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Kolumne: Die Zukunft ist nichts für Schweiger

Fred Grimm (© Rebecca Hoppe)
Fred Grimm schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(© Rebecca Hoppe)

Ich weiß nicht, ob sie Ale- xa schon kennen. Alexa heißt die Stimme zu Amazons Spracherkennungssoftware. Sie gehört zum Kosmos von „Amazon Home“, einem Gerät, das aussieht wie ein niedlicher runder Zimmerlautsprecher. Alexa hört und verarbeitet Befehle („Bestell mir mal ein Taxi!“, „Bitte mach die Heizung an!“) oder Suchanfragen („Wann erscheint die nächste Schrot&Korn?“) und sie soll über „Amazon Home“ bald sämtliche Haushaltsgeräte auf Zuruf steuern können.

Die Konkurrenz von „Google Home“ funktioniert nach demselben Prinzip. Der „Apple Home Pod“ mit seinem Stimmprogramm Siri hängt ziemlich hinten dran. Er leistet im Haushalt derzeit noch so wenig wie ein normaler deutscher Mann. Neulich konnte man lesen, dass Alexa anfängt, ein Eigenleben zu führen. Ohne dass sich die Programmierer das erklären können, hören die Amazon Echo-Besitzer immer wieder mal, wie Alexa plötzlich drauflos lacht. Vor allem nachts ist das ziemlich gruselig.
In Austin, Texas, durfte man im März ein bisschen von der Zukunft kosten, die sich hinter solchen Sprachprogrammen verbirgt. „Make Google do it“ stand auf einer mit Luftballons geschmückten Südstaatenvilla, dem „Google Assistant Fun House“. Zwölf Räume sollten zeigen, wie wir bald wohnen werden, wenn es so kommt wie Amazon, Google und Co. sich das wünschen.

Im google Assistant
Fun House geht
keine Socke verloren

„You talk, the house listens.“ Aufs Wort gehorchen, unter anderem, die Sprinkleranlage für den Rasen vor dem Haus („Google let it rain!“), der Backofen, der Fernseher, eine Waschmaschine sowie ein paar rosafarbene Plastikflamingos, die eher schwerfällig auf- und niedergleiten, wenn man „Hey Google, make the flamingos dance“ sagt.
Auf einer Kommode im Schlafzimmer arbeitet ein Robotorarm an der Lösung des letzten großen Menschheitsrätsels. Auf das Kommando „OK Google, rearrange my sock drawer“ öffnet sich die Schublade einer Kommode und der Roboterarm sortiert die Socken nach Größe und Farbe. Anders als bei uns Analogen geht bei ihm keine Socke verloren. Es sei denn, man nimmt heimlich eine aus der Schublade. Dann rudert der Roboterarm ratlos durch die Luft und tut einem fast ein bisschen leid.
So wie der Mixer, den man mindestens drei Mal anschreien muss, ehe er sich in Bewegung setzt. Ein „On“-Knopf wäre schön, sagt eine junge Besucherin zum Entsetzen des „Google Home“-Teams, bevor der Mixer plötzlich doch noch losrattert.
Überhaupt ist es sehr laut im „Fun House“. Alles redet durcheinander, logisch, die Geräte müssen ja auf einen hören. Bei dem leicht dysfunktionalen Dauergemurmel fragt man sich, ob es eigentlich noch Menschen gibt, die zu Hause ihre „Ruhe“ haben wollen.
Bis heute hat Amazon übrigens nicht herausbekommen, warum ihre Alexa eigentlich so unvermittelt loslacht. Ich glaube, ich weiß wieso.

 

 

Erschienen in Ausgabe 06/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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