Wie Tourismus Wasserknappheit verschärft
Als ich mir letzten Sommer in Portugal nach einem sonnenverwöhnten Tag am Meer Sand und Salz vom Körper spülen wollte, verkündete ein Schild: „Wegen Wassermangels sind die Strandduschen an der Algarve bis auf Weiteres außer Betrieb.“ Auf meinem anschließenden Weg zum Campingplatz, vorbei an einem saftig grün schimmernden Golfplatz, verstärkte sich das ungute Gefühl in mir, dass Urlauber hier nicht unwesentlich zum Wasserengpass beitragen. Und tatsächlich: Der Tourismus erhöht den Druck auf das auch in Europa mittlerweile vielerorts knappe Gut Wasser. Neben Portugal kämpfen andere beliebte Urlaubsländer wie Griechenland, Italien und Spanien ebenfalls Jahr für Jahr mit Wassermangel. In Andalusien etwa ist der Donana-Nationalpark – einst eines der artenreichsten Feuchtgebiete Europas – fast ausgetrocknet. Sizilien droht zur Wüste zu werden und in Griechenland könnte der Stausee der bevölkerungsreichsten Region Attika in vier Jahren leer sein. Gleichzeitig boomt der Fremdenverkehr. Er spülte 2024 fast 40 Millionen Sonnenhungrige nach Griechenland und ganze 85 Millionen nach Spanien. Damit vervielfachte sich in diesen Ländern – vor allem während der trockenen Sommermonate – die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner.
Warum Wasserverbrauch im Urlaub steigt
Problematisch ist dabei nicht nur die schiere Masse an Menschen, sondern auch die Tatsache, dass unser Wasserverbrauch im Urlaub oft deutlich höher ist als daheim. Während wir Deutschen zu Hause rund 126 Liter Wasser pro Tag für Kochen, Duschen, Putzen & Co. verbrauchen, steigt diese Zahl auf Reisen rasch auf das 20-Fache an. Das liegt nicht nur daran, dass wir im Urlaub gern öfter und länger unter der Dusche stehen. Zimmer- und Wäschereinigung, erfrischende Pools und üppig bewachsene Grünanlagen, aber auch wasserintensive Freizeitaktivitäten wie Golf oder Wellness treiben den Verbrauch in die Höhe. Vielerorts kann der hohe touristische Wasserbedarf nur durch die Entsalzung von Meerwasser gedeckt werden, was jedoch sehr viel Energie verbraucht.
Tipp: Schützende Shirts
Rückstände von Sonnenschutz belasten natürliche Gewässer. Deshalb beim Baden im Fluss, im See oder im Meer lieber ein Schwimmshirt mit UV-Schutz anziehen, statt Sonnencremes und -lotionen zu verwenden.
Nachhaltig übernachten: Unterkünfte mit Wirkung
Kann man unter diesen Umständen in Südeuropa überhaupt noch guten Gewissens Urlaub machen? Eine berechtigte Frage, meint Dr. Ingrid Jacobsen, Expertin für Ernährungssicherheit, Klima und Landwirtschaft bei der Hilfsorganisation Brot für die Welt. Sie sagt: „Zum Glück hat Tourismus verschiedene Gesichter – und der verschwenderische Pauschaltourismus in riesigen Hotelanlagen ist nur eins davon. Wer stattdessen in einer kleinen Pension unterkommt, deren Erlöse nicht anonymen Investoren, sondern der lokalen Bevölkerung zugutekommen, macht schon vieles besser. Denn wenn das Wasser knapp und teurer wird, spüren die Menschen vor Ort das zuerst.“
Wasser sparen durch bewusstes Verhalten
Auch der Reisezeitpunkt müsse nicht unbedingt in die trockenste, heißeste Zeit des Jahres fallen, „wenn man es draußen eh kaum aushält“, so Jacobsen. „Und wer beispielsweise durch Schulferien zeitlich gebunden ist, findet Strand und Meer auch in nördlicheren Ländern Europas, wo Wasserknappheit bisher kein derart akutes Problem ist“, so die Expertin. In Ferienwohnungen oder im Wohnmobil können Reisende ihren Verbrauch am ehesten selbst beeinflussen. Allein der Verzicht auf täglichen Reinigungs- und Wäscheservice spart hier literweise Ressourcen. Außerdem helfen die Wasserspartipps, die für viele zu Hause ganz alltäglich sind und auch auf Reisen selbstverständlich sein sollten: kurz duschen statt ausgiebig baden, das Wasser beim Einseifen und Zähneputzen abstellen, die Spülmaschine nutzen, statt von Hand zu spülen. Und Campingfans sparen mit einer Trockentoilette nicht nur Wasser, sondern auch Chemie, die sonst das Abwasser belastet.
Wussten Sie's?
Virtuelles Wasser ist Wasser, das für die Herstellung von Nahrungsmitteln und Konsumgütern benötigt wird. Pro Person in Deutschland sind das täglich 5.000 Liter –
auf Reisen rund 1.000 Liter mehr.
Interview: Kosmetik im Wasser
Luise Körner vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Gibt es kosmetische Produkte, die man auf Reisen oder in der Freizeit ohne schlechtes Gewissen in der Natur verwenden kann, weil sie komplett biologisch abbaubar sind?
Dass ein Stoff biologisch abbaubar ist, bedeutet nicht, dass er auf unsere Gewässer keinerlei Auswirkungen hat. Wer im Meer, in Flüssen oder Seen badet, sollte möglichst komplett auf kosmetische Produkte verzichten. Das gilt auch für Sonnenschutzmittel: Es ist erwiesen, dass chemische UV-Filter mitverantwortlich für die Korallenbleiche sind. Sonnencremes mit physikalischen UV-Filtern sind hier die ökologischere Wahl.
Welche kosmetischen Inhaltsstoffe belasten unsere Gewässer besonders?
Wenn sich Mikroplastik und flüssige Kunststoffe in Wasserlebewesen wie
Fischen und Muscheln anreichern, können sie deren Kiemen und Magen-Darm-Trakt schädigen. In dekorativen Kosmetikprodukten, wie Tönungsshampoos, finden sich außerdem oft sogenannte Ewigkeitschemikalien: Diese meist unzureichend erforschten Stoffe reichern sich ungebremst in unserer Umwelt an. Und Konservierungsstoffe wie Parabene können hormonähnlich wirken und damit empfindliche Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen.
Können Kläranlagen diese Stoffe nicht einfach herausfiltern?
Viele Stoffpartikel sind so winzig, dass sie von Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können. Und selbst wenn, muss der Klärschlamm anschließend mit hohem Energieaufwand verbrannt werden, um die Stoffe unschädlich zu machen. Nachhaltiger ist es, Produkte mit giftigen Inhaltsstoffen gar nicht erst zu kaufen.
Wie erkennt man besonders gewässerschädliche Produkte?
Apps wie Toxfox helfen Verbraucherinnen und Verbrauchern, direkt beim Einkauf zu ermitteln, ob ein kosmetisches Produkt giftige Schadstoffe enthält und inwiefern diese bedenklich für Mensch, Natur und Umwelt sind. Wem Umwelt- und Gewässerschutz wichtig ist, greift am besten zu zertifizierter, pflanzenbasierter Naturkosmetik. Hier kann man sicher sein, dass kein Plastik, keine Parabene und auch keine Ewigkeitschemikalien drin sind.
Fragen und Antworten zum Wassersparen auf Reisen
Wie viel mehr Wasser verbrauchen Touristen im Urlaub?
Im Schnitt steigt der Wasserverbrauch im Urlaub auf das 20‑Fache – u. a. wegen häufigerer Duschen, Wäsche und Poolnutzung. Bewusste Spartipps helfen gegenzusteuern.
Welche Unterkunft spart am meisten Wasser?
Kleine Pensionen, Bio‑Hotels oder Ferienwohnungen sind oft nachhaltiger: weniger tägliche Reinigung, lokal verankert, transparente Wasserbilanz.
Wie lässt sich im Hotelzimmer Wasser sparen?
Einfach: kurze Dusche statt Bad, Hahn beim Einseifen zudrehen, Handtücher mehrfach nutzen und auf tägliche Zimmerreinigung verzichten.
Wie viel Wasser spart man durch einen Reise-Duschkopf?
Reise-Duschköpfe reduzieren den Durchfluss um bis zu 50 %, bei gleicher Dusche – ideal für umweltbewusstes Verhalten im Urlaub.
Warum Wasser sparen im Urlaub wichtig ist?
Trockenregionen wie Algarve, Griechenland oder Spanien leiden unter Wassermangel. Jeder eingesparte Liter schützt lokale Bevölkerung und Natur.
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