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Warenkunde: Schaumfestiger

Schaumfestiger gibt der Frisur Halt und Volumen. Naturkosmetische Produkte schaffen das ohne polyzyklische Moschusverbindungen und ohne Treibgas. // Astrid Wahrenberg
31.12.2006

Natürlich gestylt

Schaumfestiger gibt der Frisur Halt und Volumen. Naturkosmetische Produkte schaffen das ohne polyzyklische Moschusverbindungen und ohne Treibgas. // Astrid Wahrenberg

Die Tolle trägt er seit seinem 15. Lebensjahr, sie ist sein Markenzeichen. Doch weitere Fragen dazu mag Götz Alsmann nicht beantworten. So wissen wir nicht, mit welchem Produkt der Jazz-Musiker und Entertainer seinen Haarturm fixiert. Mit seiner auffälligen Welle vor der Stirn passt er eher in die Modewelt der 60er Jahre, denn solche Betonfrisuren sind nicht mehr gefragt.

Zum Weiterlesen

Die Schrot&Korn-Beiträge „Haare sind Spiegelbild der Seele“ und „Streit um Tenside – Tut Haare waschen gut?

Der perfekte Schnitt

Heute sind Frisuren angesagt, bei denen das Haar möglichst natürlich fällt und dennoch gut sitzt. Das gelingt vor allem mit einem perfekten Schnitt, der das Beste aus den natürlichen Anlagen herausholt. Was dann noch an Halt und Volumen fehlt, ersetzen Haarstyling-Produkte wie Schaumfestiger. Sie sind im Vergleich zu flüssigen Festigern praktischer in der Anwendung, weil sie sich besser dosieren lassen, nicht tropfen und sich gleichmäßiger im Haar verteilen lassen. Außerdem verkleben Schaumfestiger die Haare kaum und lassen sich recht einfach wieder ausbürsten.

Schaum aus der Pumpflasche

Während es im konventionellen Kosmetikmarkt eine unübersichtliche Vielzahl von Schaumfestigern für mehr oder weniger starken Halt gibt, bietet der Naturkosthandel vier Produkte an: Schaumfestiger „Styling Foam“ von Sante, der insbesondere für Fönfrisuren empfohlen wird, „Volume Designer“ für starken Halt von Wellments, ein Volumen-Schaumfestiger von Eubiona sowie ein Volumen-&Glanz-Schaumfestiger von Lavera. Alle vier kommen aus der Pumpflasche. Dieses System ersetzt Treibmittel und schont Ressourcen bei der Herstellung. Der flaumige Schaum ist nicht ganz so stabil wie Schaum aus der Treibgas-Sprühdose, erfüllt aber seinen Zweck genauso gut.

Was drin ist und festigt

Für Halt und Fülle sorgen natürliche Substanzen. Der „Volume Designer“ von Wellments, der sich auch für langes Haar eignet und Locken auf die Sprünge hilft, festigt mit Maisstärke. Diese setzt sich auf die Haarstruktur, ohne sie zu belasten oder zu beschädigen. Die entscheidenden Inhaltsstoffe im Sante-Schaumfestiger stecken auch in so manchem Genussmittel: Bier sorgt für mehr Volumen, Glucose (Zucker) für den Halt. Eubiona setzt in seiner Schaum-Rezeptur für Volumen und perfekten Sitz auf Minzhydrolat (durch Dampfdestillation gewonnener Pflanzenauszug), das von Natur aus festigend und stabilisierend wirkt. Im Lavera-Schaumfestiger sorgen Hopfen-, Reis- und Grüner Tee-Extrakt für Stand. Die Wirkstoffe sind jeweils in eine wässrigalkoholische Flüssigkeit eingearbeitet.

Die festigende Wirkung konventioneller Schaumfestiger beruht auf chemischen Substanzen. Polymere, sogenannte Filmbildner, legen sich um das Haar, stützen und formen es. Je mehr Filmbildner in einem Schaumfestiger sind, desto stärker die Wirkung.

Kritisch sind in konventionellen Schaumfestigern vor allem polyzyklische Moschusverbindungen. Die künstlichen Duftstoffe können sich im menschlichen Gewebe anreichern und stehen unter Verdacht, die Leber zu schädigen.

Was pflegt und konserviert

Chemisch-synthetische Farb- und Duftstoffe stecken in keinem der naturkosmetischen Schaumfestiger. Die Produkte duften aber trotzdem angenehm. Dafür sorgen natürliche ätherische Öle. Auch bei den Pflegekomponenten setzen die Unternehmen auf natürliche Wirkstoffe wie Aloe vera, Bambus, Weizen- und Seidenproteine oder pflanzliches Glyzerin, das haarglättende Eigenschaften hat. Damit sich aus dem wässrigen Festiger in der Flasche beim Pumpen ein flaumiger Schaum entwickelt, sind Tenside nötig. Naturkosmetik-Hersteller verwenden dabei möglichst milde Tenside (siehe Schrot&Korn 6/2006: Streit um Tenside). Diese helfen dabei, die Inhaltsstoffe im Festiger gut zu verteilen und wirken auf dem Haar antistatisch. Konserviert sind die Schaumfestiger mit Alkohol. Auch die ätherischen Öle haben eine konservierende Wirkung. Wellments hat zusätzlich Sorbin- und Benzoesäure zugesetzt. Beides sind Konservierungsmittel, die für Naturkosmetik nach den Richtlinien des BDIH (Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel) erlaubt sind.

BDIH-geprüfte Schaumfestiger

Die Schaumfestiger von Sante und Eubiona tragen das BDIH-Siegel für geprüfte Naturkosmetik. Der Wellments-Schaumfestiger, den es schon seit einigen Jahren gibt, trug das Siegel kurzzeitig im vergangenen Jahr. Die Firma hatte die Rezeptur eigens für die Zertifizierung umgekrempelt. Doch das Produkt verkaufte sich danach nicht mehr so gut. Die Stammkunden verlangten nachdrücklich „ihren“ alten Festiger zurück. Also nahm Wellments das neue Produkt vom Markt und stellte die Produktion wieder auf die alte Rezeptur um. Auf die BDIH-Zertifizierung muss der Hersteller nun verzichten. Die vereitelt die Zutat Cocamidopropyl Betaine, ein Tensid auf Kokosnussbasis, das der BDIH aufgrund seiner umweltbelastenden Herstellung ablehnt. Der Schaumfestiger von Lavera ist ebenfalls nicht BDIH-zertifiziert. Bei ihm liegt es an Panthenol, das bislang nicht natürlich gewonnen werden kann. Der BDIH lehnt synthetische Substanzen ab.

Kleine Geschichte des Haar-Stylings

Die 50er prägt Elvis Presley mit seiner Tolle. Frauen tragen Pferdeschwanz und Petticoat. Haarspray wird erfunden. Es basiert auf Schellack – einer klebrigen Substanz, die von Läusen produziert und heute teilweise noch in natürlichen Lacken verwendet wird.

Die 60er gehören den Beatles und ihren Pilzköpfen. Frauen frisieren sich wie Jackie Kennedy. Sie toupieren ihr Haar und fixieren es mit Spray. Synthetische Polymere werden erfunden und ersetzen Schellack in den Sprays. Ein Antifett-Haarspray trägt den damaligen Gepflogenheiten Rechnung: Haare wurden damals nur alle paar Wochen gewaschen.

In den 70ern tragen Frauen Minirock und Schlaghose. Hippie-Frisuren, Afro-Look und romantische Föhnfrisuren mit Außen- oder Innenrolle sind angesagt. Das erste Styling Mousse kommt auf den Markt.

In den 80ern drückt die Frisur ein Lebensgefühl aus. Punk- und Irokesenschnitte tauchen auf, Popper-Frisuren, Dauerwelle und asymmetrisch geschnittene Haare mit harten Konturen sind Trend. Das erste FCKW-freie Haarspray kommt heraus. Die 90er bieten Unmengen verschiedener Produkte von Gel, über Schaumfestiger bis hin zu wiederbefüllbare Pumpsprays. Männer werden als Kunden entdecken.

Tipps für Welle und Krause

Welliges Haar profitiert von Schaumfestiger besonders, denn damit lassen sich Locken hineinkneten. Umgekehrt lässt sich eine zu krause Struktur mit Schaumfestiger bändigen. Dazu den Schaum im feuchten Haar verteilen und das Haar bei milder Hitze föhnen. Die Haare ständig mit den Händen kneten. Als Finish Haarspray darübersprühen. Das fixiert die Locken und gibt den Haaren zusätzlichen Glanz.

Lieber keine Betonfrisur

Je stärker der Halt, umso eher verkleben die Haare. Gerade längeres Haar sieht dann fettig-strähnig statt frisch frisiert und füllig aus. Schaum für ultrastarken Halt lässt sich zudem nur schwer wieder ausbürsten. Einzelne Haare können abbrechen. Wenn es natürlich aus-sehen soll, empfiehlt es sich, eine Festigerstufe niedriger ins Haar zu kneten und, falls nötig, die Frisur zwischendurch mit einem Klecks Schaumfestiger wieder aufzufrischen.

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