Kolumne: Von Atommeilern und Mücken - Schrot und Korn

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Kolumne: Von Atommeilern und Mücken

„Je weniger Geld bei RWE und Co. landet, umso mehr wird für erneuerbare Energien ausgegeben. Umsteigen auf Ökostrom kostet nur eine Unterschrift.“

Fred Grimm
Fred Grimm, Autor von „Shopping hilft die Welt verbessern“, schreibt ab jetzt in Schrot&Korn über gute grüne Vorsätze - und das, was dazwischenkommt.

Haben sie grad Licht an? Läuft die Waschmaschine? Ist Ihnen warm genug? Kann eigentlich nicht sein. Als vor über dreißig Jahren die Experten vom Kernforschungszentrum Jülich vorrechneten, wie viele Atomkraftwerke gebaut werden müssten, damit in Deutschland nicht die berühmten Lichter ausgehen, kamen sie auf über 600. Aktuell sind es gerade mal 17. Doch meine Schreibtischlampe brennt noch, der Computer summt und auch die Ökospülmaschine gibt grad ihr Bestes. Prognosen, die die Zukunft betreffen, sind besonders schwierig, wusste schon Mark Twain, aber es ist schon augenfällig, dass sich gerade die deutsche Energiewirtschaft so oft verhaut. Jedenfalls, wenn es um Kohle oder Atomstrom geht. Wieder mal scheint unsere Zukunft davon abzuhängen, möglichst viele neue Kohlekraftwerke zu bauen und die Laufzeiten unserer Uraltreaktoren auf ewig zu verlängern. Klimawandel? Schwindendes Uran? Radioaktive Abfälle? Wer nachfragt, dem fehlt wohl einfach nur die richtige Prise Optimismus.

Der Wunderglaube der Energietraditionalisten hat beinahe etwas Rührendes. Ähnlich wie meine sechsjährige Tochter, die nach einem Chaostag im Kinderzimmer darauf zu hoffen scheint, dass ein höheres Wesen Papierfetzen, Farbflecken und Keksreste entfernt, setzen die Manager der übelsten Kohleschleudern auf ominöse Riesenlöcher, die die schädlichen CO2-Emissionen einfach verschlucken. Dass zwei nach diesem Prinzip entworfene Pilotanlagen in Norwegen jetzt doch nicht gebaut werden, weil Zweifel an der Machbarkeit bestehen, stört sie nicht. Die unverdrossenen Befürworter von Atomkraftwerken dagegen erinnern mich in ihrer Ignoranz eher an Bankmanager vor dem Finanzcrash. Getreu dem Motto „Probleme, die ich nicht sehe, sind auch nicht da“, kauften sie jahrelang für Milliardensummen, die sie nicht hatten, Anrechte auf Milliardensummen, die es nicht gab, bis plötzlich Billionen fehlten.

Ups! Dass Uran in so krisenfesten Regionen wie Kasachstan oder dem Niger abgebaut wird und man noch immer keine Ahnung hat, was eigentlich aus den über 3 000 Tonnen waffenfähigen Plutoniums werden soll, die bis heute angefallen sind, stört Atomkraftmeier noch immer wenig. Zur Erinnerung: Plutoniummengen im Nanogramm-Bereich (0,000 000 001 g) reichen aus, um Jahrzehnte später Lungenkrebs zu verursachen. Doch was nützt es, wenn ich und Sie - und vielleicht auch Sie - zu einem Ökostromanbieter wechseln? „Der Einzelne ist trotz der grünen Moden machtlos“, habe ich gerade erst wieder in einem Artikel gelesen.

Tatsächlich hat mein Wechsel zu Greenpeace Energy bislang die Atomwirtschaft nicht in die Knie gezwungen. Doch je weniger Geld in den Kassen von RWE und Co. landet, umso mehr wird für erneuerbare Energiequellen ausgegeben. Es kostet Sie nur eine kleine Unterschrift. Und wenn Sie daran zweifeln, dass Sie allein was ausrichten können - dazu hat die leider verstorbene Body Shop-Gründerin Anita Roddick alles gesagt, was man wissen muss: „Wenn du glaubst, du bist zu klein, um etwas auszurichten, dann lege dich doch mal mit einer Mücke ins Bett.“ Stechen Sie zu!

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Elisabeth
Freue mich über diesen knackigen und nicht wehleidigen Artikel und werde ihn an ein paar Freunde schicken, die Schrot & Korn noch nicht regelmäßig lesen.
Heide
Wiederum: Einfach, klar, nicht larmoyant, dieser Stil. Danke für alle weiteren Kommentare schon im Voraus. Denn nicht kommentieren heißt: Den PC ausgeschaltet haben und das heißt: Zeit für andere schöne Dinge - und STROMSPAREN!!!! Ha!