Kurz notiert 04|2019 - Schrot und Korn

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Kurz notiert 04|2019

© markusspiske/photocase; clipdealer/percent sign
8,9 Prozent der landwirtschaft- lichen Fläche in Deutschland werden ökologisch bewirtschaftet. © markusspiske/photocase; clipdealer/percent sign

 

Umwelt

Bio wird größer – und die Gesellschaft profitiert

Fünf Bauern am Tag stellten im vergangenen Jahr auf Bio um – zumindest durchschnittlich. Das hat der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) veröffentlicht. Mittlerweile würden knapp zwölf Prozent aller Bauernhöfe in Deutschland und damit 31 122 Landwirte biologisch arbeiten. „Bio bietet immer mehr Landwirten, ihren Beschäftigten und Familien eine Zukunftsperspektive“, kommentiert Peter Röhrig, Geschäftsführer des BÖLW, die Entwicklung. Auch die Öko-Fläche wuchs im vergangenen Jahr. Aktuellen Schätzungen des BÖLW zufolge um acht Prozent auf 1 483 020 Hektar. Damit werden 8,9 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet, so Röhrig. 2017 lag der Anteil bei 8,2 Prozent. Entwickelt sich der Flächenanteil in dieser Größenordnung weiter, wird das Ziel der Bundesregierung „20 Prozent Bio-Fläche bis 2030“ verfehlt. Rückenwind bekommt der Bio-Landbau von einer Studie des bundeseigenen Thünen-Instituts und weiteren Forschungs- partnern. Die Experten haben 529 Studien ausgewertet und herausgefunden, dass der Öko-Landbau mehr Leistungen für Umwelt und Gesellschaft erbringt als die konventionelle Landwirtschaft. Laut Studie schont der Bio-Landbau Böden, Ressourcen und Gewässer stärker. Er passe sich besser an extreme Klimaverhältnisse an, vermeide Erosionen stärker und liege beim Hochwasserschutz vorn. Zudem wiesen Bio-Äcker eine höhere Artenvielfalt auf. Keine eindeutigen Unterschiede ergab die Auswertung beim Punkt Tierhaltung. Hier scheint das Management entscheidender zu sein als die Wirtschaftsweise, so die Forscher. Auch in Sachen „Klimagase“ sieht es nach einem Unentschieden aus. Der Öko-Landbau könne zwar mehr Kohlenstoff speichern und produziere weniger klimaschädliches Lachgas. Umgerechnet auf die Erträge verschwinden diese Vorteile aber wieder, da die Ernten im Öko-Landbau niedriger ausfallen, erklärten die Forscher. 


Bahn fahren

Keine Steuer auf Tickets?

Bahn statt Flugzeug oder Auto: Um diesem Ziel näherzukommen, haben Grüne und der konservative Seeheimer Kreis der SPD eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für Fernverkehr-Tickets vorgeschlagen. Analog zum Nahverkehr solle diese von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden. Zudem müsse das Flugbenzin besteuert werden, fordert der Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese (SPD). Die Vorschläge stoßen beim ökologischen Verkehrsclub (VCD) auf Zustimmung. Philipp Kosok, VCD-Verkehrsexperte, verweist aufs EU-Ausland,  wo der verringerte Mehrwertsteuersatz im Bahnverkehr der Normalfall sei. „In Dänemark, Irland und dem Vereinigten Königreich ist der nationale Bahnfernverkehr sogar vollständig von der Mehrwertsteuer befreit“, so Philipp Kosok.


Insektensterben

Hoffen und bangen

Das erfolgreiche bayrische Volksbegehren „Rettet die Bienen“ macht Hoffnung, auch, weil es in Baden-Württemberg offenbar Nachahmer findet. Doch Insekten sterben nicht nur hier. Eine internationale Studie zeigt: In anderen westeuropäischen Ländern, den USA, China, Südafrika und Brasilien ging die sogenannte Insektenmasse in den vergangenen Jahren ebenfalls zurück, nämlich um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr. Das Tempo sei achtmal höher als bei Säugetieren, Vögeln und Reptilien.


Zahl des Monats

Prozent des Bestandes an Feldvögeln sind in der EU im Zeitraum von 1980 bis 2016 verschwunden. Dazu zählen Kiebitz, Feldlerche, Feldsperling und Star.

Quelle: Vogelzählrat (European Bird Census Council), 2019


Mitmachen!

Imker startet Pestizid-Petition

Thomas Radetzki hat genug. Der Imkermeister will reden – und zwar mit den Abgeordneten des Bundestages. Seine Themen: Insektensterben, Pestizide und strengere Zulassungsverfahren. Damit er die Chance dazu bekommt, hat er die Bundestags-Petition „Pestizidkontrolle“ gestartet. Jetzt braucht er Unterstützung. Denn nur wenn 50 000 Menschen innerhalb von vier Wochen seine Petition unterschreiben, darf er während einer öffentlichen Anhörung mit den Abgeordneten diskutieren. Radetzki ist seit über 40 Jahren Imker. In dieser Zeit habe er immer wieder Schädigungen an seinen Bienenvölkern durch Pestizide hinnehmen müssen, erklärt er. Diese Erfahrung und das weltweite Insektensterben hätten ihn nun dazu bewegt eine Petition zu starten. Weitere Infos und den Link zur Petition gibt es unter www.pestizidkontrolle.de


Jedes achte in Deutschland verkaufte Ei ist ein Bio-Ei. ©  mauritius images/imageBROKER/Ulrich Niehoff

Zahlen und Gründe

Eier, Mehl und Milch sind die Bio-Lieblinge der Nation

Die Verbraucher greifen weiter kräftig zu bei Bio-Lebensmitteln: 2018 gaben sie fast 11 Milliarden Euro für Bio aus, berichtet der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Laut Arbeitskreis Biomarkt sind das 5,5 Prozent mehr als 2017. Am gesamten Lebensmittelmarkt habe Bio damit einen Anteil von 5,3 Prozent. Die meisten Bio-Lebensmittel gingen im traditionellen Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten über den Tresen, so der Arbeitskreis Biomarkt weiter. Dort kauften die Verbraucher knapp 59 Prozent der Bio-Produkte. Der Anteil von Bio-Läden am gesamten Bio-Markt lag bei etwa 27 Prozent. Die restlichen 14 Prozent teilten sich Wochenmärkte, Versandgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien und Abokisten. Besonders gerne greifen Verbraucher bei Eiern zur Bio-Variante. Der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) zufolge stammte 2018 jedes achte in Deutschland verkaufte Ei aus Öko-Tierhaltung. Bio-Mehl hatte am Gesamtmarkt einen Anteil von 10,4 Prozent, Bio-Konsummilch lag bei knapp neun Prozent. Die wichtigsten Gründe für den Kauf von Bio sind „artgerechte Tierhaltung“ und „regionale Herkunft“. Das hat eine Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums ergeben. Dahinter folgen: „möglichst geringe Schadstoffbelastung“, „Beitrag zum effektiven Umweltschutz“ und „weniger Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe“. 


UN-Erklärung

Mehr Rechte für Kleinbauern

Die UN-Vollversammlung hat in einer Erklärung die „Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten“ gestärkt. Die Erklärung fasse zum ersten Mal die Rechte von Kleinbauern in einem Menschenrechts-
instrument zusammen, erklärt Jan Urhahn vom entwicklungspolitischen INKOTA-Netzwerk. Der Abstimmung waren jahrelange Verhandlungen vorangegangen. Deutschland hat sich enthalten. INKOTA zeigt sich darüber verwundert und fordert: „Auch die Bundesregierung muss sich zur Erklärung bekennen und sie umsetzen.“ Auf Nachfrage von Schrot&Korn verwies das Auswärtige Amt auf Abkommen, die die Rechte der Kleinbauern bereits berücksichtigen würden und deren Umsetzung die Bundesregierung unterstütze.

Erschienen in Ausgabe 04/2019
Rubrik: News

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Knoppik, Karl Josef

Was in obigem Bericht zu den Ergebnissen der Studie des Thünen-Instituts über den Ökolandbau publiziert wurde, ist m. E. zu oberflächlich bzw. zu wenig aussagekräftig und wird der überragenden Bedeutung dieser umweltfreundlichsten Form der Landwirtschaft nicht gerecht! Die deutliche Überlegenheit des Ökolandbaus wurde schon häufig thematisiert und dürfte hinreichend bekannt sein. Fakt ist: Der Ökolandbau verbraucht im Vergleich zu konventionell arbeitenden Betrieben ca. 40 % weniger Energie pro ha und entsprechend weniger CO²! Die konventionelle Landwirtschaft erzeugt insgesamt 3mal so viele Treibhausgase wie die biologische. Ökologische Landwirtschaft steht nicht nur für aktiven Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, sondern leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Armut in der so genannten "Dritten Welt". Denn der Ökolandbau sichert durch den bewußten Verzicht auf Rohstoffimporte aus Drittstaaten (z. B. (Gen)-Soja, Milchpulver, Fischmehl....) die Existenzgrundlagen der dort lebenden Menschen. Er trägt außerdem nicht zur Überschußproduktion bei und schont damit auch die Regenwald-Ökosysteme! Ökolandwirtschaft ruiniert nicht die Böden, sondern verbessert sie und schafft damit die Grundlage für eine dauerhafte industrieunabhängige Fruchtbarkeit. Lebendige Erde mit hohem Humusgehalt und reicher und tiefer Durchwurzelung leistet von sich aus einen großen Teil dessen, was in chemisch und mechanisch kaputtgemachten Böden mit immer massiveren chemischen und mechanischen Hilfsmitteln Jahr für Jahr energieaufwendig wiederhergestellt wird! Der biologische Landbau ist auch deshalb besonders klimaschonend, weil mittels Kompostierung und ständige Humusneubildung bzw. beim Humusaufbau beträchtliche Mengen des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen werden. Darüber hinaus bindet die reiche Wurzelmasse viel CO²! Ein weiterer bedeutender Pluspunkt: Der ökologische Landbau braucht weniger technische Energie, vor allem durch den Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger. Für die Herstellung einer Tonne synthetischen Stickstoffs werden zwei Tonnen Erdöl benötigt! Und bei der Ausbringung von mineralischem Stickstoff wird Distickstoffmonoxid, also Lachgas (N²O) freigesetzt, das eine um den Faktor 300(!) stärkere Treibhausgaswirkung als CO² besitzt. Außerdem erwähnenswert: Die Masse der Kleinstlebewesen (Bakterien, Pilze, Einzeller, Algen), die den Boden fruchtbar machen und Nährstoffe liefern, ist in Bioböden nachweislich um 85 %(!) höher. Auch Regenwürmer treten in doppelter Zahl auf! Die Erträge sind im Ökolandbau im Durchschnitt zwar um 20 % niedriger als auf dem konventionellen Sektor. Da aber gleichzeitig ca. 30 bis 60 Prozent weniger Düngernährstoffe eingesetzt werden, erzielt der biologische Landbau im Verhältnis zum Düngereinsatz deutlich höhere Erträge! Auch in Sachen Methanausstoß hat dieser die Nase vorn: Die konventionelle Massentierhaltung ist der größte Verursacher dieses ebenfalls sehr klimawirksamen Gases mit einem ca. 23mal größeren Treibhauspotenzial! Aber wegen dieser Substanz alle Kühe abschaffen zu wollen, wäre fatal und kopflos. Man sollte sich darüber im klaren sein, daß ohne Grünlandnutzung der Ackerbau noch intensiver werden müßte, um die Welternährung zu sichern. Die Viehhaltung hat ganze Kulturen geprägt und besitzt erheblichen Anteil an den bäuerlichen Einkommen. Grasländer sind zudem wichtige Kohlendioxid-Senken zur Verminderung der CO²-Belastung. Eine gewisse Menge Fleisch in der Ernährung, sofern nach strengen Ökomaßstäben erzeugt, ist also durchaus nachhaltig. Die Kuh ist doch nur dann klimafreundlich, wenn sie auf der Weide gehalten wird und hauptsächlich Gras und im Winter Heu frisst. Kühe aus der "modernen" Landwirtschaft verbringen ihre Zeit jedoch das ganze Jahr über im Stall. Ihr Futter stammt aus Regionen, wo Raubbau an Tropenwäldern betrieben wird.

Knoppik, Karl Josef

Aus ethisch-moralischen Gründen sollte man grundsätzlich Fleisch boykottieren, dessen Erzeugung zu Lasten der so genannten "Dritten Welt" erfolgt! Bekanntlich fallen dem Anbau von Gen-Soja, z. B. in Südamerika, riesige Flächen zum Opfer, die eigentlich der Nahrungsmittelversorgung der dortigen Bevölkerung zur Verfügung stehen müßten! Gen-Soja landet dann irgendwann in den Futtertrögen unserer Schweinemastanlagen und sorgt dafür, daß eine perverse, zum Himmel stinkende Massentierhaltung weiter an Boden gewinnt. Eine Schande für ein Land wie Deutschland, das sich "Kulturnation" nennt! M. W. hat unser Nachbarland Schweiz schon vor etlichen Jahren die Massentierhaltung gesetzlich verboten..
Wem hierzulande tatsächlich das Wohlergehen der Nutztiere am Herzen liegt und trotzdem nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte, dem sei der besonders umweltfreundliche Ökolandbau wärmstens empfohlen. Nachhaltige ökologische Landwirtschaft mit ihren strengen Verbandsrichtlinien (Demeter, Bioland, Naturland, Biokreis usw.) ist angewandter Natur- und Klimaschutz, er bekämpft Hunger und Armut, sichert unsere Lebensgrundlagen.!
Wenn man jedoch die Forschungsergebnisse des Thünen-Instituts über die Vorzüge der biologischen Landwirtschaft näher unter die Lupe nimmt, könnte der Leser den Eindruck gewinnen, als wollte man diese umwelt-, klima-, bauern- und verbraucherfreundlichste Form der Landbewirtschaftung nicht zu gut wegkommen lassen!