Kolumne: Digitaler Blümchensex - Schrot und Korn

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Kolumne: Digitaler Blümchensex

Fred Grimm (© Rebecca Hoppe)
Fred Grimm schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(© Rebecca Hoppe)

Bienen, Sie erinnern sich? Diese kleinen eifrigen buntbraunen Flügeltiere, die den Großteil unserer Pflanzenarten bestäuben? Ohne die unsere Supermärkte halb leer wären und die Wochenmärkte beinahe ganz? Keine Angst, hier kommt jetzt kein aufwühlender Text über das traurige und absolut vermeidbare Sterben der Apis mellifera, wie die Honigbiene in Fachkreisen genannt wird. Hier kommt die Rettung.

Das Papier trägt die Nummer US2018/0065749 A1, umfasst 16 Seiten und das Datum, der 8. März 2018, wird einer jener Tage sein, an den zukünftige Generationen zurückdenken, wenn sie sich fragen, wann die Menschheit anfing, so richtig durchzudrehen. Mit dem Papier beantragt die amerikanische Wal-Mart Inc., der größte Handelskonzern der Erde, ein Patent auf „System und Methode zur Bestäubung von Pflanzen mit Hilfe von unbemannten Fluggeräten“, kurz: Robo-Bees. Vier Zeichnungen illustrieren, wie die Roboter-Biene der Zukunft ihren internetgesteuerten Weg von Blüte zu Blüte finden soll. Winzige Drohnen könnten dann zu Tausenden durch die Luft sausen und den Job ihrer ausgerotteten analogen Vorbilder übernehmen. Natur 2.0. Soll ja niemand sagen, man würde nichts gegen das Bienensterben tun.

Robo-Bees –
die Antwort aufs
Bienensterben

Den Wal-Mart-Konzern müssen Sie sich vorstellen wie eine gigantische Supermarktsupermacht. Hoch zehn. Der Jahresumsatz von 486 Milliarden Dollar liegt noch mal um 80 Milliarden über unserem Bundeshaushalt. Für die Multimilliardäre im Vorstand schuften 2,3 Millionen, meist lausig bezahlte Mitarbeiter in fast 12 000 Filialen auf der ganzen Welt. Seit einigen Jahren bemerken die Trendforscher des Hauses, dass auch Amerikaner gern mehr Frisches essen würden. Da wäre es natürlich zu schön, wenn die Obst- und Gemüseernten nicht unter den Folgen der industrialisierten Landwirtschaft mit ihrem rücksichtslosen Tier- und Pflanzengifteinsatz leiden müssten.

Rein pragmatisch betrachtet, ist die Idee mit den Robo-Bees absolut schlüssig. Was kaputt geht, ersetzt man am besten durch etwas zuverlässiges Neues. Und so ein Patent stellt sicher, dass man am digitalen Blümchensex der Zukunft womöglich sogar noch kräftig verdient. Aber ganz zu Ende gedacht scheint mir die Initiative nicht zu sein.

Für Waschbären, Spitzmäuse oder Spechte war die Honigbiene bislang fester Bestandteil des Speiseplans. Ich bezweifele, dass Robo-Bees den Tieren genauso gut munden werden. Damit am Ende alles wieder aufgeht, würde ich an Stelle von Wal-Mart rasch auch über Patente für Robo-Bären, Robo-Mäuse, Robo-Spechte und dergleichen nachdenken. Und darüber, ob man die Natur nicht besser gleich ganz ins Großraumlabor verlegen sollte. Was dann draußen noch wächst,
betoniert man einfach zu und baut was Hübsches drauf. Einen Supermarkt von Wal-Mart zum Beispiel ... 

 

Erschienen in Ausgabe 05/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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