„Risotto gelingt mir gut, und Bolognese!“ - Schrot und Korn

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„Risotto gelingt mir gut, und Bolognese!“

Wir haben einen weiteren Tatort-Kommissar aufgespürt, der Bio is(s)t: Dietmar Bär. In einem Berliner Bio-Café trafen wir den Schauspieler auf eine Latte Macchiato – und kamen dabei immer wieder auf Fleisch zu sprechen.

Dietmar Bär

Das Interview ist Ihr letzter Termin vor den Ferien?

Ja, das ist jetzt schon die Kür. Ein Interview mit Schrot&Korn, das ist herrlich. Ich nehme das Heft immer aus dem Laden mit. Wir kaufen fast nur Bio-Essen. Zu 99,75 Prozent sozusagen. Denn manchmal gibt es kein Bio, zum Beispiel in Hotels.

99,75 Prozent, nicht schlecht. Seit wann leben Sie bio?

So wie ich es gerade beschrieben habe, sind es geschätzte zehn Jahre. Interessiert an Bio bin ich schon länger. Als ich am Wuppertaler Theater war, hatte ich in Wohnungsnähe einen Bio-Laden. Das war Ende der 80er-Jahre, da hatte Bio noch so ein Halbschatten-Nischen-Dasein. Irgendwann wurde mir bewusst, dass man damit gut lebt und mit Fleisch anders umgeht. Schrot&Korn ist ja ein reines vegetarisches Kampfblatt (lacht). Ich bin halt ein Metzgersohn.

Doch auch der Metzgersohn ernährte sich eine zeitlang vegetarisch.

Vor ein paar Jahren habe ich über die sogenannte Blutgruppendiät feststellen dürfen, dass ich mit Blutgruppe A Vegetarier sein sollte. Das hat mich schwer und tief getroffen. Ich habe dann eine zeitlang so gelebt. Das tat mir nicht ungut – das muss ich ehrlich sagen. Mittlerweile esse ich wieder Fleisch und fühle mich den Slowfood-Leuten verbunden. Die achten auf Qualität und essen Fleisch und Fisch sehr bewusst.

Was ist Ihnen wichtig an Bio?

Wichtig sind mir gute Lebensmittel. Die sollen nicht voller Chemie sein. Die Frage, welches Fleisch ich esse, habe ich mir erst später gestellt. Ich möchte gerne a), dass das Fleisch aus dem Umland kommt, und b) wissen, dass das Tier ein gutes Leben geführt hat.

Sie sind bekennender Bio-Laden-Einkäufer. Warum?

Weil ich die Produkte woanders nicht bekomme.

Auch Discounter und konventionelle Supermärkte führen Bio.

Ja natürlich. Doch da habe ich, komischer Weise, eine - auf was auch immer begründete - Skepsis. Da besteht eine Ambivalenz: Bio, ja. Aber sobald es in Richtung breite Masse geht, warnen viele und sagen: Das ist dann nicht mehr das richtige Bio. Natürlich kann man sich darüber freuen, dass Bio durch den Verkauf im konventionellen Handel letztendlich auch für andere Leute erschlossen wird. Aber in den riesigen Läden ist es oft nur ein Nischenprodukt. Wenn Sie dort vor dem Gemüseregal stehen, finden Sie in der Ecke Äpfel, Tomaten und ein paar andere Bio-Produkte – das war’s. Ich fühle mich in einem professionellen Bio-Laden besser aufgehoben.

Dietmar Bär

Dietmar Bär ….
… ist 1961 in Dortmund geboren. Seine Ausbildung absolvierte er an der Schauspielschule Bochum. Zu sehen war und ist er im Kölner Tatort, in Doris Dörries Kinofilm „Männer“ und in der Komödie „Durch dick und dünn“. Außerdem spielte er auf verschiedenen Theaterbühnen. Dietmar Bär engagiert sich für den fairen Handel und gründete zusammen mit Tatort-Kollegen den Verein „Tatort – Straßen der Welt e.V.“, der sich für philippinische Straßenkinder einsetzt.

www.tatort-verein.org

Dort ist alles bio …

Ja, und dort bekomme ich auch alles. Natürlich gibt es immer noch Läden, in denen fragt man dreimal nach, ob das Produkt endlich da ist. Das ist wie 1985. Das brauche ich nicht mehr, dafür bin ich ein zu kritischer und aktiver Kunde. Und ich weiß, dass es auch anders funktioniert.

Werden Sie im Bioladen erkannt und angesprochen?

Erkannt wird man überall. Angesprochen nicht unbedingt. Das passiert eher auf der Straße. Im Bio-Laden eigentlich gar nicht. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das eine ruhige Area.

Auch das spricht für die Bio-Läden …

Auch das spricht für die Bio-Läden. Das letzte Mal als ich fälschlicherweise dachte, dort hat man seine Ruhe, war im Museum. Ich hatte sogar einen Audio-Guide auf. Aber das ist egal, da gehört man dann den Leuten. Das ist einfach so.

Von Ihnen stammt der Spruch „Wer sich bewusst ernährt, muss nicht unbedingt aussehen wie ein Hungerhaken“.

Ja, das habe ich so gesagt. Zu meiner Schauspielschulzeit gab es in Bochum einen Bio-Laden, da standen die Klischees der Klischees hinter dem Tresen. Also Leute, die - wie es im Ruhrgebiet heißt - „mit der Kerze zu röntgen“ sind. Hauchdünne, blutarme Menschen. Da hat sich viel verändert. Alles ist viel offener und populärer geworden. Und übrigens, man kann einfach auch von den guten Bio-Sachen zu viel essen. Denken Sie an den großen Koch Vincent Klink, der davon spricht, den Gürtel weiter zu schnallen. Auch das ist ein schönes Zitat (lacht). Er propagiert Bio, wo immer er kann. Wenn er in Kochsendungen Fleisch oder Gemüse zubereitet, fällt immer wieder der Satz: „Kümmert euch darum, dass das vernünftige Zutaten sind!“.

Mögen Sie Kochsendungen?

Sehr gerne. Es kommt jedoch darauf an, was dort passiert und wer kocht. Ich mag es, wenn viele Sterne-Experten zusammen stehen und man beim Kochen live dabei ist.

Kochen Sie auch selbst?

Ich versuche es hin und wieder (grinst). Klar, koche ich.

Und was können Sie besonders gut?

Also Risotto gelingt mir ganz gut. Und eine Bolognese bekomme ich auch gut hin. Mit reinem Rindfleisch allerdings.

Bekommen wir für unsere Leserinnen und Leser ein Lieblingsrezept von Ihnen?

Da muss ich mal überlegen … da wäre sicherlich meine schnelle Tofupfanne spannend. Ich lege den Tofu immer für eine Stunde in einer Shoyu-Frühlingszwiebel-Ingwer-Knoblauchmarinade ein, bevor ich ihn brate. Dazu gibt es Reis – das geht schnell und ist simpel. Das würde zu Ihrem „Kampfblatt“ (grinst) doch besser passen als die Bolognese?

Wir nehmen gerne beide Rezepte.

Auch gut. Für Tofu muss man immer noch eine große Lanze brechen. Da bestehen immer noch schwerste Vorurteile.

Sie leben schon lange in Berlin. Haben Sie Tipps für uns, zum Beispiel ein Bio-Restaurant?

Das Mutter Fourage in Wannsee, eine Mischung aus Galerie, Gärtnerei und Café mit kleinen Speisen. Es gibt dort Lesungen, Ausstellungen und Konzerte. Noch ein Tipp ist die Pommesbude in Friedrichshain, die arbeiten mit Bio-Kartoffeln und machen Bio-Burger.

Und Bio-Currywurst?

Ich glaube, dass es dort auch eine Currywurst gibt. Sie spielen jetzt auf meine Tatort-Currywurst an? Ich esse mittlerweile überhaupt kein Schweinefleisch mehr und deshalb ist meine Film-Currywurst eine Geflügelwurst.

Beim Tatort nimmt man also auf Ess-Gewohnheiten Rücksicht?

Nun ja, ich soll die Szene ja spielen. Und wenn ich schon gefragt werde …

Haben Sie sich schon einmal Bio-Essen gewünscht?

So weit habe ich das noch nicht getrieben. Aber ich habe sie schon auf Dinkelbrot und Ziegenkäse gebracht.

Im Tatort werden häufig kontroverse Themen aufgegriffen. Beispiel Gentechnik. Wie stehen Sie zu Gentechnik?

Ich halte sie für sehr brisant. Es ist eigentlich ähnlich wie mit der Atomenergie. Man weiß nicht genau, was da los ist. Und man kann sie nicht händeln. Auch hier bin ich mit Bio auf der sicheren Seite, da mir Gentechnik im Bio-Laden nicht begegnet. Das ist auch ein wichtiges Argument für Bio-Läden. Was mir allerdings Sorgen bereitet: So wie ich es verstanden habe, wird sich irgendwann alles vermischt haben. Dann kann man sich wirklich nur wünschen, dass es nicht zu den Effekten kommt, vor denen Wissenschaftler warnen.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren für den fairen Handel.

Hier muss ich ein bisschen ausholen. Angefangen hat alles mit einem Tatort, den wir 1997 in Manila gedreht haben. Unser ganzes Team war ziemlich entsetzt über das, was wir auf den Philippinen vorgefunden haben – den Sextourismus und so. Daraufhin haben wir den Verein „Tatort - Straßen der Welt“ gegründet, der sich für philippinische Straßenkinder einsetzt. Über den Verein sind wir mit dwp (Dritte-Welt-Partner GmbH) und Pater Shay Cullen zusammengekommen, die auf den Philippinen ein Projekt mit fair gehandelten Mangos betreuen. Mittlerweile war ich schon einige Male vor Ort. Und ich kann sagen: Es ist toll, dort nicht nur einen Mangobaum mit Namen Dietmar zu pflanzen, sondern zu sehen, dass mit der Ernte eines Baumes ein Schulkind ein Jahr lang versorgt werden kann. Ich halte den fairen Handel für sehr sinnstiftend und deshalb engagiere ich mich dafür. Und die Produkte, die aus den Mangos gemacht werden, sind einfach saugut. Besonders die Mango-Monkeys aus quitsch-gelbem Mango-Weingummi.

Der Tatort-Verein hat gerade ein neues Projekt gestartet. Es heißt „Vernetzte Er.de“. Was hat es damit auf sich?

„Vernetzte Er.de“ ist ein Wettbewerb für Schüler. Die Schüler sollen dabei Zusammenhänge erkennen: Wenn wir hier Fleisch essen, wem nehmen wir dadurch etwas weg? Was haben Umwelt, Wirtschaft und Entwicklung miteinander zu tun? Die Schüler können sich ein Thema aussuchen, in verschiedenen Fächern bearbeiten – also in Geschichte, Erdkunde, Ethik und Biologie und dazu Beiträge wie Videos, Broschüren oder ein Musikstück erstellen. Alles ist irgendwie miteinander verbunden bzw. vernetzt. Wenn man diese Zusammenhänge erkennt, beginnt sich etwas zu bewegen.

Sie setzen große Hoffnung in die Jugend?

Ja, weil alles andere zu spät wäre. Das sind Themen, die müssen in der Schule behandelt werden, denn Schule ist der Ort, an dem wir geprägt werden. Neben unserem Elternhaus. Was man aus der Schule mitgenommen hat – so geht es mir jedenfalls – das hat sich tief verwurzelt. Natürlich lernt man später immer dazu. Aber in der Schule besteht die Möglichkeit, den Leuten ein Bewusstsein für die Zukunft mitzugeben.

Herr Bär, Sie geben nicht viele Interviews. Sie haben sich selbst einmal als „scheues Reh“ bezeichnet.

Ich bin gerne der weiße Hirsch auf der Lichtung. Mein Arbeitsfeld ist das Theater, der Film und das Fernsehen. Das ist die Manege in der ich arbeite und mein Geld verdiene. Und dann gibt es noch die andere Manege, die Öffentlichkeit – Zeitungen, Talkshows, Shows, Veranstaltungen. Das eine hat das andere zur Konsequenz. Niemand würde mich in eine Talkshow einladen, wenn ich nicht im Fernsehen auftauchen würde. Aber ich glaube, dass man das steuern und aussuchen kann. Ich beobachte Zeit meines Berufslebens schlechte und gute Beispiele. Leute, die damit leben und umgehen und andere, die den Packt mit dem Teufel unterschrieben haben und sich von ihrem Privatleben verabschieden müssen. Und ich halte das Privatleben für das, was es ist, privat.

Warum haben wir das Interview bekommen?

Zum Einen, weil wir nicht über mein Privatleben gesprochen haben. Zum Anderen, weil ich hinter der Philosophie von biologischen Lebensmitteln stehe. Das ist mir wichtig.

Schrot&Korn wird im September 25. Haben Sie einen Wunsch?

Ein bisschen mehr für die flexiblen Vegetarier schreiben. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Bio-Idee noch weiter ausbreitet. Und dafür ist eine Zeitschrift wie Schrot&Korn natürlich da. Vielleicht kann man damit in die Schulen gehen.

Mit Schrot&Korn?

Ja, mit unserem, ihrem Heft.

Tofupfanne à la Bär

Für 2 Personen

  • 200-300 g Tofu
  • 1 Stück Ingwer, gerieben
  • 2 Zehen Knoblauch, fein geschnitten
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten
  • Tamari-Soße
  • Olivenöl
  • 125 g Reis

1. Den Tofu – je nach Gusto – in Würfel oder Streifen schneiden.

2. Ingwer, Knoblauch, Frühlingszwiebeln und Tamari zu einer Marinade verrühren. Tofu in die Soße geben (Tofu sollte gut bedeckt sein) und eine Stunde (oder länger) marinieren.

3. Tofu aus der Marinade nehmen und bei mittlerer Hitze in etwas Olivenöl anbraten, sodass die Tofuwürfel von allen Seiten schön braun werden (dauert 10-15 Minuten).

4. In der Zwischenzeit den Reis kochen.

5. Die Marinade über den angebratenen Tofu geben, etwas einkochen lassen. Dann alles über den Reis geben.

Bär-Bolognese

Für 2 Personen

  • 1 Stange Staudensellerie
  • 1 Möhre
  • 1 Zwiebel
  • 300 g Rinderhack
  • 1 Glas Rotwein oder Gemüsebrühe
  • 1-2 EL Tomatenmark
  • 1 kleine Dose Tomaten (400 g)
  • 250 g Spaghetti
  • Olivenöl
  • Salz
  • Parmesan, gerieben
  1. Staudensellerie, Möhre und Zwiebel in kleinste(!) Würfelchen schneiden und in einer Pfanne mit hohem Rand in 2 EL Olivenöl anschwitzen.
  2. Das gut zerteilte Hackfleisch dazu geben und unter Rühren kräftig anbraten.
  3. Sobald das Fleisch gut durchgebraten ist, das Ganze mit Rotwein oder Gemüsebrühe ablöschen. 1-2 EL Tomatenmark einrühren.
  4. Die Tomaten aus der Dose dazu geben, gut umrühren und bei schwacher Hitze mind. 30 Minuten einköcheln lassen. Das Ganze soll schön sämig werden. Mit Salz abschmecken.
  5. Spaghetti al dente kochen.
  6. Die heißen Nudeln mit der Bolognese-Soße vermengen und servieren.
  7. Dazu Parmesan und ein Glas Rotwein reichen

Beate Gruber, Dietmar Bär (re.)

Barbara Gruber, verantwortliche Redakteurin von Schrot&Korn, traf den Schauspieler Dietmar Bär in seiner Stamm-Bio-Bäckerei in Berlin.

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Eva Voß
Der Artikel war super, vorallem weil ich den Dietmar Bär als Schauspieler sehr mag und keinen Tatort mit ihm verpasse. Den Satz "Wer sich bewußt ernährt, muß nicht aussehen wie ein Hungerhaken" kann ich nur unterstreichen!!!