Mit Köpfchen am Steuer - Schrot und Korn

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Mit Köpfchen am Steuer

Mit Köpfchen am Steuer


Keine Frage: Der Straßenverkehr schadet der Umwelt. 33 Prozent der Kohlendioxid-Emission in Deutschland geht auf das Konto der Kraftfahrzeuge. Dennoch verzichten nur wenige ganz auf den fahrbaren Untersatz. Auto ja,- aber mit ökologischem Bewußtsein könnte ein Kompromiß heißen, zum Beispiel durch den Beitritt zu einem Car-Sharing-Verein oder eine sprit- und abgassparende Fahrweise, wie sie Öko-Fahrschulen lehren.

Thomas Rensch drückt mit beiden Füßen gleichzeitig auf Bremse und Kupplung. Dann dreht er den Schlüssel im Zündschloß. Der Motor hüstelt. Grundregel eins, beim Anlassen nie Gas geben", sagt er mit energischer Stimme. Im gleichen Moment hat er den Rückwärtsgang eingelegt und den Wagen ein paar Meter nach hinten geschoben. Jetzt geht alles in Sekundenschnelle: Erster Gang, Vollgas, dritter Gang und wieder Gas geben.

40 Prozent weniger Sprit im Stadtverkehr

Öko-Ultra nennt sich der Autofahrstil, mit dem der 24jährige Fahrlehrer durch die Hanauer Innenstadt kurvt. Auf diese Weise lassen sich rund 40 Prozent Sprit im Stadtverkehr einsparen, hat eine Studie der Technischen Universität Berlin ergeben. Und das bedeutet, daß gleichzeitig weniger Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und Stickoxide aus dem Auspfuffrohr strömen.

Ein Dreiliter-Auto gibt es noch nicht, aber dafür den Dreiliter-Fahrer", ist Rensch überzeugt. Wenn der Jungfahrlehrer vom Kraftstoffsparen zu erzählen beginnt, ist er nicht mehr zu bremsen. Ohne Punkt und Komma listet er die schier unbegrenzten Möglichkeiten auf. Ein Golf TDI Diesel müsse beispielsweise nicht mehr als 2,58 Liter auf 100 Kilometer schlucken.

"Umweltbewußtsein am Steuer muß erst entwickelt werden"

Trotzdem tilgten die meisten das Wort Umweltschutz aus ihrem Gedächtnis, sobald sie sich hinter das Steuer geklemmt hätten. Das Bewußtsein müsse erst entwickelt werden, führt Thomas Rensch aus und wird nachdenklich. Auf seiner jugendlich glatten Stirn kringeln sich ein halbes Dutzend kleiner Fältchen.

Gemeinsam mit seinem Onkel Axel Rensch hat der umtriebige Hesse die alteingesessene Hanauer Fahrschule in eine Formel-S-Schmiede umgewandelt. Das S" hat weder etwas mit Ferrari-Fahrer Michael Schumacher zu tun, noch mit den Rennschlitten, die über den Hockenheimring wummern. Es steht vielmehr für Sicherheit, denn die Schüler sollen lernen, risikoarm und umweltbewußt ihren Wagen zu lenken. Diesen Grundsatz haben sich die rund 200 Fahrschulen, die der Formel-S angehören, auf ihre Fahnen geschrieben. Der Münchner Wolfram Schirrmann hat die theoretischen Grundlagen dafür erarbeitet.

Motor aus an jeder roten Ampel

Sich ökologisch am Steuer zu verhalten, bedeute nicht wie eine Schnecke zu kriechen, geben Onkel und Neffe einmütig zu verstehen. Entscheidend sei es, vorausschauend im Straßenverkehr mitzuschwimmen und den Motor im richtigen Moment abzustellen. Zum Beispiel, wenn die Ampel auf Rot umschaltet. Beim Anfahren an der Kreuzung wird der zweite Gang überflüssig. Thomas Rensch legt den ersten Gang ein und tritt mit vollem Schwung auf das Gaspedal. Die Mitfahrer drückt es in die Sitze, der Motor jault auf, beruhigt sich aber sofort wieder, als der dritte Gang einrastet.

Auf einmal wechseln die Lämpchen am Armaturenbrett ihre Farbe: von Grün in ein bedrohliches Rot. Thomas Rensch bleibt jedoch ganz ruhig, denn das Lichterspiel gehört beim perfekten Öko-Driver dazu. Während er im dritten Gang beschleunigte, hat er den Motor abgeschaltet natürlich bei eingestellter Zündung.

Lautlos gleitet der schwarze Golf nun durch die Wohnstraße. Wenn ich jetzt die Kupplung kommen lasse, springt der Wagen wieder an", erklärt der Fahrlehrer den Trick. Beim Motorabschalten ist allerdings Vorsicht geboten: Die Servolenkung arbeitet nicht mehr und das Fahrzeug läßt sich deshalb schwerer steuern. Der Unterdruck im Bremskraftverstärker reicht laut Formel-S-Lehre noch für drei bis vier Bremsungen. Also: Spätestens nach dem zweiten Tritt auf die Bremse den Motor wieder anwerfen.

Versierte Fahrer lernen den Öko-Ultra-Stil

Kann denn einem blutigen Anfänger, dem die Fortbewegung mit dem Auto an sich schon Probleme bereitet, eine solche Technik zugemutet werden? Nein", räumt der Ausbilder ein, das ist nur etwas für Profis." Die Formel-Schulen bieten nämlich auch Kurse für versierte Fahrzeuglenker an.

Gleichwohl können selbst Neulinge ökologisches Autofahren von der Pike auf lernen. Die beiden Renschs trainieren ihren Schützlingen an, den Motor an der Ampel abzuschalten. Ein weiterer Grundsatz ist das Fahren im Niederdrehzahlbereich: 30 Stundenkilometer lassen sich mühelos mit einer Drehzahl von 1000 bewältigen und bei 50 schalten die Formel-S-Schüler in den fünften Gang. Der Motor beschwert sich nicht", nimmt Axel Rensch all jenen den Wind aus den Segeln, die meinen, ein Wagen erreiche ein höheres Alter, wenn er im mittleren Drehzahlbereich gefahren werde.

Sparen durch den richtigen Reifendruck

Um den Kraftstoffverbrauch so weit wie möglich zu drosseln, muß ein Auto regelmäßig gewartet werden. Hierzu gehört, den Reifendruck ständig zu überprüfen. Als Faustregel gilt, ein Drittel mehr, als in den Papieren steht", erklären die Öko-Fahrlehrer. Unnütze Wagenladungen, Dachgepäckträger und Radiohören kosten ebenfalls Benzin. Wer den nächsten Bäckerladen oder Zigarettenautomaten ansteuere, so Thomas Rensch, sollte sein Auto lieber in der Garage stehenlassen und zu Fuß gehen. Denn der abgasentlastende Katalysator schalte sich erst bei einer Betriebstemperatur von 500 bis 600 Grad ein, die Kleinwagen frühestens nach 10 bis 15 Minuten Fahrt erreichten.

Astrid Möslinger

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