Jeden Tag eine gute Entscheidung. Für eine bessere Welt. Für uns alle.
Leben

Seife - nicht immer pur Natur

Seife ist das älteste Hautreinigungsmittel der Welt. Auch zum Waschen und Putzen kann man sie verwenden. Im Idealfall belastet sie weder das Abwasser noch den Menschen. Doch ganz so natürlich, wie viele denken, sind die meisten Seifen nicht.
01.01.2000
Seife ist das älteste Hautreinigungsmittel der Welt. Auch zum Waschen und Putzen kann man sie verwenden. Im Idealfall belastet sie weder das Abwasser noch den Menschen. Doch ganz so natürlich, wie viele denken, sind die meisten Seifen nicht.

Seife ist das älteste Hautreinigungsmittel der Welt. Auch zum Waschen und Putzen kann man sie verwenden. Im Idealfall belastet sie weder das Abwasser noch den Menschen. Doch ganz so natürlich, wie viele denken, sind die meisten Seifen nicht.

Glaubt man dem "eisernen Kanzler" Otto von Bismarck, so kann man die Zivilisationshöhe eines Volkes an seinem Seifenverbrauch messen. Das älteste Hautreinigungsmittel der Welt kannten schon die Babylonier, die es zu Hause herstellten. Erst im Mittelalter entstand ein Seifensiederhandwerk und im 19. Jahrhundert die industrielle Produktion.

Seifen sind chemisch gesehen die Salze höherer Fettsäuren. Wer sie gewinnen will, muss Fette spalten (verseifen), das heißt die Bindung von Glycerin und Fettsäuren sprengen. Dies geschieht oft mit Natronlauge, wobei man die festeren Kernseifen erhält. Beim Einsatz von Kalilauge bilden sich geleeartige Schmierseifen. Die Rohfette, entweder Pflanzenöle oder auch tierische Substanzen wie Tran und Talg, werden erhitzt, die Öle manchmal nur auf 50, härtere Fette auf 70 bis 300 Grad. Gibt man Kalilauge hinzu, ist "Seifenleim" das Ergebnis. Während die Schmierseife damit praktisch fertig ist, braucht man für die Herstellung von Kernseife zusätzlich Kochsalz, das die Trennung von Metallsalzen und Glycerin weiter fördert. Durch Klarsieden wird der Kern später gereinigt, durch Kühlen verfestigt und in Pressen je nach Wunsch geformt oder durch Schneiden in Stücke geteilt. Mit Hilfe diverser Duft- und Farbstoffe bekommt die Seife dann ihr endgültiges Gesicht.

Die verschiedenen Seifenarten, die im Handel sind, unterscheidet man nach ihrem Verwendungszweck. Haushaltsseifen sind einfache Kern- und Schmierseifen, die Parfümöl oder Kaliumzusätze zur Verbesserung der Streichfähigkeit enthalten können. Seifenflocken macht man aus getrockneten Festseifen, die man erwärmt, zu einem dünnen Film auswalzt und mit dem Messer zerschneidet. Am häufigsten verkauft werden Fein- oder Toilettenseifen zur Körperreinigung. Darin findet man neben Duftölen auch chemische Stabilisatoren gegen das Ranzigwerden, Komplexierungs- und Überfettungsmittel (Rückfetter) sowie Deodorantien, die schweißzersetzende Bakterien töten und unangenehme Gerüche binden. Zu den Feinseifen gehören auch Cremeseifen, die milden Kinder- oder Babyseifen und Transparentseifen, in die man Glycerin, Zuckerlösung oder Alkohol einarbeitet, um die Kristallisation zu hemmen.

Medizinische Seifen, denen man Desinfektionsmittel beigibt, werden vor allem bei Hautkrankheiten eingesetzt. Um synthetische Festseifen handelt es sich bei den so genannten Syndets. Zwar kann man darin auch geringe Anteile klassischer Seife finden, doch in erster Linie bestehen sie aus synthetischen Tensiden und diversen Zusatzstoffen. Flüssigseifen können sowohl aus natürlichen Ölen und Fetten als auch auf der Basis von Syndets hergestellt sein. Mit Seifen im eigentlichen Sinne sind Hautreinigungsgelees kaum zu vergleichen. Sie bestehen fast immer aus einer wässrigen Syndet-Lösung plus Verdickungsmittel oder Emulsionen aus organischen Lösungsmitteln und Syndets. Handreinigungsmittel für stark verschmutzte Haut werden als feste Seifen, Pulver, Pasten oder Flüssigkeiten angeboten. Hier handelt es sich vorwiegend um Gemische aus Schmierseifen, Syndets, Tensiden und Scheuermitteln. Auch die früher in der Bio-Szene als Universalreinigungsmittel gepriesene Neutralseife ist ein synthetisches Erzeugnis. Zudem ist ihr Name nur eine Handelsbezeichnung und ziemlich irreführend. Während echte Seifen grundsätzlich alkalisch (basisch) sind, hat Neutralseife einen niedrigeren pH-Wert.

Die Qualität einer Seife hängt in erster Linie von den verwendeten Fetten ab. Alle anderen Beigaben wie Pflanzenextrakte, Farben und Duftstoffe machen insgesamt nur etwa drei Prozent aus. Die industrielle Seifenproduktion wird von wenigen großen Herstellern dominiert, von denen fast alle Anbieter ihre "Grundseife" beziehen. Auch viele derjenigen, die ihre Produkte im Segment Naturkosmetik vertreiben. Eine eigene Seifenfabrik besitzen in der Naturwarenbranche nur Walter Rau (Speickwerk) und Sodasan.

Konventionelle Hersteller greifen fast immer auf Billigfette - auch tierische - zurück, die sie mit künstlichen Farbstoffen und Duftnoten aufpeppen und in Form pressen. Während sie für die Rohstoffe Pfennigbeträge ausgeben, investieren sie viel Geld in Marketing und Verpackung.

Von dieser Praxis wollen sich die Naturwarenfirmen bewusst unterscheiden. So verwendet man nur Pflanzenöle wie Palmöl, Kokosöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Doch bei den Zusatzstoffen ist man nicht durchweg zurückhaltend. Manche Hersteller setzen den chemischen Komplexbildner EDTA ein, andere erlauben "naturidentische" Düfte - wie aus den Zutatenlisten zu ersehen ist. Der Geschäftsführer von Sodasan, Jürgen Hack, ist davon überzeugt, "dass wir uns damit unser Image versauen". Er will sich "nicht als Papst aufspielen" doch sollten die Rohstoffe unbedingt aus kontrolliert biologischem Anbau sein. Bei Sodasan und denen, die man per Lohnauftrag bestückt, ist das der Fall. Bei anderen mitunter nicht.

Natürliche Seifen, stellt Hack fest, sind umweltfreundlich und belasten die Gewässer kaum. Gut seien Seifen bei vernünftigem Einsatz auch für die menschliche Haut, obwohl viele Werbestrategen für pH-neutrale Kunstmittel die Trommel rühren. Was sich seit Jahrtausenden bewährt habe, meint Hack, könne so schlecht nicht gewesen sein.

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge