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Kurz notiert 06|2018

Kurz notiert © clipdealer
In Großbritannien enthalten Fanta und Sprite jetzt deutlich weniger Zucker. © clipdealer

Ernährung

Strafe für süße Limo wirkt

Dem Zucker geht es in vielen Ländern an den Kragen. Jüngstes Beispiel: In Großbritannien zwingt die Einführung einer Abgabe auf überzuckerte Getränke die Hersteller zu einer Änderung der Rezepturen. Ob Sprite, Fanta oder die auf der Insel beliebten Produkte des Herstellers Britvic – sie alle enthalten jetzt weniger Zucker.
Bei Fanta und Sprite für den britischen Markt wurde der Zuckergehalt von 6,9 auf 4,6 beziehungsweise von 6,6 auf 3,3 Gramm pro 100 Milliliter gesenkt. In Deutschland enthalten beide Getränke mehr als neun Gramm Zucker pro 100 Milliliter, berichtet die Verbraucherorganisation Foodwatch. Auch die in Großbritannien verkauften Produkte der Supermarktkette Tesco oder des Discounters Lidl weisen nur noch so viel Zucker auf, dass sie von der im April eingeführten Abgabe nicht erfasst werden. Die Zuckerabgabe ist in zwei Stufen gestaffelt: Enthält der Drink mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, werden 18 Pence (rund 20 Cent) pro Liter fällig, oder sogar 24 Pence (27,5 Cent) pro Liter, wenn das Getränk mehr als acht Gramm pro 100 Milliliter enthält.
Trotz der prompten Reaktion der Firmen geht Foodwatch die Zuckerreduzierung nicht weit genug. Denn um erfolgreich im Kampf gegen Übergewicht oder Diabetes zu sein, müssten auch Süßstoffe verringert werden. Nur so könne der allgemeinen Süßgewöhnung begegnet werden. Daher sollte in Deutschland eine Herstellerabgabe süßstoffgesüßte Getränke mit einbeziehen, fordert die Verbraucherorganisation. Von einer solchen ist die Bundesregierung aber noch weit entfernt. Großbritannien reihe sich neben Irland, Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Mexiko, Südafrika und Frankreich in die länger werdende Liste von Ländern ein, die mit steuerlichen Anreizen gegen Fehlernährung vorgehen. „Nur Deutschland will es sich anscheinend nicht mit der Getränkeindustrie verscherzen“, kritisiert Luise Molling von Foodwatch. sb


Umwelt

Rettung vor der Plastikflut?

Nirgendwo schwimmt mehr Plastik im Meer als zwischen Hawaii und Kalifornien: Auf einer Fläche, die viereinhalb mal so groß ist wie Deutschland, dümpeln mindestens 79 000 Tonnen Plastikmüll. Für immer?
Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA behaupten, ein Enzym weiterentwickelt zu haben, das umweltschädliche Kunststoffe verdauen kann. Das Enzym war zwei Jahre zuvor eher zufällig in Japan entdeckt worden.
Noch aber ist das „plastikfressende“ Enzym weit davon entfernt, im Meer und anderswo im großen Stil aufzuräumen. Immerhin aber hält John McGeehan, Professor im britischen Portsmouth, es für „durchaus möglich“, dass bald industrielle Verfahren entwickelt werden, die PET-Plastik und andere Kunststoffe in ihre Bausteine zerlegen. sb


Ernährung

Was Insekten wert sind

Bienen, Schmetterlinge und Mücken leisten viel. So ergab eine Studie des UN-Umweltbeobachtungszentrums (UNEP-WCMC), dass die Arbeit der Bestäuber jährlich bis zu 577 Milliarden Euro wert ist. Die Hälfte davon erzeugen Wildinsekten. Die Autoren warnen deshalb, dass gerade das massenhafte Sterben der Wildinsekten schwere Folgen haben könnte.
Laut UNEP-WCMC sind drei Viertel der Nahrungspflanzen von der Bestäubung durch Insekten abhängig. sb


Zahl des Monats

Zahl des Monats

Gramm Honig verzehrte jeder Bundesbürger 2017. Und damit rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL), 2018


Weltbiodiversitätsrat warnt

Artensterben
Fische: In Asien drohen leere Meere. @ shutterstock/aquapix

Artensterben bedroht Milliarden Menschen

Die Zahlen des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) klingen dramatisch: In Afrika werde bis 2050 die Hälfte der Vögel und Säugetiere verschwunden sein. In Amerika sei bereits ein Drittel wilder Arten verloren. In Asien drohe, dass es in 30 Jahren keine Fischbestände mehr gibt. Und in Europa sei ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten akut bedroht. Die mehr als 500 Experten des Rats ziehen in ihren aktuellen Berichten zum Zustand der biologischen Vielfalt ein heftiges Fazit: Die weltweite Zerstörung von Öko-Systemen rotte nicht nur die Natur aus, sondern rüttele an den Lebensgrundlagen von Milliarden Menschen. Der Rat fordert ein Umdenken. Er verlangt, dass Agrarsubventionen abgeschafft werden, die eine nachhaltigere Produktion verhindern. Auch die Messung des Wohlstands eines Landes am Bruttoinlandsprodukt mit dem Streben nach Wachstum habe indirekt das Artensterben angeheizt und müsse davon abgekoppelt werden. Der Weltbiodiversitätsrat ist ein zwischenstaatliches Gremium unter dem Dach der Vereinten Nationen, vergleichbar mit dem Weltklimarat (IPCC). Er berät Regierungen in Sachen Umweltpolitik. sb


Lebensmittelverschwendung

WWF sieht Bundesregierung in der Pflicht

Es sind Aktionen wie „Mach’s Mahl“ oder die kompostierbare „HeldeN!-Box“ für Speisereste, die Baden-Württemberg im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung auszeichnen. Neben Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen gehört das Land nach einer Studie der Umweltorganisation WWF zu den Pionieren in Sachen „Vermeidung von Lebensmittel-
abfällen“. Im Mittelfeld bewegen sich laut WWF Berlin, Brandenburg, Hessen, Saar-land und Schleswig-Holstein. Zu den Nachzüglern gehörten Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
In Deutschland gehen laut WWF pro Jahr 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren. Das entspricht 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche, nur um die darauf angebauten Produkte wieder wegzuwerfen. Im Vergleich: Die gesamte Agrarfläche misst 18,3 Millionen Hektar.Neben vielen anderen Ländern hat sich Deutschland im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDG, Ziele für eine nachhaltige Entwicklung) der Vereinten Nationen verpflichtet, die Nahrungsmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Damit das klappt, fordert der WWF ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen mit verbindlichen Zielen und Maßnahmen. Außerdem müsste die Lebensmittelverschwendung in Industrie, Handel und Landwirtschaft viel stärker in den Fokus gerückt werden, da über 60 Prozent der Verluste dort entstünden. Im Moment würden vor allem die Verbraucher in die Pflicht genommen. sb


Fleisch Fleisch

Bloß nicht anfassen

Rohes Fleisch anfassen? „Igitt, wie kann man nur“, denkt sich scheinbar so mancher in Großbritannien. Und das hat nichts mit Vegetarismus zu tun. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Mintel ekeln sich auf der Insel viele Leute vor rohem Fleisch. Es gebe sogar Menschen, die Hähnchenfleisch vor dem Kochen mit Desinfektionsmittel einsprühen, um sich vor vermeintlichen Bakterien zu schützen. Die Angst vor rohem Fleisch ist laut Mintel vor allem in der Gruppe der unter 35-Jährigen, der sogenannten Millennials, verbreitet. Die britische Supermarktkette Sainsbury’s hat schon eine Lösung parat: Extra-Verpackungen, aus denen man mundgerechte Geflügelstücke direkt in die Pfanne drücken kann – ohne die Fleischstücke zu berühren. sb

© clipdealer


Erschienen in Ausgabe 06/2018
Rubrik: News

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Tanja Härtl

Zum Thema Zucker in Limonaden:
Prinzipiell finde ich gut, dass sich einige Länder auf diese Weise für die Gesundheit ihrer Bürger einsetzen, und ich finde es eine Schande, dass unsere Politiker dies nicht tun.
Besonders schlimm finde ich aber auch, dass man gerade in Bioläden (!) ein Problem hat, wenn man zuckerreduzierte Lebensmittel sucht. Z..B. Müslis, Kekse oder Breie. Nachdem ich lange erfolglos danach gesucht hatte, habe ich es nun aufgegeben und verzichte nun komplett auf diese Lebensmittel. Oder machen Sie sich mal den Spaß und schauen Sie in den Supermärkten auf den Zuckergehalt in Sauerkonserven, Vollkornbroten, alkoholfreien Weizenbieren und vorallem in Babybreien! Spätestens dann wissen Sie: Da steckt System dahinter und man möchte gar nicht, dass die Bevölkerung gesund bleibt. Wen wundert es - die Diabetes-Industrie möchte ja auch leben und die Pharmaindustrie und die Zuckerindustrie und die ganzen großen Lebensmittelkonzerne...
Traurig, aber wahr!