Aus der Branche 03|2020 - Schrot und Korn

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Aus der Branche 03|2020

Branche © Nick Jaussi/www.wir-haben-es-satt.de; gettyimages/Floortje
© © Nick Jaussi/www.wir-haben-es-satt.de; gettyimages/Floortje

 

CO₂-Kompensation

Demo-Trecker fahren klimaneutral

Was wäre die Groß-Demonstration zur Grünen Woche in Berlin ohne die Traktoren, mit denen Bauern eindrucksvoll zeigen: „Wir haben Agrarindustrie satt“? Die Landwirte reisen aus ganz Deutschland mit ihren Treckern an, natürlich fahren diese mit Dieselmotoren und stoßen klimarelevante Emissionen aus. „Da Bauern die ersten sind, die vom Klimawandel betroffen sind, ist es uns wichtig, hier ganz konkret Verantwortung zu übernehmen“, sagt Saskia Richartz, Leiterin der Kampagne „Meine Landwirtschaft“, die die alljährliche Großdemo in Berlin organisiert. Die Lösung: Die Trecker-Emissionen werden durch das Klimaneutralitätsprojekt „Humusaufbau auf heimischen Bio-Höfen“ kompensiert. Das Projekt wurde von den Veranstaltern der Bio-Messen initiiert, das sind lokale Fachmessen in Ost-, West-, Nord- und Süddeutschland, die seit 2014 klimaneutral stattfinden. Zum Ausgleich der Emissionen, die durch den Betrieb der Messehallen, die Anreise der Aussteller und Besucher usw. entstehen, wird Humusaufbau auf ökologisch bewirtschafteten Höfen in Deutschland betrieben. In den vergangenen zwei Jahren konnten die beteiligten Bio-Höfe mehr CO2 binden, als die vier Fachmessen für die Bio-Branche insgesamt verursacht haben – ein Überschuss, der nun für die „Wir haben es satt“-Demo verwendet wurde.
www.wir-haben-es-satt.de
www.biomessen.info


Plastik vermeiden

Nachhaltige Verpackung

Sodasan hat eine nachhaltige Verpackung auf den Markt gebracht. Unter dem Motto „Nachfüllen statt vollmüllen“ bietet das Bio-Unternehmen 21 seiner Waschmittel, Flüssigseifen, Spülmittel und Reiniger in sogenannten Bag-in-Box-Verpackungen an. Diese von Wein und Obstsäften bekannte Verpackung besteht aus einem Karton, in dem ein Beutel mit dem Produkt ist, das man durch einen Hahn dosieren kann. Nach Gebrauch können Bag und Box getrennt recycelt werden. Laut Sodasan können Verbraucher – je nach Produkt – bis zu 92 Prozent Plastik einsparen. So bestehe etwa eine handelsübliche 1,5- Liter-Flasche für Flüssigwaschmittel aus rund 70 Gramm Plastik. Die 5-Liter-Bag in der Box enthält inklusive Zapfhahn nur 50 Gramm Plastik. Das ist auf den Liter gerechnet eine Plastikersparnis von knapp 80 Prozent, rechnet Sodasan vor.
www.sodasan.com


Kurz berichtet

+++ Die Elektrizitätswerke Schönau und Smart Green Accelerator haben zum ersten Mal die MakeItMatter- Awards an Start-ups verliehen. Den mit 30 000 Euro dotierten ersten Platz belegte das Freiburger Unternehmen Greenventory. +++ Vom 13. bis 15. März findet bei Yoga Vidya in Horn-Bad Meinberg der zehnte Kinderyoga-Kongress statt. Angeboten werden unter anderem verschiedene Workshops, Musterstunden und Vorträge, die sich an Yogalehrer und Kinder richten. Das Programm ist online auf www.yoga-vidya.de/seminare einzusehen. +++


Honig

Protestaktion

Glyphosat im Honig

Aus Protest gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung hat ein Imkerehepaar vier Tonnen Glyphosat-Honig vor dem Eingang des Landwirtschaftsministeriums in Berlin abgeladen. Sebastian und Camille Seusing aus Brandenburg hatten im vergangenen Mai die Verunreinigung ihres Honigs festgestellt: Der Grenzwert für Glyphosat in Lebensmitteln war um das 152-Fache überschritten. Offenbar hatte ein benachbarter Landwirt das Ackergift auf blühenden Löwenzahn gespritzt. Der Schaden beträgt 60 000 Euro und hat das Ehepaar in akute wirtschaftliche Existenznöte gebracht. Bei der Protestaktion vor dem Ministerium, zu der das „Bündnis zum Schutz der Bienen“ aufgerufen hatte, forderten mehrere Imker unter anderem ein Anwendungsverbot von Glyphosat in blühenden Pflanzenbeständen.


Verpackung

Neues Papier für Käse

Die Ökologischen Molkereien Allgäu (ÖMA) haben ein zweites nachhaltiges Käseeinpackpapier im Sortiment. Die neue Verpackung besteht aus zwei Lagen – Papier und Folie. Sie können nach dem Gebrauch getrennt im Altpapier beziehungsweise Kunststoffmüll entsorgt werden und entsprechend recycelt werden. Neu an dem Käseeinpackpapier ist die biobasierte Folie, die zu 96 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Bio-Zuckerrohr besteht. Bereits im Jahr 2018 hatte das Bio-Unternehmen das nachhaltige „BioPap-Käsepapier“ eingeführt, welches auf dem Rohstoff Zellulose basiert. Die Bio-Läden können nun wählen, welches nachhaltige Material sie zum Einpacken des Käses bevorzugen.
www.oema.de


Initiative

Bis 2030 Klimaneutral

Die Allos Hof-Manufaktur möchte bis 2030 klimaneutral wirtschaften. Bei der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid haben sich über 500 B-Corp-zertifizierte Unternehmen diesem gemeinsamen Ziel verpflichtet. B Corp ist eine globale Bewegung von Unternehmen, die sich das Ziel gesetzt haben, die Welt zum Positiven zu verändern. Sie wollen ein Wirtschaftssystem etablieren, das Nachhaltigkeit und Klimaschutz nicht als Wachstumshindernis, sondern als Motor begreift. Die Unternehmen müssen strenge Standards hinsichtlich Rohwaren, Lieferkette, gemeinnützigem Engagement, Mitarbeiterqualifikation und Produktqualität erfüllen. Allos unterstützt als Teil der Wessanen-Gruppe die Erklärung.
www.allos.de


Gesetzesänderung

Ökologischer Kassenbon

Die zum 1. Januar 2020 eingeführte Kassenbon-Pflicht, die Steuerhinterziehung im Einzelhandel vermeiden soll, macht auch vor Bio-Läden nicht halt. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hält die Regelung für eine unnötige Umweltbelastung. Jedoch hätten viele Mitglieder des BNN bereits vor der Gesetzesänderung auf den sogenannten Öko-Bon umgestellt. Dieser kommt ohne chemische Zusatzstoffe aus und besteht aus umweltfreundlich hergestelltem Papier aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Im Gegensatz zu konventionellen, Bisphenol-haltigen Bons darf er mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Zudem kann er im Altpapier statt im Restmüll entsorgt werden. Erkennen kann man ihn an seiner blau-gräulichen Oberfläche. 


Vorgestellt

„Ohne unsere Natur geht es nicht“

Wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Unternehmen zu gründen?

Die Idee zu Govinda entstand schon 1988 und kam dadurch, dass meine Mutter der Menschheit Zugang zu guten Lebensmitteln verschaffen wollte. Denn auf ihren Indienreisen hatte sie gelernt, dass Essen nicht nur für unseren Körper wichtig ist und auf ihn Auswirkungen hat, sondern auch auf unseren Geist und unsere Seele (Grundsatz im Ayurveda – Lehre vom Einklang von Körper, Geist und Seele).

Bitte ergänzen Sie: „Bio ist für uns …“

... ein viel- und nichtssagender Begriff. Denn heutzutage steht auf sehr vielen Lebensmitteln bio, die aber unserer Ansicht nach nichts mit dem ursprünglichen Gedanken von bio zu tun haben. Bio ist für uns eine Grundvoraussetzung, aber noch lange nicht genug. Bei unserer Rohstoffauswahl achten wir auf höchste Qualität, gerechte Entlohnung und faire Arbeitsbedingungen der Menschen und auf eine schonende und sorgsame Verarbeitung. Wir erhitzen unsere Produkte nur, wenn es unabdingbar ist. Wir verarbeiten sie nur so oft und weit, wie es wirklich sein muss und bewahren daher möglichst viel von dem Leben in unseren Lebensmitteln.

Was hat Sie in letzter Zeit besonders geärgert oder gefreut?

Besonders gefreut hat uns das ansteigende Bewusstsein der Menschen. Mehr und mehr wird jedem klar, dass wir nicht ohne unsere Natur und Erde existieren können.

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

Wir wollen dort stehen, wo wir hingetrieben werden. Konkrete Pläne gibt es somit nicht, wir lassen uns von der Govinda-Welle treiben.

Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade Ihre Firma leiten?

Wir lieben es, die Hände in der Erde zu haben, umzugraben, Samen in die Erde zu setzen, im Garten und in der Natur uns richtig zu „erden“.

Jasmin MaiwaldJasmin Maiwald

... teilt die Leidenschaft ihrer Mutter für ganzheitliche Lebensmittel. Ihre Mutter Doris Maiwald hat Govinda gegründet.

 

 

 

 

 

 

„Wir wollen zeigen: Wem gehört Bio“

armin steuernagel ... arbeitet zusammen mit seiner Kollegin Stephanie Baab an der Webseite „Wem gehört Bio“. Er ist Mitgründer der Purpose Stiftung und von Purpose Evergreen Capital – beides Initiativen, die sich für Verantwortungs­eigentum einsetzen.

© Stephan Muennich

Interview: Eine Webseite möchte aufklären, wer hinter den Marken im Bio-Laden steht. Die Idee hatte Armin Steuernagel. Miriam Drescher

Was ist „Wem gehört Bio“?

„Wem gehört Bio“ ist eine Webseite, wo jeder nachschauen kann, wem ein Unternehmen, das biologische Lebensmittel oder Naturkosmetik produziert, gehört. Also, ob es in Familienhand oder Teil einer Genossenschaft ist, ob es in Verantwortungseigentum ist – sprich sich selbst gehört – oder ob es einem anderen Unternehmen gehört und wenn ja, welchem.

Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Bio war für mich immer mit der Vorstellung verbunden: Das sind kleine, idealistische Betriebe, die die Welt verändern wollen. In letzter Zeit gab es aber immer mal wieder Meldungen, dass Bio-Unternehmen von Konzernen aufgekauft wurden. Da stellt man als Bio-Kunde überrascht fest: Okay, diese Firma gehört jetzt „der alten Konzernwelt“, die dazu beiträgt oder zumindest nichts dagegen macht, dass wir in der gegenwärtigen Klimakatastrophe an diesem Punkt stehen. Hier wollen viele Kunden und Ladner Transparenz und Aufklärung. Deswegen wollen wir helfen zu zeigen, wem gehört Bio.

Wie genau funktioniert das?

Wir fragen über Firmendatenbanken und das Handelsregister regelmäßig die sogenannten Gesellschafterlisten ab, lesen die Daten ein und sortieren sie in Eigentumskategorien.

Was sind die bisherigen Erkenntnisse?

Grundsätzlich kann man sagen, dass es in der Bio-Branche eine überproportionale Dichte an pionierhaftem Umgang mit Eigentum, dem Unternehmen und mit Nachfolge gibt. Da gibt es viele Beispiele von Unternehmern, die neue Wege gehen, weil sie wollen, dass die Werte des Unternehmens Bestand haben, es unabhängig und selbstständig bleibt. Und das ist das Schöne an unserer Transparenzinitiative mit „Wem gehört Bio“, dass wir zeigen, wo Bio vorangegangen ist.

Welche Unternehmen werden ausgewertet?

Für den Start haben wir 30 ausgewählt, die aus unserer Sicht die unterschiedlichen Eigentümerstrukturen am besten abbilden. Wenn die komplette Finanzierung steht, werden wir aber alle auswerten, die man im gut sortierten Bio-Fachhandel kaufen kann.

Wie finanzieren Sie das Projekt?

Das Projekt braucht eine Anfangsfinanzierung von etwa 35 000 Euro. Wir haben Partner, die uns finanziell unterstützen, aber keinerlei redaktionelle Einflussnahme haben. Unter anderem ihr, der bio verlag, die GLS Bank, der Bio-Großhändler Bodan und das Unternehmen Sonett. Das deckt aber noch nicht komplett die Kosten, deswegen sind wir darauf angewiesen, dass uns auch Kunden und Ladner unterstützen.

Wie kann man das Projekt unterstützen?

Auf der Webseite www.wem-gehoert-bio.de gibt es ein Crowdfunding. Da kann man dann schon ab 1 Euro mithelfen, dass noch mehr Firmen und Unternehmen recherchiert werden können.

Und wem gehört „Wem gehört Bio“?

Zurzeit wird das Projekt von Stephanie Baab und mir von der gemeinnützigen Purpose-Stiftung mit ein paar Programmierern ehrenamtlich vorangetrieben. Wir reden gerade mit Partnern, die das Projekt langfristig übernehmen.

www.wem-gehoert-bio.de

Erschienen in Ausgabe 03/2020
Rubrik: Leben&Umwelt

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