Kolumne: Kaffeebecher zum Wegrennen - Schrot und Korn

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Kolumne: Kaffeebecher zum Wegrennen

Fred Grimm (© Rebecca Hoppe)
Fred Grimm schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(© Rebecca Hoppe)

Meinen ersten – und wohl auch letzten – „Coffee-to-go“ habe ich vor vielen Jahren frühmorgens an einem Bahnhof getrunken. Ehrlich gesagt hatte ich „Togo“ verstanden, als mich die Kaffeezubereiterin freundlich fragte, ob ich mein Heißgetränk „to go“ zu mir nehmen wolle. Kaffee aus Togo? Klar, warum nicht? Bis mir die Dame einen Wegwerfbecher samt Plastikdeckel in die Hand drückte. „To go“ also. Ich blieb trotzdem noch ein bisschen. Nach dem ersten Schluck wusste ich, dass man „to go“ vielleicht besser mit „zum Wegrennen“ übersetzen sollte. Jedenfalls schmeckte der „Kaffee“ so wie das Wischwasser aussah, das die Reinigungskraft gerade über den Boden in dem Stehcafé schüttete. Aber egal. Ich hielt den Kaffeebecher samt Schnulliaufsatz weiter in der Hand und fragte mich, ob es wirklich mal viele Menschen geben würde, die ihren Kaffee lieber im Vorbeihasten trinken würden statt im Sitzen.

Der Einwegbecher steht exemplarisch für den Müllwahnsinn

Viele Milliarden Wegwerfbecher später muss ich mir meinen Irrtum eingestehen. Ja, wollen sie. Für mich ist Kaffee zwar eher mit Pause und Genuss verbunden. Wer keine Zeit hat, seinen sorgfältig zubereiteten Cappuccino auch in Ruhe zu trinken, sollte es vielleicht lieber ganz lassen, denke ich manchmal. Aber 320 000 Einwegbecher, die stündlich in deutschen Mülleimern landen, sprechen für eine weit verbreitete Sehnsucht, seinen Kaffee lieber im Gedränge zu nuckeln statt ihn versonnen zu genießen. Für Umweltbewusste ist der urbane Mensch mit dem Wegwerf-Kaffeebecher in der Hand ein wandelndes Symbol ökologischer Ignoranz. Der Einwegbecher „steht exemplarisch für den Müllwahnsinn in Deutschland“, wütete unlängst Anton Hofreiter, der Fraktionschef der Grünen, und forderte die Einführung eines Pfandsystems. Andere mahnen die „Coffee-to-go“-Trinker, sich endlich Kaffeebecher zum Mitnehmen zuzulegen. Einige Coffeeshops locken bereits mit Rabatten für jene, die ihre Becher selber mitbringen.

Tatsächlich steht der Kampf gegen einen jährlichen Müllberg aus 3,4 Milliarden Bechern für ein grundsätzliches Problem. Allerdings frage ich mich eher, warum wir Einwegbecher aus einem komplexen, nicht recyclingfähigen Papp-Plastikgemisch überhaupt erst verteilen lassen. Denn natürlich sind Wegwerfbecher in einem brutal-gedankenlosen Sinne „praktisch“. Wir machen es den Menschen leicht und schwer zugleich, wenn wir ihnen verantwortungslose Angebote machen und sie hinterher dafür kritisieren, dass sie diese wahrnehmen. Kurz gesagt: So lange es keine komplett wiederverwertbaren Becher gibt, aus denen wir unseren Kaffee trinken können, sollten wir sie ganz verbannen. Dann muss sich eine Industrie, die auf Ideen wie die Nespressokapsel gekommen ist, eben mal etwas wirklich Gutes einfallen lassen. Wer Müll in die Welt bringt, sollte sich gefälligst auch drum kümmern müssen, dass wir ihn sauber wieder loswerden. 

Erschienen in Ausgabe 08/2019
Rubrik: Leben&Umwelt

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Karla Hardt

Mit Interesse habe ich eben die Kolumne über Kaffeebecher gelesen. Ich selber arbeite in einem Tankshop und erlebe diesen Schwachsinn täglich. Sogar Kunden, die sich an den Tisch setzen, benutzen die anstatt auf unsere Porzellantassen zurück zu greifen. Aber : für die Benutzung Kundeneigener Becher haben wir vom Gesundheitsamt verhaltensmaßregeln bekommen. Demnach müssen wir alle mitgebrachten Becher auf Ihren hygienischen Zustand prüfen, was praktisch unmöglich ist. Selbst mitgebrachte Stoffbeutel dürfen nicht über die Theke genommen werden. Die Backwaren kommen also in die Tüte, der Kunde füllt sie um und die Tüte wandert dann in den Müll, da schon benutzt. Das nenne ich behördlich verordneten Schwachsinn!!!

Willst du mit mir gehen?Nein!
Besser bechern.
Ich habe noch keinen einzigen Coffee to go gekauft. Der Trend ist eine Umweltsünde.