Honig vor Gericht - Schrot und Korn

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Honig vor Gericht

Hobby-Imker Karl Heinz Bablok hat etwas ins Rollen gebracht. Wegen seiner Klage wird vor Gericht geklärt, ob Imker vor gentechnisch veränderten (GVO) Pollen geschützt werden müssen. Es geht um viel – für Imker und Gentechfirmen.

Hobby-Imker Karl Heinz Bablok

Herr Bablok, wie geht es Ihren Bienen?

Gut. Bis auf ein Volk haben sie den Winter gut überstanden.

Wo sind Ihre Bienen zurzeit?

Bei mir auf dem Bienengrundstück. Von dort fliegen sie im Umkreis von drei bis fünf Kilometer.

Das war schon anders. 2008 mussten Ihre Bienen „fliehen“.

Ja, das war, als GVO-Mais MON 810 von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern wieder im Neuhof, das ist zirka einen Kilometer von hier, angepflanzt wurde. Ich musste Maßnahmen ergreifen, um einen GVO-Pollen-Eintrag zu verhindern.

Wieso mussten Sie Maßnahmen ergreifen?

Ich hatte 2005 GVO-Pollen von MON 810 in meinem Pollen. Da ich finde, dass das meinen Kunden und mir nicht zumutbar ist, bin ich vor Gericht gegangen. Ich wollte, dass die Landesanstalt Maßnahmen trifft, um einen Eintrag zu verhindern. Ich musste ja davon ausgehen, dass die Pollen auch im Honig landen.

Wie hat das Gericht entschieden?

Das Augsburger Verwaltungsgericht hat entschieden, dass Pollen und Honig mit MON-810-Pollen nicht mehr verkehrsfähig sind. Das Gericht hat auch gesagt, dass ich Schadensansprüche stellen kann, dass ich aber keinen Anspruch auf Schutz vor Eintrag habe. Ich müsse selbst Maßnahmen treffen. So kam es, dass ich daraufhin mit meinen Bienen geflohen bin.

Wieso haben Sie die Pollen und den Honig analysieren lassen? Dazu verpflichtet waren Sie doch nicht.

Als klar war, dass im Neuhof ein Versuchsanbau mit MON 810 stattfinden sollte, gab es viele Diskussionen. Die Landesanstalt argumentierte, Mais sei ein Windbestäuber und Bienen gingen nicht auf Mais. Deshalb werde es keinen oder höchstens einen kleinen Eintrag geben. Ich sah das anders. Als der Anbau stattfand, habe ich meine Völker in der Nähe aufgestellt. Und ich hatte einen Eintrag, zuerst im Pollen und 2009 auch im Honig.

Den Honig durften Sie nicht mehr verkaufen?

So ist es. Ich musste sogar einen Entsorgungsnachweis vorlegen. Deshalb habe ich ihn in der Müllverbrennungsanlage entsorgt. Das kostete mehr als was der Honig wert war. Der Landesanstalt habe ich das in Rechnung gestellt. Sie wollten aber nicht zahlen. Das alles hat die Mellifera mitbekommen und gefragt, ob ich mit ihrer Hilfe nicht weiter prozessieren möchte. Das tue ich nun.

Jamie Oliver

K. H. Bablok …
… ist seit 15 Jahren Hobby-Imker. Er lebt mit seiner Familie in Kaisheim im Kreis Donau-Ries. Als seine Pollen und sein Honig mit MON-810-Pollen verunreinigt waren, zog er vor Gericht. Unterstützt wird er vom Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik. Dazu zählt insbesondere die Imkervereinigung Mellifera. Trotzdem fehlen mittlerweile 40  000 Euro. Damit die Frage „Können wir weitermachen?“ nicht ständig über ihnen schwebt, bittet das Bündnis um Spenden bzw. Kauf ihres „Schutzhonigs“. Weitere Infos:
www.bienen-gentechnik.de

Ihr Fall wurde im Dezember 2010 vor der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofes erörtert.

Ja, mittlerweile sind wir dort gelandet. Mein Fall liegt aber noch beim Bayrischen Verwaltungsgerichtshof. Der zieht auch in Betracht, dass der Honig nicht verkehrsfähig ist. Er denkt aber, dass das europäische Recht hier nicht eindeutig ist. Deshalb hat er Fragen an den Europäischen Gerichtshof gestellt.

Welche Fragen sollen beantwortet werden?

Es sind drei Fragen: 1. Ist Pollen noch ein gentechnisch veränderter Organismus, wenn er im Honig ist? Es geht darum, ob er noch vermehrungsfähig ist. Die zweite Frage ist, ob Honig, der GVO-Pollen enthält, als „aus GVO hergestellt“ eingestuft werden muss. Hier kommt ins Spiel, dass Honig als tierisches Produkt eingestuft ist – und solche gelten nicht als „aus GVO hergestellt“, wenn die Tiere mit GVO-Pflanzen gefüttert wurden. Und die dritte Frage: Gilt die Nulltoleranz für nicht als Lebensmittel zugelassene GVOs auch bei tierischen Lebensmitteln wie Honig oder dürfen bestimmte Mengen drin sein?

Das klingt ziemlich juristisch …

Für mich geht‘s einfach darum, ob ich als Imker Anspruch auf Schutz vor ungewollten Einträgen mit MON-810-Pollen habe.

Wie argumentieren Sie?

Meine Anwälte argumentieren, dass Monsanto für den Mais MON 810 zwar eine Zulassung für den Anbau und für die Verwendung in Futtermitteln und in bestimmten verarbeiteten Lebensmitteln wie Maisgrieß hat, dass aber keine Zulassung für Honig mit Pollen aus MON 810 existiert. Deshalb dürfe Honig mit GVO-Pollen nicht verkauft werden. Und deshalb müssten Imker vor einem Eintrag geschützt werden.

Was sagt die Gegenpartei?

Die EU-Kommission sagt, dass der Pollen im Honig nicht vermehrungsfähig ist. Sie sagt auch, dass Honig ein tierisches Produkt sei, das von den Bienen und nicht vom Menschen hergestellt würde. Deshalb falle es nicht unter das Lebensmittelherstellungsrecht und kann somit nicht „aus GVO hergestellt“ sein. Außerdem entstünde kein Schaden, weil Honig als tierisches Produkt nicht gekennzeichnet werden müsse.

Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Im Februar hat der Generalanwalt seine Stellungnahme abgegeben. Er hat im Wesentlichen unserer Rechtsauffassung entsprochen. Wann der europäische Gerichtshof entscheidet, wissen wir nicht. Wir rechnen mit etwa sechs Monaten.

Was ist, wenn er in Ihrem Sinne entscheidet?

Honig mit MON-810-Pollen dürfte dann nicht verkauft werden. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder muss der Anbauer den GVO-Polleneintrag verhindern. Ich denke, dann würde in Deutschland kein MON 810 mehr angebaut. Oder die Imker müssen einen Eintrag verhindern und können dann dafür Entschädigung verlangen. In Regionen mit MON-810-Anbau müssten sie dann mit den Bienen fliehen. Die Bestäubungsleistung würde dort dann ziemlich zurückgehen.

Und wenn nicht in Ihrem Sinne entschieden wird?

Dann darf Honig mit GVO-Pollen verkauft werden. Die Richter haben jedoch sehr kritische und verbrauchernahe Fragen gestellt, das macht mir Hoffnung.

Sie könnten Ihren Honig dann aber verkaufen …

Ja, aber das ist nicht mein Ziel. Ich will keine GVO im Honig und in anderen Lebensmitteln.

Das Urteil – egal wie es ausfällt – gilt nur für MON 810?

Ja, und da wiederum für die Pollen. Es stehen ja jede Menge anderer GVO-Maissorten und Mischungen untereinander kurz vor der Zulassung. Für die gilt das Urteil nicht. Es bräuchte dann erst wieder einen Schaden und jemanden, der klagt.

Was tun Sie im Moment?

Ich warte mit Spannung auf das Urteil und freue mich, dass die Bienen wieder fliegen.

Jamie Oliver - Jamie unterwegs

Bienen verlassen ihr Winterquartier, sobald die Temperaturen über 10 Grad steigen – auch das erfuhr Barbara Gruber beim Interview mit Karl Heinz Bablok.

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