Was ist das Netzwerk Rechte der Natur?
Das Netzwerk Rechte der Natur ist die zentrale Plattform in Deutschland für alle, die sich für die Anerkennung der Natur als Rechtssubjekt einsetzen. Christine Ax, die Vorständin des Netzwerks, erklärt: „Wir sind ein Zusammenschluss von unterschiedlichen Menschen – Jurist:innen, Künstler:innen, Philosoph:innen, Ökonom:innen, Naturschützer:innen und vielen mehr, die gemeinsam die Rechte der Natur voranbringen.“
Was bedeutet Natur als Rechtsperson?
Im Fokus steht die Forderung nach einer Grundgesetzänderung, damit Natur nicht länger als Sache, sondern als Rechtsperson gilt. Solange die Natur keine eigenen Rechte besitzt, unterliegen ihre Belange regelmäßig den Grundrechten von Menschen. „Eine Grundgesetzänderung wäre das Optimum“, sagt Ax. Doch es geht um mehr als Juristerei. Das Netzwerk will auch ein neues Weltbild fördern, in dem Menschen sich als Teil der Natur begreifen. „Wir glauben, dass die Menschheit überhaupt nur eine Chance hat, wenn sie das Verhältnis zur Natur ganz grundlegend neu denkt“, erklärt Ax. Das bedeutet: weniger egozentrisch, mehr ökozentrisch.
Wir haben nur eine Chance, wenn wir unser Verhältnis zur Natur neu denken.
Internationale Vorbilder für Rechte der Natur
International gibt es bereits Vorbilder: In Ecuador wurden die Rechte der Natur in die Verfassung aufgenommen, in Spanien erhielt das Ökosystem Mar Menor den Status einer Rechtsperson. „Das ist für uns sehr ermutigend“, sagt Christine Ax.
Initiativen in Deutschland: Vom Fluss zur Klage
Auch in Deutschland gibt es bereits konkrete Ansätze: „Es gibt einige Gesetzesvorschläge. Ein Beispiel ist die Pader. Die Stadt Paderborn könnte mit diesem Fluss einen Vertrag machen.“ Durch einen solchen Vertrag hätten Flüsse wie die Pader ein Recht auf Leben und Wiederherstellung. Verschmutzungen könnten so nicht nur nachträglich geahndet, sondern auch präventiv verhindert werden.
Eigene Rechte für die Spree
In einer aktuellen Petition fordert das Netzwerk Rechte der Natur den regierenden Bürgermeister von Berlin auf, der Spree eigene Rechte zu geben. Als juristische Person könne der Fluss besser geschützt werden und Berlin eine Vorreiterin in Sachen Umweltschutz in Europa und weltweit werden.
Gesetzesänderung und gesellschaftlicher Wandel
Das Netzwerk wird seine Arbeit strategisch weiter ausbauen. Hoffnungsvoll blickt das Netzwerk auf Berlin, wo ein Gesetzentwurf zu den Rechten der Spree Teil einer Ausstellung im Humboldt Forum sein wird. Weitere Klagemöglichkeiten, die das Recht bedrohter Gewässer auf Leben und Wiederherstellung anerkennen, sind in der Prüfung. „Die Ostsee zum Beispiel steht kurz vor dem biologischen Tod. Der Schweinswal stirbt aus. Wir haben keine Zeit mehr“, warnt Ax. Trotz der schwierigen politischen Lage bleibt die Vision des Netzwerks klar: Eine Kultur des Neudenkens der Natur und ein Rechtssystem, das sie als lebendige Einheit anerkennt und schützt.
Über das Netzwerk Rechte der Natur
Das Netzwerk Rechte der Natur wurde 2020 von Christine Ax und Dr. Georg Winter gegründet und ist seit 2023 ein Verein. Es zählt rund 50 Vereinsmitglieder und bis zu 300 Engagierte. Diese arbeiten im Netzwerk ehrenamtlich in Treffen, Projekten und Konferenzen an der Verankerung der Rechte der Natur in Deutschland.
www.rechte-der-natur.de
Was versteht man unter „Rechte der Natur“?
Unter „Rechte der Natur“ versteht man den rechtlichen Ansatz, dass Natur-Elemente wie Flüsse, Meere, Wälder oder Ökosysteme nicht nur als Sache betrachtet werden, sondern als Rechtssubjekte mit eigenen Rechten auf Existenz, Entwicklung und Wiederherstellung.
Warum werden Rechte für die Natur gefordert?
Das Netzwerk fordert Rechte für die Natur, weil es einen Paradigmenwechsel sieht: Statt Natur primär als Ressource zu begreifen, soll ihre Unabhängigkeit, ihr Eigenwert und ihre Schutzwürdigkeit vor dem Hintergrund von Klimakrise und Artensterben im Recht verankert werden
Welche Länder haben Rechte der Natur bereits anerkannt?
Internationale Beispiele: In Ecuador wurden Rechte der Natur in die Verfassung aufgenommen; in Spanien erhielt z. B. das Ökosystem Mar Menor den Status einer Rechtsperson.
Wie sieht der Stand in Deutschland mit den Rechten der Natur aus?
In Deutschland gibt es bislang keine vollständige rechtliche Verankerung der Rechte der Natur. Jedoch wachsen Initiativen und zivilgesellschaftliche Forderungen, z. B. über das Netzwerk Rechte der Natur.
Welche Auswirkungen hätte eine Anerkennung der Rechte der Natur im Alltag?
Eine Anerkennung könnte zum Beispiel bedeuten, dass Umweltbelange nicht nur nachträglich behandelt werden, sondern präventiv. Etwa würde ein Fluss nicht nur gegen Verschmutzung klagen können, sondern wäre vor Eingriffen geschützt und das Rechtssystem müsste Natur-Interessen stärker einbeziehen.
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