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Kurz notiert 07|2018

Kurz notiert © Hinrich Bäsemann/dpa;
Viele landwirtschaftliche Subventionen landen dort, wo es große Umweltschäden gibt. © Hinrich Bäsemann/dpa;

Landwirtschaft

Steuergelder für Umweltschäden?

Massentierhaltung in Deutschland kommt Steuerzahlern teuer zu stehen: Zum einen wird jeder Hektar eines Agrarbetriebs mit 300 Euro je Hektar subventioniert. Zum anderen bezifferten Wissenschaftler nun auch den durch Landwirtschaft entstehenden Umweltschaden konkret: Dieser liegt ebenfalls bei 300 Euro pro Hektar, ergab eine Studie für die EU-Kommission. Damit komme in Deutschland zu den Zahlungen an die Landwirtschaft in Höhe von insgesamt 5,2 Milliarden Euro jährlich noch einmal dieselbe Summe an Umweltkosten, die der Steuerzahler zu tragen habe, kritisiert Professor Friedhelm Taube, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Universität Kiel, der an der Studie beteiligt war.
Der sogenannte Umweltschaden entsteht etwa dann, wenn Betriebe mit vielen Tieren, aber wenig Agrarfläche mehr Gülle auf die Wiesen oder Felder ausbringen, als Pflanzen aufnehmen können. Die Reste der Gülle sickern ins Grundwasser, belasten Brunnen mit Nitrat, oder sie entweichen in die Luft. Studien ergaben, dass beides die Artenvielfalt gefährdet. Stickstoffdioxid kann zudem Entzündungen der Atemwege verursachen.
Wie sehr sich diese Folgen auf bestimmte Hotspots konzentrieren, hat die ARD-Sendung Plusminus für Niedersachsen analysiert. Danach fließen fast 70 Prozent der staatlichen Subventionen in den Westen des Bundeslandes – eine Region mit hoher Tierdichte. Dort werden regelmäßig die Grenzwerte für Nitrat, Phosphor und Stickstoff überschritten.
Taube, der auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik der Bundesregierung ist, plädiert für eine „ökologische Intensivierung, die auf stabile Fruchtfolgen und auf Ertragssicherheit setzt, statt auf Ertragsmaximierung“. Ziel müsse es sein, zwar das hohe Ertragsniveau zu halten, aber mit Wasser-, Klima- und Biodiversitätsschutz effizient zu verknüpfen. sb


Spende für Brasilien

Kleinbauern helfen

Der brasilianische Professor Antonio Andrioli berichtete in einem Interview in unserer März-Ausgabe von der schwierigen Situation von Kleinbauern in Brasilien. In einem aktuellen Aufruf schildert er die Räumung eines Zeltdorfs in Santa Catarina und der eines Dorfs in Parana. Dabei seien auch die von den Bauern produzierten Nahrungsmittel vernichtet worden. Laut Andrioli stecken Großgrundbesitzer dahinter, die dort Soja für den Export anbauen wollen. Inzwischen konnten die Bauern zwar zurückkehren, stünden aber vor dem Nichts. Andrioli bittet um Spenden zum Wiederaufbau der Dörfer auf das Konto des Brasilien-Informationsdienstes: Casa do Brasil e.V., Postgiroamt München, IBAN: DE 12 7001 0080 0231 3118 02, BIC / SWIFT: PBNKDEFF, Verwendungszweck: Spende Parana. Weitere Infos: www.stopptgennahrungsmittel.de“ sb


Neonikotinoide

Hoffnung für Bienen

Der Anfang ist gemacht: Nach jahrelangem Ringen haben die EU-Mitgliedstaaten dem Vorschlag der Europäischen Kommission zugestimmt, den Einsatz der drei Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland zu verbieten. Neonikotinoide sind Insektizide, die bei Bienen und anderen Insekten zu Orientierungsproblemen führen. Zugelassen bleiben allerdings zwei andere Mittel aus dieser Gruppe. Sie sind zum Teil sogar in Privatgärten zugelassen. Während der Agrarkonzern Bayer von einem „traurigen Tag für Europas Landwirte“ sprach, begrüßte der Europaabgeordnete der Grünen, Martin Häusling, den „überfälligen Schritt“. Das „Roulette für die Artenvielfalt“ sei allerdings noch nicht beendet, denn es gebe einen Langzeiteffekt. sb


Zahl des Monats

Zahl des Monats

Vögel je Garten zählte der Nabu bei seiner diesjährigen Aktion – so wenig wie nie zuvor.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland (Nabu)


Wasser knapp in Vittel

Plastikflaschen für Nestlé, Wasser im Tankwagen für Anwohner 

Gräbt der Lebensmittelkonzern Nestlé den 5000 Einwohnern des französischen Städtchens Vittel das Wasser ab? Das nach diesem Ort benannte Wasser verkauft das Unternehmen millionenfach in Plastikflaschen. Nestlé steht nicht das erste Mal im Ruf, die Interessen der lokalen Bevölkerung zu übergehen, wenn es um das Geschäft mit dem Wasser geht, ob in Kalifornien oder Äthiopien. Diesmal Vittel: Der Fernsehsender ZDF berichtete, dass der Wasserspiegel in dem Vogesen-Ort bedrohlich sinke, weil Nestlé aus den Konzern-eigenen Quellen fördert. Laut Frontal 21 um 30 Zentimeter pro Jahr. Schon jetzt wird das Wasser vor allem in den heißen Monaten knapp. Wasser für die Bewohner kommt aus einem Tankwagen. Nestlé verteidigt sich, der Konzern habe die Förderung freiwillig um 20 Prozent auf 750 000 Kubikmeter pro Jahr reduziert. Nestlé gesteht in einer Pressemitteilung aber auch ein, dass dies nicht ausreiche. Es werde mehr Wasser entnommen, als sich durch Regen neu ansammle. Deshalb benötige man „weitere Lösungen“. Laut Nestlé schlugen  vom Staat engagierte Ingenieure mehrere Szenarien vor, die derzeit geprüft würden. Gedacht wird nun an den Bau einer Pipeline – um die Bewohner zu versorgen. Die Kosten soll laut ZDF angeblich der Steuerzahler tragen. „Rund 20 Millionen Euro, damit Nestlé weiter das Wasser exportieren kann“, kritisiert Odile Agrafeil von der Umweltkommission CESER Grand Est. „Das ist doch Unsinn. Denn Wasser ist ein Grundrecht.“ sb


Lebensmittelverschwendung

WWF sieht Bundesregierung in der Pflicht

Es sind Aktionen wie „Mach’s Mahl“ oder die kompostierbare „HeldeN!-Box“ für Speisereste, die Baden-Württemberg im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung auszeichnen. Neben Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen gehört das Land nach einer Studie der Umweltorganisation WWF zu den Pionieren in Sachen „Vermeidung von Lebensmittel-
abfällen“. Im Mittelfeld bewegen sich laut WWF Berlin, Brandenburg, Hessen, Saar-land und Schleswig-Holstein. Zu den Nachzüglern gehörten Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
In Deutschland gehen laut WWF pro Jahr 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren. Das entspricht 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche, nur um die darauf angebauten Produkte wieder wegzuwerfen. Im Vergleich: Die gesamte Agrarfläche misst 18,3 Millionen Hektar.Neben vielen anderen Ländern hat sich Deutschland im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDG, Ziele für eine nachhaltige Entwicklung) der Vereinten Nationen verpflichtet, die Nahrungsmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Damit das klappt, fordert der WWF ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen mit verbindlichen Zielen und Maßnahmen. Außerdem müsste die Lebensmittelverschwendung in Industrie, Handel und Landwirtschaft viel stärker in den Fokus gerückt werden, da über 60 Prozent der Verluste dort entstünden. Im Moment würden vor allem die Verbraucher in die Pflicht genommen. sb


Fleisch Fleisch

Bloß nicht anfassen

Rohes Fleisch anfassen? „Igitt, wie kann man nur“, denkt sich scheinbar so mancher in Großbritannien. Und das hat nichts mit Vegetarismus zu tun. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Mintel ekeln sich auf der Insel viele Leute vor rohem Fleisch. Es gebe sogar Menschen, die Hähnchenfleisch vor dem Kochen mit Desinfektionsmittel einsprühen, um sich vor vermeintlichen Bakterien zu schützen. Die Angst vor rohem Fleisch ist laut Mintel vor allem in der Gruppe der unter 35-Jährigen, der sogenannten Millennials, verbreitet. Die britische Supermarktkette Sainsbury’s hat schon eine Lösung parat: Extra-Verpackungen, aus denen man mundgerechte Geflügelstücke direkt in die Pfanne drücken kann – ohne die Fleischstücke zu berühren. sb

© clipdealer


Erschienen in Ausgabe 07/2018
Rubrik: News

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