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Bio im Test: Sehr gute Kräuter-, bedenkliche Schwarz-Tees

Ökotest und die Stiftung Warentest haben Tee unter die Lupe genommen. Bei Ökotest schnitten Bio-Kräutertees bestens ab, Bio-Schwarztees enthielten aber den im Tierversuch krebserregenden Stoff Anthrachinon.
25.10.2014

Ökotest und die Stiftung Warentest haben Tee unter die Lupe genommen. Bei Ökotest schnitten Bio-Kräutertees bestens ab, Bio-Schwarztees enthielten aber den im Tierversuch krebserregenden Stoff Anthrachinon.


Bio-Kräutertees Testsieger

Kräuter-, Kamillen- und Pfefferminztees sind teilweise erheblich mit Schadstoffen belastet. Zu diesem Ergebnis kommt das Verbrauchermagazin Ökotest, das für die aktuelle Novemberausgabe 23 Produkte ins Labor geschickt hat. Mehr als die Hälfte der konventionellen Marken enthielt lebergiftige und krebserregende Substanzen über dem Tagestoleranzwert. Von den acht Bio-Tees sind sieben „sehr gut“, einer „gut“.

Konventionelle Kräutertees haben es ganz schön in sich. In der chemischen Analyse fand das von Ökotest beauftragte Labor in 12 Produkten verschiedenste Spritzgifte. In einem Tee war etwa mehr von einem Antischimmelmittel zu finden als gesetzlich zulässig ist. In vier Kamillentees wurden erhöhte Mengen eines Herbizids gefunden, das als Bestandteils eines Entlaubungsmittels traurige Berühmtheit im Vietnamkrieg erlangte. Nur drei konventionelle Marken waren frei von Pestiziden. „Sehr gut“ machen sich auch fast alle Bio-Tees, in denen Spritzgifte gar nicht oder nur in Spuren nachgewiesen werden konnte.


Die meisten Bio-Tees enthalten ebenso keine Pyrrolizidinalkaloide. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die Pflanzen zum Schutz vor Fraßfeinden selbst bilden. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können diese Stoffe das Erbgut verändern und Krebs verursachen. Zudem ist bekannt, dass sie lebergiftig wirken, die langfristige Aufnahme kann in einer Leberzirrhose enden.


Wer bei Tee auf der sicheren Seite sein will, sollte daher laut Ökotest entweder zu Bio-Tees greifen oder konventionelle Produkte abwechselnd mit anderen Flüssigkeiten trinken.

Probleme bei Bio-Schwarztees

Sensorisch war alle Bio-Tees „gut“, doch die gefundenen Schadstoffe waren entscheidend für die Gesamtnote und drückten diese so weit nach unten, dass bei den insgesamt 19 Darjeeling-Tees die Bio-Tees die letzten Plätze belegten.

Lebensbaum Darjeeling Blatt und Teekampagne Darjeeling First Flush kamen auf „befriedigend (3,5)“, Ökotopia Darjeeling First Flush erhielt „ausreichend (3,7)“. Eine Zehntelnote schlechter schnitten Gepa bio& fair Darjeeling Classic sowie ein Lidl-Tee ab. Das Schlusslicht war Alnatura Darjeeling Blatt mit „mangelhaft (4,7)“.

Die Darstellung der Stiftung Warentest war sachlich, ohne jeden Anflug von Panikmache. In der Pressemitteilung wird das schlechte Abschneiden der Bio-Tees nicht thematisiert, sondern ihre Pestizidfreiheit hervorgehoben. Trotzdem könnte es im Laden Fragen geben:

Was ist Anthrachinon?

Ausschlaggebend für die Abwertung der Bio-Tees waren die festgestellten Gehalte an Anthrachinon. Die Chemikalie dient als Grundstoff für die Farbstoffproduktion und wird bei der Herstellung von Zellstoff verwendet, um die Ausbeute zu erhöhen. Sie wurde auch als Pestizid eingesetzt, ist aber nicht mehr zugelassen. Von daher gilt für Lebensmittel ein EU-Grenzwert von 10 µg/kg. Im Tierversuch hat sich Anthrachinon als krebserregend erwiesen, für Menschen fehlen entsprechende Daten, weswegen der Stoff als „mögliches Kanzerogen für den Menschen“ eingestuft wurde. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat deshalb Anfang 2013 empfohlen, Anthrachinon nicht mehr bei der Papierherstellung einzusetzen.

Woher kommt die Belastung?

Die Mitarbeiter der Stiftung Warentest waren selbst überrascht über die Funde und machten sich auf die Spurensuche. In den verwendeten Verpackungen und Teebeuteln fanden sie kaum Anthrachinon. Von der Teekampagne, die dem Problemstoff wohl schon länger auf der Spur ist, kam der Hinweis, dass die Belastungen dort höher liegen, wo Kohle bei der Trocknung eingesetzt wird. Daraufhin, so die Stiftung, habe man alle Tees zusätzlich auf polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht, die typisch für Verbrennungsprozesse sind und sei ebenfalls fündig geworden. Die Gehalte korrelierten mit denen von Anthrachinon. Das „deutet einen Zusammenhang zwischen Anthrachinon und Verbrennungsprozessen beim Trocknen der Teeblätter an“, bilanzierte die Stiftung.

Wie gefährlich sind Anthrachinone?

„Es liegen keine eindeutigen Daten für die Toxikologie beim Menschen vor“, zitiert die Stiftung Warentest einen Sprecher des BfR. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA sah sich mangels Daten 2012 außerstande, die Toxizität von Anthrachinon zu bewerten. Ein mögliches Krebsrisiko könne nicht ausgeschlossen werden, heißt es in deren Bericht. Man könne aber nicht bewerten, ob der vorsorglichen Grenzwert von 10 µg/kg aus dem Pestizidrecht zum Schutz der Verbraucher ausreiche.

Die Stiftung bewertete diesen Grenzwert als unpassend, weil zu pauschal. Sie orientierte sich an dem Entwurf einer EU-Verordnung speziell für Tee, in der ein Wert von 20 µ/kg vorgesehen sei. Gemessen hatte die Stiftung Werte zwischen 6 und 76 µg/kg. Nach ihren Angaben lag von den sechs Bio-Tees nur Alnatura über den 20 µg/kg. Die Warentester haben auch noch festgestellt, dass etwa ein Drittel des Anthrachinons in den Aufguss übergeht. Pro Liter wären das 0,02 bis 0,25 Mikrogramm.

Was sagen die Hersteller?

Lebensbaum teilte auf Anfrage Folgendes mit: „Anthrachinon ist ein Umweltschadstoff, der in der Abluft fossiler Brennstoffe (Benzin, Diesel, Heizöl, Kohle) enthalten ist. Anthrachinon geht nicht in den Teeaufguss über, wie unsere Analysenergebnisse von externen, akkreditierten Laboren ergeben. Zum selben Ergebnis kommt die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen des Freistaates Sachsen. Darüber hinaus kommt Prof. Dieter Schrenk, Toxikologe der Universität Kaiserslautern, insgesamt zum Ergebnis, dass bei den gefundenen Anthrachinon-Gehalten für Verbraucher kein relevantes Risiko mit dem Konsum von Tee verbunden ist. Es ist selbstverständlich unser Anliegen, das Auftreten solch unerwünschter Stoffe so gering wie möglich zu halten. Aus diesem Grund haben wir mit unserem Anbau-Partner in Darjeeling bereits ein Konzept entwickelt, um den Eintrag von Anthrachinon zu minimieren.“

Alnatura schreibt auf seiner Webseite: „Zu unserem großen Bedauern wurde der Alnatura Darjeeling aufgrund des Vorhandenseins von Anthrachinon stark abgewertet und mit “mangelhaft” bewertet, obwohl der zukünftige EU-Grenzwert unter Berücksichtigung der analytischen Messunsicherheit nicht überschritten ist. Dennoch nehmen wir diesen Befund der Stiftung Warentest sehr ernst und haben bereits mit unserem Herstellerpartner Maßnahmen eingeleitet, um die Spuren von Anthrachinon weiter zu verringern.“ Dazu würden „aktuell in der indischen Manufaktur alternative Trocknungstechnologien umgesetzt und neue Trocknungsöfen installiert.“

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