In den Tank oder auf den Teller? - Schrot und Korn

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In den Tank oder auf den Teller?

Lang hieß es: Erdöl muss durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Agrosprit mache die Wirtschaft unabhängig und schone das Klima. Doch „nachwachsend“ ist nicht unbedingt „nachhaltig“. // Leo Frühschütz

AgrospritZur Klarstellung vorab: Die Vorsilbe „Bio“ in Biosprit, Biodiesel, Bioenergie oder Biogas hat nichts mit ökologischem Landbau zu tun. Sie macht das Produkt nicht umweltverträglicher oder nachhaltiger. Dieses „Bio“ weist nur darauf hin, dass die Energie aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen stammt.

Sie wachsen nach, anders als fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdgas, Erdöl und Uran. Die pflanzlichen Rohstoffe nehmen beim Wachsen Kohlendioxid aus der Luft auf. Werden sie später energetisch genutzt, setzen sie es wieder frei. Rein rechnerisch ein Nullsummenspiel, die Atmosphäre wird nicht durch zusätzliches CO2 angeheizt. Das ist scheinbar gut für den Klimaschutz – doch dazu später im Text.

Jatropha, die neue Ölpflanze

Für Hausbesitzer kann es sich rechnen, Heizung und Wärmedämmung auf den ökologisch neuesten Stand zu bringen. Dämmen bringt keine Zinsen, spart aber Brennstoffkosten. Ist der Öl- oder Gaskessel alt, lohnt sich das Umsteigen auf nachwachsendes Heizmaterial. Während der Heizölpreis seit Anfang 2009 kontinuierlich steigt, wurden Holzpellets nur wenig teurer. Trotzdem amortisiert sich der höhere Preis für eine Pelletheizung erst in acht bis zwölf Jahren. Bei Energiesparfenstern und Fassadendämmung braucht es rund 15 Jahre, bis die Kosten durch Einsparungen wettgemacht sind. Dafür gewinnt das Haus an Wert und ist fit für die Zukunft.

Biosprit in Form von Ethanol – das ist Alkohol – und Biodiesel gibt es schon seit längerer Zeit. Doch das Interesse der Autofahrer, auf einen anderen Treibstoff umzusteigen und das Interesse der Mineralölindustrie, die pflanzlichen Treibstoffe flächendeckend anzubieten, war gering. Um den Absatz von Biosprit anzukurbeln, beschloss die EU 2003 eine Richtlinie, nach der Diesel und Benzin etwas Biodiesel und Bioethanol beigemischt werden sollte. Seit 2009 schreibt eine Verordnung vor, dass die Mitgliedstaaten bis 2020 ein Zehntel ihres Energiebedarfs im Verkehrssektor aus erneuerbaren Quellen decken müssen. Der Diesel an deutschen Tankstellen enthält bis zu sieben Prozent Biodiesel. Dem Benzin waren bisher fünf Prozent Ethanol beigemischt.

„Es drohen Motorschäden“, warnte damals der Automobilclub ADAC. Ein Zehntel der deutschen Autos würde den neuen Kraftstoff E10 nicht vertragen. Bald beschränkte sich die vom ADAC angezettelte Diskussion nicht mehr darauf, was das Ethanol im E10 in Motoren anrichten kann. Immer stärker rückte in den Mittelpunkt, dass der Biosprit vor allem Mensch und Umwelt schadet. Neu ist das nicht.

Bereits 2007 gewarnt

Schon 2007 warnten Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vor Urwaldzerstörung, Landraub und Hunger. Inzwischen finden sie zunehmend Gehör. Doch noch ist der Run auf Energie vom Acker ungebrochen.

2010 haben die Deutschen rund 3,8 Millionen Tonnen Biosprit getankt. Das entspricht knapp sechs Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs. Zwei Drittel davon waren Biodiesel, ein Drittel Ethanol. Ein Zehntel der deutschen Ackerfläche war notwendig, um die Rohstoffe dafür zu gewinnen. Hinzu kommen noch Ackerflächen in anderen EU-Staaten, auf denen Getreide oder Zuckerrüben für die Ethanolherstellung wachsen. Zehn Prozent des Ethanols stammen laut Bundesumweltministerium aus brasilianischem Zuckerrohr. Biodiesel in Deutschland wird „derzeit zu über 95 Prozent aus Raps hergestellt“, sagt der Verband der Biokraftstoffindus-trie. Der Anteil kann sich je nach Marktlage ändern. In anderen EU-Ländern enthält Biodiesel bis zu 30 Prozent Palmöl oder Sojaöl, hat Greenpeace anhand von Analysen festgestellt.

Auf jedem sechsten Acker

Auf rund zwei Millionen Hektar Fläche haben Deutschlands Bauern im vergangenen Jahr Energiepflanzen angebaut, schätzt die Fach-agentur für nachwachsende Rohstoffe. Diese Fläche ist so groß wie das Bundesland Rheinland-Pfalz und entspricht einem Sechstel aller deutschen Äcker. Auf 910 000 Hektar wuchs Raps für Biodiesel, auf 250 000 Hektar bauten die Landwirte Pflanzen für die Ethanolherstellung an. 800 000 Hektar waren Maisfelder für Biogasanlagen.

Die Importe von Energiepflanzen würden drastisch zunehmen, wenn Deutschland und die anderen EU-Staaten tatsächlich ihren Biospritanteil bis 2020 auf zehn Prozent erhöhen würden. Das Institut für europäische Umweltpolitik hat errechnet, dass dafür bis zu 69 000 Quadratkilometer Fläche – so viel wie ganz Bayern – in Energieäcker umgewandelt werden müssten. In der EU oder in den Ländern des Südens.

Nicht nur in Europa setzt man auf Biosprit. Auch die USA, China oder Brasilien haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. In den USA werden bereits 40 Prozent der gesamten Maisernte zu Ethanol für Autos verarbeitet. Die Brasilianer verfahren bereits ebensoviel Ethanol wie Benzin. Das alles heizt die weltweite Nachfrage nach Biosprit an. Eine Studie der EU-Kommission geht davon aus, dass sich der weltweite Bedarf an Biodiesel und Ethanol von 2010 bis 2020 verdoppeln wird.

Die Folgen dieses Wachstums sind jetzt schon fatal: „Es werden immer mehr Flächen für den Anbau von Energiepflanzen verwendet, auf denen zuvor Nahrungsmittel produziert wurden“, sagt Evelyn Bahn vom entwicklungspolitischen Netzwerk Inkota. „Die Nachfrage nach Biosprit ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es zu Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln kommt. Arme Menschen in Entwicklungsländern, die bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, können sich nicht mehr genug zu essen kaufen.“

Preisverdopplung

Das bekannteste Beispiel dafür war der rasante Preisanstieg für Mais in Mexiko Anfang 2007. Ausgelöst durch die US-Nachfrage nach Ethanol-Mais hatten sich die Preise für das Grundnahrungsmittel in Mexiko verdoppelt. Es kam zu wiederholten Massenprotesten.

Agrosprit 2.0

Forscher arbeiten an neuen Biokraftstoffen, für die nicht unbedingt Lebensmittel als Rohstoff verwendet werden müssen. Doch es wird noch Jahre dauern, bis solche Treibstoffe in gro-ßem Stil produziert werden. Grundsätzlich bleibt das Problem bestehen, dass auch pflanzliche Abfälle nur begrenzt verfügbar sind. Teils entsteht auch eine Konkurrenzsituation, weil beispielsweise Abfallholz sowohl als Biosprit-Rohstoff als auch auch als Brennstoff energetisch verwertet werden kann.

Sprit aus Müll
Organische Abfälle wie Klärschlamm werden unter Sauerstoffabschluss vergast. Das Gas lässt sich durch chemische Verfahren in flüssige Treibstoffe umwandeln.

Fahren mit Holzabfällen
Die Zellulose in Stroh oder Holzabfällen kann mit Hilfe von Säuren und Enzymen in Alkohol umgewandelt werden. Forscher arbeiten an dafür geeigneten und bezahlbaren Verfahren.

Bioerdgas
Bio-„Erdgas“ wird aus der bakteriellen Vergärung von Abfällen (oder Mais) gewonnen und gereinigt, sodass es wie Erdgas zu 95 % aus Methan besteht. Man kann es ins Leitungsnetz einspeisen oder damit Erdgasautos betanken.

Noch ein Problem: „Häufig werden für den großflächigen Anbau der Energiepflanzen zuerst Kleinbauern von ihrem Land vertrieben“, erklärt Evelyn Bahn und verweist auf einen Bericht der Weltbank: Allein zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 wurden in Entwicklungs- und Schwellenländern Kauf- und Pachtverträge über 46,6 Millionen Hektar Land abgeschlossen oder angekündigt. Auf einem Drittel der Flächen sollen Spritpflanzen angebaut werden.

Über einen konkreten Fall berichtete im vergangenen Herbst die Organisation Rettet den Regenwald. Ein Joint Venture des Mineralölkonzerns Shell mit Cosan, dem größten Zuckerproduzenten Brasiliens, baut im Bundesstaat Mato Grosso do Sul die Zuckerrohrproduktion aus – auf dem angestammten Land der dort ansässigen Kaiowá-Guaraní. Die Indianer kämpfen seit Jahren darum, zumindest auf Teilen ihres einstigen Stammesgebietes leben zu können – und werden immer wieder von bewaffneten Banden vertrieben. Ähnliche Meldungen kommen zuhauf aus Indonesien und Malaysia, wo große Palmölkonzerne wie Wilmar und Sinar Mas die letzten Urwälder roden und die dort heimischen Menschen ihrer Lebensgrundlagen berauben, sie bedrohen und vertreiben.

Palmöl wird zum größten Teil als Lebensmittel genutzt. Etwa ein Viertel dient als Rohstoff für die chemische Industrie, wo es ebenfalls Erdöl ersetzt. Knapp fünf Prozent der weltweiten Palmölproduktion wurden 2010 zu Treibstoffen verarbeitet. Das entspricht etwa zwei Millionen Tonnen. Die EU schätzt, dass sich diese Menge bis 2020 verfünffachen wird. Um diese steigende Nachfrage zu erfüllen, werden sich weitere Palmölplantagen in den Urwald fressen: „E10-Kraftstoff und Biodiesel zählen zu den größten Gefahren für den Regenwald“, sagt David Vollrath von Rettet den Regenwald. Er weist auch darauf hin, dass Palmöl nicht nur zu Biodiesel verarbeitet sondern auch direkt verbrannt wird. In Deutschland stehen rund 1 400 Blockheizkraftwerke, die sowohl Strom als auch Wärme erzeugen. Die meisten von ihnen laufen mit Palmöl. Finanziert werden sie über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG).

Biosprit schadet Klima

Aber wenn es doch das Klima schützt! „Durch den Einsatz von E10 zum Beispiel können jährlich in Deutschland gegen-über fossilen Kraftstoffen Treibhausgase eingespart werden, die rund zwei bis drei Millionen Tonnen CO2 entsprechen“, schreibt das Bundesumweltministerium im Flyer „Gute Gründe für mehr Bio im Benzin“. Doch die Rechnung geht nicht auf. Denn Biosprit schadet dem Klima. Schuld daran sind dLUC und iLUC.

Die Kürzel stehen für direkte und indirekte Landnutzungsänderungen (land use change). Von dLUC spricht man, wenn für die steigende Nachfrage nach Biosprit andere Ökosysteme in landwirtschaftlich genutzte Fläche umgewandelt werden. Dabei setzten die Böden erhebliche Mengen an CO2 frei.

Am dramatischsten ist dieser Effekt, wenn für Palmölplantagen Urwälder auf Torfböden gerodet werden. Diese Torfböden speichern mehr CO2 als jedes andere Ökosystem. Durch die Rodung trocknen sie aus, zersetzen sich und geben das CO2 ab. Weil Indonesien einen großen Anteil derartiger Böden aufweist, ist das südostasiatische Land nach den USA und China jenes mit dem höchsten Ausstoß an Kohlendioxid.

Hinzu kommt die indirekte Landnutzungsänderung (iLUC), wenn bestehende Flächen, die etwa dem Futteranbau dienen, zu Felder für Energiepflanzen werden. Mögliche Folge: andernorts wird Urwald gerodet, um dort das fehlende Futter fürs Vieh gewinnen zu können. Seriöse Klimabilanzrechnungen von Biosprit berücksichtigen auch derartige iLUC-Faktoren – und machen sie tiefrot.

Mehr Energieäcker nötig

Das Institut für europäische Umweltpolitik hat nicht nur errechnet, dass für die Biospritpläne der EU bis 2020 bis zu 69 000 Quadratkilometer neue Energieäcker benötigt werden. Das Institut hat auch abgeschätzt, wie viel zusätzliches CO2 durch die damit verbundenen Landnutzungsänderungen freigesetzt wird und kam auf jährlich zwischen 27 und 56 Millionen Tonnen.

Klimabilanz schlechter

Rechnet man diese Mengen in die Klimabilanz ein, stellt sich heraus, dass – bezogen auf 2020 – die in der EU vermarkteten Biokraftstoffe 81 bis 167 Prozent schlechter für das Klima sein werden als fossile Kraftstoffe. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen haben deshalb die EU aufgefordert, ihre Biospritpläne auf Eis zu legen und die Beimischungsquoten zurückzunehmen. Von Deutschland verlangen sie, auf den E10-Kraftstoff zu verzichten. Da die Bundesregierung weiterhin an ihrem Biospritprogramm festhält, bleibt den Autofahrern nur, auf E10 zu verzichten. Auch wenn der alte Sprit, als E5 oder Super angeboten, oft zwei Cent teurer ist.

Energie aus Algen

Mikroalgen wie Chlorella produzieren schnell viel Biomasse. Daraus lässt sich Energie gewinnen. Forscher arbeiten daran, die Verfahren zu optimieren. Manche nutzen dabei gentechnisch veränderte Algen.

Indirekte Klimafolgen gibt es nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland. Das bundeseigene von-Thünen-Institut hat untersucht, wie sich die Förderung von Agrotreibstoffen auf die Landflächen auswirkt. Dabei er-gab sich, dass allein in vier betrachteten Bundesländern zwischen 2005 und 2007 mehr als 60 Quadratkilometer ehemalige Moorböden von Grünland in Ackerland umgewandelt wurden. In solchen Fällen werden durch den Umbau des Restmoorbodens jedes Jahr pro Hektar 30 bis 50 Tonnen CO2 freigesetzt, die in der Bilanz der später dort angebauten Energiepflanzen negativ zu Buche schlagen. Das betrifft nicht nur Raps für Biodiesel, sondern auch Mais für Biogasanlagen.

Biogas entsteht, wenn organische Stoffe unter Sauerstoffabschluss vergärt werden. Das Gas enthält vor allem Methan und wird verbrannt, um Strom und Wärme zu gewinnen. Biogasanlagen können Bioabfälle und Gülle verarbeiten. Doch meistens vergären sie Mais. Weil sie über das Erneuerbare Energiengesetz gefördert werden, sind Biogasanlagen wirtschaftlich interessant. Ihre Zahl hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, die Leistung verdreifacht. Ende 2011 produzierten rund 7 000 Biogasanlagen insgesamt drei Prozent des bundesweit verbrauchten Stroms, schätzt der Fachverband Biogas. Naturschützer hingegen kritisieren die „Vermaisung“ der Landschaft. Binnen weniger Jahre hat sich der Anbau von Energiemais verzehnfacht.

Die zunehmenden Monokulturen gefährden die Artenvielfalt. Die bis Mai unbedeckten Maisäcker sind erosionsanfällig. Überdüngung belastet das Grundwasser mit Nitrat. Maschineneinsatz, Düngung und Transport beim Maisanbau verursachen ein Minus in der Klimabilanz. Wächst der Mais auf früheren Moorböden, sackt die Bilanz gar ins Bodenlose ab.

Kritik trifft auch Bios

Diese Kritik trifft übrigens auch manche Bio-Bauern. Sie haben ebenfalls Großanlagen gebaut, die sie mit zugekauftem konventionellen Mais legal betreiben. Die Mehrzahl der rund 160 bis 180 Biogasanlagen auf Öko-Betrieben läuft jedoch mit Gülle und Kleegras, das im Zuge der Fruchtfolgen auf deren Ackerböden wächst. Naturland und Bioland, denen viele der Biogas-Biobauern angehören, versuchen mit Richtlinien zu steuern. Doch noch bis 2020 sollen Substrate aus konventioneller Landwirtschaft in Bio-Biogasanlagen erlaubt sein. Auch dürfen deren Gärreste als Dünger auf Bio-Äckern ausgebracht werden.

Das Beispiel zeigt, wie schwierig es selbst für engagierte Verbände ist, eine nachhaltige Bioenergienutzung in einem überschaubaren Bereich in die Praxis umzusetzen. Deshalb ist Skepsis angebracht, wenn Lobbyverbände und Politiker von einer nachhaltigen Bioenergienutzung reden, als sei diese längst Wirklichkeit. So hat die Bundesregierung eine Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe erlassen. Danach gelten Biokraftstoffe nur dann als nachhaltig hergestellt, wenn sie im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen mindestens 35 Prozent an Treibhausgasen einsparen. Auch dürfen die Energiepflanzen nicht auf ökologisch wertvollen Flächen angebaut werden. Bestätigen sollen das Zertifikate, die von akkreditierten Vereinigungen ausgestellt werden. „Solche Zertifikate können vielleicht das Schlimmste verhindern“, sagt Agrarexperte Florian Schöne vom Naturschutzbund NABU (siehe Interview). „Aber sie bleiben ein Feigenblatt, weil sie das Problem der Nutzungsverdrängung nicht lösen. Auch hilft es nichts, wenn wir in der EU zertifizierte Energierohstoffe beziehen und der große nicht-zertifizierte Rest von Ländern wie China aufgekauft wird.“

Interview

„Biomasse ist nicht unendlich“

Florian SchöneFlorian Schöne ist Agrarexperte beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Er plädiert für eine umweltverträgliche Nutzung von Bioenergie.

Ist eine nachhaltige Agrosprit-Herstellung überhaupt möglich?

Grundsätzlich schon, allerdings nur in geringen Mengen. Im Gegensatz zu Wind und Sonne steht Biomasse nicht unendlich zur Verfügung. Die Flächen dafür sind begrenzt. Für Entwicklungsländer kann Agrosprit eine Alternative zu Mineralöl darstellen. Allerdings nur als Koppelprodukt in einer an den Standort angepassten und vielfältigen Landwirtschaft, die nicht auf Bioenergie-Exporte setzt.

Wie könnte das ausschauen?

Das könnten Kleinbauernkooperativen sein, die Ölfrüchte in Mischkulturen anbauen und für den lokalen Markt verarbeiten, etwa als Treibstoff für Palmölgeneratoren oder Kochherde.

Lässt sich in Deutschland nachhaltig Agrosprit erzeugen?

In Deutschland bauen wir auf zwei Millionen Hektar Land Energiepflanzen an. Damit ist die Grenze des Wachstums längst erreicht. Weizen für Bioethanol und Raps für Biodiesel sind keine effizienten Energiepflanzen. Biosprit made in Germany macht nur in wenigen Nischen Sinn. Beispielsweise müssen wir schnell den Verbrauch der Autos drosseln. Ein Auto, das acht Liter auf 100 Kilometer verbraucht, ist nicht nachhaltig – auch nicht mit Biosprit.

Sollen die Bauern stattdessen mehr Mais für Biogasanlagen anbauen?

Biomasse sollte man nur produzieren mit maximaler CO2-Vermeidung und minimalen Kosten für die Gesellschaft. Mit der Förderung von Biogasanlagen zementiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz die Landnutzung in Deutschland über 20 Jahre hinweg und verursacht erhebliche Konflikte für Natur und Umwelt. So wird auf sinnvolle Fruchtfolgen verzichtet und zugelassen, dass der Landwirt jahraus, jahrein Mais anbaut.

Was wären die Alternativen?

Hierzulande sollte man Reststoffe verwerten und im Rahmen der Fruchtfolge Pflanzen wie Leindotter oder Luzerne nutzen. Eine Alternative wären auch schnell wachsende Hölzer wie Pappel oder Weide.

Leo Frühschütz

Autor Leo Frühschütz
hat sich fest vorgenommen, wieder mehr Fahrrad zu fahren. Da genügt als Biotreibstoff Apfelschorle.

Bücher und Links

Hees, Wolfgang; Müller, Oliver; Schüth, MatthiasHees, Wolfgang; Müller, Oliver; Schüth, Matthias:
Volle Tanks – leere Teller. Der Preis für Agrokraftstoffe: Hunger, Vertreibung, Umweltzerstörung.
Lambertus Verlag, 2007, 192 Seiten, 25 Euro

Hänggi, MarcelHänggi, Marcel:
Ausgepowert – Das Ende des Ölzeitalters als Chance.
Rotpunktverlag, 2011, 368 Seiten, 28 Euro

www.bio-kraftstoffe.info
Die staatliche Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe

www.biokraftstoffverband.de
die Lobby der Agrosprit-Hersteller

www.bmu.de/biokraftstoffe
Der Umweltminister erklärt die amtliche Agrospritpolitik.

www.brotimtank.org
Seite von Schweizer Journalisten

www.e10-kraftstoff.de
Neutrale Infos zum Kraftstoff E10

www.inkota.de/agrosprit/
„Biosprit macht Hunger“ heißt die Kampagne von Inkota.

www.oxfam.de/mahlzeit/ biosprit_agrarkraftstoff
zu Agrosprit und Hunger

www.ovid-verband.de
Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland

www.robinwood.de
zu Agrosprit unter „Tropenwald“

www.umweltinstitut.org
im Menü auf Agro-Kraftstoffe klicken

www.ufop.de
Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen

www.youtube.com
siehe unter „Die Biosprit-Lüge“ von Inge Altemeier

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Hans Kolpak
Das Fatale ist die Schieflage, in die die Landwirtschaft durch Subventionen gelockt wird. Finger weg von Subventionen und Steuervorteilen, damit sinnvolle Lösungen sich ungestört von politischen Ideologien entwickeln können!



Hans Kolpak

Deutsche ZivilGesellschaft