Öko-Zentrum Mühldorf - Schrot und Korn

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Öko-Zentrum Mühldorf

Das 24-Stunden-Paar

Sie arbeiten und leben zusammen: die beiden Geschäftsführer des Öko-Anbieters byodo. Warum es alles andere als Horror ist, geschäftlich und privat ein Paar zu sein, haben sie unserem Mit-arbeiter Manfred Loosen erzählt. //Fotos Ludwig März


Genießer, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben: Andrea Sonnbergerund Michael Moßbacher

„Das klappt nur“meint die Chefin, „wenn jeder seine Stärken und Schwächen genau kennt – und auch die des Partners.“ Sie ist Ernährungswissenschaftlerin und arbeitet bei byodo in erster Linie in der Produktentwicklung und im Verkauf. Michael Moßbacher ist als Diplomkaufmann vor allem für die kaufmännische Seite zuständig. Jeder hat in seinem Bereich die Verantwortung. „Wir sind nicht oft unterschiedlicher Meinung“, erklärt Andrea Sonnberger, „aber dann ist es wichtig, dass man sich streiten kann, alles sachlich bespricht und Kompromisse sucht.“

Die beiden haben im Lauf der Zeit herausgefunden, dass sie sich ideal ergänzen. Andrea Sonnberger: „In wichtigen Verhandlungen ist es vorteilhaft, wenn einer energisch und der andere beschwichtigend ist.“

Auch die Mitarbeiter kennen die beiden so. Im Moment sind am Firmensitz im bayerischen Mühldorf am Inn 15 Frauen und Männer beschäftigt. Die Atmosphäre ist familiär, alle gehören zusammen. „Die Geschäftszahlen sind für jeden einsehbar“, sagt Michael Moßbacher, „und die Türen sind auch immer offen. Da gibt es keine Geheimnisse!“

Byodo vermarktet eine ganze Reihe unterschiedlicher Produkte. Zum Beispiel Bio-Reiswaffeln, wo man sich als Marktführer sieht. Und: „Mehr Bio-Bratöl, -Meerrettich oder -Essig als wir verkauft in Deutschland auch niemand“. Begonnen hat alles 1985, als Michael Moßbacher in München Tofu-Produkte herstellte und in der Region verkaufte. „Bald merkten wir, dass es nicht viel bringt, mit einem Lieferwagen zehn Tofu-Burger in den einen Bioladen zu fahren und 20 Tempeh-Päckchen in einen anderen“. Mehr Sinn macht es eben, wenn der Transporter gleich auch noch andere Produkte ausfährt. So kam eines zum anderen. „Wir sind dadurch eigentlich zu einem kleinen Großhändler geworden.“

Premium-Philosophie führt zu strengen Qualitäts-Kontrollen

Von Beginn an hatte byodo ausschließlich Bio-Lebensmittel auf den Markt gebracht, jetzt wurde die Premium- und Qualitätsphilosophie noch wichtiger. Nach strengen Kriterien suchte man die Partner aus, die die Rohstoffe anbauen und verarbeiten. Für jedes seiner Produkte sucht sich der Markenartikler den geeigneten Partner, der nach den strengen Qualitätskriterien des Markenartiklers produziert. Viele Geschäftsbeziehungen bestehen mittlerweile seit fast 20 Jahren (siehe Kasten).

1992 schneite Andrea Sonnberger in Moßbachers Leben. Als Praktikantin, die damals die kleine Firma byodo dem Konzern Unilever vorzog. Sie blieb und stürzte sich nach Ablauf des Praktikums in die Produktentwicklung. Wobei sie ordentlich Gegenwind aus der Szene bekam. Denn Weißmehl-Nudeln waren etwas Neues. Und Zucker im Ketchup hielten manche für Frevel. Andrea Sonnberger hält den Qualitätsanspruch dagegen: „Die Leute kaufen gesunde Lebensmittel nicht nur, weil sie gesund sind. Es ist auch wichtig, dass sie besonders gut schmecken.“ Sie hat deshalb mit einigen Tabus in der Bio-Szene gebrochen.

Das hat Michael Moßbacher gefallen. „Ich fragte sie sehr bald, ob sie nicht Mit-Gesellschafterin werden will“, erzählt er. Sie wollte. Weil byodo damals aber quasi nur aus den beiden Menschen bestand, entdeckten die beiden rasch, dass sie in vielen Bereichen die gleiche Sichtweise haben. Drei Jahre nach Andreas Einstieg wurden die beiden ein Paar. Ein sehr erfolgreiches.

Erstklassige Qualitäthat ihren Preis

Und eines mit Prinzipien. So verweigern sie sich zum Beispiel dem Preiskampf bei Öko-Lebensmitteln. „Erstklassige Produkte kosten einfach mehr“, sagt Michael Moßbacher, „wir wollen den Kunden erstklassige Qualität bieten.“ Die könne man nicht um zehn oder 15 Prozent billiger herstellen. Da sind sich die beiden einig, schließlich sind sie selber Genießer, die gern kochen und sich etwas Besonderes gönnen. Wenn das Paar nach zehn, elf Stunden Feierabend hat, geht es oft zum Lieblingsitaliener Alfredo. Auch dort wird noch übers Geschäft geredet. Was er tagsüber im Kaufmännischen erlebt hat, was sie im Vertrieb entschieden hat. Aber: Hier finden die Dinge des Tages auch zu einem Abschluss. Michael Moßbacher: „Da kommt man wieder runter, lässt den Tag gemütlich ausklingen.“


Vom Senfkorn ins Glas: Seit vielen Jahren arbeitet byodo mit demselben Hersteller zusammen.


So kommen die vermahlenen Körner aus der Maschine.

Überhaupt haben die beiden auch bei der Freizeitgestaltung gemeinsame Interessen. Am Wochenende geht’s manchmal zum Bergwandern oder auf eine Radtour. Einen Italienisch-Kurs haben sie ebenfalls zu zweit bei der Volkshochschule absolviert. „Aber mit sehr bescheidenem Erfolg,“ lacht Andrea Sonnberger. So müssen sie bei den Gesprächen mit ihren Produzenten in Italien, die sie regelmäßig besuchen, eben weiterhin ein wenig improvisieren.

Eigentlich sehen sich Andrea Sonnberger und Michael Moßbacher als ganz normales Paar. Nur dass aus ihrer Verbindung ein ganz besonderes „Kind“ hervorgegangen ist: in Gestalt ihrer Firma. Die begleiten die beiden „Eltern“ mit viel Idealismus, aber ohne dogmatische Vorschriften. Gar nicht so übel, so eine Erziehung.

Öko-Zentrum Mühldorf

Das 17.000-Einwohner-Städtchen Mühldorf am Inn, 70 Kilometer östlich von München, ist ein kleines Bio-Zentrum. Neben byodo sind auch die Bio-Firmen Barnhouse und Ceralia dort angesiedelt. Bürgermeister Günther Knoblauch hat das „Öko-Zentrum“ sogar in einer Info-Broschüre für potenzielle Investoren vorgestellt. Eine Putenschlachterei, die sich dort ansiedeln wollte, wurde dagegen abgelehnt.

Langjährige Partner – große Sicherheit

Die meisten Verbindungen mit Landwirten und Herstellern pflegt byodo schon seit mehr als zehn Jahren. In Italien zum Beispiel fand die Firma Anfang der 90er Jahre die landwirtschaftliche Kooperative Coop Iris. Mit ihr und zwölf weiteren Bauern wurde die „Pasta Superiore“ entwickelt. Entscheidend dabei war, dass die verschiedenen Hartweizengrieß-Sorten im genau richtigen Verhältnis gemischt werden. Außerdem ist den Mühldorfern Glaubwürdigkeit wichtig. Vorstand der Kooperative ist Maurizio Gritta, der in Italien vor 25 Jahren mit Biolandbau angefangen hat. Informationsbroschüren mit Rezepten zu Nudeln und anderen Produkten kann man anfordern bei byodo, Edisonstraße 3, 84453 Mühldorf.

Kleine Firmengeschichte

  • 1985 Gründung der Firma in München (Herstellung von Soja-Produkten)
  • 1988 Ende der Eigenproduktion, Aufbau eines „kleinen Großhandels“
  • 1992 Eintritt von Andrea Sonnberger in die Firma
  • 1993 Aufspaltung von byodo in den Großhändler Ökoring und den Markenartikler byodo
  • 1998 Umzug nach Mühldorf/Inn
  • 2005 20-jähriges Firmen-Jubiläum

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