Editorial - Schrot und Korn

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Wer genießen will, soll zahlen

Stephanie Silber

Verantwortliche Redakteurin Schrot & Korn

Lebe Leserin, lieber Leser,

Ende des 18. Jahrhunderts begann sich bei englischen Bürgern zunehmend Widerstand gegen den Sklavenhandel zu regen. Sie boykottierten ihren geliebten Zucker aus der Karibik und tranken ihren Tee aus Protest ungesüßt. Nun könnte man sagen, was der Zucker dem Engländer damals ist der Kaffee dem Deutschen heute. Er ist sein liebstes Getränk, er trinkt davon mehr als Wasser oder Bier. Eine Gemeinsamkeit: Zuckerliebhaber und Kaffeetrinker sind damals wie heute darauf angewiesen, dass Menschen in anderen Teilen der Erde für ihren Genuss ernten.

Ich möchte nicht den Sklavenhandel aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit den heutigen Arbeitsbedingungen auf Zuckerrohr- oder Kaffeeplantagen vergleichen. Aber Fakt ist, dass die meisten Kaffeebauern nicht von ihrer Arbeit leben können (siehe Seite 33). Und wir haben gar nicht genug Namen für all die Kaffee-Spezialitäten, die millionenfach in Pappbechern über Ladentheken gehen. Zudem werden mehr als 60 Prozent des Kaffees in deutschen Supermärkten über Sonderangebote verkauft.

Die moderne Form des Boykotts in diesem Fall ist der Kauf von Lebensmitteln, die fair produziert und gehandelt werden. Dieser Anteil liegt bei Kaffee in Deutschland allerdings nur bei fünf Prozent. Nicht zu fassen, so viele Menschen sind nicht bereit, jemanden am anderen Ende der Welt fair zu entlohnen, der sein Lieblingsgetränk erntet? Dann sollte man doch
lieber ein deutsches Bier zum Frühstück trinken, hier gibt es wenigstens Mindestlohn.   

Ihre

Stephanie Silber

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