Kurz notiert 12|2018 - Schrot und Korn

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Kurz notiert 12|2018

Kurz notiert © gettyimages/Martin Diebel
Was müssten unsere Lebensmittel eigentlich kosten? Die Universität Augsburg hat nachgerechnet. © gettyimages/Martin Diebel

Lebensmittelproduktion

Was Preise nicht verraten

Können Preise lügen? Die Antwort liefert die Studie „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“ der Uni Augsburg. Berechnet wurden die sogenannten „versteckten Kosten“ der Lebensmittelproduktion, die durch den Einsatz von Stickstoff, Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch entstehen, derzeit aber nicht in die Preise für Lebensmittel einbezogen werden. Gerade bei konventionell erzeugtem Fleisch, so Tobias Gaugler von der Uni Augsburg, entstünden die „höchsten externen Folgekosten“. Konventionell erzeugte Fleisch- und Wurstwaren müssten demnach zum dreifachen, konventionelle Milch zum doppelten Preis verkauft werden, würden die Folgekosten für Klima und Umwelt eingerechnet. Die niedrigsten Aufschläge, nämlich sechs Prozent, fielen für Bio-Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs an. Die hohen externen Kosten­ gingen vor allem auf das Konto der energie­- intensiven Aufzucht der Tiere, so Gaugler. Solche Haltungsformen bedingten einen höheren Einsatz von Stickstoff bei der Futtermittelproduktion und einen höheren Ausstoß von Treibhausgasen – mit Folgen für Wasser, Luft und Klima. Beim Öko-Landbau hingegen sorge insbesondere der Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger für geringere externe Kosten. Laut Studie müsste der Preisaufschlag für konventionelle Produkte vermutlich noch höher ausfallen, denn die Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen und Folgen des Pestizideinsatzes konnten mangels Daten nicht berücksichtigt werden. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Schweisfurth-Stiftung und der Gesellschaft für Kultur und Umweltaktivitäten Tollwood. Stephanie Weigel von Tollwood kritisiert, dass die Kosten für ökologische Schäden bei der Lebensmittelproduktion nicht eingepreist sind und stattdessen von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen – und fordert: „Die Politik muss umgehend Maßnahmen ergreifen und diese extreme Preis- und Marktverzerrung abstellen.“ 


Verschwendung

Was Bäckereien wegwerfen

Ist Brot ein Wegwerfartikel? Manche Backshops oder Bäckereien in Deutschland schmeißen nach Ladenschluss bis zu einem Fünftel der Ware weg. Im Schnitt sind es 12 bis 15 Prozent. Das ergab eine Studie der Umweltstiftung WWF. Mittlere und große Firmen haben demnach Verluste von bis zu 19 Prozent. Deutlich besser sieht es in kleinen Backstuben aus. Dort bleiben laut WWF nicht mal ein Prozent der Produkte im Regal. Und wo landen die Reste? Im günstigsten Fall spenden Firmen die Ware, oft aber landen Brot und Torte im Tierfutter oder in der Biogasanlage. Der WWF beklagt die Verschwendung auch vor dem Hintergrund der negativen Folgen der konventionellen Landwirtschaft durch Pestizideinsatz und Überdüngung. Die jährlich 1,7 Millionen Tonnen zu viel produzierter Backwaren entsprächen einer Ackerfläche, die größer ist als Mallorca. 


Glyphosat-Prozess

Urteil bestätigt

Eine US-Richterin hat die Verurteilung Monsantos im Fall des krebskranken Dewayne Johnson und Monsanto bestätigt, aber die Strafzahlung von 289 Millionen auf 78 Millionen Dollar herabgesetzt. Den Antrag Monsantos auf einen neuen Prozess hat sie abgelehnt. Da weitere 8700 Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch Glyphosat anhängig sind, gerät der Bayer-Konzern, zu dem Monsanto gehört, zunehmend unter Druck. Bayer will gegen das Urteil in Berufung gehen. 


Zahl des Monats

Kilo Schokolade verzehrte jeder Bundesbürger 2016 im Schnitt. In Europa griffen nur die Schweizer (10,15 kg) noch öfter zu Schoki &  Pralinen.

Quelle: Statista, 2018


Landwirtschaft

Digitalisierung: Fluch oder Segen?

Die Digitalisierung erobert die Landwirtschaft: Drohnen schweben über Felder, Traktoren werden per Satellit gesteuert, Wetterdaten kommen von Big Data-
Plattformen. Ist die Digitalisierung des Agrarbereichs das neue Wundermittel im Kampf gegen Hunger und Artenschwund? Befürworter gehen davon aus, dass der Agrarsektor durch die Digitalisierung nicht nur effektiver, sondern auch ökologischer wird. Durch das Zusammenführen von Daten, zum Beispiel über das Wetter und den Bodenzustand, könnten die Bedürfnisse von Pflanzen genau bestimmt und Wasser, Dünger und Pestizide bedarfsgerecht und damit meist sparsamer eingesetzt werden. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Pat Mooney, Träger des Alternativen Nobelpreises, warnt: „Wenn wir nicht gegensteuern und der Konzernkontrolle über die Digitalisierung enge politische Grenzen setzen, dann bedrohen die neuen Technologien die bäuerliche Landwirtschaft insgesamt.“ Ähnlich denken die Entwicklungsorganisationen FIAN und Brot für die Welt. Sie befürchten, dass Finanzmärkte und Agrarkonzerne mit Hilfe der Digitalisierung die Kontrolle über Ressourcen wie Saatgut übernehmen könnten. Ihre Sorge: Die Digitalisierung könne die Spaltung zwischen armen Bauerngruppen und kapitalkräftigen Agrarunternehmen vertiefen und die Konkurrenz um Land, Wasser und Saatgut weltweit noch verschärfen. sb


Glyphosat

Es wird wieder mehr gespritzt 

Krebserregend oder nicht krebserregend? Ungeachtet der breiten Diskussion um seine Gesundheitsgefahren und der
Ausstiegspläne der Bundesregierung ist der Verkauf des Pflanzengifts Glyphosat in Deutschland wieder stark gestiegen. Mit knapp 4700 verkauften Tonnen in 2017 lag er 900 Tonnen (24 Prozent) über dem Ergebnis von 2016. Das geht aus einem Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor. Im Jahr 2016 war der Verbrauch allerdings mit 3800 Tonnen auf dem niedrigsten Stand seit 2003. Von den anderen Pflanzengiftwirkstoffen wurden laut BVL 2017 in Deutschland rund sieben Prozent mehr verkauft als 2016, nämlich ungefähr 34 500 Tonnen. 



© shutterstock/scharfsinn; gettyimages/Henrik Sorensen

Ernährung und Umwelt

Das Plastik in uns

Plastikflaschen, Plastiktüten oder Plastik in Kosmetik: Zu Mikroplastik zerriebene Partikel finden sich heute überall. Forscher von der Medizinischen Universität Wien wiesen nun erstmals Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen nach. Die Partikel wurden in den Proben von allen acht Teilnehmern gefunden. Die Teilnehmer führten eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend eine Stuhlprobe ab. Alle Teilnehmer konsumierten in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen, die Mehrzahl von ihnen verzehrte Fisch bzw. Meeresfrüchte, keiner der Probanden ernährte sich vegetarisch. Im Mittel wurden 20 Teilchen pro 10 Gramm Stuhl gefunden. Welche Auswirkungen Mikroplastik auf den menschlichen Oganismus habe, könne erst im Rahmen einer größer angelegten Studie erforscht werden, so Philipp Schwabl von der Medizinischen Universität Wien. sb


Chemikalien im Alltag

„Dieselgate der Chemieindustrie“

Vom „Dieselgate der Chemieindustrie“ spricht der Grünen-EU-Abgeordnete Martin Häusling: Offenbar haben Chemieunternehmen in der EU jahrelang ungeprüft Chemikalien auf den Markt gebracht, die möglicherweise Krebs hervorrufen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder die Entwicklung ungeborener Kinder hemmen können. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Umweltbundesamts (Uba) erfüllen 58 Prozent der 1814 Chemikalien, die seit 2010 in der EU hergestellt oder nach Europa importiert wurden, mindestens eine Anforderung aus der EU-Chemikalien-Verordnung REACH nicht. Die beanstandeten Chemikalien sind, laut Häusling, unter anderem in Spielzeug, Farben, Verpackungen, Baumaterial und Möbeln enthalten. Uba-Präsidentin Maria Krautzberger fordert nun von den Firmen bessere Informationen bei der Registrierung der Stoffe, um mögliche Risiken für Mensch und Umwelt bewerten zu können. sb

Erschienen in Ausgabe 12/2018
Rubrik: News

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