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Leben

Zeit für die Organe

GESUNDHEIT Sind Sie häufig müde und überreizt? Es könnte daran liegen, dass Ihre Organuhr aus dem Takt geraten ist.
01.03.2015

GESUNDHEIT Sind Sie häufig müde und überreizt? Es könnte daran liegen, dass Ihre Organuhr aus dem Takt geraten ist. von Monika Herbst

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist die Aktivität jedes Organes einer festen Uhrzeit zugeordnet. Diese Organuhr stellt unseren täglichen Energiekreislauf dar und bringt feste Uhrzeiten mit bestimmten Organsystemen (Meridianen) in Verbindung. Nach der Organuhr unterliegt der Körper einem 24-Stunden-Rhythmus. In dieser Zeit hat jedes Organ aktive und ruhige Phasen. Auch in der westlichen Medizin geht man von einem circadianen Rhythmus (Bedeutung: rings um den Tag) der Organfunktionen aus, wenn diese auch nie ähnlich der Organuhr zugeordnet wurden. Es erleichtert dem Körper die Arbeit, Essenszeiten, Aktivitäts- und Ruhephasen weitgehend daran anzupassen.

Treten Beschwerden immer zu bestimmten Zeiten auf, könnte das Hinweise darauf geben, welches Organ beziehungsweise Organsystem die Beschwerden verursacht. Für die Mehrheit der Menschen passen die Zeiten der Organuhr. Für Frühaufsteher und Langschläfer verschieben sie sich entsprechend.

Auf den Körper hören

Wer um 9 Uhr immer noch seinem Bett hinterhertrauert oder, im Gegenteil, um 6 Uhr schon die erste Joggingrunde dreht, kann sich trotzdem an der Organuhr orientieren. Das Wichtigste: auf den eigenen Körper hören.

Ein Beispiel: „Nachts bis drei Uhr ist tiefste Naturdunkelheit“, erklärt Wu Li, Professor für TCM aus München. Auch bei uns Menschen sind um diese Zeit Atmung, Herzfrequenz und Blutdruck natürlicherweise am tiefsten Punkt. Wir sollten schlafen. Menschen mit Nacht- oder Schichtdienst leben zwangsläufig gegen diesen Rhythmus und leiden entsprechend häufiger an Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Magenproblemen, Unruhe und Müdigkeit. Morgens zwischen 5 und 7 Uhr fährt der Körper langsam wieder hoch. In dieser Zeit ist der Dickdarm am aktivsten, idealerweise muss man in dieser Zeit auf die Toilette. „Hat ein Patient nachts Stuhlgang, ist etwas aus der Balance geraten“, erklärt Johannes Demuth, Schulmediziner und Arzt für TCM. Kommt das häufiger vor, sollte man zum Arzt gehen.

In der chinesischen Heilkunde geht es seit jeher darum, den Menschen genau zu beobachten und Körper, Geist und Seele als Einheit zu betrachten. Gesundheit, Ausgeglichenheit und Glück gehören zusammen. Die Fünf-Elemente-Lehre der TCM spiegelt Werden, Wandlung und Vergehen, entsprechend der Jahreszeiten. Die natürlichen Rhythmen, wie sie die Jahreszeiten oder Tag und Nacht vorgeben, spielen dabei eine wichtige Rolle und finden sich auch in der Organuhr wieder.

Das Problem: Bei den meisten kommt die Entspannung zu kurz. Johannes Demuth erkennt das zum Beispiel daran, dass bei vielen Patienten mit Bluthochdruck der untere Wert aus dem Lot geraten ist – der Wert, der für die Entspannung des Herzens verantwortlich ist. Wir sind aus dem Takt geraten.

Aktiv ins Frühjahr starten

Dass wir oft entgegen der natürlichen Rhythmen leben, zeigt sich beispielsweise an der Frühjahrsmüdigkeit. „Im Winter wird es früh dunkel. Wir sollen in dieser Zeit mehr schlafen. Auch die Natur ruht im Winter“, erklärt Demuth. Statt uns anzupassen und geistig und körperlich ein Stück zurückzuziehen, stehen wir um 6 Uhr morgens auf, gehen zur Arbeit und trainieren bis 23 Uhr im Fitnessstudio. Die Folge: Wir starten erschöpft ins Frühjahr. Dabei ist das die Zeit, um nach der Ruhephase wieder richtig Gas zu geben. Die Sonne kommt, die Natur erwacht, alles wächst. Auch bei uns Menschen wird der Stoffwechsel schneller und intensiver. Um sich der Natur weitgehend anzupassen, rät der Mediziner, aktiv zu werden, rauszugehen und viele frische, grüne Sachen zu essen.

Die Einnahme von Medikamenten, Behandlungen wie Akupunktur oder Untersuchungen können zur jeweiligen Organzeit effektiver sein. So gibt Professor Li Patienten mit Herzproblemen möglichst gegen 11 Uhr einen Untersuchungstermin. Der Grund: Zwischen 11 und 13 Uhr arbeitet das Herz am intensivsten. „Das ist wie bei einem Auto. Wenn es mit hoher Leistung fährt, kann man besser erkennen, was kaputt ist“, so der Fachmann.

Tipps & Tricks: Alles zu seiner Zeit

3-5 Uhr: Lunge

Wer jetzt aufwacht, sollte das Schlafzimmer lüften, um mehr Sauerstoff zu bekommen und die Lunge zu entlasten.

5-7 Uhr: Dickdarm

Zwischen 5 und 7 Uhr ist der Dickdarm besonders aktiv. Gleich nach dem Aufstehen warmes Wasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust der Nacht auszugleichen.

7-9 Uhr: Magen

Der Körper braucht Nährstoffe. Kalorien werden schnell in Energie umgewandelt. Am besten warm frühstücken, z.B. Brei.

9-11 Uhr: Milz/Bauch-speicheldrüse

Um diese Zeit sind Durchblutung und Adrenalinausschüttung besonders hoch. Ab 10 Uhr können wir uns am besten konzentrieren. Ideal für konzentriertes Arbeiten.

11-13 Uhr: Herz

Die Aufmerksamkeit lässt nach. Der Körper steigert die Produktion der Magensäure und kann jetzt besonders gut verdauen. Die Hochphase des Herzens ist eine ideale Zeit für Telefonate und Besprechungen.

13-15 Uhr: Dünndarm

Nach dem Essen zerlegt der Dünndarm die Nahrung und versorgt den Körper mit Energie. Das Gehirn schüttet das Schlafhormon Melatonin aus. Wer kann, sollte sich jetzt 10 bis 30 Minuten hinlegen oder spazieren gehen. Gegen 14 Uhr beginnt ein Leistungshoch.

15-17 Uhr: Harnblase

Die Blase ist jetzt besonders aktiv. Wichtig: ausreichend trinken, am besten Wasser oder Kräutertee. Letztes Leistungshoch ab etwa 16 Uhr. Ideale Zeit für (Denk-)Sport.

17-19 Uhr: Niere

Die Körperfunktionen gehen zurück. Wer kann, lässt jetzt den Tag ausklingen. Nicht zu spät und nicht zu reichlich essen. Ideal ist z.B. warme Suppe.

19-21 Uhr: Kreislauf/Perikard

Puls und Blutdruck werden heruntergefahren. Der Körper stellt sich auf Ruhe ein. Auch die Verdauung: Deshalb am besten gar nichts mehr essen, vor allem aber kein Obst und keine Rohkost, da diese Gär- und Fäulnisstoffe bilden.

21-23 Uhr: Dreifacher Erwärmer

Die Melatoninkonzentration erhöht sich und macht schläfrig. Am bes-ten immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen, möglichst vor Mitternacht.

23-1 Uhr: Gallenblase

Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur werden heruntergefahren, die Sehkraft lässt nach. Der Schlaf wird für Aufbau und Erholung gebraucht. Wer jetzt nicht zur Ruhe kommt, ist am nächsten Tag überdreht und unkonzentriert.

1-3 Uhr: Leber

Kreislauf und Durchblutung sind runtergefahren, die Leber macht Entgiftungsarbeit, die Haut erholt sich. Zwischen 2 und 3 Uhr ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit auf dem Tiefpunkt. Erhöhtes Unfallrisiko für Autofahrer.

Mehr zum Thema

www.heilpraktiker.org/traditionelle-chinesische-medizin
Was ist Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)? Mehr dazu auf den Seiten des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker.

www.agtcm.de/patienten/therapeuten-suche.php
Eine bundesweite Therapeutensuche bietet die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin.

www.tcm-praxisnetz.de
Dokumentation von Erfahrungsmaterial der chinesischen Arzneitherapie.

Professor TCM Li Wu:
Noll, A. und Hemm, D.:

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