Lebensthema Umwelt - Schrot und Korn

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Lebensthema Umwelt

Den Schauspieler Axel Milberg kennt man vor allem als Tatort-Kommissar Klaus Borowski aus Kiel. Seit einiger Zeit macht er sich aber auch stark für umweltfreundlichen Konsum: zum Beispiel für klimaneutrale Waren und Biolebensmittel. // Manfred Loosen, Fotos: Marion von der Mehden

Schauspieler Axel Milberg
„Jeder kann mit seinem Einkauf ein bisschen die Welt verändern“, sagt Axel Milberg. „Man muss nur das Richtige kaufen und das Falsche im Laden stehen lassen.“

Herr Milberg, Sie sind viel unterwegs, drehen mal hier, mal da Filme. Wie konsequent kann man da sein? Zum Beispiel in Sachen Lebensmittel?

In der Regel versuche ich zu erreichen, dass das Catering beim Film beispielsweise möglichst Bio einkauft. Ich kläre das im Vorfeld und habe bei Dr. Martin, was wir im vergangenen Jahr abgedreht haben, vier Monate lang ziemlich viel Ärger gehabt, bis wir dann das Catering gewechselt haben. Ich bemühe mich, dass wir am Set nicht aus Plastikbechern trinken, von Plas-tikgeschirr essen, sondern dass jeder eine Tasse hat mit seinem Namen drauf. Ein Catering, das billig einkauft und minderwertige Nahrung anbietet, das sollte früher oder später keine Aufträge mehr haben.

Zu Hause ist das sicher einfacher. Wie konsequent ist Axel Milberg da?

Zu Hause essen wir schon meist Biolebensmittel. Es ist aber insofern schwierig, als wir sechs Personen sind. Ich könnte für mich allein konsequenter sein. In unserer Familie streiten wir zwar nicht über das Thema - aber ich muss auch mal ein Auge zudrücken. Und das ist auch o. k. Mein jüngster Sohn August, der liebt Überraschungseier. Und wir wissen alle, was für ein Schmarrn das ist, wie viel Müll da zurückbleibt usw. Ich bemühe mich, aber man sagt sich irgendwann auch: „Es ist so schönes Wetter; jetzt mit der Frau streiten, weil sie einen Adventskalender mit Überraschungseiern gekauft hat, das lohnt nicht!“ Aber natürlich denke ich dann schon mal: „Ich kann doch nicht öffentlich dagegen sein und zu Hause machen wir das anders.“ Es ist aber so, unsere Widersprüche sind öffentlich. Es ist auch ganz wichtig, dass wir sagen, wir bemühen uns, wir sind guten Willens, wir schaffen aber nicht hundert Prozent.

Also gezielte Konsequenz?

Ja! Wenn wir sagen, wir machen es da, wo wir es hinkriegen, woanders arbeiten wir daran, und in bestimmten Bereichen werden wir es nie hinkriegen, dann ist das in Ordnung. Weil es realistisch ist. Und wir müssen realistisch sein! Da ist der Effekt viel größer, als wenn immer der eine dem anderen den Zeigefinger zeigt und sich moralisch über ihn erhebt und in den Staub diskutiert, aus dem der sich dann keine Lust mehr hat zu erheben.

Sie haben gerade gesagt, dass Sie Einfluss auf das Catering nehmen. Geht das auch in Drehbüchern? Kann Kommissar Borowski ohne Auto auskommen oder Biomüsli essen?

Seit dem letzten Kiel-Tatort fährt Kommissar Borowski ein gasbetriebenes Auto.

Axel Milberg
Axel Milberg…
… ist für die meisten Fernsehzuschauer der Tatort-Kommissar des Nord­deutschen Rundfunks. Im ZDF spielt er auch die Titelfigur in der Serie ­Dr. Martin. Axel Milberg gilt als einer der vielseitigsten Schauspieler Deutschlands: Familienvater, Kindermörder, Exzentriker - Milberg stellt sie alle glaubwürdig dar. Er ist außerdem als Sprecher der deutschen Hörbücher von Henning Mankell bekannt. Der Schauspieler lebt mit Frau und Kindern in München.

…von Ihnen ins Drehbuch geschrieben?

Ja, von mir rein geschrieben. Also ich fahre im Tatort ja so einen alten VW-Passat. Ich wollte nicht so ein chromblitzendes gesponsertes Teil haben. Das fand ich immer irgendwie unseriös und ehrlich gesagt auch unsympathisch. Und der olle gammelige Wagen ist umgerüstet worden. Ich hole den am Anfang des letzten Tatorts aus der Werkstatt ab.

Ist es schwierig, solche Themen in Ihren Filmen unterzubringen?

Naja, es gibt ja nicht nur „product placement“, sondern auch „Themen-placement“. Auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Und man war großzügig genug, das zuzulassen.

Sie waren lange sehr zurückhaltend in der Öffentlichkeit. Seit gut einem Jahr sind Sie jetzt mit utopia.de für die Umwelt aktiv geworden. Warum?

Das Medium Fernsehen, aber auch die Printmedien, wollen Slogans, Schlagzeilen. Sie wollen die einfache Message. Das ist nicht mein Stil. Trotzdem habe ich mich immer durchsetzen können, ich habe aber auch gewartet, dass es Inhalte gibt, für die es sich meiner Meinung, Überzeugung und Lebensführung nach lohnt, sich einzusetzen. Immer war es Amnesty International, es waren auch auf kleinerer Flamme Engagements im sozialen Bereich, aber das hier ist natürlich ein Lebensthema. Es ist ein Thema, das wirklich im Moment so spannend ist wie noch nie. Deshalb bin ich dafür in die Öffentlichkeit gegangen.

Sie haben in Ihrem ersten Video auf utopia.de „strategischen Konsum“ gefordert. Was verstehen Sie darunter?

Strategischer Konsum ist ein Schlagwort. Ohne Schlagwörter kommen wir nicht aus. Gemeint ist, dass wir mit dem, was wir kaufen, eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung darüber, was produziert wird und was eben auch nicht mehr produziert wird. Das führt im nächsten Schritt dazu, dass wir uns erkundigen sollten, was wir da kaufen - und inzwischen könnten wir das auch ziemlich gut aufgrund von einem Netz von Verbraucherberatung und Produktberatung. Was wir kaufen, ist letztlich eine politische Entscheidung. Von der anderen Seite betrachtet: Die Herstellerfirmen, die ja nicht nur Produkte herstellen, die im Supermarktregal stehen, sondern auch zum Beispiel Strom, Kommunikationsmittel oder Transportmöglichkeiten anbieten - alle diese Hersteller, von Bahn AG bis Telekom oder RWE, sind nervös wie noch nie und höchst daran interessiert, den Dialog mit dem Verbraucher zu führen.

Sind dazu nicht auch „schlaue“ Verbraucher nötig?

Ja, das ist allerdings wahr. Aber es ist uns allen auch noch nie so einfach gemacht worden, sich zu informieren und zu begreifen, wie durch das Internet. Der Einzelne steht da nicht alleine. Und da klinkt sich im Grunde utopia.de ein. Hier gibt es Fachleute in ganz vielen verschiedenen Bereichen: Energie, Umwelt, Biolebensmittel, Abfall, fairer Handel. In dieser Situation der Überfülle von ökologischen Themen in jeder Zeitung, in jedem Sender, braucht es ein Navigationssystem. Das bietet utopia.de. Da gibt es Experten, die parteiunabhängig, finanziell unabhängig, von keiner Lobby geschmiert ihre Arbeitsergebnisse mitteilen.

Und jeder kann als Experte auftreten.

Absolut. Und es wird auch heiß, kritisch und durchaus streitbar diskutiert im Forum. Das ist toll gemacht: Nach Postleitzahlen geordnet findest du Leute in deiner Nähe, die schon seit Jahren und Jahrzehnten nahezu hundert Prozent dran sind am ökologischen Leben.

Zum Schluss noch mal zurück zu Ihrer Arbeit als Schauspieler: Millionen Menschen warten, dass sich im Kieler Tatort Frieda Jung und Klaus Borowski näher- bzw. ganz nahe kommen. Können Sie uns Hoffnung machen?

Ich sage es mal etwas sibyllinisch: Es ist nicht ausgeschlossen. Zuzutrauen wäre es ihnen, es ist ja auch ihr Traum. Ich glaube, da tut sich was …

Bernard Lown - Die verlorene Kunst des HeilensAxel Milberg Buchtipp

Alexander Gorkow:
Draußen scheint die Sonne- Interviews mit …

Milberg mag an diesem Buch die „herrlich leichten, rockigen Interviews“ mit vielen Weltstars wie Lou Reed, Bruce Willis, Jeanne Moreau, Sylvester Stallone, Eric Clapton …

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