Kurz notiert 02|2018 - Schrot und Korn

Anzeige

Anzeige

Kurz notiert 02|2018

Glyphosat © Rainer Jensen/dpa;
Trotz vieler Demonstrationen wurde die Zulassung von Glyphosat um weitere fünf Jahre verlängert. © Rainer Jensen/dpa;

Politik

Glyphosat: Und was kommt jetzt?

Nach Verlängerung der Zulassung für Glyphosat auf EU-Ebene könnte es in Deutschland wenigstens ein Teilverbot für die Verwendung des Gifts geben. Während die SPD „die Anwendung von Glyphosat in Deutschland weitestgehend einschränken, wenn möglich verbieten” möchte, schlägt der CSU-Politiker Christian Schmidt  lediglich vor, Glyphosat aus Hausgärten zu verbannen. Die Grünen sehen in Schmidts Ankündigung ein „Mini-Vielleicht-Verbot“. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Harald Ebner, verweist darauf, dass Privatleute gerade ein Prozent des verkauften Gifts verwenden. Viel wichtiger sei es, Glyphosat bei der Vorernte-Behandlung auf dem Acker zu verbieten. 
Dass ein nationales Verbot rechtlich möglich ist, haben die Juristen des Bundestags in einem Gutachten für die Grünen klargestellt. Gemäß der Pflanzenschutzverordnung könnten Aspekte zur Biodiversität, die einer „Zulassung des Pflanzenschutzmittels möglicherweise entgegenstehen oder bestimmte Auflagen erfordern“, zu einer Untersagung führen, heißt es darin. 
Christian Schmidt hatte in seiner Eigenschaft als kommissarischer Bundeslandwirtschaftsminister auf EU-Ebene für eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre gestimmt. Er hatte sich dabei über Absprachen mit dem Koalitionspartner SPD hinweggesetzt.
Die Europa-Fraktion der Grünen versucht nun, mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof Einblick in die Studien zu bekommen, die zur Zulassung von
Glyphosat durch die EU-Lebensmittel-
sicherheitsbehörde EFSA führten. Die EFSA lehnt eine Veröffentlichung bisher ab. Die Bundesregierung war dem Verfahren zunächst als Unterstützer der EFSA beigetreten. Mittlerweile habe sich das Ministerium aber aus dem Verfahren zurückgezogen, bestätigt das Bundeslandwirtschaftsministerium gegenüber Schrot&Korn – ohne allerdings Gründe dafür zu nennen. sb


Umwelt

Pestizidfrei in der Stadt

In Städten und Gemeinden werden Pestizide häufig eingesetzt, um Straßen, Wege oder Spiel- und Sportplätze frei von Gräsern und Unkraut zu halten. Die Pestizide gelangen dann oft in Gewässer oder Kläranlagen. Das muss nicht sein, sagen sich immer mehr Kommunen – und steuern gegen. Mittlerweile verzichten über 100 Städte und Gemeinden bei der Pflege der Grünflächen auf Pestizide oder wenigstens auf das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat. Dabei ist Saarbrücken ein Vorbild: Die Stadt kommt seit über
20 Jahren ohne Pestizide aus. Welche Städte dabei sind, kann man auf einer Karte unter www.bund.net sehen. Um weitere Kommunen zu motivieren, hat der BUND den Ratgeber „Die pestizidfreie Kommune“ herausgegeben. Sie kann unter www.bund.net/service heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden. sb 


Aktionen für Verbraucher

10 Punkte gegen Glyphosat

Glyphosat darf weitere fünf Jahre in der EU ausgebracht werden. Trotzdem kann man etwas dagegen tun. In einem Zehn-Punkte-Blog empfiehlt Greenpeace Bürgern, auf das Pestizid im eigenen Garten zu verzichten, Nachbarn, Baumärkte und Bauernverband vom Verzicht zu überzeugen, den Gesundheitsminister aufzufordern, die Gesundheit der Verbraucher zu schützen – und Bio zu kaufen. Denn im Öko-Landbau wird kein Glyphosat eingesetzt. https://blog.greenpeace.de  sb


Zahl des Monats

46,5 Quadratmeter bewohnte eine Person 2016 im Schnitt in Deutschland. 1995 betrug die Wohnfläche pro Einwohner noch 36,7 Quadratmeter.

Quelle: Statistisches Bundesamt


Agrarpolitik

Es grünt zu wenig auf Europas Äckern

Mit ökologischen Vorrangflächen wie Blühstreifen wollte die EU mit der letzten Agrarreform 2013 die Landwirtschaft umweltfreundlicher machen. Dazu sollten die Landwirte auf fünf Prozent ihrer Flächen sorgsamer mit der Natur umgehen – daran gebunden sind 30 Prozent der Subventionen. Die Maßnahmen zur Ökologisierung werden auch Greening genannt. Doch das Greening gilt mittlerweile als gescheitert. Nachdem bereits namhafte Institute, darunter das bundeseigene Thünen-Institut, zu dieser Erkenntnis gekommen waren, stellte nun auch der Europäische Rechnungshof das Greening in Frage und nennt Gründe: Die Mitgliedsstaaten hätten die einst gut gemeinten Ideen „verwässert“. So durften dort zum Beispiel jahrelang Pestizide ausgebracht werden. Zudem seien die Vorrangflächen viel kleiner als einst gedacht und von der Wissenschaft gefordert. Auch dürfen Landwirte die Vorrangflächen großzügig mit dem Anbau von Leguminosen oder Zwischenfrüchten verrechnen. „Das mag der Erosion vorbeugen. Aber mit der Bewahrung und der Wiederherstellung der Biodiversität, auf die wir alle, und erst recht die Landwirte, angewiesen sind, hat das nichts zu tun“, kommentiert Martin Häusling, EU-Abgeordneter der Grünen, den Rechnungshofsbericht. Der wiederum ist rechtlich nicht bindend, sondern hat vor allem Appell-Charakter an die Politik. sb


Konsum

Klimaschutz im Schneckentempo

Immer mehr Menschen achten auf „grüne“ Produkte – bei der Ernährung und auch in den Bereichen Wohnen oder Mobilität. Doch obwohl solche Produkte 2015 gegenüber 2014 ein Umsatzplus von sieben Prozent erzielten, haben sich die C02-Emissionen im Konsumsektor kaum verändert. Das zeigt die Studie des Umweltbundesamtes „Grüne Produkte in Deutschland 2017“. Demnach sanken die Treibhausgasemissionen im Bereich Konsum seit 2005 nur um ein Prozent pro Person auf 7,8 Tonnen pro Jahr. Die Richtung stimme, aber das Tempo sei viel zu gering, kommentiert das Umweltbundesamt die Entwicklung und kritisiert, dass der Preis für herkömmliche Produkte die wahren Kosten nicht widerspiegle. Das erleichtere den Griff zum „falschen Produkt“. Der Studie zufolge stiegen die CO2-Emissionen im Verkehr leicht an – wegen mehr Flügen und kaum sinkender Emissionen bei Autos. Im Bereich Ernährung sind die Treibhausgase wegen des hohen Fleischkonsums sogar stark geklettert. Nur beim Wohnen zeigen sich Erfolge: Die Belastungen sanken dank energetischer Sanierungen um zehn Prozent. Zunichte gemacht werden die Fortschritte hier jedoch unter anderem durch die wachsende Wohnfläche. sb


Chagapilz und blaue Algen

Trendy Zutaten

Schon mal etwas vom sibirischen Chagapilz oder grünem Bananenmehl gehört? Das sind Lebensmittelzutaten, die im Trend liegen. Das jedenfalls hat das Marktforschungsunternehmen Mintel herausgefunden. Ebenfalls als trendy ausgemacht hat Mintel Hanfsamen und blaue Algen (Spirulina). Mit dem Chagapilz kann man einen gesundheitsfördernden Tee bereiten, Bananenmehl ist glutenfrei, Hanfsamen sind reich an Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren, und mit Blaualgen lassen sich Lebensmittel natürlich färben. Mintel hat auch herausgefunden, wer in Europa am meisten Lust auf neue Zutaten hat: Bei den Italienern sind es 14 Prozent, bei den Spaniern 21 Prozent. 35 Prozent der Deutschen und 38 Prozent der Polen gaben in der Umfrage an, das Experimentieren mit Zutaten zu genießen. sb


Erschienen in Ausgabe 02/2018
Rubrik: News

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'