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Stevia als Süßungsmittel zugelassen

Die EU-Kommission hat eine Verordnung verabschiedet, mit der sie das aus Steviablättern hergestellte Süßungsmittel Steviolglycoside als Zusatzstoff zulässt. Diese Zulassung war erwartet worden, nachdem die EU-Lebensmittelbehörde EFSA bereits 2010 festgestellt hatte, dass Steviolglycoside als Süßungsmittel unter bestimmten Bedingungen eingesetzt werden können
22.11.2011

Die EU-Kommission hat eine Verordnung verabschiedet, mit der sie das aus Steviablättern hergestellte Süßungsmittel Steviolglycoside als Zusatzstoff zulässt. Diese Zulassung war erwartet worden, nachdem die EU-Lebensmittelbehörde EFSA bereits 2010 festgestellt hatte, dass Steviolglycoside als Süßungsmittel unter bestimmten Bedingungen eingesetzt werden können.Die EFSA kam zu dem Schluss, dass das Süßungsmittel weder krebserregend oder genotoxisch ist, noch die Fruchtbarkeit schädigt. Als annehmbare Tagesdosis (ADI) hatte die Behörde vier Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag festgelegt. Die im Zulassungsantrag ursprünglich genannten Mengen hätten jedoch dazu führen können, dass der ADI-Wert bei intensivem Verzehr damit gesüßter Lebensmittel überschritten worden wäre. Deshalb wurde hinter den Kulissen noch über ein Jahr um die zulässigen Mengen gerungen. Sie sind im Vergleich zum Antrag deutlich reduziert worden.Konzerne freuen sichIn der Verordnung 1131/201 werden nun Steviolglycoside als E 960 für insgesamt 31 Lebensmittelkategorien in sehr verschiedenen Höchstkonzentrationen zugelassen. Tafelsüßen (Süßungsmittel, die vom Verbraucher anstelle von Zucker zum Süßen verwendet werden) dürfen komplett aus Steviolglycosid bestehen. In Kaugummis sind bis zu 3300 mg/kg zugelassen. Aromatisierte Getränken dürfen nur 70 mg/l enthalten, und auch das nur, wenn sie „brennwertverminderte oder ohne Zuckerzusatz hergestellte Produkte“ sind. Ursprünglich hatten die Antragsteller für diese Warengruppe die dreifache Menge beantragt. Dennoch freute sich Coca-Cola öffentlich über die endlich erteilte Zulassung. Der Getränkekonzern hat zusammen mit dem Agrarkonzern Cargill einen Stevia-Süßstoff mit dem Markennamen Truvia entwickelt, der bereits in anderen Ländern im Einsatz ist. In den USA hat Truvia bei den Tafelsüßen bereits 13 Prozent Marktanteil.„Natürlicher Süßstoff“ ist VerbrauchertäuschungSteviolglycoside werden hergestellt, indem man getrocknete Steviablätter mit Wasser oder Alkohol extrahiert, die Inhaltsstoffe mit Salzen ausfällt und mit Adsorberharzen entfärbt. Danach werden sie mittels Ionenaustauscher wieder entsalzen und in Alkohol kristallisiert. Das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit schreibt von „drastischen physikalisch/chemischen Bedingungen“ bei der Herstellung, die nicht mit einer einfachen Extraktion gleichgesetzt werden könnten. Es wertet deshalb Formulierungen wie „natürlich gesüßt“, „Natürlicher Süßstoff“ oder „Stevia-Extrakt“ für Produkte mit Steviolglycosiden als Täuschung der Verbraucher. Die aus den Blättern extrahierten Steviolglycoside sind bis zu 300 mal süßer als Rohrzucker. Die ganzen Blätter hingegen sind zehn bis 15 mal süßer als Zucker und haben ein leicht lakritzigen Beigeschmack.Steviablätter bleiben in der rechtlichen GrauzoneDie Zulassung der Steviolglycoside sagt nichts über die Verwendung von Steviablättern in ganzer oder pulverisierter Form aus. Hier schwelt weiterhin die rechtliche Auseinandersetzung darüber, ob die Blätter als Novel Food einzuordnen sind oder nicht. Das Verwaltungsgericht München hat im Streit um den Stevia-Joghurt der Andechser Molkerei entschieden, dass Tee aus Stevia-Blättern eine gewöhnliche Pflanzenzutat und kein zulassungsbedürftiges Novel-Food ist. Für Bio-Lebensmittel sind die nun zugelassenen Steviolglycoside nicht erlaubt, selbst wenn die als Rohstoff verwendeten Stevia-Blätter aus Öko-Anbau stammen würden. Denn dazu müsste E960 nun auch in den Anhang VIII der EU-Öko-Verordnung als erlaubter Zusatzstoff eingetragen werden.Mehr zum Thema

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