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Ganz schön aufgeweckt, Sara Nuru.

Das Model Sara Nuru ist früh aus ihrem Casting-Traum aufgewacht: Die Sozialunternehmerin verkauft heute fair gehandelten Kaffee und setzt ihre Bekanntheit für Frauen in Äthiopien ein. Ein Kompliment.

Den Stempel der Exotin haben Sie schon bei Ihrer Geburt bekommen: Sie landeten als „erstes schwarzes Baby“ im bayerischen Erding in der Lokalzeitung, da waren Sie keine Woche alt. Und später, mit Anfang 20, strahlten Sie vom Cover der Frauenzeitschrift Cosmopolitan – Als die erste schwarze Frau, die „Germany’s Next Topmodel“ gewonnen hat.

Ihr Sieg bei dieser Model-Castingshow sollte die kulturelle Öffnung der ganzen Bundesrepublik beweisen. Allein wegen Ihrer äthiopischen Wurzeln galten Sie plötzlich als Vorbild für alle jene jungen Frauen, deren Teint dunkler war als der von Lieschen Müller. Es war ein modernes Märchen und Sie hätten fortan glücklich und zufrieden sein können: Prominente treffen, in Limousinen kutschiert werden, in den schönsten Hotels schlafen.

Doch Sie trauten Ihrem Glück nicht. „Warum ich? Womit habe ich das verdient?“ waren Fragen, die Sie überallhin begleiteten. Auch nach Äthiopien, in die Heimat ihrer Eltern, die Sie für die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ bereisten.

Dort gab es keine roten Teppiche, ja zum Teil nicht mal einen Fußboden: Die Grundschule, die Sie besuchten, stand auf der nackten Erde. „Es sah aus wie ein Kuhstall. Die Kinder saßen bis zu den Knöcheln im Schlamm“, beschrieben Sie in einem Vortrag diesen Klassenraum.

Wie konnten Sie bei der nächsten Gala wieder ein Kleid spazieren führen, von dem Sie wussten, dass man damit in Äthiopien eine ganze Schule bauen könnte? Endgültig wachten Sie aus ihrem Märchentraum auf, sagte alle Jobs ab und verließen Ihre Agentur. Nur „Menschen für Menschen“ halfen Sie weiterhin mit Ihrer Schönheit und Bekanntheit.

Auf einer diplomatischen Veranstaltung wurden Sie dem amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton vorgestellt: „Nicht als Sara Nuru, das Model. Sondern Sara Nuru, die Frauen-Botschafterin“. Ein Gedanke reifte: Ich kann schön sein und etwas bewegen.

Manchmal modeln Sie wieder, für ausgewählte Kunden: Zum Beispiel für die Marke Toms Shoes und deren Gründer Blake Mycoskie, der das Prinzip „one for one“ vielleicht nicht erfunden, aber groß gemacht hat: Ein Paar Schuhe kaufst du im reichen Deutschland, eines bekommt ein bedürftiges Kind. Gemeinsam mit ihm entwickelten Sie das Projekt „Models give back“ und mit den Einnahmen aus einer Sonderkollektion bauten Sie endlich Ihre Schule in Äthiopien.

Mehr als das: Beflügelt von Blakes Idee des sozialen Unternehmens, starteten Sie 2016 Ihre eigene Firma und beschlossen, gemeinsam mit ihrer Schwester Sali: Kaffee. Wir werden fair gehandelten, äthiopischen Kaffee nach Deutschland bringen. Sie wollen zeigen, dass es in diesem Land mehr gibt als Leid und Elend. Dafür sitzen Sie tagsüber im Büro statt in der Maske. Und besuchen regelmäßig Äthiopien, um Kaffee von kleinbäuerlichen Kooperativen zu kaufen.

Im Ursprungsland der Kaffeebohne wird der noch traditionell angebaut, von Hand gepflückt und von Menschen verarbeitet – oft von Frauen, die damit ein gesichertes Einkommen verdienen. „Nuru Coffee“ vergibt auch Mikrokredite, die äthiopischen Frauen zu einer neuen Existenz verhelfen sollen. Die sind wirksamer als Almosen. „Es ist wichtig, dass die Frauen Verantwortung für sich selbst übernehmen“, sagten Sie in einem Interview.

Mit 190 oder 250 Euro, der Preis einer besseren Handtasche, schreiben die Kleinunternehmerinnen die Geschichte ihres Lebens neu. Wirtschaften sie gut, fließt das Geld zurück und sie helfen mit ihrem Erfolg wieder einer anderen Frau. Ganz so, wie Sie es getan haben, Sara Nuru.

Text: Rebecca Sandbichler 
Foto: © Nuru GmbH

Veröffentlicht:
Rubrik: Leben&Umwelt

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