Nachhaltige Banken: Konto fürs Gewissen - Schrot und Korn

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Nachhaltige Banken: Konto fürs Gewissen

© Lucas Knappe/EyeEm/gettyimages
In Deutschland sind fünf nachhaltige Banken aktiv.

FINANZEN Nachhaltige Banken versprechen strengere ethische, soziale und ökologische Kriterien einzuhalten als die konventionelle Konkurrenz. Jochen Bettzieche

Ein denkwürdiges Jubiläum: Genau zehn Jahre ist es her. Am 15. September 2008 beantragte die US-amerikanische Investmentbank Lehman-Brothers die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Es folgte eine Finanzkrise. Weltweit wurden Banken gerettet, zerschlagen, verstaatlicht, umstrukturiert. Zahlreiche Großinvestoren und Kleinanleger verloren viel Geld. Aber nicht alle.

Zu den Profiteuren der Finanzkrise gehören unter anderem nachhaltige Banken. Diese versprechen, mit dem Geld ihrer Kunden ethisch, sozial und ökologisch verantwortungsbewusst umzugehen – und verzeichneten in Folge der Krise regen Zulauf. Auch heute noch gilt: Wem wirklich wichtig ist, was mit seinem Geld geschieht, der kommt um diese Anbieter kaum herum. Das fängt schon beim Girokonto an.

In Deutschland sind fünf nachhaltige Banken aktiv: die Ethikbank, die Evenord-Bank, die GLS Bank, Triodos und die Umweltbank. Die Umweltbank bietet allerdings bislang kein Girokonto an, denkt aber laut Vorstand Jürgen Koppmann darüber nach, eins einzuführen. Bis es so weit ist, bleiben interessierten Kunden die übrigen vier Institute. Diese unterscheiden sich in ihren Ansätzen. Hier hilft ein Blick in die Details, die sie auf ihren Internetseiten veröffentlichen. Welche Bank am besten zu den eigenen Idealen passt, muss jeder für sich selbst herausfinden. Denn Banken arbeiten mit dem Geld ihrer Kunden. Beispielsweise vergeben sie Darlehen. Das kann an einen Hausbauer sein oder einen Bio-Bauernhof, aber auch den Betreiber eines Kohlekraftwerks. Und da beginnt das Problem. Denn nicht jeder will solche Aktivitäten unterstützen.

Nachhaltige Banken versprechen, kritische Bereiche, Geschäftsfelder und Branchen auszuschließen, sowohl als Kunden als auch bei ihren Investitionen. So gab die GLS Bank beispielsweise der Münsteraner Vollkornbäckerei Cibaria einen Kredit. Deren Mitgründerin Rike Kappler freute sich, dass der Banker nicht über höhere Personalkosten als bei einer konventionellen Bäckerei irritiert war. Die Triodos-Bank finanzierte unter anderem mehrere Windparks. Die Filmemacher von „Mascha Film“ bekamen Geld von der Ethikbank. Die Bio-Markt-Kette Vollcorner gehört ebenso zu den GLS-Kreditnehmern wie die Molkerei Söbbeke, der Waschmittelhersteller Sonett, Alnatura und Wala. Der Deutsche Alpenverein erhielt Geld für die Sanierung der Prager Hütte, Waldorfkindergärten, Theaterprojekte und vieles mehr bekommen hier finanzielle Unterstützung. Oft sind es Projekte, für die Mitarbeiter in den Kreditabteilungen konventioneller Banken nur ein müdes Lächeln übrig haben. Nicht, weil sie einen ökologischen oder ethischen Anspruch haben, sondern weil sie zu klein sind oder nicht genügend Sicherheiten bieten.

Wer aber gewohnt ist, mehrmals pro Woche eine Bankfiliale aufzusuchen, wird von den nachhaltigen Banken enttäuscht sein. Die Ethikbank, eine Tochter der Volksbank Eisenberg, und Triodos sind reine Online-Banken. Evenord hat eine Filiale in Nürnberg. Die GLS hat sieben Filialen in Großstädten wie München und Frankfurt.

Für ihre Dienstleistungen erheben die Banken Gebühren. Noch vor zehn Jahren galten nachhaltige Banken als teuer. Angesichts der Niedrigzinsphase verlangen jedoch auch zahlreiche herkömmliche Institute mittlerweile einiges an Geld für ihre Arbeit. Schnäppchen sind alle vier Banken dennoch nicht (siehe Tabelle). Unter Umständen bieten sie weitere, günstigere Girokonten für spezielle Zielgruppen wie junge Menschen an.


p.M.: pro Monat; p.a.: pro Jahr

  1. Wird der Dispo überschritten, werden unter Umständen höhere Zinsen fällig.
  2. bis max. 10 000 Euro, darüber 7,31%
  3. je nach gewünschter Karte
  4. inklusive GLS-Beitrag von 60 Euro pro Jahr, den alle Kunden zahlen, unabhängig von der Zahl der in Anspruch genommenen Leistungen
  5. kostenfrei ab einem Umsatz von 4 000 Euro pro Jahr
    Quelle: Unternehmensangaben Stand: Juni 2018

Nachhaltigste Bank

Eine Ausnahme in der deutschen Bankenwelt ist die GLS Bank: Sie erhebt keine Zinsen, wenn Kunden ihr Konto bis zum Dispolimit überziehen. Im Gegenzug sind die Grundgebühren fast doppelt so hoch wie beispielsweise bei Triodos. Auch wem es um die Nachhaltigkeitskriterien geht, der fährt mit der GLS Bank gut. Das ergibt eine Studie der Nichtregierungsorganisation (NGO) Facing Finance. Spitzenreiter in Sachen Nachhaltigkeit ist demnach die GLS Bank, gefolgt von der Ethikbank und Triodos. Die Evenord-Bank ist nicht untersucht worden.

Bei Triodos kritisiert Facing Finance unter anderem, die Bank halte ihre eigenen Richtlinien nicht ein. Dabei bezieht sich die NGO auf Investitionen in den Textilkonzern Inditex und den Telekommunikationskonzern Verizon. „Wir begleiten beide Unternehmen im Rahmen unseres Engagement-Prozesses bereits seit Jahren sehr eng und nehmen solche Vorwürfe ernst und sprechen sie an“, erklärt Triodos-Sprecher Florian Koss.

Sogar bei der GLS Bank zeigt sich, wie schwierig Investitionsentscheidungen sind. Die Bank hat sich an der Finanzierung von 500 Streetscootern, elektrisch motorisierten Nutzfahrzeugen, beteiligt. Klingt ökologisch. Ein Partner des Geschäfts ist jedoch die Leasinggruppe Comco, die unter anderem wenig ökologische Flugzeuge und Yachten zu ihren Geschäftsfeldern zählt. „Grundsätzlich: Wir fördern alternative Mobilitätskonzepte. Dass Comco sich wohl in die richtige Richtung entwickelt, wollten wir in diesem Falle gerne unterstützen“, erläutert GLS-Sprecher Christof Lützel.

Häufig wird beschworen, Kunden könnten durch den Wechsel zu einer nachhaltigen Bank einen gesellschaftlichen und ökologischen Wandel herbeiführen und ethische, soziale und ökologische Kriterien in der Wirtschaft fördern sowie umstrittene Geschäftsfelder langfristig abschaffen. Dazu ist der Sektor aber bislang noch zu klein, sagt Monika Pietsch-Hadré, Expertin für nachhaltige Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale Bremen: „So lange es andere Banken und Geldgeber gibt, denen das Schnuppe ist, wird sich nicht viel daran ändern.“ Für das eigene Gewissen mag der Wechsel aber gut sein. Und im Kleinen zeigt er durchaus Wirkung. Das belegen die zahlreichen Projekte, die ohne eine nachhaltige Bank keinen Kredit erhalten hätten. Für einen großen Wandel müssten allerdings noch ein paar Millionen Kunden den konventionellen Banken den Rücken kehren.

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Erschienen in Ausgabe 10/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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incl. 'http://'

Ich suche schon seit einigen Jahren nach einer nachhaltigen Bank, weil mir dies sehr wichtig ist. Jedoch bieten sie alle schlechtere Konditionen an. Was ich nicht verstehen kann. Solange dies so ist, wird es schwierig, die große Masse zu bewegen, umzusteigen. Warum lockt man die Menschen nicht eher mit guten Angeboten?