Kurz notiert 07|2019 - Schrot und Korn

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Kurz notiert 07|2019

Kurz notiert © Fotos: gettyimages/traffic_analyzer/good_stock
Crispr/Cas, auch Genschere genannt, ist die bekannteste neue Gentech-Züchtungsmethode. © Fotos: gettyimages/traffic_analyzer/good_stock

 

Landwirtschaft

Weniger Regeln für neue Gentechniken?

Eine Mehrheit unter den EU-Agrarministern will das europäische Gentechnikrecht ändern. Die Minister möchten, dass Pflanzen, die mit Techniken wie Crispr/Cas gentechnisch verändert wurden, nicht mehr unter das Gentechrecht fallen. Damit hergestellte Produkte müssten dann weder den strengen Zulassungsprozess durchlaufen noch gekennzeichnet werden. Die Minister fordern eine Überarbeitung des Gesetzes, da die aktuellen Regeln nicht den jetzigen Technikstand
widerspiegeln würden. Damit stellen sie sich gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Der hatte die neuen Gentechniken 2018 dem Gentechnikrecht unterstellt und dies insbesondere mit dem Vorsorgeprinzip begründet. Würde man die neuen Verfahren ausklammern, so die Richter, könnten mögliche schädliche Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt nicht verhindert werden.
Die deutsche Position im Agrarrat ist noch unklar. Während Agrarministerin Julia Klöckner durch das Urteil den Fortschritt in der Pflanzenzüchtung gefährdet sieht, spricht sich Umweltministerin Svenja Schulze gegen eine Änderung des Gentechrechts aus. Wie es in der Frage weitergeht, wird die nach der Europawahl neu eingesetzte EU-Kommission entscheiden.
Auch in der Medizin sorgen die neuen Gentechniken für Diskussionen, insbesondere seit ein chinesischer Forscher eigenen Angaben zufolge das Erbgut von Zwillingen damit verändert hat. Der Deutsche Ethikrat hat nun zu der Frage „Darf der Mensch mit Hilfe der neuen Gentechniken in das Erbgut von Embryonen eingreifen, um beispielsweise Erbkrankheiten zu verhindern?“ eine Stellungnahme abgegeben. Darin spricht er sich zwar nicht generell gegen solche Eingriffe aus, hält sie derzeit jedoch „wegen ihrer unabsehbaren Risiken für ethisch unverantwortlich“. Zwingende Voraussetzung für jegliche Anwendung seien Sicherheit und Wirksamkeit, so das Beratergremium. bg


LebensmittelKurz notiert - Lebensmittel

Aus für Veggie-Burger?

Dürfen Veggie-Burger bald nicht mehr „Burger“ heißen? Und Soja-Schnitzel nicht mehr „Schnitzel“? Laut Agrarausschuss des EU-Parlaments sind Bezeichnungen wie „Wurst“ und „Schnitzel“ in Verbindung mit vegetarischen oder veganen Produkten irreführend. Der Ausschuss fordert deshalb, dass diese Bezeichnungen nur noch Fleischprodukten vorbehalten sein sollen. Gegen den Vorschlag regt sich Widerstand. Es gebe keine empirischen Studien, die darauf hinweisen, dass Verbraucher durch die aktuellen Bezeichnungen von veganen und vegetarischen Produkten verwirrt würden, erklärt Felix Domke von der Ernährungsorganisation ProVeg. Um ein entsprechendes Gesetz zu verhindern, haben ProVeg und der Verein VegOrganic Petitionen gestartet. Unter www.proveg.com/stop-the-veggie-burger-ban und www.burgerrebellion.eu kann man diese unterstützen. bg


BürgerinitiativeBürgerinitiative

Raus aus dem Käfig!

Hühner, Kaninchen, Enten, Gänse – mehr als 300 Millionen Nutztiere leiden laut „Compassion in World Farming“ in Europa in Käfigen. Die britische Tierschutzorganisation möchte das Leiden der Tiere beenden und hat dazu im vergangenen Jahr eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) „End the Cage Age“ gestartet. Für einen erfolgreichen Abschluss – eine Million Europäer müssen unterschreiben – fehlen der EBI noch rund 100 000 Unterschriften. Ist die Initiative erfolgreich, müssen sich die EU-Politiker mit der Käfighaltung in der EU und den Forderungen von „Compassion in World Farming“ auseinandersetzen und eine Stellungnahme dazu abgeben. Wer die Bürgerinitiative unterstützen möchte, kann dies bis 11. September 2019 tun unter: https://eci.endthecageage.eu bg 


Studienziel

Pestizide minimieren

Pestizide schaden der Umwelt und Gesundheit. Doch ist eine Landwirtschaft ohne sie möglich? Das will eine Forscher- initiative herausfinden. Ihr erklärtes Ziel: den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide bis 2050 auf ein Minimum reduzieren. Zur Initiative gehören das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), das französische Nationale Institut für Agrarwissenschaften (INRA) und das Julius Kühn-Institut (JKI). bg


Landwirtschaft

Vielfalt zahlt sich aus

Ökologische Maßnahmen wie Blühstreifen, Hecken, Zwischenfrüchte und Mischkulturen fördern nicht nur die Artenvielfalt. Sie können sich für die Landwirte auch ökonomisch auszahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Literaturstudie der Universität Göttingen. Dabei geht es nicht um Fördergelder. Die genannten Maßnahmen können zum Beispiel „den Schädlings- und Unkrautdruck verringern, sodass der Landwirt dann Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen einsparen kann“, erklärt Julia Rosa-Schleich von der Universität Göttingen. Als weitere ökonomische Vorteile nennt das Forscherteam Ertragssicherheit, Einsparungen bei Mineraldüngern, Maschinen- und Arbeitskosten sowie bessere Vermarktungsmöglichkeiten, bei denen ein höherer Profit erreicht werden könne. bg


Zahl des Monats

Städte in Deutschland setzen sich für fairen Handel ein und dürfen sich deshalb Fairtrade-Town nennen.

Quelle: TransFair e.V. 2019

Erschienen in Ausgabe 07/2019
Rubrik: News

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