellen kann, was das bedeutet und warum ihr euch dafür entschieden habt? Weil wenn man das jetzt erstmal so hört oder als ich das zum ersten Mal gehört habe, dachte ich mir, wow, toll, dass ihr das macht und krass, das muss ja noch mal extra Aufwand und Zeit und Geld kosten. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
Friederike (26:38)
Also rein technisch heißt das jetzt einfach, dass die Kälber an einer Ammenkuh aufgezogen werden. Also dass wir immer drei bis vier Kälber sammeln, also drei Fremde und das eigene Kalb von einer Kuh und sie dann halt aneinander gewöhnen und dass dann halt die Kälber sich die Milch von der Amme halt holen und wir sie nicht mehr separieren müssen in diesen einzelnen Iglus oder in Gruppen später und sie halt einfach mit Milch füttern über einen Eimer oder einen Tränkerautomat. Das heißt, sie können in der Gruppe zusammenleben, gehalten werden. Sie können das Sozialverhalten von größeren Tieren, also von Muttertieren lernen. Sie sind einfach in einer Gruppe gehalten und können ganz arteigen die Milch aus dem Euter saugen.
Johanna (27:24)
Wie war das vorher genau? Also wie hat man sich das vorher vorzustellen?
Maike (27:27)
Auf den allermeisten Milchviehbetrieben ist es so, der Sinn von einem Milchviehbetrieb ist ja, Milch zu produzieren. Das muss man sich vielleicht am Anfang einmal kurz vor Augen rufen. Und diese Milch ist ursprünglich für das Kälbchen gedacht. Und deswegen ist es eigentlich Praxis auf fast allen Milchviehbetrieben in Deutschland, dass Kuh und Kalb spätestens nach dem ersten Lebenstag voneinander getrennt werden. Die Kälber werden dann separat aufgezogen, erst alleine und dann in der Gruppe, über einen Eimer oder, wie Rike gesagt hat, über einen Tränkeautomat.
Oskar (28:02)
Und das ist egal, ob es bio oder konventionelle Betriebe sind?
Maike (28:06)
Ja, genau, auf Bio und auf konventionellen Betrieben ist das eigentlich ganz gängige Praxis. Es hat auch einen entscheidenden Vorteil, den man auch nicht vernachlässigen sollte, der ist nämlich, dass die Tiere dadurch sehr menschenbezogen werden. Also man kann sich das ja vorstellen, wenn man die immer füttert, ist man sehr positiv besetzt als Mensch. Dadurch werden die sehr zahm und sehr auf einen bezogen. Und das ist natürlich für die tägliche Arbeit auch ein sehr entscheidender Vorteil, den man nicht vernachlässigen sollte.
Johanna (28:35)
Warum habt ihr es dann verändert?
Maike (28:37)
Weil uns das ein Anliegen war, einmal ist natürlich mütterliches Verhalten eine sehr stark ausgeprägte Verhaltensweise bei allen Säugetieren. Und wir sind ja ein Biolandbetrieb, das heißt eigentlich schreiben wir uns auf die Fahne, dass wir eben arteigenes Verhalten auch zulassen, im größtmöglichen Umfang. Und deswegen wollten wir, dass die Tiere das Ausleben können und die Kälber das eben auch ausleben können von einem Muttertier großgezogen zu werden und dieses Sozialverhalten auch zu üben.
Friederike (29:07)
Wir stehen sehr in der Öffentlichkeit und es ist natürlich immer wieder die Frage, warum trennt ihr Kuh und Kalb? Wir machen das ja auch nicht gerne, dass wir irgendwie diese Trennung, dass wir uns da total drüber freuen oder ich weiß nicht was, das fällt einem ja auch schwer, wenn man mit den Tieren zusammenarbeitet. Uns war es einfach ein Anliegen, einfach mal was Neues auszuprobieren und zu zeigen, es kann auch anders funktionieren.
Es war auch ein langer Weg dahin, muss ich sagen. Wir haben verschiedene Sachen ausprobiert, haben uns für das System entschieden. Ursprünglich hatten wir gedacht, die Kälber können mit im Stall mitlaufen. Die Kühe geben dann die überschüssige Milch im Melkstand ab. Und das, was das Kalb braucht, weil so ein Kalb braucht ja gar nicht die ganze Milch, was so eine Kuh halt gibt, saufen die Kälber weg im Stall. Aber das hat halt einfach nicht funktioniert. die Kühe haben ...
Maike (29:56)
Zumindest nicht so, wie wir es gedacht haben.
Friederike (29:58)
Also die Kühe hatten dann einfach, die wollten dann keine Milch mehr im Melkstand geben, sondern das alles für ihre Kälber dalassen. da haben wir die Rechnung ohne die Kühe so ungefähr gemacht. Und wir haben einfach da viel ausprobiert und das war jetzt für uns das beste System, dass wir quasi eine Kuh aus der Herde halt rausnehmen, die kümmert sich dann halt drei Fremde und ihr eigenes. Und das birgt immer noch ziemlich viele Nachteile oder Schwierigkeiten, sage ich mal. Da sind wir immer noch nicht am Ziel, sondern wir sind halt stetig daran, das zu verbessern.
Johanna (30:30)
Also Friederike oder Maike, ihr habt es beide so schön gesagt, es lohnt sich eigentlich wirtschaftlich noch nicht und ihr habt es trotzdem gemacht. Warum? Also was war das, was euch da angetrieben hat, dass ihr gesagt habt, ihr müsst da jetzt erstmal ein Risiko eingehen, ihr müsst da mehr Arbeit reinstecken, ihr müsst da mehr Geld reinstecken und trotzdem macht ihr das.
Maike (30:48)
Ich glaube einmal dieses, wenn man etwas gut findet oder davon überzeugt ist, ich meine, so wofür machen wir Landwirtschaft sonst nicht, weil wir damit reich werden wollen, dann haben wir irgendwie wirklich den Beruf verfehlt. Genau, sondern weil man auch was aus Überzeugung macht. Ich glaube, das ist auch was, was uns gemeinsam ist, dass wir beide Lust haben, was zu gestalten und auch diese Möglichkeit zu haben, selber Ideen zu haben und die dann auch umsetzen zu können. Das ist ja auch total toll. Es macht auch total viel Spaß.
Aber dann muss man es halt auch machen. Dann muss man halt die eigenen Ideen und Überzeugungen, die man so hat, jetzt wird man halt auch daran gemessen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, die umzusetzen. Jetzt müssen wir das halt auch machen. Und dass irgendwer uns das zurückgibt.
Friederike (31:39)
Dass unsere Kunden uns sagen, ja super, dass ihr das macht. Wir kriegen super viele Rückmeldungen. Es ist total nett, was wir für einen Kundenstamm haben in Bielefeld. Wir sind ja nur regional hier vertreten. Wenn ich im Laden stehe und da kommen so viele Leute, och toll, dass ihr das gemacht habt, ja Wahnsinn. Dann gibt einem das schon ein tolles Gefühl. Oder die ganzen E-Mail-Zusprüche, die wir im Moment kriegen.
Oskar (32:03)
Ja und ich muss auch sagen, also ihr habt seit einem Jahr oder dreiviertel Jahr jetzt die Betriebsleitung übernommen und habt schon so viel gemacht und man merkt richtig, dass eure Idee und euer Elan da sind. Das gibt einem eigentlich von außen, kann ich das auch jetzt euch nur so spiegeln, dass es einem total Hoffnung gibt und dass man sagt, so ihr habt schon in der kurzen Zeit so eine große Idee umgesetzt direkt, dass es eigentlich nur in die richtige Richtung geht. Es wirkt so, als hättet ihr auf jeden Fall viel Energie und viele Ideen und ihr habt ja auch noch Zeit, die umzusetzen. Ihr müsst nicht alles jetzt im nächsten dreiviertel Jahr machen.
Johanna (32:39)
Ja, vielen Dank für eure Offenheit und für eure ehrlichen Einblicke, für eure Meinungen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit euch zu sprechen.
Friederike (32:50)
Vielen Dank. War ein schönes Interview. Danke. Tschüss.
Johanna (32:57)
Ja, vielen Dank nochmal an Maike und Friederike für das sehr, sehr offene und ehrliche und spannende Gespräch. Wir oder ich sag mal, ich bin total fasziniert von der Energie, die Maike und Friederike mitbringen. ja, ich hoffe, dass die beiden vielleicht euch auch ein bisschen anstecken konnten mit ihrer Leidenschaft. Was nimmst du denn so aus dem Gespräch mit Oskar?
Oskar (33:17)
Ja, mich hat es auf jeden Fall geschockt, dass die beiden immer noch so vielen Vorurteilen begegnen. Oder von manchen in dieser, wir haben es am Anfang gesagt, Männerdomäne, Landwirtschaft als Führungsperson nicht wahrgenommen werden. Obwohl vielleicht liegt es auch daran, dass ich selbst ein Mann bin und das einfach nicht so viel erlebe in meinem Alltag. Ja, aber es war trotzdem dann schön zu hören, dass eben das Direkte und das nahe Umfeld und die Leute, die sie kennen, total positiv reagieren und das auch einfach so hinnehmen und ganz normal annehmen.
Johanna (33:49)
Ich fand es dabei auf jeden Fall sehr beeindruckend, wie Maike und Friederike den Hof umgestaltet haben und da wirklich so eine Art neue Führungskultur pflegen. Und ich dachte mir, vielleicht kann es nicht mal nur für die Landwirtschaft, sondern auch für andere Bereiche eine Anregung sein, dass eben Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt werden. Also sowohl jetzt im Arbeitsbereich, aber auch in der Kinderbetreuung. Ich finde ja das Modell total cool, dass Kleinfamilien eben nicht so isoliert agieren, sondern dass man gemeinsam mit FreundInnen oder mit anderen Eltern Care-Arbeit eben aufteilt.
Oskar (34:23)
Ja absolut und deswegen fand ich auch den Aspekt eben total spannend, den Maike erwähnt hat, nämlich dass dafür ein kleiner Betrieb nicht per se immer die bessere Wahl ist, weil es auch darum geht einfach wirtschaftlich das stemmen zu können, dass man die Arbeit aufteilt oder auch unter dem Personal das aufteilen kann. Dadurch hat man dann eben auch verträglichere Arbeitszeiten, mehr Freizeit und zum Beispiel auch mal wirklich ein Wochenende frei auch in der Landwirtschaft, was ja gar nicht so normal ist.
Johanna (34:53)
Ja, ja, total. Mir hat sich noch so bisschen die Frage gestellt, machen Frauen in Führungspositionen Dinge anders, als es jetzt eben Männer tun würden? Ich habe darauf noch nicht so wirklich eine Antwort gefunden, aber zumindest im Gespräch erscheint es mir, dass Maike und Friederike das tun. Und zwar nicht nur, was die Führungskultur mit dem Team angeht und die Kinderversorgung, sondern auch, dass sie jetzt, obwohl sie erst seit einem Jahr die Betriebsführung haben, schon einen Riesenpunkt umgesetzt haben, nämlich die kälbergebundene Kuhhaltung. Und das ist so eine tolle Sache für die Kühe, für die Kälber. Und letztlich finde ich auch ein Signal für mehr Tierschutz und damit auch für mehr Nachhaltigkeit.
Oskar (35:37)
Ja, absolut. Und dadurch, dass eben dann auch dieser Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit eben auch nochmal in dem Arbeitskontext einen höheren Stellenwert kriegt. An dieser Stelle möchte ich mich einfach bedanken bei unseren Zuhörerinnen und unseren Zuhörern, dass die heute dabei waren. Wir freuen uns total, wenn euch die Folge gefallen hat, wenn ihr sie teilt und damit möglichst viele Menschen davon erfahren, wie wir gemeinsam die Welt ein kleines bisschen nachhaltiger gestalten können.
Johanna (36:06)
Ja abonniert gerne unseren Podcast bei Spotify oder lasst uns eine Bewertung da, da freuen wir uns auch immer sehr drüber. Am 15. gibt es wie immer die nächste Bio-Weltretter Folge. Mein Name ist Johanna Juni und das letzte Wort hat wie immer Oskar Smollny mit Bio ohne Bullshit.
Oskar (36:24)
Welches Bundesland ist eigentlich Bio-Vorreiter? Der Bioland-Verband hat nachgeforscht, in welchem Bundesland es anteilig die meiste Bio-Fläche, den größten Zuwachs und die höchsten Prämien gibt. Der klare Sieger? Bremen. Wir sagen herzlichen Glückwunsch!
Über Maike Schumacher
Maike ist auf dem Gut Wilhelmsdorf aufgewachsen. Ihre Lehre machte sie in Schleswig-Holstein und studierte anschließend Agrarwissenschaften. Seit 2021 ist die 29-Jährige Betriebsleiterin des Biohofs. Sie hat drei Kinder und lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann auf dem Hof.
Über Friederike Hegselmann
Friederike ist 33 Jahre alt und kam als Trainee zum Gut Wilhelmsdorf. Zuvor studierte sie Agrarwissenschaften - stets mit dem Ziel irgendwann einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb zu leiten. Mit ihren drei Kindern und ihrem Mann wohnt Friederike auf dem Biohof.
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