Kurz notiert 02|2019 - Schrot und Korn

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Kurz notiert 02|2019

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Für Naturschützer ein öko- logisches Desaster: der Rhein-Main-Donau-Kanal © picture alliance/Westend61

UMWELT Verschmutzt, verbaut, zum Kanal degradiert   

Um Deutschlands Flüsse, Bäche und Grundwasser steht es nicht gut. Das zeigt eine Analyse offizieller Behördendaten durch die Umweltstiftung WWF. Zwar schreiben die EU-Richtlinien einen „guten ökologischen“ und „guten chemischen Zustand“ der Gewässer vor. Doch in Deutschland bekommen nur 8,2 Prozent der Oberflächengewässer die Schulnoten eins oder zwei. „Es  gibt ausnahmslos überall großen Handlungsbedarf“, bilanziert die Umweltorganisation.
Laut WWF ist mehr als ein Drittel der deutschen Grundwasservorkommen in einem „schlechten chemischen Zustand“. Hauptursache hierfür sei das viele Nitrat aus der Landwirtschaft, verursacht durch ein Übermaß an Düngemitteln. Auch die Belastung mit Quecksilber, eine Folge der Kohlestromerzeugung, liege beinahe flächendeckend über den Grenzwerten. Bemängelt werden zudem die Begradigung und fehlende Durchgängigkeit von Fließgewässern. Etwa 200 000 Querbauwerke wie Staustufen würden die Flüsse unterbrechen. Fische könnten diese Hürden nur selten überwinden. Für eine Verbesserung des Wasserzustands brauche es laut WWF unter anderem eine Wende in der Landwirtschaft und einen Ausstieg aus der Kohlestromerzeugung.
Eine australische Studie weist auf ein weiteres Problem hin: Reste von Arzneimitteln, die über das Abwasser in die Gewässer gelangen. Die Forscher fanden in im Wasser lebenden Insekten 69 von 98 getesteten Substanzen. Sie gehen davon aus, dass das Ergebnis auf alle Länder übertragbar sei, wo Menschen Medikamente nehmen. In Heidelberg war das Problem kürzlich Thema eines Kongresses, denn die Arzneimittelreste können über Insekten in die Nahrungskette gelangen. Zum Herausfiltern sei eine Reinigungsstufe mit Aktivkohle oder Ozontechnik nötig. Doch diese hätten nur wenige Kläranlagen, erklärte die Vereinigung für Wasserwirtschaft dort gegenüber dem SWR. sb


Klimaschutz

Bioenergie schadet Natur

Eigentlich profitiert die Natur vom Klimaschutz. Basiere dieser jedoch auf dem Anbau von Energiepflanzen wie Mais, Raps und Ölpalme, sieht es für die Natur schlecht aus. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Technischen Universität München. Denn um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssten Energiepflanzen großflächig auf circa 4,3 Prozent der globalen Landfläche angebaut werden. Dadurch aber würden mehr Lebensräume von Wirbeltieren vernichtet als von einem gebremsten Klimawandel profitierten. „Damit schaden wir der biologischen Vielfalt, die in diesen Gebieten bisher zuhause ist, gravierend“, erklären die Forscher. Für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels sei Bioenergie deshalb der falsche Weg. Eine bessere Alternative sei es, Energie einzusparen. sb


 Wald

Natur wichtiger als Holz

82 Prozent der Deutschen fordern, dass sich Bund, Länder und Kommunen entschiedener für den Wald als natürlichen Lebensraum einsetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des ForsaInstituts im Auftrag der Naturwald Akademie. Für die Mehrheit der Befragten ist zudem der Schutz der biologischen Vielfalt im Wald wichtiger als dessen forstwirtschaftliche Nutzung. sb


Zahl des Monats

Bio-Städte machen sich in Deutschland für Bio in Kommunen stark. Mit dabei: Nürnberg, Erfurt, Hamburg, Leipzig ...

Quelle: www.biostaedte.de


Umweltstudie

Wildnis war gestern

Der Mensch vernichtet immer mehr Natur: Allein zwischen 1993 und 2009 ging weltweit eine Fläche von 3,3 Millionen Quadratkilometern verloren. „Das ist mehr Fläche, als Indien groß ist“, sagt Professor James Watson von der School of Earth and Environmental Sciences der University of Queensland. Verloren ging die Natur an Siedlungen, Landwirtschaft oder Bergbau. Selbst im Ozean gibt es nur wenige Regionen, die frei sind von industriellem Fischfang, Verschmutzung und Schiffsverkehr. James Watson zieht Bilanz: „Vor einem Jahrhundert wurden nur 15 Prozent der Erdoberfläche von den Menschen genutzt, um Pflanzen anzubauen und Weidetiere zu halten.“ Heute seien es mehr als 77 Prozent, wenn man die Antarktis herausnehme. Im Meer sehe die Lage noch drastischer aus: Nur 13 Prozent seien noch unberührt. Die Forscher sind sich einig, dass die verbleibende Wildnis nur erhalten werden könne, wenn Gesetze zum Schutz der Natur erlassen werden. Die wichtigsten Länder mit großen Resten wilder Natur seien Australien, Brasilien, Kanada, Russland und die USA. Sie beherbergten mehr als 70 Prozent der letzten Wildnis des Planeten, setzten sich meist aber kaum für den Natur- oder Klimaschutz ein, so die Forscher.


Landwirtschaft

Deutschlands Böden verlieren Humus

Humus ist wichtig für die Landwirtschaft und für das Klima. Er liefert Nährstoffe für die Ackerfrüchte, verhindert Überschwemmungen und speichert Kohlendioxid. Ziel müsste es also sein, den Humusanteil im Boden zu erhöhen. Doch die Realität sieht anders aus. Dem jüngsten Bodenzustandsbericht der Bundesregierung zufolge sind neun Prozent der Ackerböden von einem Humusabbau bedroht. Am deutlichsten sei das in Ostdeutschland der Fall, wo wenig organischer Dünger in Form von Mist und Gülle auf die Äcker komme. „Mit dem Humus geht unseren Böden Fruchtbarkeit und auch Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen der Klimakrise verloren“, kommentiert Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) den Bericht. Die Landwirtschaft schade sich selbst, wenn sie humusschädigend arbeite. Zudem entweiche der im Humus gespeicherte Kohlenstoff beim Abbau als Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre. Das heize dem Klimawandel weiter ein. Öko-Landbau habe hier Vorteile. Er fördere den Humusaufbau durch reichhaltige Fruchtfolgen, den Anbau von Kleegras und Düngung mit Mist und Kompost. Um den Humus weiter zu mehren, hat der BÖLW nun ein Aktionsprogramm für konventionelle und Bio-Bauern erarbeitet. Auch die Grünen machen sich für Humus stark. Sie verlangen einen Klima-Aktionsplan für die Landwirtschaft mit gezieltem Aufbau der Humusschicht, „anstatt Hunderte von Millionen Euro“ in eine „wirkungslose Dürrehilfe“ zu stecken. sb


Volksbegehren

Rettet die Bienen !

In Bayern startet Ende Januar das Volksbegehren Artenvielfalt. Ziel ist das „modernste Naturschutzgesetz Deutschlands“. Dafür fordert das Aktionsbündnis mehr Blühwiesen, mehr Bio, weniger Pestizide, eine nachhaltigere Ausbildung für Landwirte und mehr Transparenz durch Statusberichte über den Zustand der Arten, die der Landtag jährlich veröffentlichen soll. Das Volksbegehren wird von über 100 Organisationen und Firmen unterstützt, darunter viele Bio- Firmen und Bio-Läden. Initiator ist die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). Damit das Volksbegehren erfolgreich ist, müssen knapp eine Million Bürger in den Rathäusern unterschreiben. Frist: 31. Januar bis 13. Februar. www.volksbegehren-artenvielfalt.de bg

 


Erschienen in Ausgabe 02/2019
Rubrik: News

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