Propolis - Ein Bollwerk gegen Feinde aller Art - Schrot und Korn

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Propolis - Ein Bollwerk gegen Feinde aller Art

Der Name klingt exotisch, und die wenigsten wissen genau, wofür er steht: Propolis, ein wertvoller Naturstoff der Bienen, wird immer beliebter. In vielen Kosmetika wird das traditionelle Volksheilmittel verwendet. Seit Generationen bieten die Imker Propolis neben Honig, Wachs und Pollen zum Verkauf an. Doch die Behörden legen diesem "Gewohnheitsrecht" immer mehr Steine in den Weg.

Die Bienen sind bekanntlich ein fleißiges Völkchen. Sie machen den Nektar der Blüten zu Honig und liefern uns auf diese Weise ein wertvolles Nahrungs- und Heilmittel. Auch Blütenpollen und Gelee Royale werden wegen ihrer geballten Lebenskraft von vielen Menschen als natürliche Aufbaumittel geschätzt. Die besondere Bedeutung eines weiteren Bienenproduktes wurde ebenfalls in den letzten Jahren wiederentdeckt: Propolis oder Kittharz, wie es im deutschen Sprachraum oft genannt wird. Während seine vielfältigen Heilwirkungen in Osteuropa (vor allem Rumänien) auch von der orthodoxen Medizin eingehend erforscht wurden, besteht hierzulande noch großer Aufklärungsbedarf.

Propolis ist ein unverzichtbares Reparatur- und Isolierungsmittel für den Bienenstaat. Im Herbst sammeln die Bienen den Harz von Knospen und Zweigen der Bäume und bereiten damit ihren Stock für die harten Wintermonate vor. Sie holen die klebrige Substanz von Pappeln und Weiden, von Birken und Kastanien oder Tannen und Fichten. Auch manche Laub- oder Obstbäume werden angeflogen, selbst einzelne Kräuter für die Propolisgewinnung genutzt. Bei Wärme ist Propolis zäh und dennoch formbar wie Kaugummi, bei niedrigeren Temperaturen (unter 15 Grad) eher spröde und brüchig. Ins Deutsche übersetzt bedeutet Pro-polis soviel wie Vor-Stadt, und in der Tat wird aus dem Stoff ein Abwehrbollwerk gegen Eindringlinge aller Art aufgebaut. Solche Verteidigungsschranken direkt hinter dem Flugloch sollen Feinden den Weg ins Innere des Bienenstockes versperren. Weil Propolis zudem stark antibiotische Eigenschaften besitzt, desinfizieren die von der Nektarsuche heimkehrenden Bienen vor dem Betreten ihres Stockes an dieser Barriere jedesmal automatisch ihre "Schuhe". An den Beinchen haftende Mikroorganismen werden so unschädlich gemacht. In einem Gemeinwesen, wo bisweilen 50.000 Tierchen auf engstem Raum zusammenwohnen, eine überlebenswichtige Vorkehrung. Die so erzeugte "Sterilität" des Bienenstockmilieus sorgt wahrscheinlich auch dafür, daß der Honig trotz der manchmal beachtlichen Wärme nicht in Gärung übergeht.

Mit Propolis dichten die Bienen sämtliche Ritzen ihres Baus gegen Feuchtigkeit und Zugluft, aber auch gegen übergroße Hitze ab. Unwillkommene Besucher, die wegen ihrer Größe nicht hinausbefördert werden können (zum Beispiel Mäuse), überzieht man mit einer dichten Popolis- und Wachsschicht. Dank dieser "Mumifizierung" wird das Bienenvolk vor möglichen Gesundheitsgefahren durch Verwesungsgifte bewahrt.

Ohne Propolis können Bienen nicht überleben

Das Einsammeln von Propolis ist kein Gemeinschaftswerk aller Bienen, sondern die gezielte Leistung weniger Arbeitsimmen. In Zeiten, da die Nektarsuche sich nicht lohnt, schwärmen sie aus und lösen mit ihren Mundwerkzeugen kleine Stückchen aus der Harzschicht der Knospen heraus. Den so entstehenden dünnen Faden schneiden sie ab und heften ihn portionsweise an ihre Hinterbeine. Durch den späteren Umwandlungsprozeß, das heißt den Zusatz bieneneigener Verdauungssäfte, wird aus der Harzmasse erst das eigentliche Propolis, das mittlerweile so begehrt ist. Die Imker kratzen und brechen den Kittharz von der Eingangstüre

ê und aus den Fugen oder stellen richtige "Propolisfallen" (Gitter) auf. Alle künstlich geschaffenen Lücken unter einer Breite von 4,7 Millimetern füllen die Bienen mit Propolis aus, größere Löcher dagegen mit Wachs. Die Qualität des geernteten Propolis ist dann am besten, wenn die Haupttrachtzeit der Bienen vorüber ist. Bei der Entnahme muß der Imker behutsam sein und den größten Teil des vorhandenen Kittharzes zurücklassen, damit er nicht das Überleben seiner Völker aufs Spiel setzt.

Vor der Weiterverarbeitung muß man Propolis von Wachsresten und anderen Verunreinigungen befreien. Zu diesem Zweck ist vorsichtiges Ausschmelzen bei 80 Grad unumgänglich. Um flockende Beimengungen herauszufiltern, wird das Kittharz in fünf- bis zehnprozentigem Alkohol gelöst. Anschließend ist es - lichtgeschützt und kühl gelagert - für viele Jahre, vielleicht sogar unbegrenzt haltbar. Leider hat in der Vergangenheit die Propolisproduktion heimischer Bienen deutlich nachgelassen, man rechnet etwa 100 Gramm pro Jahr und Volk. Der Grund für den Rückgang: Manche Imker sehen die harte Dichtungsmasse als Arbeitshindernis und züchteten ihren Völkern die Fähigkeit zur Propolisherstellung systematisch ab.

Natürliches Antibiotikum und Immunstimulans

Propolis wird seit Jahrtausenden in der Kosmetik und für Heilzwecke verwendet. In Rumänien gibt es heute noch eine Spezialklinik für Apitherapie (Apis = Biene). Das mit Drüsensäften der Bienen angereicherte Baumharz wirkt primär antibiotisch und stimuliert das menschliche Immunsystem. Es verhindert die Ausbreitung von Bakterien und Pilzen, zum Teil auch das Wachstum von Viren. Propolis besteht zu gut 50 Prozent aus Harz und Balsam, zu 30 Prozent aus Wachs, zu 10 Prozent aus ätherischen Ölen und zu je fünf Prozent aus Pollen und anderen Substanzen, darunter die Mineralstoffe und Spurenelemente Aluminium, Barium, Blei, Calcium, Chrom, Eisen, Kobalt, Kupfer, Nickel, Silicium, Strontium, Titan, Vanadium, Zink und Zinn.

Für die medizinischen Wirkungen sind in erster Linie die Flavonoide verantwortlich. Die gelben Pflanzenpigmente (früher Vitamin P) unterstützen die Arbeit der Freßzellen (Phagozyten) im menschlichen Immunsystem, hemmen die schmerzerzeugenden Prostaglandine und beschleunigen die Wundheilung. Sie können giftige Schwermetalle an sich binden und nach Erkenntnissen des amerikanischen Psychologen John Diamond die Thymusdrüse aktivieren. In der Naturheilkunde wird Propolis unter anderem bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes, Magen-Darm-Leiden sowie Erkrankungen der Atemwege, der Gelenke und der Haut eingesetzt. Obwohl man ihm einerseits anti-allergische Effekte zuspricht, kann es andererseits in seltenen Fällen Kontaktallergien hervorrufen. Wissenschaftler haben bisher fünf problematische Stoffe ausgemacht und führen Empfindlichkeitsreaktionen in erster Linie auf verschiedene Kaffeesäureester zurück.

Arzneimittel oder legitimer "Besitzstand" der Imker?

Im Handel findet man Propolis gelegentlich in Bonbons und Kaugummis, vor allem aber in Körperpflegeprodukten wie Seifen, Shampoos, Hautcremes, Zahnpasten und in Mundwasser. Die Naturkosmetikhersteller geben es häufig als sanftes Konservierungsmittel bei. Für die Imker gehört Propolis seit Generationen zum selbstverständlichen "Besitzstand", den man auf Märkten gerne feilbietet. Was die traditionelle Kundschaft erfreut, beobachten die Behörden mit Argwohn. Besonders die unverdünnte Propolis-tinktur gilt streng genommen als freiverkäufliche Arznei, für deren In-Verkehr-bringen es einer amtlichen Zulassung bedarf. Manche Imker sprechen von "Rechtsunsicherheit", die Bundesanstalt für Arzneimittel und Medizinprodukte dagegen von eimem "Überwachungsdefizit". Tatsache ist, daß nicht alle Bundesländer einheitlich mit dem Thema umgehen. In Bayern, so klagt der Juniorchef einer kleinen Firma für Imkereiprodukte, Klaus Hoyer, wurde ihm der Verkauf von Propolis definitiv untersagt. Eine Anerkennung als standardisiertes Arzneimittel mit detailliertem Wirkungsnachweis, wie ihn der Gesetzgeber verlangt, sei aber erstens unbezahlbar und zweitens bei einem reinen Naturstoff mit schwankender Zusammensetzung von vornherein illusorisch. Auch Pfefferminze und Kamille, so Hoyer, würden nicht nur in der Apotheke, sondern als Lebensmittel in jedem Supermarkt angeboten. "Warum ist dies nicht auch bei Propolis möglich?" Die Bevormundung des Staates empfindet er als ungerecht.

In Niedersachsen hat das Naturkost-Unternehmen Allos schon seit 1980 mit juristischen Anfechtungen zu kämpfen. Übereifrige Beamte hatten wegen möglichen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz sogar eine Hausdurchsuchung veranlaßt. Die Propolis-tinktur hat Allos nicht mehr im Sortiment, beim Propolis-Magenbitter hält der Rechtsstreit noch an. Walter Lang spricht von "Willkür" und hält auch bei unvermischtem Propolis die Einstufung als Arzneimittel für "nicht greifbar". So sei es bisher nicht gelungen, die exakte Zusammensetzung chemisch einwandfrei zu analysieren. Propolis sei mehr ein Sammelbegriff für je nach Herkunft recht unterschiedliche Produkte und daher prinzipiell nicht standardisierbar. Lange Zeit hätte man die Naturheilkundler belächelt und jede Wirksamkeit abgestritten. Seit die Heilpotenz von Propolis nicht mehr zu leugnen ist, wolle man den freien Gebrauch plötzlich verbieten. Was auf jeden Fall unzulässig ist, ist die Werbung mit Heilanzeigen. Auch Tropffläschchen könnten beanstandet werden, weil sie gewöhnlich Medikamente enthalten. Den Bioläden empfiehlt Lang einen sensiblen Umgang mit der Ware Propolis. Im Zweifelsfall sollten sie sich bei den zuständigen Behörden erkundigen, bevor sie sich in die Nesseln setzen.

Manche Erzeuger gehen eventuellen Schwierigkeiten dadurch aus dem Weg, daß sie ihr Propolis als "Knospenharz" deklarieren. Vor allem in Kosmetik-Praxen ist es sehr beliebt. Im Nachbarland Österreich haben die Imker weniger Probleme.

Hans Krautstein

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Georg H.

vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag zu Propolis.
Bin selbst als (Hobby) Imker tätig und schätze das Harz wirklich sehr, vor allem während der kalten Jahreszeit ist die Heilkraft nicht zu unterschätzen.
Ergänzend empfehle ich einen Blick auf die wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit: http://propolis-ratgeber.info/studien/

Grüße aus dem Süden,
Georg