Etwa fünf Milliarden Kleidungsstücke hängen in Deutschlands Schränken. Das macht pro Kopf rund 90 Kleidungsstücke - und jedes fünfte davon tragen wir so gut wie nie. Was passiert mit diesen "Schrankhütern"? Sollten wir sie ausmisten und als Altkleiderpende abgeben? Oder einfach generell darüber nachdenken, mal weniger zu konsumieren? Darüber sprechen unsere Podcast-Hosts Johanna Juni und Oskar Smollny in der aktuellen Folge von "Weltretter Bio?". Zu Gast ist dieses Mal Vreni Jäckle von Fashion Changers, einem Online-Magazin, das sich mit Fair Fashion und Nachhaltigkeit in der Modeindustrie befasst. Dabei geht es vor allem um darum, wie sich die Modeindustrie auf unsere Umwelt auswirkt und ihr schadet. Und: In welche Stoffe sollten wir bei unserer Kleidung investieren? All das hört ihr in unserer Podcastfolge.
Transkript zur Folge:
Oskar (00:07)
„Weltretter Bio?“- ein Podcast von Schrot und Korn.
Johanna (00:16)
Herzlich willkommen beim Podcast „Weltretter Bio? - Was Bio dir und dem Planeten wirklich bringt.“ Mein Name ist Johanna Juni und mir gegenüber sitzt wie immer der wunderbare Oskar Smollny.
Oskar (00:28)
Hallihallo auch von mir, schön, dass ihr wieder dabei seid.
Johanna (00:31)
Heute werfen wir einen Blick auf die Modeindustrie. Und zwar wollen wir wissen, inwiefern unsere Kleidungsstücke, die wir so jeden Tag tragen und uns wahrscheinlich wenig Gedanken darüber machen, der Umwelt schaden.
Oskar (00:43)
Und wenn man das vergleicht mit den anderen großen Bad Boys der Klimakiller, also dem internationalen Flugverkehr oder zum Beispiel der Kreuzschifffahrt, verursacht mehr CO2 Emissionen pro Jahr als diese beiden Industrien zusammen.
Johanna (00:59)
Ja, das ist eine ganze Menge. Und um das nochmal zu verdeutlichen, inwiefern das mit uns zu tun hat, die wir diese Kleidungsstücke jeden Tag tragen, kann man sagen, dass wir pro Kopf in Deutschland rund 90 Kleidungsstücke besitzen. Und das Interessante davon ist, jedes Fünfte davon tragen wir so gut wie nie. Also es hängt einfach komplett umsonst im Schrank oder liegt in der Schublade.
Oskar (01:23)
Und jetzt hatten bestimmt viele von euch schon mal auch den Impuls, na gut, ich tu das in den Altkleider-Container oder bring das irgendwie in einen Laden oder ein Secondhand-Laden. Da könnte man ja meinen, na da tue ich was Gutes, da wird das gespendet. Aber ganz so einfach ist es nicht. Da nämlich insgesamt die Qualität der Textilien sinkt, können die wenigsten Altkleider-Stücke überhaupt im Secondhand verkauft werden oder an Hilfsorganisationen gespendet werden. Das heißt, einige davon landen im Recycling. Das gelingt aber nur bei Materialien oder bei Kleidungsstücken, die ursprünglich sehr hochwertig waren.
Johanna (01:58)
Ja, darüber sprechen wir heute mit Vreni Jäckle. Vreni Jäckle ist Mitgründerin der Fashion Changers, die andere ist Nina Lorenzen. Und die Fashion Changers, das ist eine Plattform aus jungen Menschen in Berlin, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Modewelt zu transformieren. Sie haben unter anderem einen Blog ins Leben gerufen, auf dem sie über die Modeindustrie aufklären. Sie haben ein Buch geschrieben mit dem Namen Fashion Changers und sie halten regelmäßig Konferenzen ab mit Speakern, die genau zu diesen Themen sehr, sehr spannende Vorträge halten, also Fair Fashion und Umweltsünden in der Modeindustrie. Ich freue mich total, dass Vreni Jäckle heute da ist und wünsche euch viel Spaß beim Zuhören.
Oskar (02:42)
Unsere heutige Podcastfolge wird freundlich unterstützt von gleichklang.de. Bei Gleichklang lernen sich ökologisch, nachhaltig und gesundheitsbewusst denkende Menschen kennen. Für Liebesbeziehungen, Freundschaften, Projekte und Gemeinschaften. Ihr findet außerdem viele psychologische Informationen über Beziehungen. Auf gleichklang.de könnt ihr eure Beziehungssuche zum Erfolg bringen.
Johanna (03:09)
Ja, herzlich willkommen, Vreni. Schön, dass du da bist. Magst du dich vielleicht einmal kurz vorstellen?
Vreni (03:15)
Ja, vielen, vielen Dank für die Einladung. Ich bin Vreni Jäckle, Co-Founder von Fashion Changers unter anderem und Fashion Changers ist die Plattform rund um Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im Kontext Mode. Also wir beschäftigen uns ganz viel mit Umweltauswirkungen von Mode und mit der ganzen sozialen Dimension, sprich Löhne und andere Dinge, wenn es um Mode und Textilien geht.
Oskar (03:44)
Es gibt euch jetzt schon eine Weile, ihr bereitet auch gerade wieder eine Tagung vor. Wie kam es denn aber, also wenn wir ein bisschen zurückgehen geschichtlich, wie kam es denn, wie habt ihr euch entschieden die Fashion Changers zu gründen?
Vreni (03:56)
Uns gibt es offiziell seit 2018 und 2020 haben wir dann angefangen die Fashion Changers Conference zu machen, die ist jetzt am 1. Oktober 2024 schon zum fünften Mal und die ist daraus entstanden, dass wir angefangen haben über die Themen zu schreiben, genau die ich gerade gesagt habe, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit im Modebereich und dann haben wir gemerkt… Wir haben schon hier und da so kleine Veranstaltungen gemacht. Gerade am Anfang haben wir mit der Fashion Week in Berlin zusammengearbeitet, bei der Neonyt damals. Wir haben da schon so Panel-Diskussionen gemacht, haben dann eben viel über faire und nachhaltige Mode gesprochen und geschrieben und haben irgendwann gemerkt, wir wollen eigentlich einen engeren, größeren Austausch organisieren, vor allem auch mit den Menschen, die in der Modebranche arbeiten und mit denen genauer diskutieren.
Wie können wir denn jetzt zusammenkommen, um wirklich noch mehr Veränderungen anzustoßen? Was beschäftigt uns? Was sind die Probleme? Genau, und da wollten wir ansetzen. Deswegen haben wir die Konferenz gestartet. Und ursprünglich, du hast ja gerade so nach den Anfängen gefragt, ist Fashion Changers wirklich einfach aus so einem eigenen Bedürfnis, vor allem nach Vernetzung, entstanden. Wir haben angefangen, uns über eine Facebook-Gruppe zu organisieren. So, damals habe ich noch im Allgäu gewohnt und genau, wir haben halt eben alle schon über so Nachhaltigkeit im Modebereich geschrieben. Ich habe mich sehr einsam gefühlt im Allgäu damit. Das war so, vor ein paar Jahren war das Thema auch noch... Ja, wirklich. Es war halt auch noch weniger präsent als Thema einfach. Und genau, ich glaub, ich habe ein bisschen so ins Internet reingeschrien, so, hallo, ist da noch jemand? Und dann waren andere Leute da so, ja, wir sind auch hier. Und dabei waren eben damals Jana und Nina und genau, wir sind dann alle Co-Founder geworden.
Oskar (05:51)
Vielleicht jetzt für Leute, die sagen so, wieso, was ist denn? Es sind doch nur Klamotten, in Anführungszeichen. Warum ist die Fashionindustrie denn überhaupt ein Problem in dem Kontext von Umwelt und Klima?
Vreni (06:02)
Genau, ich glaube, da sprichst du schon total ein Riesenproblem an, weil es ist ja nur Mode, die hängt doch einfach im Laden. Und wir kennen halt Mode-Produktion nicht so richtig. Also, natürlich wir hier drei, wie wir sprechen, wir kennen niemanden, der in der Produktion arbeitet. Wir kennen niemanden, der Kleidung färben muss oder der Baumwolle erntet. Also wir sprechen ja auch nicht immer nur sozusagen von NäherInnen, die das dann zusammennähen, die kennen wir auch nicht so meistens, aber auch die ganzen anderen Schritte. Und daran wird auch schon klar, warum gerade Mode und Textilien im Kontext Klima so ein riesiges Thema ist. Weil natürlich kann man auch viel über die Umweltauswirkungen von Kaffee und Schokolade und so weiter und die ganzen sozialen Komponenten reden.
Und im Vergleich dazu, wenn man sich jetzt einfach nur anschaut, wie komplex ist das Produkt, haben wir halt bei der Kleidung noch, noch, noch viel mehr Schritte und meistens noch viel, mehr involvierte Länder und Fabriken und einzelne Personen, die daran arbeiten. Und das hängt natürlich dann auch immer mit Umweltauswirkungen zusammen, weil so ein Kleidungsstück muss zum Beispiel ja erst mal gefärbt werden. Da sprechen wir dann über Wasserverschmutzung und so weiter und so fort. Aber es ist auch nicht das einzige. Es wird auch später alles noch mal gewaschen. Also es ist sozusagen, es sind so viele Schritte und in all denen steht zum einen CO2-Verbrauch an, aber auch nicht nur das, sondern eben auch Umweltverschmutzung in Form von Wasserverschmutzung, in Form von Chemikalien, in Form von weiteren Verarbeitungen, also auch diese ganze Veredelung hat auch ganz viel mit Wasser zu tun und mit weiteren Verschmutzungen und genau.
Johanna (07:52)
Ich habe im Vorfeld mal so ein paar Fakten recherchiert, weil die das, was du jetzt alles angesprochen hast, noch so ein bisschen unterstreichen. Allein die CO2-Belastung, das kann man sich immer gar nicht so vorstellen, wenn man genau wie du es sagst, denkt, das sind ja so ein paar Kleidungsstücke. Aber es sind 1,2 Milliarden Tonnen CO2 jährlich, was die Textilindustrie verbraucht. das ist eine ganze Menge. Und auch genau wie du es gesagt hast, allein schon der Wasserverbrauch, der ist ja immens. Ich habe gelesen, dass man allein für eine einzige Jeans etwa 10.000 Liter Wasser braucht, was ja Wahnsinn ist, also wenn man sich das mal so vor Augen führt. Was sagst du denn zu dem Aspekt: Weil viele Menschen vor allem, wenn es dann so um das Thema Austortieren geht, sagen ja dann, ach ist ja nicht schlimm, wenn ich meine Kleidung nicht mehr brauche, dann sortiere ich die einfach aus und tu damit noch was Gutes, gebe die zum Altkleider-Container. Was sagst du dazu? Also was ist da so eure Haltung dazu?
Vreni (08:51)
Also es gibt immer so unterschiedliche Zahlen auch so. Also ich lese mal, manchmal lese ich 6.000 Liter, manchmal 8.000 Liter, manchmal 10.000 Liter pro Jeans. Das ist auch schwierig, weil wir so wenig Daten oftmals in der Modebranche haben und das so ganz genau auszurechnen auch noch mal eine ganz andere Challenge ist. Aber es stimmt natürlich, dass viel Wasser im Spiel ist. Und auch zum Thema CO2 wollte ich noch ganz kurz sagen, was wir immer ignorieren ist, dass gerade Modeunternehmen selbst, das ist ein Fakt, den wir auch ganz häufig versuchen zu verbreiten, weil das oftmals nicht bekannt ist, wirklich den CO2-Verbrauch extrem verringern könnten, wenn sie auf Erneuerbare umsteigen würden. Nämlich ungefähr 40 Prozent. Es wird aber nicht gemacht. Aber trotzdem finde ich das einen krassen Fakt, den man sich mal bewusst machen muss. Das ist auch manchmal, dass natürlich Mode auch sehr auf Fossilen aufgebaut ist. Also es ist natürlich auch eine fossile Industrie, mit der wir da zu tun haben. Und ich glaube, das wird sozusagen im Vergleich jetzt zum Beispiel, wenn wir direkt über Plastik sprechen, ist das sehr, vielen Leuten klar. Erstens mal ist ganz viel Mode auch Plastik, weil Polyester extrem beliebt ist. es kommt aber nicht so als Plastik daher. Also wir nehmen das oft nicht als Plastik wahr.
Johanna (10:13)
Vor allem wenn es so ein schöner Kuschelstoff ist und man denkt sich, das ist so flauschig, das kann doch im Leben kein Plastik sein.
Vreni (10:21)
Genau, genau. Und Plastik ist fast überall drin. Also ich würde auch sagen, wenn ihr jetzt zuhört, guckt mal in eure Sachen rein. Ist da Polyamid drin? Ist da Polyakryl drin? Ist da Elastan drin? Das sind auch alles Erdöl basierte, sind alles Erdöl basierte Stoffe. Und da kann man mal gucken, so wie viel Erdöl habe ich eigentlich da im Kleiderschrank rumhängen. Also es ist schon auch einfach interessant, sich mal damit zu beschäftigen. Und da wird, finde ich, dann auch schon klar zu deiner Frage, kann ich das dann einfach aussortieren? Ist doch gut, dann benutzt es jemand anders. Klar, erst mal ist es natürlich schön, wenn andere Menschen die Kleidung weiter benutzen können. Wir haben jetzt viel über die Lieferkette, bevor das Kleidungsstück getragen wird, gesprochen und dann danach geht es natürlich weiter. Was passiert danach? Erst mal muss man sagen, leider ist es ja häufig so, dass die Qualität inzwischen so schlecht ist, dass das sehr illusorisch ist, überhaupt zu glauben, dass das noch mal irgendjemand tragen wird. Gerade wenn wir davon reden, wenn es zum Beispiel einen relativ hohen Elastan-Anteil hat. Sorry to say, aber vergiss es. Das trägt niemand mehr. Elastan lässt nach. Also ihr kennt das zum Beispiel, wenn ihr Kleidung habt, die nach drei Jahren oder so zum Beispiel plötzlich so Beulen bekommt oder komplett die Form verliert und man sich so fragt, warum eigentlich? Wieso sieht es aus, als hätte ich eine Windel an? Diese Teile, die wird natürlich niemand mehr tragen. Also wenn der Stoff kaputt ist, braucht man sich gar keine Gedanken mehr darüber machen. Und das gilt auch nicht nur für die Elastan-Teile, sondern auch für ganz viele andere. Wenn die schlecht bearbeitet sind, der Stoff sehr schlecht ist, dann bringt das Weitergeben nichts mehr. Und dann haben wir noch gar nicht über das ganze Thema gesprochen, dass sowieso aus diesen Spendencontainern, die wir kennen, dass oftmals, also wir müssen die auch anders nennen. Weil das sind keine Spenden, das sind Müllcontainer und dann werden die im Idealfall noch vielleicht weiterverwendet, weil man da noch ein paar Prozent raus sortieren kann und es wirklich weiterverkaufen kann und der Anteil, der dann wirklich hierzulande weiterverkauft wird, ist wirklich noch mal sehr gering und dann wird halt exportiert und dann sind wir beim Thema Waste-Kolonialismus, wo wir uns mal damit konfrontieren müssen, dass Deutschland und viele andere europäische Länder einfach wirklich ihre Verantwortung exportieren und sagen, wir schicken unseren Müll woanders hin und zwar kostenlos. Also für eine Sondermüllentsorge muss man eigentlich Geld bezahlen oder nicht immer unbedingt Sondermüll, aber für Restmüll. Wir bezahlen für unsern Müll, kennen wir alle von zu Hause. Aber in dem Fall bezahlt Deutschland oft nicht für den Textilmüll.
Johanna (13:04)
Ich fand, ich fand das sehr plakativ, du gesagt hast, dass der Altkleidercontainer eigentlich ein Müllcontainer ist und sehr treffend auch. Vielleicht fragt sich, fragen sich jetzt noch manche. Ja, und was ist jetzt mit Recycling? Weil das ist ja so ein neues Ding, große Ketten wie zum Beispiel H&M, Zara und so weiter und so fort, dass man da sogar sein, seine alten Kleider abgibt und dann denkt, jetzt habe ich ein total gutes Gewissen, weil jetzt kann ich mir was Neues kaufen, weil ich ein paar Kleidungsstücke abgegeben habe, die dann recycelt werden. Was sagst du dazu? Also hältst das für sinnvoll oder ist das eigentlich auch, landet davon auch das meiste im Müll?
Vreni (13:42)
Also ich finde es natürlich an sich gut, wenn Modeunternehmen sagen, wir beschäftigen uns auch damit, was mit unserer Kleidung passiert, nachdem sie beim Konsumenten oder der Konsumentin war. Das ist ja schon eigentlich ein guter Schritt. Auf der anderen Seite wird es natürlich überwiegend für Marketing genutzt. Es gab bei H&M mal eine Zahl, da waren das bei diesem Closed Loop Programm, wo man das auch abgeben konnte in den Containern, in den Stores. Ein bis zwei Prozent, die wirklich mit denen wirklich noch was gemacht wurde. Und auch da muss man ja sagen, wenn die Kleidung schon von der Qualität zu gering ist, es funktioniert nicht. Also wir haben einfach auch da ein insgesamtes Qualitätsproblem. Und dann muss man natürlich auch sagen, das haben wir in den letzten Jahren ja ganz viel gesehen, dass es oftmals geknüpft ist an Gutscheine. Also du gibst dein Kleidungstück zurück und dann kriegst du aber kein Geld zurück, sondern du kriegst einen Gutschein. Und das heißt, was ja wirklich passiert ist, ich gebe dir einen weiteren Kaufanreiz und gebe dir ein gutes Gewissen mit, weil du hast ja was für die Umwelt getan, du hast was für den Kreislauf getan und jetzt kaufst du aber ja wieder was Neues. Das heißt eigentlich, es ist halt wie bei so vielen anderen Angeboten und Marketing, muss man glaube ich immer der Recyclinganteil, das wird so krass aufgeblasen als Lösung. Das ist also es ist nicht wirklich eine Lösung. Es wird unter ein Prozent von Kleidung wird tatsächlich recycelt.
Johanna (15:20)
Und bei der recycelten Kleidung ist es auch so, dass wenn man jetzt zum Beispiel einen Pullover hat, dass der recycelte Anteil so gering ist, weil diesen Stoffen so viel neue Wolle oder so viel neues Polyester im Grunde zugefügt werden muss, damit das Ganze hält, dass es im Endeffekt auch einen sehr unwesentlichen Effekt hat. So wie ich es verstanden habe zumindest.
Vreni (15:40)
Ja, und da gibt es ganz viele Probleme, weil technisch funktioniert bei Recycling schon sehr viel eigentlich, aber auch da gibt es riesige Qualitätsunterschiede. Also wenn wir sozusagen qualitativ hochwertige Kleidungsstücke haben und die recyceln wollen, dann kriegen wir natürlich bessere Fasern raus, als wenn wir ultrafast fashion Kleidungsstücke recyceln wollen. Da geht es dann auch so, ist das eine Mischfaser, ist noch irgendwas verunreinigt? Und so weiter und so fort. Je nachdem kann man das dann auch besser recyceln oder eben auch nicht. Und aktuell ist sowohl die Industrie als auch das ganze Sammelsystem und so weiter. Also niemand ist wirklich bereit dafür, große Mengen zu recyceln. Und all das führt dann dazu, dass wir unter einem Prozent überhaupt nur recyceln. Das heißt, wir haben eigentlich die Situation, dass uns Modeunternehmen die ganze Zeit quasi erzählen möchten oder Konzerne in den meisten Fällen ja auch, dass sie jetzt mehr mit Recycling-Anteilen arbeiten. Aber es ist nicht so, man könnte ja manchmal fast das Gefühl haben, ja, wir sind jetzt in einer Zeitenwende und die Modebranche ist total krass auf dem Weg, das alles besser zu machen und wir verwenden jetzt alles wieder. Ja, nee, ein Prozent, unter ein Prozent Recycling. Und das ist schon, ne, also immer wieder auch mal auf die Zahlen zu gucken. Und dann ist davon auch noch das allermeiste recyceltes Polyester.
Johanna (17:06)
Welche Auswirkungen haben denn Schadstoffe der Modeindustrie auf zum einen unsere Haut, aber auch unsere Gesundheit durch vielleicht Folgeprobleme, die dann entstehen?
Vreni (17:17)
Also beim Thema Chemikalien im Modebereich ist mir immer wichtig zu sagen, ohne Chemikalien geht es auch nicht. Also ich glaube, man macht sich manchmal so bisschen die Illusion, dass wenn das eine Naturfaser ist oder wenn das sozusagen möglichst naturbelassen ist, dass dann gar keine Chemikalien im Einsatz sind. Du brauchst aber in der Modebranche immer Chemikalien sowohl im Anbau als dann auch im späteren Verarbeiten. Aber es gibt natürlich Unterschiede.
Es gibt ja auch Verordnungen, was erlaubt ist und was nicht. Aber es gibt auch oftmals, das kriegt man immer wieder vielleicht mal mit, gibt es auch Skandale. Erschreckenderweise auch sehr häufig bei Kinderkleidung. Ich weiß nicht, ob ihr das mitbekommen habt, aber Greenpeace macht auch immer viel Arbeit dazu. Und die hatten zum Beispiel auch schon mal Kleidungsstücke von She-In, also diesen in den letzten Jahren sehr, sehr beliebten Ultrafast Fashion Hersteller. Haben sie so mehrere, ich glaube 40 Kleidungsstücke oder so, untersucht und haben natürlich auch wirklich als gefährlich eingestufte Chemikalien gefunden und auch bei Kinderkleidung. Genau, aber man kann ja auch davon ausgehen, dass wenn es da drin ist, dass es auch nicht nur da drin ist und bei Leder ist es zum Beispiel auch häufig ein Problem. Das kennen wir auch diese ganzen Skandale, dass Chrom 6 in Leder gefunden wurde und zum Beispiel auch in Babylederschuhen, in diesen kleinen Schluppen und so, die man kennt.
Johanna (18:40)
Warum ist das problematisch?
Vreni (18:42)
Weil das ist einfach ein gefährlicher Stoff, der niemals auch in Leder drin sein sollte oder in der richtigen Lederproduktion. Also wenn das korrekt durchgeführt ist, ist das auch nicht drin. Das entsteht eigentlich in den meisten Fällen dann eben durch eine nicht sorgfältige Herstellung auch. Also es sollte normalerweise einfach gar nicht enthalten sein. Genau. Und dann gibt es aber natürlich ganz viele Chemikalien, die in Kleidung enthalten sind durch Verarbeitung auf den verschiedensten Arten und da geht es natürlich dann auch oft darum, dass bestimmte Werte nicht überschritten werden.
Oskar (19:16)
Wofür braucht man zum Beispiel dann so Chemikalien? Wenn ich jetzt sage, einfach ein Hemd, was könnten da für Chemikalien drin sein?
Vreni (19:27)
Also genau, ich bin jetzt auch nicht die Chemikalien-Expertin, aber ich finde so ein ganz guter, für uns alle sozusagen im Alltag so ein ganz guter Indikator ist, sich einmal zu überlegen, was für Funktionen hat mein Kleidungsstück. Und dementsprechend kann man dann davon ausgehen, je mehr Funktionen es hat, desto mehr Chemikalien sind normalerweise verbaut. Also zum Beispiel so Sachen wie bügelfrei, knitterfrei hat oftmals mit Chemikalien zu tun. Natürlich Dinge, die leuchten, Dinge, die bestimmte Drucke können auch problematisch sein. Also es gibt natürlich auch Sinnvolle Verwendungen, wie zum Beispiel eine Arbeitsschutzkleidung. Da braucht man zum Beispiel feuerabweisende Sachen und so. Genau, da gibt es super viele Unterschiede und natürlich muss man noch den Unterschied machen zwischen Naturfasern und Chemiefasern. Da steckt es auch schon im Namen. Und zum Beispiel, wenn wir jetzt über Viskose sprechen, es gibt ja oftmals auch ganz viele Materialien, die eigentlich im Kern so was wie eine Viskose sind. Und ich glaube, das ist so bisschen was, was man im Kopf behalten kann. zum Beispiel eine Baumwolle. Wir wissen alle, wie die aussieht ungefähr. Das ist sozusagen, da kann man sich noch so einigermaßen vorstellen, wie wird die eigentlich zu einem Garn. Bei Viskose zum Beispiel ist es so, dass man sagen kann, ungefähr das, also wenn wir von einem T-Shirt sprechen, von einem Oberbekleidungsstück, ist ungefähr das Vierfache an Gewicht dieses T-Shirts wurde an Chemikalien benutzt, um das herzustellen, wenn es aus Viskose besteht.
Oskar (21:14)
Ich glaube, was erwähnenswert wäre an dieser Stelle, wäre auf jeden Fall diese große Diskussion, die auch relativ groß, glaube ich, durch die Medien gegangen ist, um PFAS, also um wasserabweisende Stoffe. Und was man vielleicht auch, wenn man unterwegs ist, oft sieht oder in Läden ist, dass bei Regenjacken mittlerweile ab und zu steht PFAS-frei oder ökologische Wasserdichtmachung. Und dass auf jeden Fall PFAS ein gefährlicher Stoff ist, der jetzt versucht wird, zumindest in manchen Bereichen zu vermeiden.
Vreni (21:50)
Genau, also ich finde es total sinnvoll, dass PFAS, dass da jetzt ein bisschen mehr Aufmerksamkeit drauf ist und dass man die, dass man sicherstellen will, dass sie auch wirklich nicht enthalten sind. Weil es gibt diese ganz seltenen Fälle, wenn es darum geht, PFAS zu verwenden, weil wir Schutzkleidung herstellen, die für einen Feuereinsatz zum Beispiel gebraucht wird. Dann macht das Sinn. Aber man muss sich natürlich auch fragen, brauche ich dieses Level an abweisender Performance-Kleidung? Wenn ich auch... Ja, ne, aber das ist wirklich was. Das ist auch ein Riesenthema insgesamt bei Performance und Outdoorkleidung.
Johanna (22:31)
Man wundert sich, dass es so dieses Klischee ist, dass dann so ein Pärchen in der Innenstadt im typisch deutschen 17 Grad Nieselregen-Herbst mit robuster Funktionskleidung rumläuft und man sich fragt so, why?
Vreni (22:45)
Ja, genau. Und bei dem Thema PFAS, das sind ja sozusagen die Chemikalien, die sich nie wieder abbauen. Ich finde, da steckt es ja auch schon in dieser Beschreibung, steckt schon drin. Wir sollten uns sehr, sehr, sehr gut überlegen, wann wir die überhaupt einsetzen, wenn die sich eben nicht mehr abbauen. Also das ist so, wann wollen wir das wirklich in die Welt bringen und wann wollen wir das auch benutzen? Und genauso ist es aber auch, finde ich, mit Performance-Kleidung, die jetzt vielleicht nicht unbedingt PFAS sowieso jetzt nicht enthält. Auch da würde ich sagen, also auch da sind natürlich mehr Chemikalien involviert, weil du musst diese Funktion einfach irgendwie herstellen, wenn das nicht natürlicherweise in einem Stoff drin ist. Also zum Beispiel Wolle ist natürlicherweise wärmend und antibakteriell und man muss es nicht oft waschen usw. Aber jetzt ein anderer Stoff ist das ja nicht, sozusagen schon einfach von der Eigenschaft vom Stoff aus. Das heißt, das muss ja hinzugefügt werden. Und das funktioniert eigentlich immer über Chemikalien. Das heißt, ich finde, wenn man so bisschen darüber nachdenkt, hilft es vielleicht auch, darüber nachzudenken, wann brauche ich eigentlich wirklich was? Und ist es jetzt nur ganz nett, die wasserabweisende Jacke zu haben oder brauche ich wirklich dieses wasserabweisende? Weil auch das wird ja oft als zusätzliches Kaufsargument benutzt, obwohl man es vielleicht gar nicht benötigt. Und wie du sagst, dann stehe ich hier mit der von oben bis unten in der Wander-Gear in der Innenstadt und bin allzeit bereit, auf den Gletscher zu laufen. Vielleicht nicht notwendig.
Johanna (24:26)
Ich würde jetzt mal den Blick aufs Positive lenken oder auf das, was möglich ist, was wir machen können und wo es vielleicht auch eine grüne Zukunft für die Mode gibt. Was würdest du denn sagen, welche Materialien sind denn empfehlenswert oder sind sowohl für die Umwelt als auch für die Haut, für unsere Gesundheit okay?
Vreni (24:48)
Ja, weniger.
Johanna (24:54)
Ich will jetzt so bisschen drauf achten. Was ich immer einen ganz guten Tipp finde, ist ja zu gucken, lieber weniger Kleidung, dafür hochwertigere und dafür wirklich ein Kleidungsstück, was lange hält. Wo ich vielleicht auch mit halbwegs gutem Gefühl sagen kann, das ist nicht so komplett ein Umweltdesaster. Worauf kann man da achten? Welche Fasern oder welche Materialien sind da empfehlenswerter?
Vreni (25:23)
Also ich kann gar nicht so eine Faser empfehlen. Und da haben wir jetzt auch schon drüber gesprochen, sich zu überlegen, genau was brauche ich und was macht dafür Sinn? Also zum Beispiel sich einen Pullover aus einer guten Wolle zu kaufen, macht total Sinn meiner Meinung nach, wenn man auch weiß, dass man den lange trägt. Weil natürlich ist Wolle ein intensives Produkt, es beinhaltet auch Tierhaltung. Da sollte man natürlich auch sehr, sehr vorsichtig mit umgehen oder man sollte das jetzt nicht einfach irgendwie, man sollte sich jetzt nicht unendlich auch Wolle kaufen, meiner Meinung nach. Aber wenn ich jetzt zum Beispiel ein Kleidungsstück habe, was ich drüber trage und das ist aus Wolle, ich muss das nicht oft waschen. Macht total Sinn. Oder wenn man natürlich darüber nachdenkt, dass man was eng an der Haut trägt, dann finde ich schon Baumwolle einen sehr, sehr guten Stoff. wenn es eine hochqualitative Baumwolle ist, kann ich die sehr, sehr oft waschen. Und wenn ich die eng am Körper trage, schwitze ich natürlich auch nicht so da drin. Und muss es dann trotzdem nicht so häufig waschen wie jetzt zum Beispiel ein Oberteil, ein enganliegendes Shirt oder so mit einem etwas höheren Polyester-Anteil oder quasi mit einem höheren Plastik-Anteil. Natürlich wirst du das viel häufiger waschen auch zum Beispiel und dann verbrauchst du das Kleidungsstück ja auch wieder schneller.
Oskar (26:53)
Du hast es gerade schon... Eigentlich kann man sagen, du, das ist so der... Ich will nicht jetzt nicht alt und bewährt sagen, aber das ist so ein Evergreen, die gute Baumwolle sozusagen. Ja. Ihr seid auch mit den Fashion Changers, auch mit der Konferenz immer sehr, würde ich schätzen, am aktuellen Geschehen dran und Entwicklung der Modeindustrie. Gibt es denn was Nachhaltiges oder irgendwelche Materialien, wo ihr sagt, uff, die sind ganz schön interessant, obwohl, wir haben ja schon gehört, dass du auch ein großer Baumwollfan bist.
Vreni (27:27)
Ich bin halt auch so, ich würde halt auch immer so bisschen kritisch reflektieren, warum wir manchmal so stark das Bedürfnis haben nach neuen Materialien. Also es wirkt für mich manchmal so, als hätten wir gerne so einen quick technological fix für ein Problem, das aber systemisch ist. Weil es führt nichts daran vorbei, dass wir zu viel produzieren. Es führt nichts daran vorbei, dass wir zu viel konsumieren. Das ist einfach die Realität und da wird auch kein Material der Welt, was daran ändert. Ich glaube, dass wir aktuell sehr stark in Recycling investieren sollten und zwar nicht nur in Recycling, dass wir eine neue Technologie für Recycling entwickeln, sondern dass wir wirklich die Infrastruktur von Recycling supporten.
Johanna (28:15)
Was wären denn so eure Forderungen, also wo du sagst, das müsste passieren, damit die Modeindustrie fairer, grüner, nachhaltiger wird? Was wären denn da so eure Wünsche und eure Forderungen?
Vreni (28:27)
Reparatur von Kleidung, Rücknahme, auch Recycling zu fördern, Kreislaufwirtschaft zu fördern. Und was ich aber meine, wenn ich sage, die Politik muss auch standhaft und klar sein, ist, dass wir jetzt gerade aktuell sehen, oder in diesem ganzen Prozess vom EU-Lieferkettengesetz und auch im Prozess vom EU-Green Deal wieder sehr viel hin und her geht. Und Unternehmen warten dann auch gerne mal ab und sagen, ne, ich sitze das erstmal aus. Kommt es denn wirklich? Und das ist kein klares Signal. Es muss klare Signale geben. Da geht es hin. Bis zu dem Jahr werdet ihr verpflichtet sein, zum Beispiel euch um euren eigenen Müll, den ihr fabriziert, zu kümmern. Wirklich. Ausnahmslos. Und da gibt es auch keine Rückzieher mehr und da wird es auch keine Ausnahmen geben und ihr müsst das jetzt in den nächsten fünf Jahren auf die Kette kriegen. Und diese Art von Klarheit gibt es aktuell nicht. Und ich glaube, das ist ein Problem. Und eine große Sache, die übrigens aber auch politisch bisher immer noch fehlt und die wir bei Fashion Changers schon auch wichtig fänden, wenn wir wirklich auch endlich mal die Mengen adressieren. Also das sind so, da sehe ich dann auch schon Leute sofort aufschreien so, oh Gott, man kann ja jetzt keine Grenzen einführen für Produktion. Und ich weiß auch nicht genau wie, aber wir müssen an dieses Mengenthema ran. Wir müssen an das Überproduktionsthema ran, weil wenn wir das die ganze Zeit aussparen, dann verpassen wir eigentlich den Kern des Problems.
Oskar (30:03)
Es ist einfach zu viel da. Es wird zu viel neues nachproduziert.
Vreni (30:07)
Ja, es gibt auch so Zahlen, dass wenn wir jetzt aufhören würden, wir noch 60 Jahre uns anziehen könnten.
Oskar (30:16)
Total verrückt, ja. Um Gottes Willen.
Johanna (30:20)
Wir haben vorhin über tierische Produkte, also du hast auch über Wolle gesprochen. Man kennt jetzt aber sicherlich oder viele von denjenigen, die jetzt zuhören kennen auch diese Horrorbilder von Schafen. Es gibt Tierwohlsiegel, auf die man achten kann. Gibt es da noch irgendeinen Aspekt, wo du sagen würdest, dass ist besonders wichtig, darauf zu achten, wenn man sich ein tierisches Produkt kauft?
Vreni (30:44)
Ich glaube, mehr als auf das Siegel und auf die Qualität kann man jetzt als Endkonsumentin nicht machen, außer natürlich nachzufragen und sich wirklich auch selbst als BürgerIn zu verstehen und das auch immer wieder einzubringen in Debatten.
Johanna (31:02)
Ist es für dich besser, tierisches Produkt wie zum Beispiel einen Wollpullover zu kaufen, als zu sagen, ich kaufe mir so ein Polyester-Ding, was dann genauso warm ist und flauschig aussieht?
Vreni (31:16)
Ich würde das nie pauschal sagen. Ich finde das auch in Ordnung, wenn du dir einen Fleece-Pullover kaufst, der aus Kunstfaser ist. Das ist dann dieses flauschige Material, das ist dann die Plastiksache. Es ist aber auch schwierig, Performance-Fleece zu kriegen, der aus was anderem ist. Es gibt vielleicht auch ein paar Sachen, wo dann eine ganz dick gewebte Baumwolle mit einer besonderen Wolle kommt. Das gibt es auch, ja. Aber zum Beispiel bei einem Fleece-Pullover finde ich auch, das ist ja auch nicht direkt auf der Haut, muss ich auch nicht so oft waschen. Was bei Polyester und Chemiefasern ja auch ein Thema ist, dass man auch, wir haben jetzt gar nicht über Mikroplastik zum Beispiel gesprochen, aber wenn man jetzt ein Polyester-Teil zum Beispiel hat, ist es ja auch gut darauf zu achten, okay, es ist wenigstens dann die Jacke, die ich halt, weiß ich nicht, einmal alle drei Jahre vielleicht reinige oder ich weiß nicht, wie oft Leute ihre Jacken reinigen oder der Fleece-Pullover, den man auch nicht so häufig waschen muss, weil man einfach Sachen darunter hat, dann macht das. Ich finde, ganz pauschal kann man es nicht sagen, weil es wirklich auch immer auf die Verwendung ankommt. Und generell würde ich aber eben sagen, kaufs halt damit im Kopf und kaufs halt wirklich mit dem Gedanken, dass du zum Beispiel einen Fleece-Pullover, also manche finden das ein bisschen extrem, wenn ich das sage, aber den solltest du 20 Jahre mindestens tragen können. Dann solltest du den eigentlich auch wirklich weitergeben können. Und auch da wieder, wenn dein Kleidungsstück gut gemacht ist, hält das es auch aus. Auch mal zur Änderungsschneiderei zu gehen und sagen, kannst du mir das und das reparieren. Und da dann auch mal das Geld auszugeben. Das kostet halt auch mal 20, 30 Euro. Aber so ist es dann, wenn du ein hochwertiges Kleidungsstück hast, ist das besser, finde ich, als dann für 30 Euro ein neues Kleidungsstück zu kaufen und für 20 Euro das dann eben wieder nur ein Jahr hält.
Oskar (33:07)
Wow, das war wirklich ein guter Einblick, den Vreni uns hier gegeben hat in diese Industrie, in vor allem auch die Community von Menschen, die etwas daran ändern will an diesen Bedingungen. Und Johanna, was war denn so dein größter Augenöffner, den du jetzt heute mitgenommen hast, wo du sagst, uff, das wusste ich vorher noch nicht.
Johanna (33:31)
Also ich glaube, die meisten Dinge hat man irgendwie schon mal so gehört. Aber sich das dann wirklich noch mal vor Augen zu führen und tiefer in die Materie und tiefer in die Hintergründe davon reinzugehen, das fand ich auf jeden Fall total gut. Da sind mir auch so ein paar Sachen noch mal, da habe ich mir noch mal vor Augen geführt, wo ich mir dachte, ja, da kann ich mir selber auch an die eigene Nase packen. Also gerade so was wie ein Fleece-Pullover sollte 20 Jahre halten, da dachte ich mir auch so, ja, stimmt eigentlich. Braucht man eigentlich keine drei Fleece-Pullover oder Fleece-Jacken im Schrank? Und da dachte ich mir auch, es macht wirklich Sinn, lieber einmal was qualitativ Hochwertiges zu gucken, passen da die Nähte, ist das gut verarbeitet, hat das Mischfasern oder ist das eben aus einem Material gemacht und da lieber genau hinzugucken. Toll ist natürlich auch noch, wenn ein Anteil davon recycelt ist. Also da gibt es ja mittlerweile auch schon Anbieter, die Fleece-Pullover mit recyceltem Material verkaufen und da eben dann zu gucken, gefällt mir das so gut, also ein bisschen wie bei einem Tattoo vielleicht, gefällt mir das so gut. Es gefällt mir auch in zehn Jahren noch, also das ist mir so im Gedächtnis geblieben und ich habe wirklich so im Kopf auch nochmal an ein, zwei Pullover gedacht, die ich in die Änderungsschneiderei hier in der Stadt bringen will. Also ich gehe da tatsächlich das ein oder andere Mal auch hin und lasse zum Beispiel sowas wie Jeanshosen reparieren, aber da auch wirklich nochmal mit einem Pullover hinzugehen. Das ist mir auch noch so im Kopf geblieben. Und was war es bei dir?
Oskar (35:04)
Bei mir war es wirklich dieses große, große Thema Überkonsum, was den Fashion-Changers auch so am Herzen liegt, was Vreni erzählt hat. Und dieses Konzept weniger ist mehr, dass das wirklich auch in der Kleidung nochmal wichtig ist in diesem Thema. Und das fand ich so faszinierend, weil Vreni und auch Nina, ich finde, das hat man gemerkt, die lieben Mode. Also das ist ein Thema, was denen beiden wirklich am Herzen liegt. Und das allein deswegen es sich schon lohnt, sich Gedanken zu machen und zu gucken, was kann man kombinieren, was ziehe ich nur drüber an, was ziehe ich drunter an. Genau. Und der größte Schocker war für mich, dass Vreni es wirklich so drastisch gesagt hat, dass die Altkleidercontainer eigentlich Müllcontainer heißen müssten. Das hat mir den Atem stocken lassen.
Johanna (35:52)
Ja und vor allem, dass man sich nicht noch auf die Schulter klopfen muss, wenn man irgendwie was zum Altkleidercontainer bringt. Das ist wirklich unangebracht.
Oskar (36:00)
Das hat mich echt jetzt auch zum Nachdenken angeregt.
Johanna (36:04)
In der nächsten Folge, das wird wieder eine Kurzfolge, Bio-to-go, gehen wir nochmal auf ein Thema tiefer ein und zwar gucken wir uns die Bio-Baumwolle an und fragen uns, ist Bio-Baumwolle wirklich besser und wenn ja, was macht die besser als gewöhnliche Baumwolle und wir werfen auch nochmal einen Blick auf Siegel. Also auf welche Siegel könnt ihr achten, gerade was jetzt das Thema Tierwohl und aber auch Fairtrade angeht, also dass die ArbeiterInnen eben nicht ausgebeutet werden in der ganzen, in dem ganzen Herstellungsprozess. Wir verlinken euch auf jeden Fall die Fashion Changers in den Show Notes, verlinken euch auch nochmal das Buch von den Fashion Changers und freuen uns natürlich über euer Feedback gerne wieder bei Instagram. Einfach einen Kommentar posten unter den Post zu dieser Folge oder schreibt uns eine Nachricht, da freuen wir uns auch sehr. Ja, möchtest du noch was sagen, Oskar?
Oskar (36:57)
Ich freue mich einfach nur, wenn viele Hörerinnen und Hörer auch beim nächsten Mal wieder einschalten und uns zuhören. Und ich freue mich jedes Mal, wenn wir ein Thema haben, wo ich noch nicht viel darüber wusste, weil ich jedes Mal zu jedem Thema, das wir recherchieren, auch einiges dazulerne. Und das finde ich macht auch so Spaß an dem, was wir hier machen. Und das spornt uns natürlich an, wenn die Leute uns auch das Feedback geben.
Johanna (37:17)
Sehr schön gesagt, sehr schön zusammengefasst. Dann bis zum nächsten Mal. Tschüss!
Oskar (37:26)
Bis dann, tschüss!
Über Vreni Jäckle
Vreni (links im Bild) ist Co-Founder der Fashion Changers, außerdem Buchautor:in und Speaker:in. Vreni setzt sich für eine nachhaltige und faire Fashionindustrie ein und ist bei Fashion Changers die kreative Leitung, im Aufbau einer starken Community und in der Markenbildung. Zuvor absolvierte Vreni ein Studium in Gestaltung-Kommunikation-Wirtschaft und machte ein Volontariat beim Online-Magazin Edition F.
Kommentare
Registrieren oder einloggen, um zu kommentieren.
Der nachhaltigste Kunde ist der, der weiß was ihm steht! Der Kunde, der sich dadurch, endlich selbst liebt und deshalb keine Fehlkäufe mehr tätigt, weil er weiß was und wie und vor allem keine Frustkäufe mehr braucht!
Als Color&Style Coach sorge ich dafür dass meine Kunden genau das lernen!
Dem stimme ich absolut zu. Und ich würde noch einen drauf setzen: Am besten steht einem das, was ausdrückt, wer man ist. "Kleider machen Leute?" Nö, der Mensch war zuerst da und hat sich irgendwann Kleider gemacht. Folglich sollte die Kleidung zur Person passen, die sie trägt und nicht etwas aus ihr machen, was sie (vielleicht gar nicht) ist.