„Das macht einen Unterschied“ - Schrot und Korn

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„Das macht einen Unterschied“

© Öko statt Ego; Caro Hoene
Hinter „Öko statt Ego“ stehen Bio-Läden, -Supermärkte, -Hersteller, -Großhändler und der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). www.oekostattego.de © Öko statt Ego; Caro Hoene

 

INTERVIEW (Langversion) Viele Bio-Läden werben mit dem Motto „Öko statt Ego“. Kathrin Jäckel, BNN-Geschäftsführerin, erklärt, was es damit auf sich hat.

Seit kurzem kann man in Bio-Läden den Slogan „Öko statt Ego“ entdecken. Was hat es damit auf sich?

Bio ist ja heute fast überall, Bio ist Trend. Das vermeintliche Trendthema ist aber schon viel älter und es hat seine Wurzeln nicht in den Supermärkten und Discountern, die groß damit werben. Es kommt von den Herstellern von Bio-Lebensmitteln und ökologischen Waren und aus den Bio-Läden, Hofläden, Bio-Bäckereien, Bio-Supermärkten und den Bio-Großhändlern, die sie beliefern. Diese Unternehmen haben sich zusammengetan, um gemeinsam Verbraucherinnen und Verbrauchern für nachhaltiges Einkaufen zu begeistern. Daraus ist die Kampagne „Öko statt Ego“ entstanden.

Für was steht „Öko statt Ego“?

Es macht nicht nur einen Unterschied, was man einkauft, sondern auch wo man es tut. In den Bio-Läden ist das ganze Sortiment 100 Prozent bio – nicht nur ein kleiner, werbewirksamer Teil. Hier setzt man sich vom Acker bis zum Teller für ökologischen Landbau, respektvolle Handelsbeziehungen und den Klimaschutz ein – eben voll öko. Wir glauben, dass es viele kleine – und gerne auch große – Schritte von vielen Menschen braucht, damit sich endlich etwas bewegt. Der griechische Wort-Ursprung ‚oikos‘ beschreibt die Wechselwirkungen von natürlichen Organismen und ihrer Umwelt. In diesem Sinne steht „Öko statt Ego“ dafür den Blick zu heben auf die Gemeinsamkeiten und das große Ziel einer intakten Lebenswelt.

Was bietet Kampagne?

Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, dass jeder Einzelne etwas für den Klimaschutz tun kann. Der Konsum von Lebensmitteln ist ein wesentlicher Teil davon, wenn zum Beispiel 25 bis 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Massentierhaltung kommen oder die konventionelle Landwirtschaft hauptsächlicher Verursacher der Nitratbelastung des Grundwassers ist. Wer Bio einkauft, unterstützt ökologische Landwirtschaft ohne Gentechnik und chemische Pestizide und mit artgerechter Tierhaltung. Darüber wollen wir informieren und praktische Tipps für mehr Nachhaltigkeit beim Einkauf geben. Zusätzlich erzählen wir davon, wie sich die Öko-Unternehmen jeden Tag für Klimaschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit einsetzen.

Warum ist eine Kampagne für den Einkauf im Bioladen nötig?

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher glauben, dass es bereits reicht, Bio zu kaufen – egal wo. Und das ist auch schon ein guter erster Schritt! Was viele nicht wissen: In einem Laden oder Supermarkt stehen je nach Größe mehrere Hundert bis Tausende verschiedene Produkte. Da macht es einen Unterschied, ob das ganze Sortiment bio ist, oder nur ein paar Prozent davon. Denn dahinter stehen ja Beziehungen zu Lieferanten, Produktionsbedingungen und die Erzeugung von Rohstoffen. Die Deutschen haben 2018 rund 159,3 Milliarden Euro für Lebensmittel ausgegeben, davon entfallen aber nur 10,91 Milliarden Euro auf Bio-Lebensmittel. Und nur 3,46 Milliarden werden in Bio-Läden und Bio-Supermärkten umgesetzt  – also dort, wo Bio konsequent und nachhaltig umgesetzt wird. Man kann hier zum Beispiel besonders verpackungsarm einkaufen und sich von Menschen beraten lassen, die von ihrer Arbeit überzeugt sind.

Es ist schon mutig, mit dem Wort „öko“ zu arbeiten. Nicht wenige verbinden damit Latzhose und Schrumpelmöhre.

Mutig waren die Ökos immer schon. Die Ursprünge der heutigen Naturkostbranche liegen in den 70er und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals sind die Menschen angetreten, teils unter dem Eindruck von Ereignissen wie Tschernobyl, wieder natürliche und gesunde Lebensmittel anzubauen und zu verkaufen. Viele dieser Pioniere kennen den Spott über die „Latzhosenträger“ noch persönlich. Trotzdem haben sie unbeirrt weitergemacht und sich für Umwelt, Klima und Gesundheit stark gemacht. Die aktuellen Entwicklungen, vom immer stärker spürbaren Klimawandel bis hin zu Bewegungen wie Fridays for Future geben ihnen Recht. Insofern ist „öko“ einerseits ein Bekenntnis zu den Wurzeln – und andererseits hoch aktuell. Nicht zuletzt, weil es weit über „bio“ hinausreicht.

Wer darf bei der Kampagne „Öko statt Ego“ mitmachen?

Mitmachen kann jedes Unternehmen, das zum Naturkostfachhandel gehört, vom Bio-Laden über Hofläden, Bio-Bäckereien, Bio-Supermärkte, Bio-Lieferdienste bis hin zu Unternehmen, die Bio-Lebensmittel und Naturwaren herstellen oder als Großhandel Läden beliefern. Bei den Läden ist Voraussetzung, dass sie mindestens 95 Prozent Bio im Sortiment haben. Hersteller müssen unter anderem mit mindestens einem Produkt im Fachhandel vertreten sein.

Lidl, Aldi & Co. sind also ausgeschlossen…

Wie gesagt, es geht uns einerseits darum, über das besondere Engagement der Unternehmen im Fachhandel zu informieren, die sich schon lange und konsequent für ökologisch-nachhaltige Bio-Lebensmittel und Waren einsetzen. Und wir wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher dafür begeistern, ebenso nachhaltig dort einzukaufen, wo tatsächlich „Öko“ gelebt wird.

Warum kaufst du im Bio-Laden ein?

Ich liebe die großartige Qualität der Produkte. Und ich liebe es, zu wissen, wo sie herkommen und dass sie frei sind von Pestiziden, Gentechnik und künstlichen Zusätzen. Das ist mir auch für meine Kinder besonders wichtig. Außerdem kann ich im Bio-Laden viel Regionales bekommen und gezielt kleinere Unternehmen und Manufakturen unterstützen. Ich weiß einfach, was ich bekomme und wo es herkommt. Und wenn ich eine Frage habe, dann ist die Beratung an den Frischetheken und auch sonst immer was ganz Besonderes, weil auch die Menschen im Bio-Laden voll hinter dem stehen, was sie tun – und das macht einfach immer einen Unterschied.

 

 

Kathrin Jäckel ist Geschäftsführerin Kommunikation und Markt beim Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN).

Erschienen in Ausgabe 12/2019
Rubrik: Leben&Umwelt

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