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Neben Honig und Pollen produzieren Bienen auch Gelee Royale. Er wird von vielen Menschen als Gesundheitselixier geschätzt. Meist kommt er aus China, sehr selten gibt es Bio-Ware aus deutschen Landen. Manche Imker lehnen die kommerzielle Gewinnung von Gelee Royale aus ökologischen Gründen ab.
01.10.2000
Neben Honig und Pollen produzieren Bienen auch Gelee Royale. Er wird von vielen Menschen als Gesundheitselixier geschätzt. Meist kommt er aus China, sehr selten gibt es Bio-Ware aus deutschen Landen. Manche Imker lehnen die kommerzielle Gewinnung von Gelee Royale aus ökologischen Gründen ab.

Gelee Royale

Neben Honig und Pollen produzieren Bienen auch Gelee Royale. Er wird von vielen Menschen als Gesundheitselixier geschätzt. Meist kommt er aus China, sehr selten gibt es Bio-Ware aus deutschen Landen. Manche Imker lehnen die kommerzielle Gewinnung von Gelee Royale aus ökologischen Gründen ab.

Der Name klingt viel versprechend: Gelee Royale. Das französische Wort hat sich als Bezeichnung für den Futtersaft durchgesetzt, den die Arbeitsbienen zwischen dem sechsten und zehnten Lebenstag in ihren Oberkiefer- und Schlunddrüsen bilden. Ähnlich der Muttermilch der Säugetiere enthält das Sekret alles, was die Bienenlarve für ihre gesunde Entwicklung braucht. Während aber normale Bienenlarven den so genannten Weiselfuttersaft nur drei Tage lang als Kraftnahrung bekommen und dann auf Honig und Pollen umsteigen, ernährt sich die Bienenkönigin von Gelee Royale auch nach dem Schlüpfen ein Leben lang. Derart bevorzugt, kann sie bis zu fünf Jahre alt werden und täglich rund 2.000 Eier legen, eine gewaltige Leistung. Gewöhnliche Arbeitsbienen dagegen sterben schon nach einem Monat.

Seit Jahrtausenden beobachten Menschen die erstaunlichen Wirkungen, die Gelee Royale im Bienenreich hervor ruft. Ob mit Attributen wie "Götterspeise" der Königinnenfuttersaft gemeint war, wissen wir jedoch nicht. Inzwischen ist aber die chemische Zusammensetzung von Gelee Royale weitgehend bekannt. Er besteht zu 25 Prozent aus Wasser, 12 bis 31 Prozent aus Eiweiß sowie aus Kohlenhydraten (15 Prozent) und verschiedenen Lipoiden.

Für die viel beschworene Heilkraft scheinen aber die in geringeren Mengen vorkommenden Begleitstoffe bedeutsamer. Dazu zählen unter anderem die Vitamine B1, B2, B6 und B12, Folsäure, Ascorbinsäure, Biotin, Phosphor und diverse Spurenelemente. Auch Acetylcholin, Cholinesterase und 22 freie Aminosäuren spielen wohl eine Rolle.

Gelee Royale wurde bereits 1763 entdeckt. Die therapeutische Anwendung beim Menschen ist jedoch erst seit den fünfziger Jahren möglich - dank der Vorarbeiten des Franzosen de Belvefer. Zwar ist die Wirkung im Detail bis heute nicht erforscht, doch gibt es zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die den erfolgreichen Einsatz von Gelee Royale als allgemeines Kräftigungs- und Arzneimittel dokumentieren.

Die antriebsteigernde Wirkung ist seit langem bekannt

Dass die Laienpresse Gelee Royale phasenweise zum Wundermittel stilisiert hat, hat seinem Ansehen eher geschadet. Ungeachtet solcher Übertreibungen lassen sich positive Wirkungen auf den menschlichen Organismus aber nicht leugnen. Edmund Herold und Gerhard Leibold beschreiben in ihrem Buch "Heilwerte aus dem Bienenvolk" (Ehrenwirth Verlag) ihre Erfahrungen mit Gelee Royale in der Naturheilpraxis. Durch die Einnahme des Bienenprodukts wird demnach der gesamte Organismus, vor allem aber das Nervensystem gestärkt.

Die Wuchsstoffe, die sich in Gelee Royale finden, sorgen dafür, dass der Mensch die Nahrung besser verwerten kann. Östrogenartige Hormone scheinen Herz und Kreislauf anzuregen und die sexuellen Funktionen zu stimulieren. Wechseljahrbeschwerden, so heißt es, ließen sich mit Gelee Royale mildern. Gefördert wird auch die Durchblutung der Haut, weshalb man den königlichen Saft innerlich und äußerlich als Kosmetikum einsetzt.

Dank der leicht antriebssteigernden bis euphorisierenden Wirkung sprechen Patienten mit leichten depressiven Verstimmungen und sogar schweren endogenen Depressionen auf regelmäßige Gaben von Gelee Royale an. Die Substanz besitzt wie der Honig auch keimhemmende Eigenschaften, was antibiotische Effekte bei Infektionen erklärt. Je nach Beschwerden kann die zugeführte Menge variieren. Im Schnitt liegt sie bei 100 bis 250 Milligramm pro Tag.

Der Mediziner Dr. Hans Haferkamp, der die vorliegenden Forschungsergebnisse kritisch überprüft hat, hält nur standardisierte Präparate ohne weitere Zusätze (zum Beispiel von Vitaminen) zur Behandlung für geeignet. Bei Mischung von Gelee Royale mit anderen Substanzen komme es zu einem Umbau des Naturprodukts, dessen Wirkung nur durch die Gesamtheit seiner Inhaltsstoffe erklärbar sei. Wie diese sich etwa in Alkohol verhalten, ist nicht abzusehen. Möglicherweise liegt das wirkliche Geheimnis von Gelee Royale auch in den knapp drei Prozent der Bestandteile, die den Forschern immer noch Rätsel aufgeben. Als relativ sicher gilt nur, dass Gelee Royale den menschlichen Grundumsatz um 24 Prozent steigert. Die meisten Wissenschaftler sehen den Grundumsatz als verlässlichen Maßstab für die Intensität der Lebensvorgänge an.

Streitpunkt: Darf man den Bienen die Königin stehlen?

Das Gros des in Deutschland angebotenen Gelee Royales wird aus China importiert, heimische Imker machen sich nur selten die Mühe, neben Honig, Wachs und Pollen auch den Futtersaft der Königin zu "ernten". Man gewinnt ihn, indem man einem Bienenvolk die Königin wegnimmt und vorgefertigte Königinnenzellen in den Bienenstock einsetzt. Die Tiere beginnen daraufhin mit der Aufzucht und füttern ihre Larven mit Gelee Royale. Nach drei Tagen wird der Futtersaft entnommen und sofort weiter verarbeitet. In der Regel wird er durch schonende Gefriertrocknung konserviert, weil er in frischer Form nur kurze Zeit halten würde. Bei einem starken Volk lassen sich 50 bis 100 Mutterzellen einsetzen und pro Zelle 200 bis 300 mg heraus holen.

Die Buchautorin Erica Bänziger spricht in diesem Zusammenhang von einer "Extremsituation für das Bienenvolk" und warnt vor "schwerwiegenden Entwicklungsstörungen" als Folge des Eingriffs ins fein ausgewogene Gleichgewicht. Weil Gelee Royale so gesehen ein Luxusprodukt sei, "lehnen naturnah wirtschaftende Imker die Produktion von Gelee Royale für die menschliche Ernährung generell ab".

Diese Einschätzung teilt Michael Mehler, Großhändler für Bienenerzeugnisse und Bio-Imker, nicht. Von seinen 10 Bienenvölkern, die er in der Eifel pflegt, erntet er pro Volk etwa vier Kilogramm EU-zertifizierten Gelee Royale im Jahr. Während China-Ware zwischen 65 und 85 Mark pro Kilo gehandelt wird, kostet Mehlers Bio-Produkt circa 580 Mark. Damit ist er vermutlich einer der ganz Wenigen im Lande, die kontrolliert ökologischen Gelee Royale listen. Der Gelee Royale, den die Konstanzer Niederlassung der Schweizer Firma Bioforce vertreibt, ist konventioneller Herkunft und stammt aus Fernost. Er wird hier in 10 g-Gläschen abgefüllt und unter anderem über Naturkostläden vertrieben.

Das gesundheitsfördernde Potenzial von Gelee Royale ist auch den im Demeter-Bund organisierten Imkern bekannt. Trotzdem verzichten sie bewusst auf die kommerzielle Gewinnung des Futtersaftes und greifen nur auf die geringen Mengen, die im Rahmen der natürlichen Völkervermehrung anfallen, zurück. Die Bienenvölker weisellos (ohne Königin) zu halten, künstlich aufzufüttern und anschließend zu "melken", so heißt es, komme für Demeter-Imker nicht in Betracht.

Ungeachtet solcher Kontroversen um die richtige Bienenhaltung genießt Gelee Royale unter Insidern generell hohe Wertschätzung. Der gelbliche Saft, der stechend riecht und säuerlich schmeckt, wird auch oft als Trinkampulle, mit Honig vermischt oder in Salbenform verwendet. Eine direkte gesundheitsbezogene Werbung ist aus Gründen des Arzneimittelrechts untersagt. Trotzdem ist die Zahl der in der Literatur erwähnten therapeutischen Anwendungen fast schon Legion.

Bei Gesunden soll Gelee Royale allgemein vitalisierend wirken, den Appetit steigern und die geistige wie die körperliche Potenz erhöhen. Kranke Menschen, vor allem Rekonvaleszenten erlangen angeblich wieder neue Kräfte. Etlichen Mikroorganismen, darunter auch der Tuberkulose-Erreger, macht der Futtersaft der Bienenkönigin das Leben schwer. Glaubt man dem Journalisten Arne Lund, so lassen sich Furunkel, Abszesse, Milzbrand und Entzündungen des Darms mit Gelee Royale erfolgreich bekämpfen. Der Naturarzt Alfred Vogel, Gründer des Unternehmens Bioforce, hat die "Apitherapie" mit Gelee Royale auch bei Asthma, Bronchitis und Keuchhusten im Kindesalter erwähnt. Sogar bei Krebsdisposition, so schreibt Vogel in seinem Kompendium "Der kleine Doktor", soll die regelmäßige Einnahme von Gelee Royale "vorzüglich wirken".

Auf jeden Fall lohne es sich, dem Stoff in Zukunft mehr Beachtung zu schenken. In allen seriösen Publikationen wird aber gleichzeitig vor Übertreibungen gewarnt: Gelee Royale sei weder ein Allheilmittel noch ein Jungbrunnen. Skrupellose Geschäftemacher machten mit derlei Sensationsmeldungen bei gutgläubigen Hilfesuchenden schnelles Geld.

Hans Krautstein

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