Fitness

SUP-Yoga: Sonnengruß auf dem Wasser

Runter von der Matte, rauf aufs Stand-up-Paddle-Board. Yoga auf dem Wasser schult die Balance. Das Bad im See gibt‘s inklusive. 

Langsam gleiten die Stehpaddler auf ihren Brettern hinaus auf den Sylvensteinsee. Es ist halb zehn Uhr an einem Sommermorgen. Noch ist es kühl auf dem Stausee in den Bayerischen Alpen, die Sonne kommt gerade erst über die Gipfel. Mitten auf dem See bilden die Paddler einen Kreis. Sie binden ihre Bretter sternförmig aneinander – und beginnen mit Yogaübungen.

Was ist SUP-Yoga?

Mit dabei ist Christian Sindlhauser. Yoga hatte er zuvor schon gemacht. „Sonnengruß“ und „Kobra“ auf dem Wasser zu wagen, war neu für ihn. „Schon bei dem Versuch, die Arme hochzustrecken, habe ich gemerkt, wie schnell es auf dem Brett wackelig wird“, schildert er seine Anfänge.

Das Paddelbrett, Stand-up-Paddling-Board oder kurz SUP-Board genannt, ist eines der Trendsportgeräte der vergangenen Jahre. Es ähnelt einem Surfbrett, auf dem sich der Sportler im Stehen mit Hilfe eines Paddels fortbewegt. Ob auf Seen, Flüssen oder dem Meer, mittlerweile sind die Stehpaddler fast überall unterwegs.

SUP-Yoga: So geht's

Einfach mal ausprobieren

Was brauche ich?

Ein SUP-Brett, Paddel, Badekleidung und Sonnenschutz.

Ist jedes Brett geeignet?

Theoretisch ja. Profis empfehlen aufblasbare Boards, die bequemer sind als jene aus Holz.

Womit fange ich an?

Anfänger starten am besten mit Übungen, bei denen die Gefahr zu kippen gering ist. Ein Beispiel: Balasana, die Stellung des Kindes: Man setzt sich auf die Fersen, legt die Stirn auf den Boden, die Hände legt man mit den Handflächen nach oben neben die Füße.

Wie mache ich‘s richtig?

Nicht verkrampfen – den Sturz ins Wasser in Kauf nehmen.

Worauf muss ich achten?

Auf das Wetter. Bei Gewitter am Ufer bleiben. Und: Vorfahrtsregeln auf Seen und Flüssen beachten. SUPs müssen Schiffen und Booten Platz machen.

Und natürlich: Niemals in geschützte Gebiete hineinfahren!

Warum ist SUP-Yoga sinnvoll?

Aber wie kommt man auf die Idee, seine Yogamatte mit dem schwankenden Brett zu tauschen? Der schwedischen Yogalehrerin Rachel Brathen kam der Gedanke, als sie eines Tages am Strand ihre Übungen machte, während ihr Mann auf dem Meer surfte. „Ich habe es zunächst auf seinem Surfbrett ausprobiert, aber ohne Erfolg“, erinnert sich Brathen, die auf der Insel Aruba in der Südkaribik ein Yogazentrum führt, „bis ich die Stand-up-Paddling-Boards entdeckte, die sind etwas größer“.

Vor allem geht es beim SUP-Yoga aber darum, Spaß zu haben und etwas Neues zu erleben. Grundsätzlich ist weder Erfahrung im Stehpaddeln noch im Yoga erforderlich. Nur Schwimmen sollte man können, auch mehrere Minuten am Stück. Schlimmstenfalls plumpst man ins Wasser, ansonsten kann nicht viel passieren. Für den Anfang sind sitzende Positionen und Übungen im Vierfüßlerstand gut geeignet. Das ist schon schaukelig genug. „Schaut man zum Beispiel, was die Person auf dem Board nebenan macht, verliert man schnell mal die Balance“, weiß Melanie Green, SUP-Yogalehrerin am Starnberger See.

Unruhige Unterlage stärkt das Balance-Gefühl

Ähnliche Erfahrungen schildert Kursteilnehmer Christian Sindlhauser. Wenn ein Teilnehmer versuche, die Balance zu halten, erzeuge er unter Umständen Wellen. „Dann reagieren die anderen, alles schaukelt sich auf und es wird noch wackeliger“, sagt er. „Es ist daher deutlich anstrengender als Yoga auf festem Boden.“

„Die unruhige Unterlage stärkt das Balancegefühl“, bestätigt Marisa Weber, deren Yogaschule Fünfseenyoga den Kurs auf dem Sylvenstein-Stausee angeboten hat. Außerdem aktiviert das SUP-Yoga Muskeln, die sonst nur wenig zum Einsatz kommen. Wichtig sei es, sich nicht gegen das Fallen zu wehren, rät Marisa Weber. Sie hat beobachtet, dass manche Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen verkrampften. „Da geht der Sinn des Yoga verloren.“

Wo kann man SUP-Yoga machen?

Bretter zum Stehpaddeln kann man sich ausleihen. Wer ein eigenes Board besitzt, sollte prüfen, ob es für Yoga­übungen geeignet ist. Allgemein gilt: Je breiter das Brett ist, desto stabiler ist es. Einmal in Position gebracht, kann man die Paddel an den Tragegurten des Bretts befestigen. Manche Hersteller bieten SUP-Boards eigens für Yoga an, beispielsweise mit einer speziellen Auflage, die einer Yogamatte ähnelt.

Egal wie geeignet das Brett ist, alle Übungen lassen sich darauf aber nicht ohne Weiteres umsetzen. „Die Vorstellung, fest mit dem Boden verwurzelt zu sein, wie bei der Baum-Position, fällt auf dem schwankenden Board doch schwer“, sagt Christian Sindlhauser.

Lust aufs SUP-Yoga bekommen? Kurse wie den auf dem Sylvensteiner Stausee gibt es inzwischen an vielen Orten – von den Alpen bis Sylt und sogar in Hallenbädern.

Buchtipps

Moser, Philipp; Egger, Beate: Yoga auf dem SUP. Delius Klasing 2021, 144 Seiten, 19,90 €

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