Kurz notiert 05|2019 - Schrot und Korn

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Kurz notiert 05|2019

©  picture alliance/Photoshot;
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Globaler Umweltbericht

Kranker Planet, kranke Menschen

Der Zustand der Erde bedroht ihre Bewohner: Allein während eines Jahres sterben sieben bis neun Millionen Menschen vorzeitig in Folge der Umweltverschmutzung. Das ist eine der Kernaussagen des aktuellen „Global Environment Outlook“, einer alle fünf Jahre erscheinenden Studie der Vereinten Nationen (UN) zur Lage der Erde. „Entweder wir verbessern den Umweltschutz drastisch oder Millionen von Menschen werden in Städten und Regionen in Asien, dem Nahen Osten und in Afrika bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben“, heißt es in der Studie. Der Bericht nennt etliche Beispiele, die die Gesundheit bedrohen: Luft- und Wasserverschmutzung, Artensterben, Antibiotika-Resistenzen, Ausbeutung von Ressourcen, Klimawandel ...  

Zwar räumen die Autoren ein, dass es etwa in der Luftreinhaltung Verbesserungen gebe. Diese beträfen jedoch meist nur die Industriestaaten und würden durch Verschlechterungen in anderen Bereichen und Regionen zunichte gemacht. Die Politik müsse sich für einen Weg der nachhaltigen Entwicklung entscheiden, fordert die Leiterin des UN-Umweltprogramms Joyce Msuya, denn Gesundheit und Wohlstand der Menschheit hingen direkt mit dem Zustand der Umwelt zusammen. Die dafür nötige Wissenschaft, Technologie und die Finanzmittel stünden der Welt zur Verfügung, so die UN-Studie. 
Auch die Initiative „Scientists for Future“ thematisiert die gesundheitlichen Gefahren des Klimawandels. So warnt der Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen: „Die Klimakrise ist eine der größten Gesundheitsgefahren der Zukunft. Nach internationalem, wissenschaftlichem Konsens drohen Wasser- und Nahrungsmangel, direkte Auswirkung der Überhitzung auf den menschlichen Körper und neue Infektionskrankheiten.“
Von Hirschhausen unterstützt zusammen mit über 23 000 Wissenschaftlern die Schüler-Bewegung „Fridays for Future“. 


Agrarpolitik

Wie wirken die Subventionen?

Die Umweltorganisation Greenpeace wollte wissen, wie die Gelder wirken, die Bauern aus Brüssel als Subventionen bekommen. Der Report „Feeding the Problem“ kommt zu folgendem Ergebnis: Auf mehr als 70 Prozent der subventionierten landwirtschaftlichen Flächen wachsen Futtermittel für Schwein, Rind oder Huhn. Die EU subventioniert somit massiv die Produktion von Fleisch. Und damit indirekt auch die negativen Auswirkungen von Massentierhaltung auf Umwelt und Klima.
Selbst wenn man die für die menschliche Ernährung nicht direkt verwertbaren Wiesen- und Weidenflächen abziehe, liege der Anteil der Fläche für die Produktion von Tierfutter noch immer bei 63 Prozent, so Greenpeace. Der Report zeigt auch, dass sich die Produktion von Fleisch und Milch auf immer weniger und immer größere Betriebe konzentriere.
Laut Greenpeace fließen jährlich rund 30 Milliarden Euro Agrarsubventionen an Betriebe, die Futter für Tiere produzieren oder Tiere halten. Damit werde knapp jeder fünfte Euro des Gesamtbudgets der EU für die Subvention des Futteranbaus ausgegeben – unabhängig davon, ob der Anbau umwelt- und klimafreundlich ist. Greenpeace fordert, diese Fehlsteuerung bei der anstehenden Agrarreform zu korrigieren und in Zukunft eine klimaschonende, naturnahe Landwirtschaft zu unterstützen. 


Lebensmittel retten

Warum freiwillige Aktionen nicht reichen

Übrig gebliebenes Brot, überschrittenes Haltbarkeitsdatum, Obst und Gemüse mit Macken: Noch immer wandern 90 Prozent der unverkauften Lebensmittel aus dem Supermarktregal in die Tonne. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen von Foodsharing und der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die weggeworfene Menge entspreche mindestens 11,5 Millionen Mahlzeiten pro Tag, so die DUH. Die beiden Vereine fordern einen gesetzlichen Wegwerfstopp für genießbare Lebensmittel und sehen sich von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) im Stich gelassen. Die Ministerin verlasse sich auf freiwillige Maßnahmen und verweise auf die Tafeln. Doch „was wir als Tafel und Foodsharing retten, ist ein Tropfen auf den heißen Stein: Der Handel entsorgt das Zehnfache!“, kritisiert David Jans, Vorstandsmitglied bei Foodsharing. 


Zahl des Monats

Tonnen Treibhausgas produziert jede Person pro Jahr in Deutschland durch das, was sie isst. Das sind rund 20
Prozent der Emissionen einer Person.

Quelle: Bundesumweltministerium, 2016


© istockphoto/fotokostic/malerapaso

Messungen in Südtirol

Pestizide fliegen kilometerweit

Wer je den Vinschgau, einen Hotspot der Südtiroler Apfel-
erzeugung, bereiste, kennt die kreisenden, Pestizide versprühenden Spritzen, mit denen Landwirte auf ihren Traktoren durch die Plantagen fahren. Das Umweltinstitut München hat untersucht, wie weit sich die Pestizide ausbreiten. Ergebnis: Von 29 Wirkstoffen, nach denen die Experten suchten, konnten 20  nachgewiesen werden. „Sechs Wirkstoffe haben wir noch auf über 1600 Höhenmetern in einem Seitental gefunden, mehrere Kilometer von den nächsten Obstplantagen entfernt“, sagt Karl Bär. Der Leiter des Projekts kritisiert die Zulassungsverfahren der EU. Sie reichten nicht aus, „um unsere Gesundheit und Umwelt vor den schädlichen Wirkungen der Ackergifte zu schützen“. Ähnliche Untersuchungen wie in Südtirol sollen in Deutschland folgen: Mit dem „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ will das Institut an 200 Orten die Pestizid-Verbreitung messen. Bei ersten Untersuchungen des Bündnisses fanden die Forscher an allen Testorten Pestizide, darunter auch das eigentlich nicht-flüchtige Glyphosat. Wir berichteten darüber in der April-Ausgabe. sb


Plattform „Topf secret“

Wie sauber ist die Küche? 

Sie wollten schon immer wissen, wie sauber es in der Küche Ihres Lieblingsrestaurants zugeht? Oder in der Backstube beim Bäcker, den Schlachträumen des Metzgers? „Topf secret“ macht’s möglich. Über www.topf-secret.foodwatch.de lassen sich die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen. Laut den Initiatoren des Portals, Foodwatch und FragDenStaat, wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet – großteils wegen Hygienemängeln. Die beiden Organisationen fordern Transparenz wie in Dänemark, Wales oder Norwegen: Dort würden Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung veröffentlicht – im Internet und an der Ladentür. 


Klimaschutz

Lehrer sollen sich fortbilden

Zurück auf die Schulbank: Lehrer, Unternehmer und Politiker sollen sich grundlegend und verpflichtend in Fragen Nachhaltigkeit schulen lassen, fordert das Jugendgremium youpaN. Denn nur so könnten sie „in ihrer Vorbildfunktion zukunftsweisend vorangehen“. Nachhaltigkeit müsse zudem fächerübergreifend in alle Lehrpläne integriert werden, so das Jugendgremium weiter, denn Schulen seien der beste Ort, um zu lernen, wie man nachhaltig handelt und das eigene Umfeld entsprechend mitgestaltet. youpaN ist ein Forum, in dem sich junge Menschen an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beteiligen. Es berät, wie das Bildungssystem ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit lehren kann. 


Neun Milliarden sparen

Stromfresser bändigen

Waschmaschine und Trockner veraltet? Fast ein Fünftel des Stromverbrauchs im Haushalt entsteht durch Kühlschrank & Co. Dieser Bereich wird aber getoppt von der Unterhaltungselektronik, die oft im Stand-by-Modus betrieben wird. In beiden Bereichen könnte kräftig gespart werden. Das hat die co2online-Beratungsgesellschaft berechnet. Durch neue Geräte und ein verändertes Verhalten könnten die privaten Haushalte demnach neun Milliarden Euro pro Jahr sparen. Das entspreche 230 Euro pro Haushalt. Tipps zum Sparen gibt es unter: www.stromspiegel.de. Die mit Stromsparen vermeidbaren CO₂- Emissionen entsprechen laut co2online etwa denen des Braunkohlekraftwerks Weisweiler, das zu den fünf klimaschädlichsten Kraftwerken in Europa zähle. 

Erschienen in Ausgabe 05/2019
Rubrik: News

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