Kurz notiert 11|2018 - Schrot und Korn

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Kurz notiert 11|2018

Kurz notiert © dpa/ Christian Charisius
In Sachen Saatgut besteht im Bio-Landbau noch viel Forschungsbedarf. © dpa/ Christian Charisius

Gelder für Landwirtschaft

Öko-Landbau bleibt auf der Strecke

Im ökologischen Landbau stecken viele Antworten auf aktuelle Probleme: Er spart Klimagase, weil er beispielsweise auf mit viel Energie hergestellten Mineraldünger verzichtet. Er kommt ohne synthetische Pestizide und künstlichen Stickstoffdünger aus und hält dadurch unser Wasser sauber ... Doch ungeachtet dieser Vorzüge will Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) keinen zusätzlichen Cent für die Forschung im Öko-Landbau herausrücken. Dabei soll der Agrar- und Ernährungshaushalt 2019 im Vergleich zum Vorjahr um über 200 Millionen Euro auf 6,24 Milliarden Euro anwachsen. Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) aber soll mit 30 Millionen Euro auf Vorjahresniveau verharren.
Der Geschäftsführer vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Peter Röhrig, sieht darin ein „großes Missverhältnis zwischen wichtigen Zielen der Bundesregierung und ihren finanziellen Ambitionen, diese Ziele umzusetzen“. Denn laut Koalitionsvertrag soll der Anteil der ökologischen Anbauflächen von heute 8,2 Prozent bis 2030 auf 20 Prozent wachsen. Das aber, so Röhrig, „muss mit entsprechenden Investitionen in die Forschung“ unterfüttert werden. Heute gehen nur 1,5 Prozent der Agrarforschungsgelder in diesen Bereich.
Auch Harald Ebner, Agrarexperte der Grünen im Bundestag, kritisiert die Lücke: „Wenn Julia Klöckner 50 neue Stellen in ihrem Ministerium einrichtet und sich nicht eine einzige davon mit der Zukunft des Öko-Landbaus befasst, zeigt das sehr deutlich, welchen Stellenwert die Bundesregierung Bio wirklich beimisst: so gut wie gar keinen.“ Klöckner lenke von den eigentlichen Problemen ab, wenn sie „präzisierter Giftausbringung und neuer Gentechnik das Wort redet“, statt Agrarforschungsmittel in die Erforschung echter Alternativen zum Gifteinsatz zu stecken (s. auch Seite 12, Anm. d. Red.). sb


Bürgerinitiative

Raus aus dem Käfig!

Das Käfig-Zeitalter für Tiere soll beendet werden – und zwar nicht nur für Hühner, sondern auch für Kaninchen, Wachteln, Enten und Gänse. Das wenigstens verlangt die britische Kampagne „End the cage age“, die von der EU-Kommission
als Europäische Bürgerinitiative registriert wurde. Auch ein Verbot von Abferkelbuchten für Sauen und von Einzelboxen für Kälber fordert die Gruppe.
Die EU-Kommission muss sich mit den Forderungen der Initiative auseinandersetzen, falls diese es schafft, innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften aus mindestens sieben verschiedenen EU-Mitgliedstaaten zu sammeln. Die Kommission könnte dann der Aufforderung nach neuen Rechtsvorschriften nachkommen, muss es aber nicht.
Ihre Entscheidung muss die Behörde aber in jedem Fall begründen.
Wer die Europäische Bürgerinitiative unterstützen möchte, kann dies tun unter: https://eci.endthecageage.eu sb


Alkohol

Wer trinkt am meisten?

Nach einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trinken die über 15-jährigen EU-Bürger im Schnitt 8,6 Liter reinen Alkohol im Jahr. Die Deutschen aber kommen auf elf Liter, trinken damit mehr als die Russen, die bei fallender Tendenz bei nun 10,1 Liter liegen. Spitzenreiter ist Litauen. Dessen Einwohner kommen auf 15,2 Liter pro Jahr. sb


Zahl des Monats

Elektroautos gibt es in Deutschland. Insgesamt sind hierzulande 46,5 Millionen Personenkraftwagen zugelassen.
Quelle: Statista 2018, 1.1.2018


Politik und Landwirtschaft

Klöckner stellt Urteil zur Gentechnik in Frage

Bundesagrarministerin Julia Klöckner lässt sich durch das Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), wonach die neuen Verfahren in der Pflanzenzüchtung zur Gentechnik zählen, nicht beirren: „Die klassische grüne Gentechnik mit CrisprCas in einen Topf zu werfen, halte ich für sachlich falsch“, sagte die CDU-Politikerin zur Agentur Reuters. „Wir müssen eine Debatte führen, die wissenschaftsbasiert ist und nicht nach Stimmungen geht”, so die Ministerin.
Der EuGH hatte in seinem Urteil festgelegt, dass Verfahren wie CrisprCas unter das Gentechnikrecht fallen. Damit müssen Lebensmittel, die mit diesen Methoden hergestellt werden, gekennzeichnet werden und vor der Zulassung eine Sicherheitsprüfung durchlaufen.
Die Äußerungen Klöckners stoßen auf Unverständnis: Während es bei den Grünen heißt, die Ministerin stimme nach „kürzester Schamfrist voll ein in den Chor der Gentechnik-Lobby“, stellt Matthias Miersch, Vize-Chef der SPD-Fraktion, klar: „Das Urteil des EuGH sollte auch die Bundeslandwirtschaftsministerin anerkennen.” Miersch fordert von Klöckner zudem, dass sie „die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag umsetzt und einen Gesetzentwurf vorlegt, der den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland grundsätzlich untersagt und somit dem Vorsorgeprinzip voll Rechnung trägt.“ sb

 


Glyphosat

Es wird wieder mehr gespritzt 

Krebserregend oder nicht krebserregend? Ungeachtet der breiten Diskussion um seine Gesundheitsgefahren und der
Ausstiegspläne der Bundesregierung ist der Verkauf des Pflanzengifts Glyphosat in Deutschland wieder stark gestiegen. Mit knapp 4700 verkauften Tonnen in 2017 lag er 900 Tonnen (24 Prozent) über dem Ergebnis von 2016. Das geht aus einem Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor. Im Jahr 2016 war der Verbrauch allerdings mit 3800 Tonnen auf dem niedrigsten Stand seit 2003. Von den anderen Pflanzengiftwirkstoffen wurden laut BVL 2017 in Deutschland rund sieben Prozent mehr verkauft als 2016, nämlich ungefähr 34 500 Tonnen. sb


Ernährung

Erhöht Low Carb das Sterberisiko?

Das Glück liegt in der Mitte – glaubt man einer Studie über Kohlenhydratzufuhr und Sterblichkeitsrisiko. Wie das Fachmagazin Lancet Public Health berichtet, haben Forscher vom „Brigham and Women’s Hospital“ in Boston aus Langzeitdaten von über 15 428 Probanden ermittelt, dass das Sterberisiko ansteigt, je extremer der Kohlenhydratanteil in der Ernährung ist –  also sehr hohe oder sehr geringe Anteile aufweist. Vor allem eine „Low Carb“-Diät, die auf Kohlenhydrate weitgehend verzichtet und diese durch Fleisch und tierisches Fett ersetzt, erhöhe die Sterblichkeit.
Von einem sehr hohen Anteil sprechen die Forscher, wenn über 70 Prozent der täglich zugeführten Energie aus Kohlenhydraten stammen, von einem niedrigen, wenn es weniger als 40 Prozent sind. Ein mittlerer Kohlenhydratanteil von 50 bis 55 Prozent wies das niedrigste Risiko auf. Ein Beispiel: Bei einer täglichen Energieaufnahme von 2500 Kilokalorien entspräche das rund 1250 Kilokalorien aus Kohlenhydraten. Umgerechnet sind das etwas mehr als 300 Gramm Kohlenhydrate, denn Kohlenhydrate enthalten etwa vier Kilokalorien pro Gramm. Wie viele Kohlenhydrate in Brot, Milch & Co. stecken, steht in Nährwerttabellen. 100 Gramm Roggenbrot (etwa zwei Scheiben) enthalten beispielsweise rund 46 Gramm Kohlenhydrate. 
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht sich bestätigt: Jede einseitige Ernährung über Jahre hinweg wirke sich gesundheitlich nachteilig aus. sb


Erschienen in Ausgabe 11/2018
Rubrik: News

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