Tierisch gut - Schrot und Korn

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Tierisch gut

Gemischtbeweidung mit  Angus-Rindern und Welsh-Ponys auf dem Hof Eselsmühle
Gemischtbeweidung mit Angus-Rindern und Welsh-Ponys auf dem Hof Eselsmühle © Irina Dijks/bio verlag

 

AUSZEICHNUNG Der hessische Naturland-Hof Eselsmühle ist einer der drei Siegerbetriebe des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau. Irina Dijks

Auf der Weide von Familie Hoffarth ist ordentlich was los, zumindest im Sommer, denn dann heißt es: Gemischtbeweidung. Die Angus- und Welsh-Ponys verbringen die warmen Monate zusammen auf der Weide im Salzbödetal. Eine ideale Lösung, denn „Pferde sind keine guten Weidepfleger, aber was die Pferde stehen lassen, fressen die Kühe“, so Claudia Hoffarth. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hielt diese Mischbeweidung für besonders und zeichnete den Betrieb im hessischen Lohra mit dem Bundespreis für Ökologischen Landbau aus. 


Familie Hoffarth vor ihrem Wohnhaus auf dem Hof Eselsmühle © Irina Dijks/bio verlag

Diese Art der Beweidung gab es nicht von Anfang an. Als Dieter Hoffarth den Betrieb vor 41 Jahren übernahm,
bestand er gerade mal aus fünf Schweinen, drei Kühen und zwölf Hektar Fläche. Heute ist die Fläche auf über 300 Hektar angewachsen – davon zwei Drittel Ackerland und ein Drittel Grünland – und es leben Rinder, Pferde und Puten auf dem Hof. Die jetzige Vielfalt des Hofes nutzt den Platz optimal, denn wenn früher ab April die Kühe auf die Weide gingen, war der Stall bis November leer. Inzwischen verbringen dort die Bio-Puten den Sommer. Sie haben Grünlandauslauf und werden im Oktober direkt vom Hof verkauft. Ebenso wie das Putenfleisch wird auch das fein marmorierte Rindfleisch der Gourmet- Rasse Angus von Familie Hoffarth direkt vermarktet.

Bio-Betrieb mit vielen Standbeinen

Beim Besuch der Eselsmühle wird schnell klar, der Betrieb ist in vielen Bereichen tätig. Dadurch ist er unabhängiger: „Ein Tisch mit fünf Beinen kann auch noch stehen, wenn ein Bein wegfällt, bei einem Milchbauern, der nur einen Schemel hat, sieht es anders aus“, so Dieter Hoffarth. „Dadurch gibt es auch Vieles, bei dem man auf dem neuesten Stand sein muss und es kommt immer wieder etwas dazu“, ergänzt Sohn Felix. 

Neben ihrer Angus-Zucht mit Zuchttier- und Rindfleischverkauf betreiben Claudia und Dieter Hoffarth Pferdezucht und halten Pensionspferde. Eines der Standbeine und Ausgangspunkt des Familienbetriebs, denn kennengelernt haben sich die Hoffarths über ihre Passion für Pferde. Die aus ihrer Zucht stammenden Welsh-Ponys und Welsh-Cobs tragen zurückgehend auf den Mühlstein der Eselsmühle den Gestütsbeinamen „Millstone“. 

Inzwischen leben auf dem Hof Eselsmühle allerdings weder Esel noch ist eine Mühle in Betrieb, zumindest nicht im ursprünglichen Sinne. Der Mahlbetrieb der einstigen Getreide- und Ölmühle wurde 1975 eingestellt, seit 1986 wird die Wasserkraft der Mühle zur Stromerzeugung genutzt. 2003 ließ Familie Hoffarth zudem eine Fotovoltaik-Anlage auf ihren Dächern installieren. Da sie mit Holz aus der eigenen Holzwirtschaft heizen, leben sie auf ihrem Hof energieautark. 

Damit ist der Wandel des Hofes durch Claudia und Dieter Hoffarth längst nicht umrissen: Durch die Geburt ihres ersten Sohns Malte wurde ihr Wunsch nach einer gesunden und nachhaltigen Landwirtschaft vorangetrieben. 1991 stellten sie auf ökologische Landwirtschaft um, seit zehn Jahren arbeiten sie nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes. Auch die beiden weiteren Kinder Nele und Felix sind Teil des vielseitigen Hoflebens. Vielmehr noch: Felix, der auch Agrarwissenschaften studiert hat, durfte vor kurzem die Betriebsführung übernehmen und geht sichtlich darin auf: „Jeder Tag auf dem Hof ist anders, es ist immer eine andere Arbeit“.

Da allen Hoffarths artgerechte Tierhaltung sehr am Herzen liegt, sind sie immer auf der Suche nach möglichst optimalen Haltungsbedingungen. So bauten sie für ihre Pferde einen Aktivstall, in dem sie ganzjährig in einer Herde leben können – mit Sozialkontakten und Bewegung. Auch ihre Fütterung läuft optimiert: individuell und computergesteuert. Mittels
Futterautomaten erhält jedes Pferd über den Tag verteilt seine bedarfsgerechte Menge in einer Fressstation. Hierfür wird dem Pferd durch einen Transponder im Halsband die Tür zum Futter geöffnet. Die Klappe zum Heu fährt nach der für das Tier festgesetzten Zeit wieder hoch und beendet so das Fressen.

Die Mitarbeiter wohnen im Boden und in Hecken

Fragt man nach ihren Zukunftsplänen, ist Claudia Hoffarth sich sicher: „Die größte Herausforderung in den nächsten Jahren wird das Wetter sein“. Und ihr Mann ergänzt: „Zu jedem Hektar Acker gehört ein Hektar Himmel. Wir müssen mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie. Die Natur zeigt uns die Grenzen auf, sie braucht uns nicht, wir brauchen sie. Unsere Mitarbeiter wohnen im Boden und in den Hecken. Daher setzen wir auch zahlreiche Maßnahmen zum Natur- und Landschaftsschutz um, machen Lerchenfenster auf unserem Acker (Freiflächen in landwirtschaftlicher Nutzfläche, auf denen Feldlerchen Lande- und Brutplätze sowie Futter findet Anm. der Red.) oder pflanzen Blühstreifen für die Biodiversität.“ Mit all dem haben sie eine echte Vorbildfunktion als Bio-Vollerwerbsbetrieb. 

Anfangs bei der Umstellung auf Bio von vielen kritisch beäugt, mussten andere Bauern inzwischen eingestehen „es funktioniert ja wirklich, auch in dieser Betriebsgröße“. Selbst bei der Hitze im letzten Jahr war das Getreide der Hoffarths noch grün und brauchte viel weniger Wasser, da die Wurzeln im Humusboden viel tiefer waren. Daher fahren sie zum Austausch auf andere Ökobetriebe, denn „Fehler, die andere gemacht haben, muss man nicht mehr machen“, sagt Dieter Hoffarth. 

Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau

Preisträger 2019

Seit dem Jahr 2001 ehrt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Preis Betriebe, die mit wegweisenden Konzepten besonders erfolgreich ökologisch wirtschaften. Die diesjährige Jury kürte alle drei Preisträger in der Kategorie Gesamtbetriebliches Konzept. Neben dem Naturland-Hof Eselsmühle wurde das Obstparadies Martin Geng zusammen mit der Obstmanufaktur Johannes Geng in Staufen und der Bioland-Hof Pfänder GbR in Schwabmünchen ausgezeichnet: Das Obstparadies für seine vorbildliche Erhaltung und Verbreitung einer großen Sortenvielfalt beim Obstanbau mit gezielter Förderung alter und ausgefallener Sorten, der Pfänder-Hof von Johannes und Florian Pfänder für sein
hofeigenes Kompostierungs- und Düngekonzept in einem weitgehend geschlossenen Betriebskreislauf.
www.hof-eselsmuehle.de, www.obstparadies-staufen.de, www.pfaender-hof.de, www.oekolandbau.de

 

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