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Watte - Sanftes aus Baumwolle

Watte - Sanftes aus Baumwolle


Kosmetik und Körperpflege werden für den modernen Menschen immer wichtiger. Nicht nur die Reinheit des Materials ist gefragt, es soll auch noch möglichst weich und kuschelig sein und die Haut schonen. Watte erfüllt diese Anforderungen anscheinend am besten. Nur selten verwenden die Hersteller als Rohstoff jedoch kontrolliert biologische Baumwolle, konventionelle Ware beherrscht den Markt.

Sensible Menschen, so heißt es, sollte man in Watte packen. Sie ist weich und zart und scheint für empfindsame Naturen wie geschaffen. Nicht nur im übertragenen Sinne als schützendes Polster für die im Innern wohnenden zerbrechlichen Seelen, sondern ganz real im täglichen Umgang mit unserer äußeren Hülle, der Haut. Hier besitzt Watte neben den genannten Eigenschaften noch einen entscheidenden Vorzug: Sie ist äußerst saugfähig und kann Feuchtigkeit und Gerüche so gut absorbieren wie kein anderes Material. Als medizinischer Verbandsstoff sowie in der Kosmetik und Körperpflege ist Watte daher besonders beliebt.

Makelloses Weiß nur durch Bleichmittel erreichbar

Seit wann Menschen Watte benutzen, ist unklar. Das Wort stammt aus dem niederländischen und wird erstmals im 17. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Dabei ist lediglich zu erfahren, daß es sich bei Watte um "lockere Baumwollfasern" handelt. Das Malvengewächs (Gossypium) liefert auch heute noch den größten Teil der zu Kleidung verarbeiteten pflanzlichen Textilfasern. Diese werden aus den Samenhaaren der vollreifen Fruchtkapseln gewonnen. Wie alle pflanzlichen Faserstoffe besteht Baumwolle vorwiegend aus Zellulose (90%), der sie ihre wasseranziehenden Qualitäten verdankt. Der Rest entfällt auf Wasser (8%) und Begleitsubstanzen wie Wachse, Fette, Pektine, Farbstoffe, Holzgummi, Eiweiß und mineralische Salze, die sich primär in der Außenhaut der Faserbündel (Cuticula) finden. Unbehandelte Rohbaumwolle ist oft eher gelblich-braun und niemals so makellos weiß, wie der Verbraucher sie kennt. Ohne Bleichmittel ist das strahlende Weiß nicht zu erreichen, früher durch den Einsatz von Chlor, inzwischen auch bei konventionellen Produkten häufiger durch Sauerstoff. Vor allem die für den Intimbereich gedachten Watteartikel werden in der Regel chlorfrei hergestellt. Mit der Bleiche und der zusätzlichen Abkochung unter hohem Druck lassen sich auch die störenden Begleitstoffe entfernen, deren Anwesenheit die Saugfähigkeit stark einschränkt.

Bo Weevil, bisher einzige Watte aus biologischem Anbau

Nach der Ernte wird Baumwolle getrocknet, gestapelt, entkernt (egreniert) und zu Ballen gepreßt an die Spinnereien verschickt. Während man die extrem kurzen Fasern (Linters), die durch nochmaliges Egrenieren von den Samenkernen gelöst werden, vor allem zu Abfallgarnen, Kunstseide, Polstermaterial und Zellwolle verarbeitet, greift man bei der Watteproduktion auf Kämmlinge zurück, die die Spinnereien aussortieren, weil sie für die Bekleidungsindustrie ungeeignet sind. Der Baumwollanteil, der in die Watteherstellung geht, ist - gemessen am Gesamtmarkt - eher gering. Der Verkauf von Watte, Wattestäbchen und Pads bringt den deutschen Anbietern jährlich 150 Millionen Mark ein, Damenhygiene-Artikel schlagen mit rund einer Milliarde Mark zu Buche.

Während in Drogerien bisweilen auch Watte aus Viskose verkauft wird, bietet der Naturwarenhandel ausschließlich Watte aus 100 Prozent Baumwolle an. Eine Verbandwatte aus kontrolliert biologischer Baumwolle hat derzeit nur die Firma Biogarten im Sortiment. Der Rohstoff wird von türkischen Bauern in der Nähe von Izmir angebaut, wo auch die Weiterverarbeitung erfolgt. In chlorfrei gebleichten 50-Gramm-Portionen im PE-Beutel gelangt die Watte in deutsche Ladenregale, wo sie oft neben Kosmetik-Pads der gleichen Marke Bo Weevil steht. Das kleine holländische Unternehmen war nach eigenen Angaben seinerzeit Vorreiter bei der Einführung von Rohbaumwolle in kbA-Qualität. Der Firmenname nimmt Bezug auf einen eigentlich ungeliebten Käfer, der als Schädling oft die Plantagen heimsucht. In den Bluessongs der schwarzen Baumwollpflücker wurde er gerne besungen.

Seit kurzem vertreibt Biogarten auch Wattestäbchen der Marke Bellawa, die vom sächsischen Traditionsbetrieb Rauscher & CO Lößnitztal geliefert werden. Die Baumwolle ist konventioneller Herkunft, doch wird ansonsten auf Umweltfreundlichkeit großer Wert gelegt. So sind die Mittelteile (Stiele) aus Pappe statt aus Kunststoff und die Sichtfenster der Verpackung aus Pergaminpapier. Das Ganze ist in Faltschachteln aus Recycling-Karton eingepackt. Die gereinigten Kämmlinge, die aus der Bleicherei zu Rauscher kommen, werden dort maschinell in die gewünschte Form gebracht. Die Verkaufsware, so der Textilfachmann und Einkäufer Heinz Lange, muß am Ende hohe Anforderungen in punkto Saugfähigkeit und Reinheit erfüllen. Für Aschegehalt, Kupferrückstände und Tenside gibt es Grenzwerte, Schönungsmittel sind nicht erlaubt. Auch die für medizinische Zwecke vorgesehene Verbandwatte wird nicht - wie mancher vermuten könnte - extra sterilisiert. Das Endprodukt entspricht auch ohne weitere chemische Eingriffe den Vorschriften des Deutschen Arzneibuches. Der Keimgehalt wird durch den beschriebenen Reinigungsprozeß auf ein tolerierbares Minimum reduziert.

Im Hygiene-Bereich gibt es noch manchen Kompromiß

Der Umweltprodukte-Versand Waschbär greift bei seinen Wattestäbchen, Binden und Tampons derzeit auf herkömmliche Baumwolle zurück. Im Herbstkatalog wollen die Freiburger erstmals auch Watte aus kontrolliert biologischer Erzeugung listen. Aus welcher Quelle, wollte Martina Kern, die bei Waschbär für den Einkauf von Kosmetik- und Hygieneartikel zuständig ist, vorab nicht verraten. Auch bei anderen Watteprodukten deutet sich eine Umstellung an, die dem Öko-Gedanken noch mehr als bisher gerecht wird. In eine ähnliche Richtung orientiert sich Helen Harper, die zwar keine Watte, aber Tampons, Binden und Slipeinlagen anfertigt. Die Tampons sind schon jetzt zu 100 Prozent aus kbA-Baumwolle, selbst der Rückholfaden aus farbig gewachsenem Material. Bei Produkten, die mehrere Rohstoffe miteinander vereinigen wie Binden und Tampons, ist soviel Konsequenz schon schwieriger. Im Bestreben, Umweltverträglichkeit und problemlose Anwendung unter einen Hut zu bringen, muß man auch Kompromisse eingehen. Polyethylenfolien als Wäscheschutz, geringe Mengen Heißkleber, stellenweise Kunststoff und Silikonpapier sind vorerst nicht zu ersetzen. Man habe, betont der Geschäftsführer von Helen Harper Heiner Putzier, in der Vergangenheit mit reinen Baumwollbinden experimentiert, doch sei die Oberflächenfeuchtigkeit deutlich höher als bei Verwendung von Zellstoff (aus Holz) mit Baumwollvlies gewesen. Ökologie allein ließe sich schlecht verkaufen, wenn man den Erwartungen der Benutzerinnen enttäusche. Manche Rohstoffe eigneten sich leider (noch) nicht zur Herstellung von Hygiene-Produkten. Die Vliese, so Putzier weiter, würden so oft gewaschen, daß von eventuellen Rückständen fast nichts mehr übrig bliebe. Diese Auffassung bestätigen auch kritische Verbraucherschützer, die selbst bei konventionellen Watteerzeugnissen kein Gefahrenpotential für die AnwenderInnen sehen. Ganz im Gegensatz zur Baumwollkleidung, die nach wie vor hemmungslos mit Chemie überfrachtet wird, um Farbe und Trageigenschaften zu manipulieren.

Wer Watte, Q-Tips oder Pads häufiger benutzt, braucht um seine Gesundheit also nicht zu fürchten. Ob Wattestäbchen für die Reinigung der Ohren geeignet sind, darf man allerdings bezweifeln. Zu tief sollte man ohnehin nicht in den Gehörgang eindringen, weil die Verletzungsgefahr für das Trommelfell zu groß ist. Ein weicher Wattebausch genügt zum Säubern vollauf und hilft unnötige Risiken vermeiden. Auch zu den Kosmetik-Pads gibt es Alternativen aus Luffa, die frau mehrfach verwenden kann.

Hans Krautstein

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