Die einen sagen „Goldgräberzeiten“ für Zocker, die anderen fürchten um den Wert ihrer Anlagepapiere. Selten waren die Börsenkurse so schwankend wie heutzutage. Die vielen Krisen, ob Krieg, Zollpolitik oder Klimawandel, machen es Menschen, die Geld anlegen wollen schwer – gerade wenn es um nachhaltige Geldanlagen geht. Vor allem die Einflussnahme durch die Politik ist, seit Donald Trump US-Präsident ist, zunehmend unberechenbar geworden. Ein Beispiel: Trump kündigte Anfang April weitere heftige Angriffe auf den Iran an. Während die Hoffnung auf Frieden in der Region sank, stiegen die Preise für Öl und Gas an. Unberechenbare Politik sorgt anhaltend für volatile Kurse an den Börsenmärkten. Erschwerend kommt hinzu, dass der US-Präsident keinen Hehl aus seiner Klimafeindlichkeit macht. Die USA ist erneut aus der Pariser Klimavereinbarung ausgetreten und setzt auch sonst auf fossile Energien. Erst im März hatte die US-Regierung dem französischen Konzern TotalEnergies knapp eine Milliarde US-Dollar rückerstattet, um einen Off-Shore-Windpark zu verhindern. Stattdessen sollte das Geld in Öl und Gas gesteckt werden. Diese fossile Agenda hat Auswirkungen in- und außerhalb des Finanzsektors.
Politische Eingriffe und ihre Folgen
Höhere Energiepreise bedeuten für Unternehmen höhere Produktionskosten. Diese werden häufig an Verbraucher:innen weitergegeben – die Preise steigen, die Inflation nimmt zu. Gleichzeitig sinken Gewinnmargen, was sich wiederum auf Aktienkurse auswirken kann. Besonders energieintensive Branchen geraten ins Wanken.
Auch die Zollpolitik spielt eine Rolle. Wenn Staaten Handelsbarrieren errichten, verteuern sich Produkte, Lieferketten werden unsicherer, Märkte reagieren sensibel. Unternehmen, die stark vom globalen Handel abhängen, sind besonders betroffen. Für Geldanlagen bedeutet das mehr Schwankungen, weniger Planbarkeit.
»Mein Appell: Nicht von rückwärtsgewandten Autokraten entmutigen lassen.«
Allerdings scheint zumindest ein Teil der Finanzindustrie im Tagesgeschäft weiter an Nachhaltigkeitszielen festzuhalten – ohne sich jedoch klar damit zu profilieren. „Nachhaltig denkende Anleger:innen sollten sich von rückwärtsgewandten Autokraten nicht entmutigen lassen und Kurs halten“, appelliert Regine Richter, die bei der zum Finanzsektor arbeitenden Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald tätig ist. Denn heute sei es wichtiger denn je, sein Interesse in Anlageentscheidungen auszudrücken. „Wenn ESG-Themen an den Finanzmärkten weiter Erfolg haben, ist das auch ein Signal an all jene Wirtschaftslenker:innen, die allzu leicht vor Trumps fossilem Wahnsinn einknicken“, so Richter weiter.
Kurz erklärt: Greenwashing oder wirklich ökologisch
Label wie ESG (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) oder SRI (sozial verantwortliches Investieren) sollen Anleger:innen Orientierung bieten – doch ihre Aussagekraft ist eingeschränkt, manchmal sogar irreführend. Denn sie lassen Spielraum für Konzerne mit problematischen Geschäftsmodellen. Diese können nach ESG oder SRI gut bewertet sein, weil sie sich in Teilbereichen verbessern, etwa indem sie sich sozial engagieren. So können zum Beispiel Tech-Unternehmen eine bessere ESG-Bewertung bekommen, indem sie die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeitenden verbessern, gleichzeitig aber Software für Rüstungskonzerne produzieren. Die Datenbank Faire Fonds empfiehlt: „Anleger:innen sollten ESG- und SRI-Kriterien keinesfalls blind vertrauen. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Wo ESG oder SRI draufsteht, steckt nicht zwingend echte soziale oder ökologische Nachhaltigkeit drin. Wer wirklich nachhaltig investieren möchte, ist gut beraten, genauer hinzuschauen.“
Einheitliche gesetzliche Standards gibt es in der EU jedoch noch nicht. Die Offenlegungsverordnung unterscheidet etwa zwischen „hellgrünen“ und „dunkelgrünen“ Fonds, sagt aber noch wenig über deren tatsächliche Wirkung aus.
Fazit: Siegel können helfen, ersetzen aber nicht den eigenen Blick ins Kleingedruckte. Zusätzlich helfen Dienste wie Faire Fonds, die viele Anlageprodukte auf ihre tatsächliche Nachhaltigkeit überprüfen.
Zielkonflikte bleiben
Ökologisch-soziale Geldanlagen setzen genau hier an. Ihr Ziel: Kapital gezielt in Unternehmen und Projekte lenken, die langfristig tragfähig sind. Dazu gehören etwa erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität oder ressourcenschonende Technologien.
Es ist allerdings nicht immer leicht, im Anlage-Dschungel den Überblick zu behalten. Gerade beim Thema Rüstung mehren sich die Stimmen, diese als nachhaltig einzustufen. Sicherheit sei die „Mutter der Nachhaltigkeit“, argumentiert etwa der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Tatsächlich finden sich auch Rüstungsunternehmen in ESG-Fonds. „Widersprüchlich“ findet das Frederike Potts vom Verein Facing Finance, der sich für einen sozial und ökologisch verantwortlichen Umgang mit Geld einsetzt. „Rüstungsproduktion verursacht Umweltschäden, befeuert Konflikte und zerstört Ökosysteme und Infrastruktur, alles direkte Verstöße gegen Umweltziele“, so Potts. Auch die neue ESMA-Richtlinie, die Anleger:innen besser schützen soll, habe das Problem nicht gelöst. Seit Mai 2025 gelten zwar für Begriffe wie „nachhaltig“ im Fondsnamen grundlegende fossile Ausschlüsse; ein erster Schritt. Doch Greenwashing findet weiterhin statt, was zu Fehlinvestitionen führt und den dringend nötigen Wandel hin zu einem zukunftsfähigen Finanzsystem bremst.
Das bieten nachhaltige Finanzprodukte
Dennoch: Anleger:innen können einiges bewirken. „Denn jedes Investment entscheidet mit darüber, welche Unternehmen Kapital erhalten und welche Geschäftsmodelle gestärkt werden“, betont Regine Richter. Gezielte Investitionen können unsere Wirtschaft umweltfreundlicher und sozialer machen, vor allem, wenn das Geld gleichzeitig aus klimaschädlichen Unternehmen abgezogen wird. Es gibt viele gute Alternativen im Bankensektor (siehe Infobox unten), die auch die Türen öffnen für gezielte, nachhaltige Geldanlage.
Warum nachhaltige Geldanlagen Zukunftspotenzial haben
Trotz aller Herausforderungen sehen viele Fachleute nachhaltige Geldanlagen als zukunftsfähig. Denn sie berücksichtigen Risiken, die in klassischen Modellen oft unterschätzt werden, etwa steigende CO²-Kosten oder Klimafolgen. Letztere belasten Rückversicherungsunternehmen bereits massiv. Wer also langfristig denkt, findet hier nicht nur eine Möglichkeit, Werte mit Rendite zu verbinden, sondern auch mehr Stabilität in bewegten Zeiten.
Grün und sozial investieren
Es ist möglich, Geld für sich arbeiten zu lassen und dabei Natur- und Klimaschutz, ökologischen Landbau sowie fairen Handel zu unterstützen. Diese Finanzdienstleister bieten ein grünes Portfolio, vom Fonds über einzelne Aktien bis hin zu ETFs, die verschiedene Wertpapiere bündeln.
Ökoworld
Der Finanzdienstleister Ökoworld bietet Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherung mit ökologischen Kriterien. Eine Übersicht über das Portfolio findet ihr hier.
Oikocredit
Investments bei Oikocredit unterstützen Menschen mit niedrigem Einkommen auf der ganzen Welt. Es gilt: Anlegen mit sozialer Wirkung. Hier geht‘s zu den Anlageprodukten.
GLS
Die GLS Bank ist Deutschlands erste sozial-ökologische Bank. Hier findet ihr einen Überblick über das Anlageportfolio.
Umweltbank
Mit einer Investition bei der Umweltbank könnt ihr Umweltprojekte finanzieren. Einen Überblick über das Anlageangebot erhaltet ihr hier.
Häufige Fragen zu nachhaltigen Geldanlagen
Was ist eine nachhaltige Geldanlage?
Eine nachhaltige Geldanlage berücksichtigt neben der Rendite auch ökologische, soziale und ethische Kriterien. Das Geld fließt möglichst in Unternehmen oder Projekte, die einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leisten.
Sind ESG-Fonds automatisch nachhaltig?
Nein. ESG-Fonds orientieren sich zwar an Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Kriterien. Trotzdem können Unternehmen enthalten sein, deren Geschäftsmodell kritisch gesehen wird. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die konkreten Anlagekriterien.
Woran erkenne ich Greenwashing bei Geldanlagen?
Achtet nicht nur auf Begriffe wie "nachhaltig" oder "ESG". Prüft die Anlagestrategie, Ausschlusskriterien und unabhängige Bewertungen. Auch Plattformen wie Faire Fonds können bei der Einordnung helfen.
Lohnen sich nachhaltige Geldanlagen langfristig?
Viele Fachleute sehen nachhaltige Geldanlagen langfristig als aussichtsreich. Sie berücksichtigen Risiken wie Klimafolgen oder steigende CO₂-Kosten stärker als klassische Investments. Eine Rendite ist dennoch nie garantiert.
Welche Möglichkeiten gibt es für nachhaltiges Investieren?
Neben nachhaltigen Fonds und ETFs bieten auch sozial-ökologische Banken, Direktinvestments oder nachhaltige Altersvorsorgeprodukte Möglichkeiten, Geld verantwortungsvoll anzulegen.
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