Buchtips (Jugendseite) - Schrot und Korn

Anzeige

Anzeige

Buchtips (Jugendseite)

Hey Ihr!

Wir kennen das doch alle: Oma, Opa, Tante fragen nach Wünschen zu Weihnachten. Damit Ihr nicht etwa eine rosa Rüschenbluse oder gar einen gehäkelten Clopapierrollen-Schonbezug bekommt, haben wir für Euch gelesen. Dieses Mal findet Ihr hier Buch-Tips aus den Sparten Psychologie, Geschichte, Politik, Zeitgeschehen, Beziehung, Zukunft. Macht es Euch zu Weihnachten mit einem fesselnden Buch bequem - damit Ihr zu Silvester fit seid zum Feiern und gut ins Neue Jahr kommt.

Das wünschen Euch

Julia & Laura

 

Einblick in andere Gefühlswelten

  • Martin, der erfolgreiche Rugbyspieler, ist von seinen eigenen Gefühlen verwirrt, weil er sich zu Männern hingezogen fühlt. Das Buch beschreibt, wie er lernt, zu seinen Gefühlen zu stehen. Eine Reihe von Problemen sind die Folge.

    Das Buch ist fesselnd geschrieben und gibt Einblick in andere Gefühlswelten. Das Thema Homosexualität ist ja immer noch eher ein Tabu. Martins Geschichte regt dazu an, sich Gedanken zu machen und auch mal mit anderen darüber zu reden.

  • Martins Coming-Out, Timothy Ireland, Arena Life, 175 S., 9,80 DM

Provokativ

  • Eine 22jährige, die alles erreicht hat, wovon ihre Mutter immer geträumt hat und sich jetzt noch den Mann fürs Leben angelt steht im Mittelpunkt dieses provozierenden Buches.

    Eine Welt, die mir Gänsehaut macht - als abschreckendes Beispiel durchaus geeignet.

  • Blöde Kuh, Dagmar Chidolue, Beltz & Gelberg, 342 S., 29,80 DM

Endlich richtig böse

  • Wer von Euch mit dem Buch "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überallhin" auf den Geschmack gekommen ist, findet hier praktische Tips für die Umsetzung. "Ich möchte jedes Mädchen unterstützen, eine konfliktfähige, durchsetzungsstarke und lebenslustige Frau zu werden. Mehr nicht, aber auch nicht weniger," sagt Ute Ehrhardt. Dabei geht es ihr nicht um "Kampfhennen-Zucht". Das Buch ist unterteilt in drei Abschnitte: Mit Power heraus aus den eigenen Blockaden - Die Waffen der bösen Mädchen - Frech und fröhlich zum Ziel. Außerdem bietet es Tests für die eigene Einordnung: Schon böse genug? Und Siegen, Lust oder Frust? Der freche Stil trägt zum Lesegenuß bei. Die Praxistips klingen erfolgversprechend.
  • Und jeden Tag ein bißchen böser, Ute Ehrhardt, Krüger, 190 S., 24,80 DM

Zaks Reise in die satanische Nacht

  • Eine Liebesgeschichte, die gleichzeitig ein Krimi ist und okkulte Mächte einbezieht, verspricht eine Überdosis Spannung. Beate gerät in den Bann von Satanspriester Malte, der sie zu seiner Sklavin machen will. Zak versucht, sie aus diesen Fesseln zu befreien. Immer mehr Jugendliche geraten auf der Suche nach Identität an okkulte Gruppen und Sekten. So unglaublich vieles in diesem Buch klingt, so real ist diese Welt für manche Jugendliche bereits.
  • Die Fliegen des Beelzebub, Ralf Thenior, Ravensburger, 186 S., 9,80 DM

Lese-Tips für Euren "Wunschzettel"

Späte Genugtuung für eine Forscherin

  • Lise Meitners Tagebuch-Notizen und Briefe ergänzen die Lebensgeschichte der 1878 in Wien geborenen Physikerin. Die relativ unbekannte Forscherin war Mitarbeiterin von Otto Hahn, der die Kernspaltung entdeckte und dafür den Nobelpreis erhielt. Der Anteil der Physikerin an dieser Arbeit ging - wie so oft bei Frauenarbeit - unter und wird mit diesem Buch aufgearbeitet. Lise Meitner lebte vor über 100 Jahren bereits für die Gleichberechtigung und machte eine damals ungewöhnliche Karriere. Da sie Jüdin war, wurde sie 1938 von den Nationalsozialisten aus Berlin vertrieben und ging nach Stockholm ins Exil. Das Angebot der Amerikaner, an der Entwicklung der Atombombe mitzuarbeiten, lehnte sie ab. Sie trat stets für die friedliche Nutzung der Atomenergie ein.

    Die Biographie der Naturwissenschaftlerin ist ein spannendes Dokument der Zeitgeschichte. Es wirkt besonders eindringlich durch die persönlichen Notizen, die das ganze lebendig machen. Das Buch wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

  • Lise, Atomphysikerin, Die Lebensgeschichte der Lise Meitner, Charlotte Kerner, Beltz & Gelberg, 130 S., 16,80 DM

Wenn die Zigeuner kommen

  • Vier Generationen einer Sinti-Familie - von der über 80jährigen bis zum kleinen Urenkel - erzählen aus ihrem Leben. Dabei erfahren wir LeserInnen auch einiges über "uns Deutsche" und über deutsche Geschichte dieses Jahrhunderts. Der Blickwinkel "von unten" und Fotografien machen das Buch wirklich interessant. Verständnis für die sogenannten Zigeuner, auf die viele noch immer mit Unverständnis und Angst reagieren, wird geweckt.
  • Da wollten wir frei sein, Michail Krausnick, Beltz & Gelberg, 177 S., 12,80 DM

Von Samenspendern und Eilieferantinnen

  • Der Adoptivsohn Karl Meiberg macht sich mit 17 auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern. Die Journalistin Franziska Dehmel hilft ihm dabei. 1999 geboren, muß sich Karl in einer Welt von Samenspendern, Retortenkindern, Leihmüttern und Eilieferantinnen orientieren. Mit viel Spannung und Phantasie wird diese vermeintliche Welt des Fortschritts, in der Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, beschrieben. Die Zukunft hat bereits begonnen - gruselig!
  • Geboren 1999, Charlotte Kerner, Beltz & Gelberg, 162 S., 12,90 DM

Mit Behinderten leben

  • Die zwölfjährige Anna bekommt einen behinderten Bruder. Sie liebt ihn, versteht sich mit ihm viel besser als mit ihrer jüngeren Schwester und bringt Ben einiges bei, zum Beispiel Küsse geben. Selbst als ihre Klassenkameradinnen sich über Ben lustig machen, hält sie zu ihm und läßt sich nicht beirren. Sie findet Rückhalt bei Mrs. Chapman, die einen Zeitschriftenladen hat. Als Ben stirbt, leidet Anna fürchterlich. Bei Mrs. Chapman lernt sie schließlich ein vierjähriges behindertes Mädchen mit ihrer Mutter kennen und findet so eine neue Aufgabe. Sie kümmert sich liebevoll um Jackie, lernt zufällig und ohne es zu wissen auch Jackies Bruder Tony kennen und verhilft ihm zu einer besseren Beziehung zu seiner Schwester. Für Anna wird der Wert eines Menschen nicht über seine körperliche und geistige Unversehrtheit bestimmt. Das Buch geht unter die Haut und hilft, auf Behinderte unbefangener zuzugehen.
  • Ben lacht, Elizabeth Laird, Oetinger, 177 S., 19,80 DM

Mißbrauch und die Folgen

  • David wird rumgeschubst und abgelehnt, von seiner Mutter benutzt, wie sie es braucht. Ihr ist nur die Karriere als Pianistin wichtig. Die Chance, mit dem neuen Freund der Mutter, Tano, ein richtiges Familienleben zu führen, entpuppt sich als bittere Illusion. Es kommt noch schlimmer. David beobachtet, wie Tano seine kleine Schwester mißbraucht. Er schafft es nicht, ihr zu helfen und vertraut sich seinem Tagebuch an.

    Bei allem Erschrecken über die Grausamkeit, mit der Erwachsene mit Kindern umgehen können, fesselt das Buch bis zum Ende. Vielleicht schärft es den Blick für nur vermeintlich heile Welten - und die Bereitschaft, für Hilfe zu sorgen.

  • Wenn nichts mehr bleibt als Schweigen, Bettina Ansorge, Arena Life, 172 S., 9,90 DM

Leipzig life

  • Hoolligans, S kins, Bombenwerfer vor dem Hintergrund des gewendeten Leipzig. Mitten drin "Killer" und sein grenzenloser Haß. Dazu eine Portion Liebe samt des Angebots einer Lösung. Deutsch-deutsche Realität spielt in vielen Jugendbüchern eine Rolle und bietet auch denen die Chance zur Auseinandersetzung, die nicht hautnah dabei sind. Der Autor Gunter Preuß, 1940 in Leipzig geboren, versteht sein Schreiben als ein Stück Lebenshilfe - und als Therapie, in der er versucht, mit Wahrheit Wirklichkeit zu heilen.
  • Stein in meiner Faust, Gunter Preuß, Ravensburger, 297 S., 11,80 DM

Den eigenen Weg finden

  • Pit und Pauline, die Zwillinge, gehen plötzlich getrennte Wege. Pit schließt sich rechtsradikalen Freunden an. Pauline entdeckt im Haus ihrer Großtante den Afrikaner Leon und entschließt sich ihm zu helfen. Sie tritt damit in die Fußstapfen ihrer Großtante, die mehr als einmal anderen Menschen das Leben gerettet hat. Am besten gefällt mir die Nachdenklichkeit des Buches, in dem es darum geht, seinen eigenen Weg zum Erwachsenwerden zu finden.
  • Rosensommer, Martina Dierks, Altberliner, 175 S., 22 DM

Reise in die Zukunft

  • Das Buch entführt in das 21. Jahrhundert, in eine scheinbar perfektionierte Welt der Technik. Gefühle spielen keine Rolle mehr - wie manchmal bereits heute in unserer Welt. Der 17jährige Armin lebt im Jahr 2046 und entdeckt zufällig das Computerprogramm von Rebecca mit den unerlaubten Gedanken und Gefühlen.
  • Eulengesang, Iva Procházková, Beltz & Gelberg, 201 S., 24,80DM

Risiko Cyberworld

  • Virtuelle Welten prägen Lauren so stark, daß er sich völlig verändert. Er ist offenbar das Versuchskaninchen des Wissenschaftlers Marco, der ihm eine Art High-Tech-Droge an Gedanken einpflanzen will. Die Begegnung mit Cyberworld ist für viele von uns bereits real - welche Folgen hat sie wirklich? Das Buch geht weit bei der Suche nach einer Antwort und regt damit den Risiko-Sinn an.
  • Das Experiment, Thea Dubelaar, Arena Life, 183 S., 9,90 DM

 

Erschienen in Ausgabe 12/1996
Rubrik: Leben&Umwelt

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'