Macht Elektrosmog krank? - Schrot und Korn

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Macht Elektrosmog krank?

Handy-Händler haben Grund zum Strahlen: 33 Millionen Mobiltelefone haben die Deutschen im letzten Jahr gekauft. Und auch die Geschäfte mit WLAN-Stationen und DECT-Telefonen florieren. Doch noch immer streiten Wissenschaftler, ob elektromagnetische Wellen Menschen krank machen können. Für Betroffene ist die Antwort klar. // Leo Frühschütz

Jeden Abend fährt Werner Funk in den Wald, vier Kilometer vom nächsten Mobilfunkmast entfernt. Dort kann er in Ruhe schlafen. Dort bleibt sein Blutdruck normal. Sein Haus im heimischen Oberammergau steht die meiste Zeit leer.Werner Funk ist elektrosensibel. So nennt man Menschen, deren Körper auf schwache elektromagnetische Felder (EMF) mit Ausfallerscheinungen reagieren. In Umfragen schätzen sich selbst rund sechs Prozent der Deutschen als elektrosensibel ein. Tendenz steigend. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schlappheit

und Konzentrationsstörungen sind die häufigsten der vielfältigen Symptome. Die Ursache ihrer Beschwerden sehen die Betroffenen in Mobilfunksendeanlagen, den dazugehörigen Handys, aber auch in Fernsehsendern oder Hochspannungsleitungen. Doch wissenschaftlich hieb- und stichfeste Beweise von der Qualität „Rauchen macht Lungenkrebs“ gibt es nicht. Die große Mehrheit der Bevölkerung spürt nichts und so heißt es über Elektrosensible schnell: „Das sind Spinner!“

Er spürte, dass er e-sensibel ist

Werner Funk ist Ingenieur für Nachrichten- und Hochfrequenztechnik. Er baute Fernsehsender, arbeitete für die Fraunhofer-Gesellschaft und für den Deutschen Wetterdienst auf deren Station am Hohenpeißenberg. Dort stehen auch zahlreiche starke Sender, vom Fernsehen bis zum Mobilfunk. „Wenn ich da etwas entwickeln musste, bin ich nach 20 Minuten aufgestanden, rumgelaufen, habe nichts Richtiges zusammengebracht. Daheim konnte ich die Arbeit problemlos erledigen.“ So kam Werner Funk auf das Thema Elektrosmog und begann zu messen.

Und erlebte immer wieder Geschichten wie diese: „Ein Ehepaar kann seit zwei Jahren nicht mehr gut schlafen. Der Arzt findet nichts. Dann rufen sie mich an, ich soll doch mal schauen. Ich messe im Schlafzimmer, genau da, wo der Kopf ist, die höchste Strahlung im ganzen Haus. Der Nachbar hatte direkt hinter der Schlafzimmerwand sein schnurloses Telefon und die WLAN-Station installiert. Er nahm die Geräte weg und seitdem schläft das Ehepaar wieder problemlos.“

Appelle Tausender Ärzte

Baubiologen und Umweltmediziner können Hunderte ähnlicher Fälle vorlegen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass inzwischen Tausende von Ärzten Appelle unterschrieben haben, die eine Reduzierung der Belastung fordern.

Einen solchen Appell hatten 2005 auch die 16 Ärzte im oberbayerischen Passionsdorf Oberammergau unterschrieben. Als Ende August 2006 immer mehr Patienten mit extremen Schlafstörungen, Herzrasen und Blutdruckanstieg in ihre Praxen kamen, dachten die Ärzte deshalb gleich an die Mobilfunkmasten.

Doch Werner Funks Messungen zeigten: Es gab im Dorf keine neuen Masten oder etwa stärkere Sender. Mitte Oktober 2006 begann Werner Funks Blutdruck verrückt zu spielen. Stieg plötzlich auf Werte weit über 200. Nach einigen Tagen, die er außerhalb des Ortes im Wald zubrachte, normalisierten sich die Werte wieder. Mit einem neuen Messgerät konnte Werner Funk schließlich ein neues Sendesignal hörbar machen, ein leises tock-tock-tock, achtmal in der Sekunde. Seine Recherchen ergaben, dass der verantwortliche Mobilfunkanbieter im August 2006 seine Sendemasten modernisiert hatte und die Masten seither dieses Signal aussandten. In den folgenden Monaten machten die Oberammergauer Mobilfunkgegner bundesweit Schlagzeilen. Mehrere Bürger flüchteten in die Wälder. Ärzte und Bürgermeister appellierten an Politiker und Behörden, die Probleme im Ort ernst zu nehmen und Abhilfe zu schaffen.

Schimpfmotiv: Touristenflaute

Doch das Gesundheitsamt schwieg, das Landesamt für Umweltschutz behauptete, Werner Funk habe falsch gemessen. Im Ort gab es viele, die ihn als verrückt beschimpften und davor warnten, dass er die Touristen vertreiben würden.

„Das ist ja auch schwer nachzuvollziehen für jemanden, der nichts merkt“, sagt Werner Funk. „Wenn jemand ein gesundes Immunsystem hat, dann hat er gute Chancen, dass es ihn so schnell nicht erwischt. Krank werden vor allem diejenigen, die eine Vorschädigung haben, durch Holzschutzmittel, Allergien oder eine langjährige Strahlenbelastung.“ Irgendwann sei das Fass voll, der Körper reagiere extrem und werde immer empfindlicher. Als die Medien breit berichteten, habe er bis zu 35 Anrufe täglich aus ganz Deutschland bekommen, erzählt der Ingenieur. „Überall das gleiche Problem und die Leute trauen sich nichts sagen. Haben Angst, dass sie in die Spinnerecke gestellt werden.“

Denn offiziell kann der Mobilfunk nicht krank machen. „Nach Meinung von Fachgremien ist das Auftreten schwerer Gesundheitsstörungen bei Hochfrequenzexpositionen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte ausgeschlossen“, schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz. Anders sieht das die Europäische Umweltagentur. Sie fordert strengere Grenzwerte und verweist auf die Erfahrungen mit Asbest, dessen Gefahren jahrzehntelang verharmlost wurden. Doch was die Lernfähigkeit von Politikern angeht, ist Werner Funk eher skeptisch: „Damit die Herrschaften reagieren, sind noch zu wenige Menschen krank.“

Fehlende Grenzwerte

Die deutschen Grenzwerte für elektromagnetische Felder sind extrem hoch. Denn sie berücksichtigen nur die thermischen Wirkungen. Diese treten auf, wenn die Strahlung so stark ist, dass sie, wie in der Mikrowelle, das Wasser in den Zellen erhitzt. Doch schon viel geringere Feldstärken können den Organismus beeinflussen. Für solche biologischen Wirkungen gibt es zwar zahlreiche Beweise, aber keine Grenzwerte.

Wes Brot ich ess …

Über 11 000 Studien haben sich bis heute mit den Auswirkungen elektromagnetischer Felder beschäftigt. Deren Ergebnisse fallen höchst unterschiedlich aus. Eine Erklärung dafür lieferten Schweizer Forscher. Sie analysierten 60 wissenschaftliche Studien, die untersuchten, wie sich hochfrequente Strahlaung auf Versuchspersonen auswirkt. In Arbeiten, die von der Industrie bezahlt worden waren, stellten die beauftragten Wissenschaftler kaum negative Auswirkungen fest. Die meisten gesundheitlichen Effekte fanden Forscher in Studien, die ausschließlich mit öffentlichen Geldern finanziert worden waren.

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Hans Luginger

Mobilfunk die unbekannte Gefahr,
weltweit werden unzählige Studien betrieben, die alle in die gleiche bzw. falsche Richtung verlaufen, sie werden grundsätlich auf hochfrequente Abstrahlung von Funk und Sendewellen (Mikrowellen) durchgeführt. Der athermische Bereich wurde von der Wissenschaft und Fachleuten völlig außer Acht gelassen. Athermische Felder die zwischen den Funkmasten existieren, sind die Hauptursache der ganzen Mobilfunk-Problematik. Da wurden sinn-u. nutzlose Grenzwerte im thermischen Bereich ermittelt die uns vor gesundheitlichen Schäden schützen sollten, sie schützen nur die Politik und Industrie und sonst nichts (siehe www.less.at ärztliche Bestätigungen). Die Öffentlichkeit wird in puncto Sicherheit von Funkanlagen völlig falsch informiert.