Anzeige

Anzeige

Kurz notiert 09|2018

Kurz notiert © gettyimages/from2015
Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Neue Züchtungs- verfahren sind Gentechnik © gettyimages/from2015

Ernährung und Landwirtschaft

Keine Gentechnik durch die Hintertür

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat klargestellt: Neue Verfahren in der Pflanzenzüchtung wie die sogenannte Genschere Crispr/Cas sind als Gentechnik (GVO)  einzustufen. Die mit dem Einsatz dieser Verfahren verbundenen Risiken könnten sich als ebenso groß erweisen wie die mit der klassischen Gentechnik verbundenen Risiken, argumentierten die Richter. Folglich müsse die GVO-Richtlinie bei den neuen Verfahren angewandt werden. 

Konsequenz aus dem Urteil ist, dass Lebensmittel, die mit diesen Methoden hergestellt werden, gekennzeichnet werden müssen. Außerdem müssen damit erzeugte Pflanzen vor der Zulassung eine Sicherheitsprüfung durchlaufen.
Das Urteil sei im Sinne der europäischen Verbraucher und trage zum Schutz der Umwelt bei, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) Elke Röder. Umwelt- und Verbraucherverbände sehen darin eine Stärkung des in Europa geltenden Vorsorgeprinzips, wonach Belastungen für Mensch und Umwelt vorausschauend verhindert werden sollen. Für Bio-Bauern sei eine Kennzeichnungspflicht auch deshalb wichtig, weil sie wissen müssten, welches Saatgut sie verwenden, kommentiert der EU-Abgeordnete der Grünen Martin Häusling. Denn die neuen Gentechnik-
Verfahren sind im Bio-Landbau tabu.
Kritik kommt vom Deutschen Bauernverband. Dort ist man der Meinung, dass Europa den Anschluss an die Welt verpasse. Der Bundesverband deutscher Pflanzenzüchter (BDP) sieht in dem Urteil eine „deutliche Abkehr von Innovationen und Fortschritt in der Landwirtschaft“.
Worum geht es bei den neuen Züchtungstechniken überhaupt? Bei der Crispr/Cas-Methode wird mit Hilfe einer Genschere das Erbgut umgewandelt, indem zum Beispiel einzelne Gensequenzen ausgeschaltet werden. Im Unterschied zur alten Gentechnik wird aber keine fremde DNA eingebaut. sb


Kalifornien

Glyphosat vor Gericht

Kann Glyphosat Krebs auslösen? Diese Frage beschäftigt nicht allein Verbraucher, Wissenschaftler und Landwirte, sondern nun auch Gerichte: In Kalifornien wurde die Sammelklage von 450 Krebspatienten zugelassen, die das Herbizid Glyphosat für ihre Erkrankung verantwortlich machen. Hersteller Monsanto, der inzwischen vom Agrarkonzern Bayer übernommen wurde, scheiterte mit seinem Antrag, das Verfahren einzustellen.
Richter Vince Chhabria aus San Francisco  ließ die Klage nach einer mehrwöchigen Anhörung und jahrelangen Rechtsstreitigkeiten, in denen es um Glyphosat ging, zu. Die Kläger sind Bauern, Landschaftsgärtner und Verbraucher. Sie werfen dem Hersteller Monsanto vor, durch den Unkrautvernichter Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) bekommen
zu haben. Monsanto hat die Vorwürfe zurückgewiesen. sb


Umwelt

 

Seen und Flüsse in Not

Nur 40 Prozent der europäischen Seen, Flüsse und Küstengewässer sind in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand, berichtet die Europäische Umweltagentur. In Deutschland wurden sogar nur 8,4 Prozent der Gewässer mit gut oder sehr gut bewertet. Hauptgrund für den dürftigen Zustand der Gewässer seien zu viele Nährstoffe und Pestizide aus der Landwirtschaft, Staudämme und eine überhöhte Wasserentnahme. sb 

 


 

Erschienen in Ausgabe 09/2018
Rubrik: News

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'
Peter

Zitat: „Bei der Crispr/Cas-Methode wird mit Hilfe einer Genschere das Erbgut umgewandelt, indem zum Beispiel einzelne Gensequenzen ausgeschaltet werden. Im Unterschied zur alten Gentechnik wird aber keine fremde DNA eingebaut.“

Der letzte Satz ist nicht ganz richtig. Das Cas-Protein scheidet die DNA. An dieser Schnittstelle können DNA-Stücke eingefügt werden. Die einfügten DNA-Stücke, z. B. Gene, können aus dem gleichen Organismus oder von anderen Arten stammen. Im 2. Fall entsteht ein transgener Organismus.

Andere Anwendungen der Crispr/Cas-Methode, bei denen keine fremde DNA eingebaut wird, sind z. B.
- das Erzeugen von Mutationen an einer bestimmten Stelle, so dass nachfolgende Gene stärker oder schwächer abgelesen werden
- das Entfernen von DNA-Abschnitten, um z. B. ein bestimmtes Gen komplett abzuschalten
- Anschalten eines Gens, welches bisher nicht aktiv war