Ein Jahr Bioland und Lidl: Eine gute Sache ? - Schrot und Korn

Anzeige

Anzeige

Ein Jahr Bioland und Lidl: Eine gute Sache ?

Ja!

Bei den Molkereien sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: In den ersten neun Monaten konnten zusätzlich 120 Bioland-Milchbauern ihre Bioland-Milch über Lidl absetzen. Das ist eine Hausnummer, vor allem weil die Milch aus Deutschland kommt. Viele Supermärkte und Discounter führen auch Bio-Milchprodukte, zahlen aber weniger, weil sie oft aus dem Ausland kommt und nur EU-Bio ist. Wir Milchbauern von Bioland bekommen deutlich mehr für den Liter Milch. Die Kooperation mit Lidl gibt uns Sicherheit, weil die Preise stabil sind. Bekäme ich für meine Milcherträge fünf Cent weniger, würden mir im Jahr rund 20 000 Euro fehlen und ich könnte meinen Hof schließen.


Das bessere Bio im Discounter etablieren


Ziel der Kooperation ist, das bessere Bio, das mit Bioland-Siegel im Discounter zu etablieren. Das ist für Lidl keine einfache Aufgabe, denn die Konkurrenz zahlt weniger für EU-Bio-Milch. Trotzdem sind die Preise für Bioland-Bauern stabil geblieben, sogar im Sommer, wenn die Milchpreise immer eine kleine Delle bekommen. Lidl hat also Wort gehalten. Das ist ein enormer Vertrauensbeweis für die Erzeuger. Darüber hinaus erreichen wir durch diese Kooperation eine ganz neue Käuferschicht. Auf diese Weise beschleunigen wir den Umbau der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion hin zu mehr Bio ungemein. Ein gut geführter Bio-Laden braucht Supermärkte und Discounter wie Lidl, Edeka nicht zu fürchten. Die Bio-Läden sind das Original und ihre Kundschaft weiß das auch. 

Konrad Stöger ist Bioland-Bauer aus Überzeugung. Auf seinem Hof im Allgäu leben rund 60 Milchkühe. 

 

Nein!

Ich sehe diese Kooperation von Anfang an skeptisch. Das hat keine ideologischen Gründe, sondern ganz praktische. Das Bedürfnis der Bauern, neue Partner und Märkte zu suchen, ist nachvollziehbar. Lidl sucht nach neuen Marktmöglichkeiten und handelt nicht aus ökologischen Motiven, sondern aus rein monetären Interessen. Im Augenblick ist Bio das Thema der Stunde und man kann gute Geschäfte damit machen. Das zeigt nicht zuletzt der Schwenk, den der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock vollzogen hat.


Ob Lidl es mit bio ernst meint, zeigt sich in Krisenzeiten


Das Unternehmen, für das auch CDU-Politiker Friedrich Merz tätig ist, empfiehlt seinen Kunden, in nachhaltige Produkte zu investieren. Die Klimarisiken für Anleger seien nicht von der Hand zu weisen. Es geht also schlicht ums Geld. Ob es der Handelskonzern ernst meint mit Bio, wird sich erst in Krisenzeiten zeigen. Wer garantiert denn, dass Lidl nicht irgendwann eine eigene Bio-Reihe auf den Markt bringt zu deutlich günstigeren Preisen? Bioland hätte dann keinen Hebel mehr. Der Streit zwischen dm und Alnatura hat ja gezeigt, wie schnell Kooperationen zerbrechen. Wir von der Bio-Bäckerei Kaiser verfolgen da einen anderen Ansatz. Wir kooperieren ganz eng mit unseren Getreidebauern und beteiligen sie sogar an unseren Überschüssen. Wenn Lidl mein Vertrauen gewinnen will, dann wäre das ein Weg: faire Preise auch in Krisenzeiten sowie eine Gewinnbeteiligung für die Bioland-Bauern. Bis dahin bleibe ich skeptisch.

Volker Schmidt-Sköries ist Bio-Pionier und mit seiner Bio-Bäckerei Kaiser seit langem Mitglied beim Anbauverband Bioland.

 

© PR-Material

Erschienen in Ausgabe 03/2020
Rubrik: Leben&Umwelt

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'
Elke Kruse

Ich finde es gut, dass es in den Supermärkten Bio-Produkte gibt, und nun zum Teil auch in unverpackter Form. Vor ca. 20 Jahren waren Obst und Gemüse unverpackt und die Kunden mussten diese selbst abwiegen.