Schwangerschaft

Mythen rund um Schwangerschaft

Wir hinterfragen gängige Mythen rund ums schwanger Sein. Was ihr wissen solltet oder getrost vergessen könnt.

Ein Glas Sekt auf der Hochzeit? Rohmilch vom Hof? Rund um die Schwangerschaft kursieren unzählige Ratschläge – gut gemeint, aber nicht immer gut belegt. Wir haben verbreitete Mythen geprüft und zeigen, was wirklich dahintersteckt. 

Fakt oder Fake: Nur ein Gläschen

Fakt: Für Alkohol in der Schwangerschaft gibt es keine sichere Menge. Schon kleine Mengen können die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Fachleute raten deshalb klar zu Null Alkohol. Zum Glück gibt es jede Menge alkoholfreie Alternativen – von Bio-Secco bis Kräuter-Aperitif.

Sporteln oder lieber nicht?

Früher hieß es: Schwangere Frauen sollten sich lieber ausruhen. Heute weiß man, dass regelmäßige, angepasste Bewegung in einer unkomplizierten Schwangerschaft sinnvoll ist. Spazierengehen, Schwimmen, Yoga oder Radeln in moderatem Tempo kann das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes senken und das Wohlbefinden steigern. Leichte Bewegung verbessert auch die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Kindes.

Geht schwanger sicher streifenfrei?

Auf sie würden Schwangere gern verzichten: Schwangerschaftsstreifen. Regelmäßige Pflege mit hochwertigen, geeigneten Ölen kann die Haut geschmeidig und elastisch halten und Juckreiz lindern. Ob sich dadurch allerdings die Dehnungsstreifen ganz verhindern lassen, ist fraglich. Die wissenschaftliche Datenlage ist begrenzt.

Schadet Kaffee in der Schwangerschaft?

Kaffee ist nicht grundsätzlich tabu – entscheidend ist die Menge. Als Orientierungswert werden häufig maximal 200 mg Koffein pro Tag genannt (das entspricht etwa ein bis zwei Tassen Filterkaffee, je nach Stärke). Achtung: Auch Cola, Energydrinks, schwarzer Tee oder Schokolade enthalten Koffein.

Was ist dran am "Iss-für-zwei!"?

Der Energiebedarf steigt in der Schwangerschaft nur moderat. Wichtig ist es vor allem, nährstoffreich und vollwertig zu essen. Das Motto: Für zwei denken, nicht für zwei essen, bringt es auf den Punkt. Lebensmittel sollten möglichst frisch zubereitet werden. Vollwertig und nährstoffreich bedeutet, Vollkorn- statt Weißmehlprodukte zu essen sowie saisonales Obst und Gemüse zu bevorzugen.  
Heißhunger auf Fleisch ist in der Schwangerschaft selbst bei Vegetarierinnen oder Veganerinnen möglich. Medizinisch gesehen kann das ein Signal für einen erhöhten Nährstoffbedarf sein. Etwa, dass der Körper Eisen, Zink, Proteine und Vitamin B12 benötigt, um die Blutbildung und das Wachstum des Fötus zu unterstützen. Wichtig ist, dass Fleisch immer komplett durchgebraten ist, um Infektionen wie Toxoplasmose oder Listeriose zu vermeiden. 

Mythos oder Wahrheit: Ist Sex in der Schwangerschaft riskant?

In einer normal verlaufenden Schwangerschaft ist Sex bis zum Blasensprung grundsätzlich erlaubt, denn das Baby ist durch das Fruchtwasser und die Gebärmutter gut geschützt. Ein Orgasmus kann Entspannung fördern, während Prostaglandine im Sperma gegen Ende der Schwangerschaft wehenfördernd wirken können. Sexverzicht kann ratsam sein bei Blutungen, vorzeitigen Wehen, Infektionen, Mehrlingsschwangerschaften oder nach ärztlicher Anweisung. Bei Schmerzen oder Blutungen sollten Sie umgehend Ihre Ärztin aufsuchen. 

Ist Käse grundsätzlich für Schwangere tabu?

Welche Sorten sind sicher, auf welche sollten Schwangere verzichten?

  • Grundsätzlich gilt: In der Schwangerschaft sollten Frauen bei Milchprodukten auf die Angabe „aus pasteurisierter Milch“ achten. Milch und Käse aus auf über 70 Grad Celsius erhitzter Milch sind unbedenklich. Und besser ist es, die Käserinde abzuschneiden und nicht mitzuessen.
     
  • Auf Rohmilch und Rohmilchkäse sollten Schwangere verzichten. Sie können Keime wie Listerien enthalten. Für Schwangere und ihr Baby kann das schwerwiegende Folgen haben. Rohmilch und Rohmilchkäse können aber verzehrt werden, wenn sie über 70 Grad erhitzt wurden, also abgekocht sind oder z.B. zum Überbacken verwendet wurden.
     
  • Tabu für Schwangere ist ... 
    ... Weichkäse aus Rohmilch wie Camembert und Brie. 
    ... Blauschimmelkäse, egal ob aus Rohmilch oder pasteurisiert, wie Gorgonzola oder die Blaue Kornblume.
    ... Käse mit Rotschmiere wie Limburger, egal ob aus Rohmilch oder pasteurisierter Milch.
    ... Frischkäse, wenn er offen verkauft wird, sogar wenn er aus pasteurisierter Milch hergestellt ist.
     
  • Eine Ausnahme unter den Rohmilchkäsen bildet Hartkäse. Er ist erlaubt. Zu den Hartkäsen zählen z.B. Parmesan, Montello, Allgäuer Emmentaler oder Bergkäse, da sie durch die lange Reifungszeit (über drei Monate) stark abgetrocknet sind, wenig Wasser enthalten, sehr salzig sind, und sich gefährliche Keime wie Listerien dadurch nicht vermehren können. Dennoch wird empfohlen, die Rinde sicherheitshalber zu entfernen. 
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