Editorial - Schrot und Korn

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Mehr geht immer, aber ...

Stephanie Silber

Verantwortliche Redakteurin Schrot & Korn

Lebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich schreibe ich an dieser Stelle ja öfter regelrechte Liebesbriefe an Sie, da ich mich immer sowohl über Ihre Kritik als auch über Ihre Begeisterung für unsere Arbeit so sehr freue. Aber zurzeit bin ich etwas angesäuert: Einige von Ihnen erwarten den ökologischen Heiligenschein bei uns. Den absoluten Perfektionismus, wenn es ums Weltretten geht. Wie können wir nur Anzeigen annehmen, die Produkte in Plastikverpackungen bewerben? Dürfe ich in meinen Editorials überhaupt darüber schreiben, wie wir Dinge verändern könnten, wo ich doch selbst „bestimmt in einer zu großen Wohnung wohne, im Winter exotische Früchte esse etc.“ Letztere Punkte kann ich übrigens aus vollem Herzen verneinen. Aber trotzdem schaffe ich es nicht, zu 100 Prozent Weltretterin zu sein.

Wir als Verlag haben in unserer Vision formuliert, dazu beizutragen, „dass die Erde als blau-grün-weißer Planet erhalten bleibt“ – und tun wahnsinnig viel dafür. Trotzdem landen wir  nicht bei 100 Prozent. Doch müssen wir uns, die dasselbe Ziel haben, gegenseitig Vorhaltungen machen, weil wir es nicht immer schaffen? 

Ich kann mir vorstellen, dass jetzt wieder einige schreiben, dass dies ja nur eine Entschuldigung dafür sein soll, es mit dem Weltretten nicht so richtig ernst zu meinen. Lassen Sie uns doch lieber diesen Vorwurf gemeinsam nach Berlin richten, wo Politiker uns Mogelpackungen als Klimapakete verkaufen. Oder haben nur die 100-Prozentigen das Recht auf Protest? Ich bin wieder auf Ihre Zuschriften gespannt.

Ihre

Stephanie Silber

Demo together

Um Protest geht es am 18. Januar in Berlin. Dann demonstrieren wir gemeinsam für eine Agrarpolitik, die umweltfreundlicher ist und für deutlich mehr Tierwohl steht. Kommen Sie mit uns! Alle Infos finden Sie auf Seite 51.