Wie kann ich mit einfachen Mitteln auf kleinem Raum ein blühendes Biotop einrichten? Staffel 2 des Schrot&Korn-Podcast „Weltretter Bio?“ startet mit dem sommerlichen und insektenfreundlichen Thema rund um den blühenden Balkon. Dieses Mal haben die Hosts Johanna Juni und Oskar Smollny die Bio-Garten- und Balkon-Influencerin Garten Fräulein zu Gast, die spannende und praktische Tipps zum Balkonbepflanzen gibt. Welche Pflanzen eignen sich besonders gut? Wie kann ich meinen grünen Traumbalkon auch ganz ohne grünen Daumen einrichten? Und warum Bio-Pflanzen die beste Wahl sind? All das erfahrt ihr ab dem 19. Juni bei "Weltretter Bio? - Was Bio dir und dem Planeten wirklich bringt".
Transkript zur Folge:
„Weltretter Bio?“ S2 F1: Bio-Balkon mit dem Garten Fräulein
Oskar (00:11)
"Weltretter Bio?" ein Podcast von Schrot und Korn.
Johanna (00:14)
Herzlich willkommen beim Podcast „Weltretter Bio? Was Bio dir und dem Planeten wirklich bringt“. Mein Name ist Johanna Juni und mir gegenüber sitzt Oskar Smollny.
Oskar (00:26)
Hallihallo, auch von mir ein herzliches Willkommen zur zweiten Staffel Weltretter Bio.
Johanna (00:32)
Ja, wir haben nämlich eine richtig tolle Neuigkeit für euch. Ab jetzt gibt es den Podcast nicht mehr nur einmal im Monat, sondern alle zwei Wochen. Jeden zweiten Mittwoch gibt es eine neue Folge, immer im Wechsel eine Langfolge und eine Kurzfolge. Und wir freuen uns schon total drauf, die neuen Themen mit euch zu teilen. Heute starten wir mit einem sehr schönen, sommerlichen Thema. Und zwar geht es darum, wie du dir ein kleines grünes Paradies auf deinem Balkon erschaffen kannst. Und zwar auch mit einem kleinen Budget und auch wenn du keinen grünen Daumen hast.
Oskar (01:07)
Wer einen sehr grünen Daumen hat, ist Silvia Appel. Die haben wir uns heute nämlich ...
Johanna (01:13)
Passend zu ihrem Nachname.
Oskar (01:14)
Passend zu ihrem Nachnamen... Die wir uns heute eingeladen haben. SIe ist leidenschaftliche Gärtnerin und Balkongärtnerin und ist außerdem vor allem auch im Internet bekannt als Garten Fräulein. Sie hat zu diesem Thema aber auch schon mehrere Bücher veröffentlicht und was ich auch super spannend finde, bietet sogar Kurse zum Balkongärtnern an. Sie lebt mit ihrer Familie in München und hat einen Kleingarten und einen Balkon.
Johanna (01:39)
Ja, wir fragen Sie heute im Interview, welche Pflanzen und Blümchen für Anfängerinnen und Anfänger besonders geeignet sind und vor allem welche nicht gleich in der ersten Hitzewelle kaputt gehen. Diese Lektion durfte ich nämlich mehrmals lernen. Und außerdem wollen wir wissen, welche Blumen und Kräuter möglichst viele Schmetterlinge und vielleicht auch die ein oder andere Biene anziehen und was man gegen unliebsame Gäste wie zum Beispiel Blattläuse tun kann. Die tummeln sich bei mir gerade.
Oskar (02:08)
Natürlich sprechen wir auch darüber, warum Silvia Biopflanzen bevorzugt und inwiefern sogar ein kleiner Balkon zum Umweltschutz beitragen kann, was wiederum für mich sehr schön ist, denn ich werde das gleich auch noch erwähnen, ich habe meinen Balkon knackt vielleicht gerade mal so die ein Quadratmeter Flächengröße.
Johanna (02:26)
Ich glaube, du hast den kleinsten Balkon den es gibt auf der Welt, Oskar.
Oskar (02:29)
Der kleinste Balkon, der noch kein, nicht nur ein großes Fensterbrett ist.
Johanna (02:33)
Ja, richtig. Wir hoffen jedenfalls, dass wir euch mit dem Interview ein bisschen inspirieren können, dass ihr euren Balkon in einen Ort verwandelt, an dem ihr jetzt gerade im Sommer die langen Abende genießen könnt und euch einfach wohlfühlen könnt und ein wunderschönes kleines Paradies habt. Hallo, liebe Silvia. Schön, dass du da bist. Stell dich doch einmal kurz vor, damit unsere Hörerinnen und Hörer wissen, wer da gerade sitzt und wen wir da im Interview haben.
Silvia (03:04)
Ja, ich bin Silvia, ich bin 38 Jahre alt, wohne mit meiner Familie mit zwei kleinen Kindern und meinem Mann in München und bin eigentlich im Internet besser bekannt als das Garten Fräulein.
Oskar (03:16)
Du bist also leidenschaftliche Gärtnerin. Garten Fräulein lässt es ja vermuten. Du bist aber bist du sowohl im Garten unterwegs. Wir haben dich jetzt hier, über den Balkon zu sprechen. Wie kam es denn zu dieser Leidenschaft? Also bist du im Garten und auch den Balkon unterwegs? Aber auch wie kam es dazu, dass du dich so damit befasst?
Silvia (03:37)
Genau, so Garten Fräulein ist entstanden vor über zehn Jahren. Eigentlich aus meiner Kindheit heraus, aus meiner Prägung heraus. Ich bin wirklich wie die Kinder aus Bullerbü aufgewachsen, ganz frei, ganz naturnah auf einem ganz kleinen Dorf in Mittelfranken. Und ja, bin in so einem Selbstversorgergarten meiner Eltern eigentlich groß geworden. Also es war für uns Kinder, für mich und meine Schwester das Normalste der Welt, dass wir mit beim Kartoffelstecken geholfen haben. Uns die Erdbeeren direkt von der Pflanze in den Mund gesteckt haben. Unser Alltag war nicht Spielplatz, sondern der Spielplatz war der Gemüsegarten. Das hat mich schon sehr geprägt für mein weiteres Leben. Ich würde sagen, dieser Freiheitsdrang ist geblieben. Deswegen habe ich mich dann auch selbstständig gemacht als Garten Fräulein.
Ich bin aber keine gelernte Gärtnerin. Ich bin Quereinsteigerin. Ich habe so ein bisschen auf Umwegen meine Leidenschaft erst gefunden, beruflich gesehen. Ich habe tatsächlich Medienmanagement studiert. Das war damals so angesagt, was mit Medien zu machen. Ich glaube ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass man ... Das, was es alles jetzt gibt als Beruf das gab es damals noch gar nicht so. Wenn man heute sagt, man ist Influencerin, dann ist das für alle ganz klar. Aber vor über zehn Jahren war das noch was, was es noch nicht so gab. Ich habe dann meinen Blog gestartet, gartenfräulein.de, und hab über meinen Alltag auf dem Balkon vor allem geschrieben. Da fing ich an, auf dem Balkon zu gärtnern.
Noch früher fing ich an, in meiner WG am Studium die Fensterbretter zu begrünen, mit einfachsten Mitteln, mit bepflanzten Tetrapaks, mit bepflanzten Dosen. Also wirklich aus diesem, ja, wenig Geld, aber viele Ideen so aus dem heraus. Und das hat dann ziemlich schnell Fahrt aufgenommen. Also es war zu der damaligen Zeit was ganz Besonderes, dass eine junge Frau, damals war ich 27, anfängt unkonventionell zu Gärtnern.
Das hat dann eingeschlagen, wie ich es nie erwartet hätte. Nach einem Jahr kam dann schon ein Verlag auf mich zu, ob ich nicht ein Buch übers Balkongärtnern machen will. Ich war ja auch Teil, damals habe ich noch in Würzburg gelebt, Teil von einer großen Urban-Gardening-Gruppe, die ich mitgegründet hab. Man kann schon sagen, das Gärtnern ist mein Leben, das ist immer um mich rum. Das möchte ich nicht missen. Und jetzt lebe ich in einer Doppelhaushälfte mit kleinem Garten, hab aber auch noch immer einen Balkon von einer Freundin. Also das ist so ein bisschen wie eine Art WG. Ich habe tatsächlich den Schlüssel zu ihrer Wohnung und mir gehört der Balkon an ihrer Wohnung.
Johanna (06:38)
Total cool. Voll schön. Das ist jetzt ja die perfekte Überleitung zum Balkon. Wir befinden uns jetzt gerade mitten im Juni. Und wenn man jetzt noch nicht so eine begnadete Gärtnerin oder Balkongärtnerin ist, so wie du, was würdest du denn sagen, wenn man jetzt von einem sonnigen Balkon ausgeht und man nicht so unbedingt einen grünen Daumen hat? Was sind denn so ein paar Blumensorten, die jetzt in dieser Jahreszeit, die man pflegeleicht anpflanzen kann und die dann auch funktionieren, die nicht sofort nach zwei Wochen schon vertrocknen?
Silvia (07:17)
Da merkt man schon, es gibt eine gewisse Anspruchshaltung an die Pflanzen, die sollen funktionieren. Das ist so bisschen ... Den Zahn muss ich dir ziehen.
Johanna (07:32)
Mist, hab ich mir fast gedacht.
Silvia (07:33)
Das ist genau das, was viele Anfängerinnen und Anfänger falsch machen, muss man so ehrlich sagen. Wenn du schon sagst, es ist ein sonniger Standort, das schon mal viel wert, das zu wissen. Aber wenn man möchte, dass man lange Freude an den Pflanzen hat, muss man wirklich herausfinden, was funktioniert da gut. Und z.B. auch, wie viel Sonne habe ich wirklich. Hast du jetzt die ab Mittag bis späten Abend hin, die knallheiße Sonne? Dann brauchst du auf jeden Fall auch sehr große Pflanzgefäße. Ich würde dir jetzt eigentlich so klassisch mediterrane Kräuter empfehlen. Die blühen ja auch wunderschön, sind sehr ausdauernd. Kannst du auch noch verwenden zum Kochen, zum Cocktails machen, zum Soßen, Dips machen. Also Lavendel, Rosmarin, Thymian, auch Basilikum in unterschiedlichsten Variationen, funktioniert da wunderbar.
Aber man muss ihnen wirklich viel Raum für ihre Wurzeln geben, damit sie möglichst viel Wasser aufsaugen können, damit sie diese Hitzephasen gut überstehen.
Johanna (08:36)
Also heißt das jetzt, wenn ich so einen Balkonkasten, so einen klassischen habe, das würde jetzt nicht so optimal sein, oder?
Silvia (08:42)
Es wäre mittelmäßig optimal. Da gibt es mittlerweile auch welche, die relativ tief sind. Die z.B. nicht ewig lange sind, sondern eher tief, aber schon z.B. 20 Liter Erde aufnehmen können oder noch mehr. Auf die Volumenangabe gucken. Und wenn es möglich ist, schon auch mit großen Kübeln arbeiten. Das Tolle an solchen großen Kübeln ist, dass man die wie ein kleines Beet sehen kann. In einem Kübel kann man z.B. wahnsinnig viel unterbringen. Ich kann dir mal so ein Beispiel geben, so einen kleinen Beetplan sozusagen. Du könntest jetzt in einen Topf, der vielleicht schon 60 cm Durchmesser hat, auf jeden Fall Kapuzinerkresse, Rucola, Schnittlauch, Blutampfer und noch den Pflücksalat setzen.
Johanna (09:40)
Und wenn ich jetzt aber sage, also das klingt super gut und tatsächlich habe ich auf meinem Balkon immerhin schon rausgefunden, dass Lavendel, so wie du es jetzt auch gesagt hast, oder Kräuter ganz gut gedeihen und alles andere geht sehr schnell kaputt. Wenn ich jetzt aber wirklich so ein Blümchen haben will, gibt es da irgendwas, wo du sagst, ja, das könnte klappen.
Silvia (10:01)
Gut ergänzen tun sich immer auch Blumen wie Kosmeen oder Studentenblume, auch kleine Sonnenblumen. Bei all den Blumen, die ich jetzt genannt habe, gibt es die mittlerweile eigentlich auch im Mini-Format. Genauso wie beim Gemüse auch. Das ist vielleicht noch ein ganz wichtiger Tipp für BeginnerInnen, dass man sagt, kauf nicht die klassischen hohen Kosmeen, die dann zwei Meter hoch werden, oder hohe Tomatenpflanzen, sondern es gibt eben Snackfrüchte, also Snackpaprika, Snacktomaten, Buschtomaten, alles Mögliche, was niedrig bleibt. Und das gibt es mittlerweile auch bei den Blumen, diese Züchtungen.
Oskar (10:47)
Wir haben jetzt also diese ganzen Sachen, wenn man sagt, man holt sich einen Lavendel oder so und wir haben jetzt schon Juni. Es war sehr unbeständig dieses Jahr jetzt mit dem Wetter. Lohnt es sich denn jetzt zum Beispiel noch im Juni überhaupt zu säen? Wenn ja, was kann man jetzt noch sehen, dass man noch was davon hat? Oder sagst du lieber schon vorgezogene Pflänzchen kaufen?
Silvia (11:07)
Also Kräuter würde ich grundsätzlich gar nicht aussäen, weil das sind ja jetzt gerade diese mediterranen Kräuter, sind ja Halbsträucher, die brauchen wirklich sehr lange, bis sie die Größe erreichen, wie wir sie eigentlich kennen im Gartencenter oder in der Gärtnerei. Die würde ich immer als Pflanzen kaufen und aussäen. Klar, man könnte jetzt auch Basilikum zum Beispiel selber aussäen. Der wächst ziemlich gut und ziemlich schnell.
Ich bin da echt auch ein Riesenfan davon, weil den gibt's in so vielen verschiedenen Sorten. Also von Zimt über Zitrone bis blaublättrigen oder so ganz dunkellilanen gibt's ganz viele Sorten und der wächst auch echt zu dieser Jahreszeit schnell. Da kann man dann auch noch was ernten auf jeden Fall. Und ansonsten bin ich wirklich ein großer Fan von Jungpflanzen zu kaufen oder zu tauschen. Es gibt ja die verschiedensten Möglichkeiten, wie man an die rankommt. Weil das ist gerade zu Anfang, hat man da einfach ein schnelleres Erfolgserlebnis. Also es macht dann einfach mehr Spaß, wenn es ja auch wirklich was zu ernten gibt und ich nicht da Wochen, Monate lang mit einem Samenkorn rummache und am Ende wird es dann nix.
Johanna (12:23)
Gibt es so eine Pflanze oder zwei, die du sagen würdest, wenn man sich jetzt zum Beispiel das für den nächsten Frühling vornimmt und dann schon im Februar anfängt zu Hause was im Innenraum anzusehen? Gibt es da so ein, zwei Pflanzen, wo du sagen würdest, das ist Saatgut, das ist gut für EinsteigerInnen geeignet? Oder das würdest du empfehlen?
Silvia (12:42)
Also das Saatgut ist tatsächlich gar nicht die Herausforderung. Du hast ja jetzt auch gesagt, Februar, und jetzt wollen wir mal drüber nachdenken, wie sieht's im Februar aus? Überwiegend dunkel. Das Licht ist viel mehr das Problem. Und so seit ein paar Jahren, seitdem eigentlich so diese ganze LED-Technik immer weiter voranschreitet und auch immer preiswerter wird, haben sich tatsächlich so Anzuchtlampen schon ziemlich gut auch im Hobbybereich etabliert.
Das ist eigentlich die größte Challenge an der Anzucht im Innenraum, dass die Pflanzen zu wenig Licht haben. Es hilft auch nicht, wenn ich meine Lampe an der Decke anmache, sondern die brauchen bestimmte Wellenlängen. Das müssen spezielle Pflanzenlampen sein. Damit funktioniert das eh schonmal viel, viel besser.
Johanna (13:32)
Okay, das ist ein guter Tipp. Was würdest du denn sagen, wenn wir vielleicht mal auf den Bereich Bio-Nicht-Bio gucken? Ich weiß ja von dir, du hast es im Vorgespräch schon so bisschen erzählt, dass für dich Bio eigentlich das Normale ist und dass du auch mit Bio aufgewachsen bist. Was würdest du denn sagen, worin liegen für dich die Vorteile von Bio-Saatgut oder Bio-Pflanzen? Ist es wirklich so, dass die dann auch widerstandsfähiger sind?
Silvia (14:01)
Ich glaube, zum einen ist es eben Philosophie, Einstellungssache. Und es gibt ja auch den großen Unterschied zwischen samenfestem und hybridem Saatgut. Klar, es gibt im Biobereich auch vor allem im ... Wie soll ich sagen? Wenn ich das erwerbsmäßig betreibe, gibt es auch Bio-Hybrid-Saatgut, weil das einfach gewisse Anforderungen erfolgt. Aber das Schöne an Bioanzucht betreiben im Hobbybereich ist ja, dass man eine wahnsinnig große Auswahl hat an Sorten. Es gibt jeder Region mittlerweile Saatguttauschmärkte, wo sich dieses Saatgut über manchmal schon fast Jahrzehnte an diese Gegebenheiten in der jeweiligen Region angepasst hat. Das finde ich das Tolle daran.
Johanna (14:55)
Wo findet man denn sowas? Also ich würde vielleicht noch mal ganz kurz an der Stelle erklären, weil ich glaube, dass viele das nicht wissen. Samenfest bedeutet eben, die Pflanze, die man dann zu Hause hat oder die man von jemandem geschenkt bekommt, dass man deren Samen weiter verwenden kann und die dann auch wieder einpflanzt und die dann eben sich wachsen, Früchte tragen und so weiter. Und das ist eben bei nicht samenfestem Saatgut nicht unbedingt der Fall. Aber wo findet man denn so einen Tauschmarkt zum Beispiel? Also ganz blöd gefragt. Ich habe noch nie von so was gehört. Du öffnest mir ganz neue Welten.
Silvia (15:27)
Ja schön! Also tatsächlich würde ich es klassisch im Internet nachgucken. würde Saatgut-Tauschmarkt, Saatgut-Börse, Saatgut-Festival, so sind so die klassischen Begriffe dafür und dann immer ein Kombi mit deiner Stadt oder deinem Ort. Genau, kombinieren und danach suchen. Das bieten auch oft Vereine an oder manchmal sogar im Rathaus, wenn man in so einer ... Es gibt ja mittlerweile so viele Siegel, die Städte haben, Fairtrade-Stadt usw. Also gibt's tatsächlich auch von der Stadt selbst organisiert oftmals so was. Und ich glaub, wenn man jetzt einmal davon weiß, wie so oft, dann begegnet's einen auch plötzlich tatsächlich.
Und ansonsten gibt's natürlich samenfeste Saatgut, jetzt im größeren Sinne auch überall zu kaufen. Es gibt ja Bio-Saatgut-Hersteller.
Johanna (16:25)
Und wenn wir jetzt mal nicht auf Saatgut, sondern auf die Pflanze gucken, was würdest du sagen, gibt es da auch Vorteile von Bio gegenüber nicht Bio oder ist das egal, welche man da kauft für dich?
Silvia (16:35)
Ich würde gar nicht sagen, dass es ein Riesenvorteil für den eigenen Garten ist. Aber es ist ein Vorteil global gesehen. diese Betriebe, diese Erzeugerbetriebe von Jungpflanzen, das sind in der Regel auch sehr große Gärtnereien. Das bedeutet eben, dass die keine chemischen Mittel verwenden, um Schädlinge zu bekämpfen. Die verwenden, wenn es irgendwie möglich ist, keine torfhaltigen Erden. Die versuchen, in ihrem ganzen Wirtschaften nachhaltiger zu sein. Das ist für mich der Grund, warum ich auf Biojungpflanzen Wert lege oder allgemein auf Bio-Pflanzen. Weil man dabei das große Ganze im Blick hat.
Oskar (17:22)
Du hast es gerade schon kurz erwähnt, jetzt eigentlich die nächsten beiden Fragen hast du perfekt schon für uns eingeleitet. Weil du hast gerade schon gesagt, dass die eben auch torffreie Erde verwenden, sowohl die Anzuchtbetriebe und man kennt es ja selber auch, wenn man Erde kaufen geht, dass bei manchen steht drauf torfreduziert, bei manchen steht darauf garantiert torffrei. Was heißt das denn eigentlich und warum ist es so wichtig, dass man darauf achtet?
Silvia (17:46)
Torf ist ein Rohstoff, der aus den Mooren kommt. In Deutschland ist zwar der Abbau von Torf sehr stark reguliert, v.a. in Balkan-Ländern ist das nicht der Fall. Da großen Stil tatsächlich Moore trockengelegt für den Torfabbau. Weil dafür wahnsinnig, also unvorstellbare Mengen nach wie vor für die Erden, im Privaten wie auch im gewerblichen Bereich genutzt werden. Man muss wissen, Torf hat viele Eigenschaften, die sehr gut für Pflanzen sind und die wahnsinnig schwierig abzubilden sind durch Ersatzstoffe wie Holzfasern, Kokosfasern, was es mittlerweile alles gibt, Perlite usw. Es ist extrem herausfordernd, Erden zu mischen ohne Torf, die 100 Prozent funktionieren, vor allem im Erwerbsgartenbau. Man merkt es tatsächlich auch, dass gerade Anzuchterden im Hobbybereich ohne Torf auch immer wieder herausfordernd sind, weil viele berichten in den letzten Jahren, dass es ganz schwierig ist mit der Anzucht, dass sie super viele Schädlinge haben, Trauermücken, …
Oskar (18:50)
Kann ich bestätigen.
Silvia (19:13)
… dass irgendwie die Pflanzen vielleicht erst mal gut wachsen und dann kippen sie, dann wachsen sie nicht mehr gut weiter. Ja, also es hat viele Herausforderungen. Ich bin trotzdem der Ansicht im Hobbybereich, ja, mag es ärgerlich sein, wenn was nicht so klappt, wie man sich das wünscht, aber wir sind darauf nicht so angewiesen.
Johanna (19:31)
Das finde ich auch eine ganz wichtige Info, dass man vielleicht vor allem, wenn man jetzt selber, wie du es gesagt hast, nicht so ganz stark darauf angewiesen ist, wenn man zu Hause hobbygärtnert, dass man große Erträge hat, dass man das da dann einfach mal ausprobieren kann oder ein bisschen rumprobieren kann mit torffreier Erde, weil man damit der Umwelt was Gutes tut. So habe ich dich jetzt so bisschen verstanden auch.
Es gibt aber trotzdem die Möglichkeit, mit dem Balkon auch was Gutes zu tun für die Umwelt. Auf den Aspekt würde ich jetzt auch gerne noch mal kommen. Nämlich z.B. indem man sich Pflanzen ran schafft, attraktiv sind, für Schmetterlinge, für Bienen, andere Insekten. Ich finde es immer ganz schön, wenn ich Bienchen sehe auf meinem Balkon und freue mich dann. Es gibt da ja Blümchen, die ganz guten Nektar bieten oder Pollen bieten. Und es gibt Blümchen, die dann nicht so gut geeignet sind.
Ich habe im Vorfeld gelesen, dass Geranien oder Primeln häufig aus Afrika oder Südamerika kommen und zum einen da mit hohem Pestizideinsatz gezüchtet werden, wenn es eben keine Biopflanzen sind und zum anderen die auch nicht so attraktiv sind für Schmetterlinge und Bienen. Was würdest du denn sagen, welche Blümchen sind da geeigneter und welche vielleicht weniger geeignet?
Silvia (20:47)
Vielleicht kann man erstmal einen Grundunterschied zur Blüte überhaupt sagen. Es gibt gefüllte und ungefüllte Blüten. Gerade bei den Frühlingsblühern gibt es mittlerweile Tulpen, Narzissen usw., die eigentlich nur aus Blütenblättern bestehen. Da wurden die Staubgefäße weggezüchtet und gegen weitere Blütenblätter ersetzt. Das sind gefüllte Blüten. Gibt es auch bei Pfingstrosen, bei Rosen, bei ganz vielen mittlerweile.
Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass man sagt, ich besorge mir nur Pflanzen mit ungefüllten, mit natürlichen Blüten. Das ist so ein großer Unterschied, dann finde ich so ... Ich bin ja ein Fan von Essbarem und von Kräutern. Also, ich hab's nicht so ... Ich hab's nicht so sehr mit klassischen Blumen.
Johanna (21:37)
Ja, ich habe es gemerkt.
Silvia (21:43)
Und tatsächlich lieben Insekten ja auch die Blüten der Kräuter. Ich hatte letztes Jahr auf dem Balkon ein African Blue-Basilikum, den ich immer wieder sehr großzügig geerntet hab, also stängelweise abgeschnitten hab, und der super nachgewachsen ist. Und da waren unfassbar viele Insekten dran. Das war der Wahnsinn. Der lässt sich auch sehr gut mit Chilis kombinieren in einem Kasten. Das war eine wunderschöne Kombi. Gleiches gilt für Schnittlauchblüten zum Beispiel. Also da kommen auch so viele Insekten.
Oskar (22:18)
Die sind auch so schön.
Silvia (22:20)
Genau die sind so schön. Und das Tolle ist, auch diese Blüten sind essbar für uns. Man kann die zum Beispiel mega schön über den Salat streuen, zum Anrichten dekorieren. Das ist eigentlich immer ein Aha-Effekt, wenn man zum Grillen eingeladen ist und man bringt eine eigene Kräuterbutter mit und streut da noch Schnittlauchblüten drüber. Da ist jeder erst mal so, wow, das geht, die kann man essen.
Johanna (22:48)
Ich habe die Erfahrung gemacht, je mehr ich angepflanzt habe, es gibt ja mittlerweile sogar in der Gärtnerei Blüten, wo dann dabeisteht, die ziehen Insekten an, die blühen dann total schön. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Bienen dortbleiben, am Balkonkasten. Die kommen nicht zu mir und ärgern mich, sondern bleiben bei den Blumen. Eigentlich ist das gar nicht… Manche haben ja Sorge, sie ziehen dann damit Bienen an und die stechen dann. Aber im Grunde habe ich die Erfahrung gemacht, die bleiben dann bei den Blümchen und interessieren sich dann gar nicht für mich. Blümchen sind viel spannender.
Silvia (23:26)
Genau, bei dir gibt's ja auch kein Nektar. Eben. Tatsächlich ist es so spannend, dass du das beschreibst. Bienen interessieren sich ja eigentlich nicht für unser Essen oder wenn man da jetzt frühstückt. Also die sind ja auch nicht doof, die wissen auch von der süßen Marmelade, da kann ich mir keinen Nektar holen, keinen Pollen. Ganz anders eben Wespen. Wespen stehen total auf unser Essen, aber Wespen lockt man eben mit Essen an und nicht mit Blumen. Das ist vielleicht der große Unterschied.
Oskar (23:57)
Wir haben ja jetzt kurz über die ganzen Nützlinge gesprochen, die sich ja auch für generell es hilft, wenn man die ganzen Bestäuber-Insekten auf seinen Balkon lockt oder denen etwas zu essen gibt. Aber auch Balkon-GärtnerInnen kämpfen mit Schädlingen. Du hast vorhin schon die Trauermücken erwähnt. Hilft es denn, sehr lästig, hilft es denn, wenn man sagt, man versucht eine möglichst hohe Artenvielfalt auf seinem Balkon herzustellen oder anzulocken, dass es auch gegen Schädlinge hilft und dann eben dadurch die Pflanzen weniger haben. Blattläuse fallen mir auch noch ein als klassischer Balkonschädling.
Silvia (24:32)
Genau, Blattläuse sind ein klassischer Balkonschädling. Sind auch ganz spannend. Ich bin ja ein großer Insektenfan, weil ich die so faszinieren finde. Auch Blattläuse finde ich mittlerweile fasziniert, auch wenn sie mich selber auch manchmal den letzten Nerv kosten. Aber ja, Vielfalt in jeglicher Hinsicht hilft, Schädlingen vorzubeugen. Also eben Vielfalt im Kübel- und Balkonkasten, dass man wirklich abwechslungsreich pflanzt, möglichst viele Nützlinge anlockt. Und dann muss man aber auch wissen, dass es im Jahresverlauf gibt es Zeitpunkte, da ist die Population, was die Schädlinge, wie wir sie halt nennen, ist da einfach stärker als die Nützlinge. Das ist so klassisch, tatsächlich meistens so je nach Wetterlage. Im Mai, Anfang Juni auch manchmal noch, dass eben die Blattläuse extrem stark auftreten.
Silvia (25:28)
Weil die sich einfach unfassbar schnell vermehren können. So schnell kann sich meistens kein Nützling vermehren. Genau, wer ja Blattläuse sehr gern mag, sind die Larven von Marienkäfern. Und tatsächlich kann man die sich mittlerweile kaufen. Ich habe mir die auch schon bestellt und dann ausgebracht auf den Pflanzen. Und dann fressen die in kürzester Zeit verputzen die die, sozusagen. Wenn die nichts mehr zu fressen haben, dann ziehen die auch weiter.
Johanna (26:03)
Das ist total krass, dass man sich einfach so Larven von Marienkäfern bestellen kann, oder? Und dann setzt man die aus.
Silvia (26:09)
Genau. Das kann man auch bei Trauermücken machen. Da gibt es dann eben wieder ... Es gibt eigentlich für jeden Schädling den passenden Nützling. Und so arbeiten ja auch Biobetriebe im großen Stil.
Johanna (26:23)
Ich hätte es natürlich googeln können, aber ich dachte, bringe das jetzt einfach mal mit. Und zwar habe ich so ein kleines Röschen auf meinem Balkon. Das hat mir irgendwie meine Mama letztes Jahr, glaube ich, geschenkt. Und dann war ich schon ganz erstaunt, dass die es über den Winter geschafft hat. Und ich habe die dann tatsächlich zurückgeschnitten und jetzt hat sie neue Knospen gebildet. Aber da sind so komische weiße Sachen auf den Blättern. Weißt du zufällig, was das ist, was man da machen kann? Also wie so weißer Staub ist da so drauf.
Silvia (26:53)
Das weiß ich nicht, was es ist, aber wenn es klebt, dann sind es in der Regel Absonderungen von Läusen.
Johanna (27:00)
Ja, genau, es klebt.
Silvia (27:04)
Weil Läuse können auch ... Dann ist es der sogenannte Honigtau den Läuse absondern. Das ist ja auch das, was dann eben den Ameisen sehr gut schmeckt. Die melken sozusagen die Läuse. Und Läuse können ganz unterschiedlich aussehen. Es gibt so viele unterschiedliche Arten. Die sind nicht immer schwarz, die können grün, die können alle möglichen Farben haben.
Johanna (27:24)
Und da kann ich das jetzt mal probieren mit den Marienkäfern.
Silvia (27:26)
Da kannst du das mal probieren, ich würde dir aber empfehlen, zuerst mal mit einem feuchten Küchentuch, die manuell abzustreifen, alles, was du so erwischt. Und dann eben mit den Larven zu arbeiten. Das Beste ist, vorbeugende Maßnahmen, also Früherkennung zu betreiben. Und nicht erst zu warten, bis die ganze Pflanze davon eingenommen ist. Die Pflanze wird wahnsinnig geschwächt von so einem Schädlingsbefall. Gerade an unserem schönen Läusebeispiel. Die saugt ja den Pflanzensaft aus. Und wenn die das über Wochen betreiben, dann kann es eben schon schlimmstenfalls passieren, dass die wirklich komplett kaputt geht, die Pflanze.
Johanna (28:10)
Mist, okay, ich kümmere mich darum. Gleich heute.
Oskar (28:14)
Genau, wir haben vorhin schon angesprochen, wie viel Freude einem der Balkon selber bringen kann. Jetzt wäre aber noch die Frage, können so Stadtbalkons und was können jeder und jede machen, dass der Balkon für Klimaschutz, für das Stadtklima möglichst gut ist. für mich ist die Faustregel so, je mehr Grün eine Stadt hat, desto besser ist das Stadtklima. Und kann man da was mit auf dem eigenen Balkon machen? Und wenn ja, was?
Silvia (28:42)
Ich würde das auch sofort unterschreiben. Wenn ich mir vorstelle, hier in München hätte jeder und jede den Balkon begrünt, dann würde das wahrscheinlich schon zu einem ganz anderen Mikroklima führen. Es würden auch noch viel mehr Insekten Nahrung finden. würden dadurch auch viel mehr Vögel Nahrung finden. Das ist ja ein riesengroßer Kreislauf, der zusammengehört. Und ich würde gar nicht so sehr versuchen, jetzt zu sagen, man muss Pflanze XY auf dem Balkon haben, um möglichst klimafreundlich zu sein. Weil klar, wenn man sich jetzt vielleicht mal so sehr innovative Bauprojekte anschaut, dann planen die ja mittlerweile zum Beispiel Flächen für Bäume an Gebäuden mit ein. Das ist richtig toll. Genau, weil klar, je mehr Blattfläche ich habe, desto mehr Beschattung. Also klar, wenn sich jetzt jeder einen Baum auf den Balkon stellt, wäre super. Man sollte aber die Tragkraft beachten.
Ich fänd's einfach toll, wenn noch viel mehr Menschen überhaupt ihren Balkon nutzen. Ihr kennt es vielleicht auch, jeder, der umzieht oder in eine Wohnung zieht, sagt so unbedingt einen Balkon. Ich frag mich dann ganz oft, warum wollt ihr unbedingt einen Balkon? Die meisten, die ich kenne, da stehen die Balkone komplett leer.
Johanna (30:02)
Das frage ich mich auch immer, bei mir gegenüber auch, meiner Nachbarn tatsächlich. Um die jetzt mal an den Pranger zu stellen...
Oskar (30:09)
Liebe Grüße an der Stelle!
Johanna (30:11)
Warum begrünt ihr eure Balkone nicht? Das verstehe ich auch nicht.
Silvia (30:15)
Ich habe manchmal schon die Hoffnung, vielleicht kann man Menschen mit dem Gärtnern infizieren, indem man selber zeigt, wie es geht. Auch darüber spricht. Gärtnern ist eine gute Anschlusskommunikation. Das lädt immer ein, darüber zu sprechen, in Austausch zu kommen. Über alle Schichten und Altersklassen, über alles hinweg. Ich habe hier einen 80-jährigen Nachbar. Als wir hierhergezogen sind vor drei Jahren, waren wir sofort ... Ich würde sagen, wir sind Freunde, Gartenfreunde. Das war das verbindende Element. Er gärtnert zwar ganz anders als ich, aber es ist trotzdem schön. Vielleicht, wenn man Nachbarn hat, die das noch gar nicht machen, dass man trotzdem irgendwie ... Wenn man jetzt die Möglichkeit hat, mit ihnen mal zu sprechen und es sich anbietet, halt sagt, ja ich habe auch einen Job und volles Leben, aber man kriegt das gut unter es gibt einem ja auch was.
Johanna (31:13)
Ja, total. Hast du denn, vielleicht sind da ja auch unter den Menschen, die ihren Balkon noch nicht bepflanzt haben, sind da auch die ein oder anderen drunter, die irgendwie sagen, aber das ist, wenn ich da zur Gärtnerei fahre und mich dann da ein- oder zum Baumarkt oder wo hin auch immer mich eindecke, ist das auch teuer einfach. Also das muss man ja wirklich auch so sagen, es kostet Geld. Hast du vielleicht Tipps, wie man einen Balkon auch mit einem kleinen Budget so gestalten kann, dass viel grünt und blüht?
Silvia (31:41)
Zum einen gibt es Pflanzgefäße in den unterschiedlichsten Preisklassen. Gerade z.B. Tongefäße oder Kunststoffgefäße. gibt auch aus recyceltem Kunststoff mittlerweile preiswerte Gefäße. Die kann man immer noch, wenn man Lust hat, selber die mit einer anderen Farbe besprühen oder bemalen, aufhübschen sozusagen.
Und was bei Kräutern eben sehr gut funktioniert, ist, eines zu kaufen. Beispiel Basilikum. Ich kaufe mir so einen Topf Basilikum. Das habe ich letztes Jahr auch so gemacht und hab den in fünf kleinere Teile unterteilt und dann in unterschiedliche Gefäße reingepflanzt. Also wirklich den Pflanzballen aus dem Topf rausnehmen und dann lässt er sich eigentlich relativ leicht auseinandertrennen.
Johanna (32:21)
Aber wie hast du das gemacht? Also die Wurzeln auch richtig trennen.
Silvia (32:31)
Die Wurzeln auseinandertrennen, genau an den Wurzeln trennen, sodass ich dann vier bis fünf Pakete hatte, wo dann insgesamt noch mal sechs Stängel oder vier Stängel oben rausschauten. Die habe ich dann in meinem Balkonkasten in den größeren Topf. Ich habe das immer mit anderen Pflanzen kombiniert. Das hat wunderbar funktioniert. Konnte ich bis zum ersten Frost hinein ganz viel Basilikum ernten.
Genau, man kann Schnittlauch teilen, kann bei diversen Online-Plattformen inserieren, gibt ja auch Nachbarschaftsportale, das hab ich jetzt selber tatsächlich gemacht, ich hab geschrieben, hat noch jemand Tomatenpflanzen abzugeben, ich hab noch Platz, ja, genau.
Oskar (33:20)
Das hast du ja vorhin auch schon gesagt, das möchte ich auch noch mal betonen, weil da wo ich wohne, es tatsächlich auch so Regale oder im Botanischen Garten von der Uni gibt es auch ein Tauschregal für Saatgut und für Pflanzen, also dass man sich wirklich auch informieren kann. Ich kenne das von mir selber, ich sehe oft mehr aus als ich dann Platz habe, aber die Samen sind ja so klein. Und dann denkt man sich, ach, mache ich mal hier so eine Hand voll. Und am Ende steht man da aber mit 20 Pflanzen und weiß gar nicht wohin damit. Genau. das ist also mit Tauschen. Es gibt Tauschgruppen, es gibt irgendwie Freundeskreise. Ich glaube, da kommt man auch immer gut zumindest zu den Pflanzen. So, jetzt habe ich, also dazu muss ich sagen, ich habe Johanna letztens schon ein Foto geschickt. Unser Balkon oder ich muss was sagen, unser Balkönchen hat vielleicht gerade so einen Quadratmeter.
Johanna (34:07)
Stimmt.
Oskar (34:15)
Das hält uns natürlich nicht davon ab, dass wir da auch ein paar Pflanzkästen hingehängt haben. Hinstellen können wir nichts, sonst können wir da nicht mehr sitzen. Aber gibt es denn bestimmte Töpfe oder Möbel, wo du sagst, mit denen kann ich selbst einen kleinen Balkon mit wenigen Quadratmetern, vielleicht ein bisschen mehr als einen Quadratmeter, bestmöglich nutzen?
Silvia (34:35)
Es gibt mittlerweile die praktischsten Ideen, dass man Tische hat, die man hochklappen kann und wenn man nicht gerade drauf sitzt, sie runterklappen kann. Ich würde auch immer eher sagen, wenn man echt schon wenig Platz hat, auf dem Boden lieber eckige Gefäße stellen und nicht runde, weil ein eckiges kann ich auch mal in die Ecke richtig reinrücken. Und wenn es eben schwere Gefäße sind, von Anfang an auf Rollbretter stellen, weil dann bin ich flexibler.
Und man kann auch in einem Balkonkasten relativ viel unterbringen, wenn man weiß wie. Zum Beispiel indem man eben in die Seiten Pflanzen setzt. Also wirklich, ich meine, damit ganz in die Ecke. Zum Beispiel eine Kapuzinerkresse, die nach unten rankt. okay. Ja, also sozusagen alle Ebenen des Kastens ausnutzen. Es gibt auch Kräuter, also es gibt zum Beispiel auch kriechenden Thymian. Sodass ich eben sage, ich habe einen Strauch Basilikum, der ganz hochwächst. Ich habe aber dann eben noch an der Ecke eine Kapuzinerkresse Pflanze, sodass ich das so gut miteinander verbinde. Und immer, wenn zum Beispiel, wenn ich in einem Kasten eine Lücke hab, dann mach ich immer einen Pflücksalat rein, weil der geht echt immer. Und den kann man ja auch überschaubar halten von der Größe, indem man immer die Blätter erntet.
Oskar (35:55)
Können wir da unsere Hörerinnen und Hörer vielleicht an jetzt einfach mal ganz direkt an deine Seite verweisen? Also du hast die ganzen Tipps jetzt und wenn die Leute jetzt nicht immer die Podcast Folge wieder und wieder hören wollen, was sie natürlich dürfen. Aber wo können sie denn zum Beispiel die Tipps, die du jetzt hier gegeben hast, nochmal nachlesen im Idealfall?
Silvia (36:18)
Genau, auf gartenfräulein.de, das ist mein Blog, da gibt es ganz viele Beiträge. Da gibt es auch eine Reihe den Selbstversorgerbalkon, wo ich einmal durchs Jahr führe, was man in welchem Monat machen kann. Und für welche, jetzt sozusagen den absoluten Zeitsparweg gehen wollen, habe ich ja auch einen Online-Kurs entwickelt, in dem ich eben genau diese Themen, die wir jetzt eigentlich besprochen haben, noch mal sehr detailliert wiedergebe. Wo man mich auch ganz viel auf dem Balkon sieht, so hands-on, wie ich was konkret mache. Das hat mich selbst auch tatsächlich noch mal richtig weitergebracht. Für mich war es die Aufgabe, wie vermittle ich das, was für mich ganz normal ist in meinem Gärtnern? Wie verbalisiere ich das eigentlich? Sodass man sagt, ich erspare mir jetzt zehn Jahre Frust und hole mir den Onlinekurs.
Das ist auch tatsächlich das Feedback, was ich bekomme, was mich da auch echt so freut daran. Und wir haben da im Kurs auch eine Community, eine Gruppe, wo ich sehen kann, wenn man will, mir Bilder schicken kann und so weiter. Und wo ich einfach das Feedback bekomme, dass Menschen, die zum Beispiel noch nie gegärtnert haben, im ersten Jahr direkt einen tollen S-Bahn-Balkon sich erschaffen haben.
Oskar (37:43)
Wow, ja.
Silvia (37:44)
Aber auch welche, die schon seit fünf Jahren gärtnern und vielleicht manches einfach nicht so gut geklappt hat oder so frustriert sind kurz vorm Aufgeben, die da auch noch mal total viel profitieren.
Johanna (37:56)
Ich würde vielleicht, wir könnten noch ewig über das Thema weitersprechen, aber müssen so langsam zum Ende kommen. Ich würde vielleicht als letzte Frage, weil ich finde, das schließt sich gerade so schön an, außer du hast auch noch was, Oskar, würde ich fragen, was sind denn so deine größten Learnings aus deiner Zeit als Balkongärtnerin? Was war das für dich, weil du jetzt gerade angesprochen hast, naja, man spart sich auch wirklich Zeit, wenn man so Tipps bekommt, dass man nicht alles eben selber probieren muss. Was waren so deine größten Learnings aus deiner Zeit als Balkongärtnerin?
Silvia (38:29)
Ja, dass man eher mit seinem Balkon gärtnert und nicht gegen ihn. Genau, ich habe das auch alles ausprobiert. In Würzburg hatte ich einen sehr schattigen Balkon. Dafür war er aber riesengroß. Und ich wollte natürlich schon unbedingt Rosmarin und Salbei, all das haben. Das funktioniert aber ohne Sonne nicht. Ich habe da wirklich Geld versenkt. ja, also gerade bei einem großen Balkon kann man ja auch viele Pflanzen pflanzen. Und einfach von Anfang an zu sagen, ich habe eben diese Gegebenheiten, und da funktionieren nur gewisse Pflanzen, das hätte von Anfang an eben für viel mehr Freude und weniger finanzielles Loch im Geldbeutel gesorgt.
Oskar (39:16)
Das ist ein gutes Schlusswort, finde ich. Gärtnert mit eurem Balkon, nicht gegen ihn.
Johanna (39:23)
Das fand ich gerade noch, wollte ich nur kurz einwerfen, Anfangs fand ich ganz interessant, hattest du ja gesagt, die Erwartung, dass die Pflanze funktioniert, also dass man das sozusagen seine Gegebenheiten erstmal anschaut und dann guckt, welche Pflanze passt dazu und nicht die Erwartung hat, jede Pflanze muss auf meinem Balkon.
Oskar (39:40)
Vielen, vielen Dank, Silvia. Ich habe noch richtig viel gelernt heute und ich finde das auch immer super, wenn man einfach an die Hand genommen wird, ein bisschen bei diesen Sachen. Genau, da macht es nämlich doppelt Spaß.
Johanna (39:55)
Ich glaube, ich probiere das mal mit meiner Rose und berichte in der nächsten Podcast-Folge, ob das geklappt hat. Ja, ich bin total gespannt. Gibt es noch irgendwas, was du noch ergänzen möchtest?
Silvia (40:06)
Mir hat's auch ganz viel Spaß gemacht. Ich merke dann auch immer wieder, es ist und bleibt meine große Leidenschaft. Und gerade auch das Wissen eben weitergeben zu dürfen. Und ich glaube auch, es ist eben einfach ein Hobby. Das braucht viel Erfahrung. Aber man kann eben durch das Garten Fräulein oder andere einfach sich viel sparen und direkt zum freudigen Teil übergehen.
Oskar (40:30)
Danke dir.
Johanna (40:32)
Vielen, vielen lieben Dank, dass du das mit uns geteilt hast.
Silvia (40:35)
Gerne.
Oskar (40:36)
Wir hoffen, dass Silvia euch dazu inspiriert hat, und zwar jetzt sofort loszulegen und zu Gärtnern, was das Zeug hält. Und wenn sie das nicht geschafft hat, dann hoffentlich ich gerade mit meinem kleinen Appell. Johanna, was willst du denn jetzt als nächstes in Angriff nehmen?
Johanna (40:50)
Ich werde jetzt auf jeden Fall direkt mal meine Blattläuse bekämpfen und schauen, wo ich kurioserweise Marienkäferlarven herkriege. Ich habe keine Ahnung.
Oskar (41:00)
Vielleicht beim Marienkäferlarvenversand.
Johanna (41:03)
Ja, genau, vielleicht da.
Oskar (41:05)
Was ich jetzt wirklich mitgenommen habe, ist dieses nicht gegen seinen Balkon zu gärtnern, sondern mit dem Balkon zu arbeiten. Ich werde es auch versuchen, in meine Gemüsebeete anzuwenden, meine kleinen Parzellen, dass hoffentlich ein Erfolg wird.
Johanna (41:22)
Ja, ich finde, den Satz oder die Botschaft, die Silvia da mitgebracht hat, kann man irgendwie auch komplett auf alle möglichen anderen Bereiche in der Natur anwenden. Das man eben nicht gegen die Natur arbeitet, sondern mit ihr oder nicht gegen Dinge ankämpft, wie sich zum Beispiel eine wunderschöne Blume hinzustellen, die dann aber leider nach der ersten Hitzewelle kaputt geht, sondern eben zu gucken, was funktioniert und welcher Pflanze geht es auch gut auf meinem Balkon. Wir fragen uns natürlich auch, was euch am besten gefallen hat in der Podcast Folge am Balkongärtnern und richtig, richtig, richtig toll wäre es, wenn ihr uns ein Foto schickt von eurem Balkon.
Entweder an unsere E-Mail-Adresse an podcast@bioverlag.de oder ihr verlinkt uns in den sozialen Medien auf den Fotos und vielleicht können wir dann gemeinsam eine kleine Sommer-vorm-Balkon-Welle anstoßen. Das wäre doch schön.
Oskar (42:14)
Das fände ich richtig schön. Das würde meinen Feed auch bisschen begrünen, nicht nur meinen Balkon. Und jetzt müssen wir natürlich euch noch erzählen, wie es weitergeht. Und zwar sprechen wir in der nächsten Folge „Weltretter Bio?“ über Liebe und Sex. Wir wollen wissen, wie wichtig gemeinsame grüne Werte für eine Liebesbeziehung sind.
Johanna (42:36)
Ja, ich bin schon richtig gespannt. Vor allem, Oskar, wie wichtig das für dich ist, möchte ich natürlich unbedingt wissen.
Oskar (42:42)
Ja, ich werde es dir noch nicht verraten, dann musst du dich noch gedulden.
Johanna (42:47)
Wir wünschen euch jetzt auf jeden Fall eine wundervolle Sommerzeit. Der Juni ist natürlich klar mein Lieblingsmonat. Ich hoffe, ihr könnt die Zeit genießen. Wir hören uns auf jeden Fall in zwei Wochen wieder. Jeden zweiten Mittwoch gibt es ab jetzt eine neue Folge. Bis dahin eine schöne Zeit.
Oskar (43:05)
Bis dann!
Über das Garten Fräulein
Hinter Garten Fräulein verbirgt sich Silvia Appel. Sie ist leidenschaftliche Gärtnerin und Balkongärtnerin. Zu diesem Thema hat sie schon mehrere Bücher veröffentlicht und bietet auch Kurse zum Balkongärtnern an. Silvia lebt mit ihrer Familie in München.
Das ist neu in Staffel 2 unseres Podcasts
In dieser Staffel erscheint jeden Monat zusätzlich auch eine Kurzfolge. Die versorgt euch kurz und knapp mit nützlichen Fakten zu unterschiedlichen Alltagsthemen. In der ersten Shortfolge geht es um Balkonkraftwerke. Die haben einen echten Boom erfahren in diesem Jahr. Außerdem hat sich durch das Solarpaket der Bundesregierung auch einiges geändert. Wir stellen unter anderem die Frage, ob sich ein Balkonkraftwerk wirklich lohnt. Und wie sieht es mit dem Aufbau, dem idealen Standort und der Förderung aus? All das hört ihr ab dem 3. Juli.
Jeden zweiten Mittwoch könnt ihr ab jetzt in eine neue Folge reinhören. Wir freuen uns, wenn ihr wieder mit dabei seid. „Weltretter Bio? – Was Bio dir und dem Planeten wirklich bringt“ gibt‘s bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt hier im Artikel.
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